i can. you can. borken.


29. Juli 2010

Nicht, dass hier der Eindruck entsteht, das größere Städte gegenüber dem Münsterland nicht so toll wären. Es gibt natürlich auch im Münsterland Provinzlerisches, das ordentlich an den Nerven zieht. Freuen Sie sich mit mir auf den Knaller: I can, you can, Borken!


Im Westfälischen können Schubladen, Fenster oder Schnürsenkel los sein. Umgangssprachlich kann man auch davon sprechen, etwas sei lose. Oftmals wenden Nichtwestfalen hierbei ein, dies sei eine grammatisch falsche Verwendung der Redeweise, etwas sei offen. Das ist aber falsch, da die Verwendung von los der jeweiligen Situation inhaltlich mehr abgewinnt.

Zum einen gibt es die westfälische Aufforderung Mach’ mal dat Fenster los! Auf die reine Handlung ist gemeint, dass das Fenster geöffnet werden soll. Allerdings ist es im Westfälischen so, dass das Fensteröffnen in der Verwendung mit losmachen eine andere ist als in der Verwendung mit öffnen. Ein Fenster kann sich alleine öffnen, es kann sich aber nicht alleine losmachen. Das Losmachen ist eine zweckverfolgende Tätigkeit. Wenn in einem Raum schlechte Luft herrscht oder die Technik eines Fensters untersucht werden soll, so kann man sagen Mach’ mal dat Fenster los! Es ist allerdings nicht gebräuchlich zu sagen, dass Fenster habe sich selbst los gemacht. Hier sagt man Das Fenster hat sich von alleine geöffnet.

Noch etwas anderes ist die Verwendung des Los-Seins. Schnürsenkel können los sein oder lose sein. Hierbei wird ebenso oft eingewendet, es handle sich um eine grammatisch falsche Verwendung der Redeweise von offenen Schnürsenkeln. Aber auch dieser Einwand ist falsch.  Der inbegriffene Gedanke bei einer Feststellung wie Deine Schnürsenkel sind lose ist, dass Schnürsenkel von getragenen Schuhen aus Sicherheitsgründen zu sein sollen. Schnürsenkel von gerade nichtgetragenen Schuhen sind offen, aber nicht lose, denn es ist egal, ob diese in dieser Situation offen sind oder gebunden.

In metaphorischer Hinsicht kann losmachen auch Gegenständen zugesprochen werden. So kann man sagen Das Boot hat sich alleine losgemacht. Damit unterstellt man dem Gegenstand ein gewisses Eigenleben und entzieht sich selbst etwas der Verantwortung, gerade wenn man selbst das Boot am Steg festgemacht hat, so dass es eigentlich nicht wegschwimmen hätte können.

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Ein Freund meines Vaters heißt Horst. Seine Frau Anneliese. Für ihr Auto wollte er ein passendes Nummernschild. Bestehend aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen und seinem Geburtsdatum. Grenzwertig.

Man kommt ja so langsam in ein seltsames Alter, in dem man sich genauer an uralte Zeiten erinnern kann. 1991 war meine Freundin noch gar nicht in Deutschland, als Genesis No son of mine veröffentlichten. Ich erinnere mich noch genau, wie wir das dauernd auf MTV, auf CD vor der eigenen Anlage oder zusammen im Wohnzimmer gehört haben. Für mich war es einer der ersten englischen Songs, der mich, – sagen wir es mal kitschig – sofort ergriffen hat. Tja, und andererseits ist es auch das bisher letzte Genesis-Studio-Album mit Phil Collins und das bald seit 20 Jahren.

düssel under


27. Juli 2010

Gestern hat es heftigst geschüttet in Düsseldorf. Wenn man keinen großen Regenschirm dabei hatte, blieb man besser zuhause. Und das taten dann wohl auch die meisten Düsseldorfer, sofern sie nicht auf der Arbeit steckten. Was mir gestern beim Schlendern durch Düsseldorf by rain auffiel:

Die Straßenbahnen sind unheimlich düster, niemand liest Zeitung oder ein Buch. Das ist in München beispielsweise ganz anders. Da sieht man diverse Zeitungsleser. Freut sich über jemanden, der dieselbe Zeitung liest, über einen Lesefreund im Geiste oder schaut interessiert, was die Abendzeitung titelt. Oder irgendeine überregionale Zeitung. Es werden in München auch gerne mal nichteinheimische überregionale Zeitungen gelesen. Da ist Düsseldorf doch provinzieller als man es gerne hat. Das mag auch an den Zeitungen liegen. Wer schlägt schon gern in der Straßenbahn die WAZ oder die Rheinische Post auf? Dann doch lieber auf dem Handy daddeln.

