In der letzten Woche sind doch ein paar ganz beachtenswerte Artikel erschienen. Ich verweise mal hier auf Andreas Maiers Wetterau ist die Welt. Die Suhrkamp-Leiterin Ulla Unseld-Berkéwicz hatte ja den Umzug des Suhrkamp-Verlages von Frankfurt nach Berlin damit begründet, dass man dort näher am Puls der Zeit wäre und dass ihr verstorbener Mann nun auch diesen Schritt gemacht hätte. Den Frankfurtern stößt damit natürlich irgendwie auf, dass gesagt ist, Frankfurt sei weniger am Puls der Zeit als Berlin.

Maier nun ignoriert Mutmaßungen der Zeitungen, dieser Umzug sei nun einmal sehr geeignet dafür, einen geplanten Stellenabbau zu kaschieren, und konzentriert sich auf den Aspekt der unterschiedlichen Örtlichkeit. Ich finde es ganz interessant, wie er zwar zugesteht, dass Berlin ein künstlerischer Zufluchtsort ist, dass dies aber eher über Flucht als über Kunst aussagt.

Ich persönlich finde diesen Berlin-Hype, den einige unbedingt verbreiten wollen, doch etwas seltsam. Berlin ist für Deutschland nicht das, was bspw. Amsterdam für die Niederlande ist. Persönlich zehre ich aktuell auch intensiver von der Amsterdammer als von der Berliner Künstlerszene. Amsterdam verkörpert eben eher eine Auffassung von Kunst als Möglichkeit, skurile, anregende, angenehme und verstörende Dinge darzustellen. Berlin ist Exil.

Beide Kunstszenen stehen natürlich für Kunst. Aber Berlin bringt halt nur so düsteres Zeugs hervor, wie den Bundesvision Song Contest Gewinner Peter Fox, der betont, wie hässlich Berlin ist und das diese ästhetische Störung doch nicht mit sich bringt, Berlin zu verlassen, man könne nicht ohne. Vertriebenenrap eben oder Getriebenenrap. Es passt schon, wie Maier schreibt, dass viele in Berlin denken, außerhalb Berlins sei das große Nichts.

Nun bestreite ich einen Teil meines Lebens in Bielefeld. Der gemeine Bielefelder muss keinen Rap darüber machen, dass Teile Bielefelds hässlich sind. Das weiss hier jeder. Das führt nicht zu einer Identitätskrise, daraus allein muss hier niemand ausbrechen. Außerdem ist Gütersloh ja noch viel schlimmer. Gut, vielleicht ist die Bielefelder Kunstszene nicht die saftigste. Aber auch in Köln scheint es anders zu sein. Es gibt dort sicherlich auch einen Köln-Hype, der schlägt aber nicht so um sich. Ein Buch wie Tommy Jauds “Vollidiot” kann es sich leisten, auf den Köln-Hype zu verzichten. Es kommt ganz ohne aus und ist einfach nur so scheisse. Geht auch.

Dieser ganze Versuch, die Größe künstlerischer Bemühungen allein an einen Ort zu heften, nicht an den geistigen Aktivitäten von Personen und an die nichtoberflächliche Analyse des Hervorgebrachten, ist ein großer Bluff. Und ich glaube dieser Bluff lähmt ungemein.

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