Sonntag, den 13. November 2016   

henning venske — es war mir ein vergnügen

Hen­ning Venske hat seine Auto­bi­ogra­phie niedergeschrieben, was vielle­icht weniger eine genaue Biogra­phie ist als vielmehr ein Begleit­en der poli­tis­chen Verän­derun­gen in der Bun­desre­pub­lik und des vere­in­ten Deutsch­lands seit dem Krieg. 

Es ist beein­druck­end zu erfahren, wie er als Junge sich aus Stet­tin zu Fuß mit Mut­ter, Tan­te und Brud­er nach Ham­burg durch­schlägt und den­noch eine so muntere Kind­heit und Jugend erfährt. An vie­len Stel­len kommt die Bis­sigkeit des Kabaret­tis­ten Venske durch, sein Auss­chei­den bei der Sesam­staße — woher ich ihn neben Als die Autos rück­wärts fuhren als Kind kan­nte — hat­te wohl auch poli­tis­che Grün­de.

Die Geschicht­en aus den späteren Jahren als Kabaret­tist, den ich aus dem Fernse­hen kan­nte, liefer­te mir nettes Hin­ter­grund­wis­sen zur Münch­n­er Lach- und Schießge­sellschaft. Ein nettes Lesev­ergnü­gen zu einem der Stars mein­er Kind­heit.


Sonntag, den 30. Oktober 2016   

lp — lost on you


Freitag, den 7. Oktober 2016   

michelle steinbeck — mein vater war ein mann an land und im wasser ein walfisch

Lori­beth durch­lebt einen Alb­traum und der Leser wird mitgenom­men. Sie erschlägt schein­bar ein Kind, dass sie in einen Kof­fer packt und mit­nimmt durch eine dystopis­che Traumwelt. Sie ist auf der Suche nach dem Vater, schuld­be­laden und irri­tiert. Das alles fol­gt dem Syre­al­is­mus, den man aus Träu­men ken­nt, der gegen real­is­tis­che Ein­schätzun­gen nicht stand­hält, aber im Traum so wirkt, als seien auch die skuril­sten Sit­u­a­tio­nen nor­mal. Stein­becks Sprache ist ausufer­nd, so wie es für einen Traum nicht unpassend ist, unge­mein vari­abel und niemals platt. Auch auf Witzeleien wird gott­sei­dank verzichtet. Das ergibt am Ende vielle­icht nicht einen ganz großen lit­er­arischen Wurf, aber eine inter­es­san­te Lek­türe.


Mittwoch, den 5. Oktober 2016   

maxim biller — der gebrauchte jude

Max­im Biller ist ein begabter Schrift­steller, dem seine Eit­elkeit etwas im Weg ste­ht, aber das ist eben auch sein Weg. Dieser biographis­che Schmök­er bietet einen inter­es­san­ten Ein­blick in das Leben eines jüdis­chen Schrift­stellers in Deutsch­land, das zwangsläu­fig aneckt und weit­er in Bewe­gung bleibt. An den Stel­len, an denen der Autor intellek­tuell wirken will, ist es allerd­ings eher platt.


Mittwoch, den 5. Oktober 2016   

isa hoes — toen ik je zag

Ich war sehr ernüchtert, als ich vor kurzem erst mit­bekam, dass Antonie Kamer­ling gestor­ben ist. Seine Ehe­frau schrieb dieses Buch über ihr Zusam­men­leben mit Kamer­ling, die Anfänge der Kar­ri­eren der bei­den, das Grün­den der Fam­i­lie und die bipo­lare Störung, unter der Kamer­ling litt und nicht über­winden kon­nte. Der Titel ist der seines größten Hits. Das Buch ist so ehrlich wie bit­ter, weil mehr Fra­gen und Zweifel bleiben, als aus­geräumt wer­den kön­nen. Es ist ein Pro­tokoll des Mitlei­dens und Scheit­erns, des Sich-Übergebens an den Tod und des Stand­hal­tens. Es ist eines der besten Bücher in der nieder­ländis­chen Lit­er­atur der let­zten Jahre.


Mittwoch, den 7. September 2016   

nele pollatschek — das unglück anderer leute

Die Autor­in erzählt schein­bar nahe an ihrer eige­nen Biogra­phie die Fam­i­liengeschichte von Thene, die von soziopathis­ch wirk­enden Eltern großge­zo­gen wird, in Oxford studiert, als plöt­zlich ihre Mut­ter stirbt — was der Anfang allen Unheils ist. Das Buch hat im zick­i­gen Ver­hält­nis zwis­chen Tochter und Mut­ter seine Stärken und die Schwächen dar­in, dass außer der Haupt­fig­ur kein Inter­esse für andere Fig­uren beste­ht. Auch der Umstand, dass die Geschichte ohne Witz erzählt wird, wobei sie im Fol­gen­den real­is­tis­che Sphären ver­lässt, lässt Langeweile aufkom­men.

Die Geschichte ist nah an Ingrid Noll, Anli­na Bron­sky und Ildikó von Kürthy, ver­passt aber, ein gutes Buch zu wer­den, weil es Wen­dun­gen Charak­teren vorzieht.


Dienstag, den 6. September 2016   

Vor ein paar Wochen habe ich ange­mosert, dass so viele Leute, die früher brav und fleißig geblog­gt haben, dies nicht mehr tun. Ich schreibe zwar noch ordentlich ins Inter­net, aber auf meinem pri­vaten Blog hier ist es doch sehr still gewor­den. Das hat etwas damit zu tun, dass ich Lokalkram in das Lokalblog und Pop­kul­turkram in das Über­flüs­sigkeits­blog platziere. Und sicher auch mit dem gewis­sen Unbe­ha­gen, Per­sön­lich­es zu veröf­fentlichen. Wer weiß, wer mitli­est, wer weiß, wer das wann wie wo gegen einen ver­wen­den will. Ein böser Gedanke. Ein feiger Gedanke. 

Aber ein Gedanke, der nach vorne drängt, wenn man Online Ärg­er hat. Kri­tik im früher mal so genan­nten Web 2.0 ist anders als die Kri­tik im Inter­net von früher war: Sie ist oft­mals plump, oft­mals auf kindis­chem Niveu polemis­ch und meist nicht erhel­lend.

Das hat auch damit zu tun, dass man zu viel auf Face­book postet, was dann dort nur snapchatar­tig ver­sick­ert. Face­book will die per­sön­lichen Inhal­te, auch Geschicht­en, aber will sie nur in aktuell. Sie sol­len schnell weg.

Und so kom­men viele Dinge nicht hier­her. Das hat sich zu ändern.


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