Genauso ist niemand ist in der Innenstadt auf den Straßen mit dem Fahrrad unterwegs. Man sitzt lieber haltungslos, schluffig in der Straßenbahn und wartet aufs Ankommen. Generell scheint das Fahrrad nur in den kleinen Vorstadteilen und im Park zum Einsatz zu kommen. Sowas irritiert einen Münsterländer ja dann doch etwas. Die Flexibilität, die dieses beschlauchte Gefährt dem sportlichen jungen Menschen von heute bietet, möchte man doch ungern eintauschen gegen das gesackte Zeitabsitzen. Wird man sich wohl an sowas gewöhnen können? Oder bricht man dann doch mit der Kleingroßstadtkultur?

Schon wieder ein paar Tage in Düsseldorf. Gestern war es etwas bedeckt, aber irgendwann ließ sich die Sonne dann doch sehen. Wir saßen am Rhein und taten, was wir immer machten, wenn wir am Rhein sitzen: Wir erfinden Biographien der Vorbeilaufenden.

Zumindest das lässt sich hervorragend vollziehen in der Rheinstadt. Womit für mich allerdings noch nicht ganz geklärt ist, weswegen mir Düsseldorf wie das Bielefeld des Rheinlandes vorkommt. Auch wenn es nicht aus der Welt ist, so zieht es uns Münsterländer kaum dort hin. Nach Köln schon, aber Düsseldorf? Nein, eigentlich weniger. Dennoch halten sich die Düsseldorfer mit gerade einmal 260.000 Einwohnern mehr als Bielefeld für Großstädter. Weil man alles zu Fuß erreichen kann. Klares Zeichen für eine Großstadt, wenn man mich fragt.

Mein kleines Lesterschwein hab ich mal gefragt, ob sie mir als Wahl-Essenerin nicht mal die Affinität von Großstädtern zu Großstädten erklären könne könne:

Ja, das ist einfach so: Die brauchen einfach Beton!

Während meine bessere Hälfte meinte:

Es geht nicht um den Beton, sondern um den Gestank.

Ich forsche weiter.

Neulich sind wir ja zur Bochum Total gewesen. Und auf der Hinfahrt ereignete sich doch eine Situation, in der man sich fast wie in Geiselhaft befand. Die passte irgendwie nicht in den Bochum-Total-Eintrag, deshalb liefere ich das mal nach.

Wir nahmen also am schwülwarmen Samstagabend den Zug nach Bochum und schon am Bahnsteig fiel eine bebrillte Kurzhaarblondine auf, die so stakkatisch in ihn Handy redete als sei es ein Diktiergerät. Ich weiß gar nicht mehr genau, warum sie mir auffiel, aber da ich nicht der Einzige war, dem das unterlief, schaute ich eben auch diese Frau an. Und das, obwohl ich Blondinen eigentlich gar nicht hinterhergucke. Über irgendetwas beschwerte sie sich, soviel war klar, bei irgendeiner Beschwerdestelle. Alle, die das wie ich mitbekamen, fanden es wohl etwas seltsam, derart ungewollt am Gespräch teilhaben zu müssen. So schnell ist man dann in kafkaesken Situationen, man muss nur mal irgendwo am Bahnsteig stehen.

Ich musste, wie gesagt, am Bahnsteig schon unfreiwillig zuhören, denn ich für meinen Teil gehöre zu den Menschen, die sich hörtechnisch nicht einfach aus dem Moment rausziehen können. Mein kleiner Bruder kann das dagegen ganz hervorragend. Neben einem lauten Fernsehgerät und quatschenden Personen kann er noch irgendwelche Berechnungen auf Papier zustande bringen. Mir würde das so nicht gelingen, ich brauche Ruhe. Und mit dieser Macke scheine ich nicht alleine zu sein. Aber ich schweife ab.

Inzwischen war unser Zug eingefahren. Mit meiner Freundin stieg ich in den Doppeldecker ein und wir suchten uns oben zwei Plätze, keinen Vierer, der Zug war ziemlich voll. Wie wir kurz nach Anfahren des Zuges feststellen konnten, war die bebrillte Kurzhaarblondine im selben Abteil. Das hörte man, denn sie hatte ihr Beschwerdegespräch wohl wieder aufgenommen.

Ich möchte eine Tätlichkeit melden!

brüllte sie mit Nachdruck in ihr Telefon. Ich schaute überrascht meine Freundin an. Für einen Moment kommen einem da so leichte Gewissensbisse: Eine Tätlichkeit? Auf dem Bahnhof wohlmöglich? Hätte man der Dame zuhilfe kommen müssen? Hatte man sie verfrüht als Quälgeist ausgemacht? Aber das Gespräch ging ja noch weiter:

Das ist eine große Verschwörung. Die werde ich zur Anzeige bringen. Die Bahn versucht das ja zu vertuschen. Und die Bundesregierung auch. Aber ich werde das öffentlich machen, …

Es klang schon sehr ernst und bedeutsam. Was hatte sich die Bahn wohl neben den kollabierenden Klimaanlagen noch zu Schulden kommen lassen, dass die Bundesregierung beim Vertuschen helfen musste? Endlich kamen wir zum Knackpunkt der Beschwerde:

… dass die Deutsche Bahn flächendeckend DNA spiegelt.

Okay, das klingt sehr meschugge. Aber andererseits – man muss sich das ja nur mal eben als Schäuble vorstellen – andererseits eben so meschugge, dass es auch schon wieder…

Die nehmen das überall ab. Die haben ja viel davon. Und der Andreas Baader hat mir das ja auch schon … hallo? Hallo! Funkloch! Na, warte.

Da schließt sich dann der Kreis: Denn wenn Andreas Baader tatsächlich für die Deutsche Bahn DNA spiegelt, würde ich das als Bundesregierung natürlich auch um jeden Preis vertuschen wollen. Soviel ist verständlich.

Ich mag so kippende Gespräche ja an und für sich. Und ich habe mir auch fest vorgenommen, dass ich irgendwem mal bierernst eine Geschichte erzählen werde und dann nebensächlicherweise fallen lasse, dass eben Andreas Baader aufm Handy angerufen hat. Wird bestimmt witzig, haha. Als ob der meine Handynummer wüßte!

Aber als Beteiligter im Zug ist sowas dagegen schon ganz schön gespenstisch, gerade wenn man in einem engen Zweier die aufgebracht enthüllende Telefoniererin nicht síeht, nur hört. Man verlässt ja auch nicht einfach den Sitzplatz und sucht sich einen anderen, nur weil da jemand lautstark unüberhörbaren Unfug von sich gibt. Sowas macht man ja noch. Nein, man bleibt artig auf seinem Platz, wie man das gelernt hat und muss den Protest mitanhören. Man sitzt das dann einfach aus.

Oh, ich muss aufhören. Das Handy klingelt. Das ist bestimmt der Andreas. Der ist da was Großes am Planen dran.

[ foto: stuck in customs / flickr / creative commons licence 2.0 ]

Schon wieder fühlte sich da jemand von mir durch einen Blogeintrag auf den Schlips getreten. Dass man sich auf den Schlips getreten fühlen könnte, verstehe ich ja noch so halb, aber dann sollte man eben seine Schlipse nicht so lang und breit überall auslegen.

Mich hat eine Mitarbeiterin einer privaten Sendeanstalt angerufen, um über mich herauszufinden, wer sich hinter dem DJ der guten Laune verbirgt. Der solle wohlmöglich in einer Sendung eines prominenten Hausmoderators, der künftig auch bei der ARD arbeitet, auftreten.

Ich war zunächst verdutzt, wie sie denn überhaupt darauf kam, dass ich dazu was sagen konnte. Aber es war wohl so, dass man bei ihrer Firma dachte, weil ich ein Video dieses DJ verlinkt hatte, sei ich auch mit diesem in Verbindung und hätte ein Interview mit ihm geführt.

Noch eindrucksvoller hat mir die Dame zwischen den Zeilen klar gemacht, wie wenig sie von Internet und so versteht. Und eben dieser Umstand, wie unprofessionell Recherche da so von statten geht, in diesem großen Medienhaus, der schien mir berichtenswert.

Das hat dann aber wohl auch die Mitarbeiterin gelesen und mir angedroht, “man” habe noch “andere Mittel” zur Verfügung, wenn ich den Artikel nicht umgehend löschte. Außerdem hätte ich ja durch ein “aufmerksames Lesen der Bild” erkennen können, dass diese Geschichte mit dem DJ der guten Laune und dem großen Sendehaus eh schon wieder kalter Kaffee sei, und ich hätte mir den Artikel, mit dem ich “Profit machen” wolle, sparen können.

Nun habe ich, ehrlich gesagt, keine Lust auf einen Rechtsstreit und weiß auch gar nicht, inwieweit man wahrheitsgetreue Aussagen aus einem Telefonat wieder geben darf oder nicht. Erlogen habe ich mir diese Geschichte nun einmal nicht. Und andererseits habe ich auch niemanden genötigt, mir all diese Einzelheiten auf die Nase zu binden, die dieselbe Person öffentlich nun einmal überhaupt nicht gerne wieder lesen mag.

Ich habe also Teile des Beitrags gelöscht und gehe davon aus, dass die Mitarbeiterin keine Kopie der Seite gemacht hat, so dass eine Klage eh nicht in Betracht kommt. So funktionierte das vorher ja auch schon.

bochum total 2010


19. Juli 2010

Am Samstag sind wir noch nach Bochum zur Bochum total gefahren. War schon rappelvoll, die Innenstadt, so mit 250.000 Besuchern. Da kann man als Veranstalter nicht meckern.

Erst sahen wir einen Teil von Ghinzu, aber in deren Musik muss man sich wohl erst noch reinhören:



Eine Twitterlesung fand wohl auch statt, deren Funken bei uns jetzt aber nicht so übersprang:

Danach kamen wir noch rechtzeitig zum Heulsuspenpop von Livingston


… zogen dann aber Jimix vor, die wenigstens lustige Stimmung unters Volk brachten:


schubladen


pinnwand


regalfächer


wohlproportionierte dosen



hauspost


nachbarn

(zufällig zusammengestellt)

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