Stöbern in "belesenes"
Donnerstag, den 1. Dezember 2016   

christoph ransmayr — cox oder der lauf der zeit

Ich bin immer bei den Ver­ris­sen von Denis Scheck dabei, finde aber das, was er so gut find­et, meist lahm. Da hät­te ich mich drauf ver­lassen kön­nen, als ich diesen Schmök­er las, den er für den möglicher­weise näch­sten Weltbest­seller deutscher Sprache hält. Dabei ist die Geschichte vier­er Uhrma­cher die zum Kaiser von Chi­na reisen, um diesem die außergewöhn­lich­sten Uhren herzustel­len von gewöhn­licher Span­nungsar­mut ohne Tief­gang. Sprach­lich nicht schlecht, aber auch nicht mitreißend, ver­gis­st man die Geschichte bei Zuk­lap­pen des Buch­es. Ich stim­me Jörg Mage­nau zu: “Lei­der alles nur Kulis­se”.


Sonntag, den 13. November 2016   

henning venske — es war mir ein vergnügen

Hen­ning Venske hat seine Auto­bi­ogra­phie niedergeschrieben, was vielle­icht weniger eine genaue Biogra­phie ist als vielmehr ein Begleit­en der poli­tis­chen Verän­derun­gen in der Bun­desre­pub­lik und des vere­in­ten Deutsch­lands seit dem Krieg. 

Es ist beein­druck­end zu erfahren, wie er als Junge sich aus Stet­tin zu Fuß mit Mut­ter, Tan­te und Brud­er nach Ham­burg durch­schlägt und den­noch eine so muntere Kind­heit und Jugend erfährt. An vie­len Stel­len kommt die Bis­sigkeit des Kabaret­tis­ten Venske durch, sein Auss­chei­den bei der Sesam­staße — woher ich ihn neben Als die Autos rück­wärts fuhren als Kind kan­nte — hat­te wohl auch poli­tis­che Grün­de.

Die Geschicht­en aus den späteren Jahren als Kabaret­tist, den ich aus dem Fernse­hen kan­nte, liefer­te mir nettes Hin­ter­grund­wis­sen zur Münch­n­er Lach- und Schießge­sellschaft. Ein nettes Lesev­ergnü­gen zu einem der Stars mein­er Kind­heit.


Freitag, den 7. Oktober 2016   

michelle steinbeck — mein vater war ein mann an land und im wasser ein walfisch

Lori­beth durch­lebt einen Alb­traum und der Leser wird mitgenom­men. Sie erschlägt schein­bar ein Kind, dass sie in einen Kof­fer packt und mit­nimmt durch eine dystopis­che Traumwelt. Sie ist auf der Suche nach dem Vater, schuld­be­laden und irri­tiert. Das alles fol­gt dem Syre­al­is­mus, den man aus Träu­men ken­nt, der gegen real­is­tis­che Ein­schätzun­gen nicht stand­hält, aber im Traum so wirkt, als seien auch die skuril­sten Sit­u­a­tio­nen nor­mal. Stein­becks Sprache ist ausufer­nd, so wie es für einen Traum nicht unpassend ist, unge­mein vari­abel und niemals platt. Auch auf Witzeleien wird gott­sei­dank verzichtet. Das ergibt am Ende vielle­icht nicht einen ganz großen lit­er­arischen Wurf, aber eine inter­es­san­te Lek­türe.


Mittwoch, den 5. Oktober 2016   

maxim biller — der gebrauchte jude

Max­im Biller ist ein begabter Schrift­steller, dem seine Eit­elkeit etwas im Weg ste­ht, aber das ist eben auch sein Weg. Dieser biographis­che Schmök­er bietet einen inter­es­san­ten Ein­blick in das Leben eines jüdis­chen Schrift­stellers in Deutsch­land, das zwangsläu­fig aneckt und weit­er in Bewe­gung bleibt. An den Stel­len, an denen der Autor intellek­tuell wirken will, ist es allerd­ings eher platt.


Mittwoch, den 5. Oktober 2016   

isa hoes — toen ik je zag

Ich war sehr ernüchtert, als ich vor kurzem erst mit­bekam, dass Antonie Kamer­ling gestor­ben ist. Seine Ehe­frau schrieb dieses Buch über ihr Zusam­men­leben mit Kamer­ling, die Anfänge der Kar­ri­eren der bei­den, das Grün­den der Fam­i­lie und die bipo­lare Störung, unter der Kamer­ling litt und nicht über­winden kon­nte. Der Titel ist der seines größten Hits. Das Buch ist so ehrlich wie bit­ter, weil mehr Fra­gen und Zweifel bleiben, als aus­geräumt wer­den kön­nen. Es ist ein Pro­tokoll des Mitlei­dens und Scheit­erns, des Sich-Übergebens an den Tod und des Stand­hal­tens. Es ist eines der besten Bücher in der nieder­ländis­chen Lit­er­atur der let­zten Jahre.


Mittwoch, den 7. September 2016   

nele pollatschek — das unglück anderer leute

Die Autor­in erzählt schein­bar nahe an ihrer eige­nen Biogra­phie die Fam­i­liengeschichte von Thene, die von soziopathis­ch wirk­enden Eltern großge­zo­gen wird, in Oxford studiert, als plöt­zlich ihre Mut­ter stirbt — was der Anfang allen Unheils ist. Das Buch hat im zick­i­gen Ver­hält­nis zwis­chen Tochter und Mut­ter seine Stärken und die Schwächen dar­in, dass außer der Haupt­fig­ur kein Inter­esse für andere Fig­uren beste­ht. Auch der Umstand, dass die Geschichte ohne Witz erzählt wird, wobei sie im Fol­gen­den real­is­tis­che Sphären ver­lässt, lässt Langeweile aufkom­men.

Die Geschichte ist nah an Ingrid Noll, Anli­na Bron­sky und Ildikó von Kürthy, ver­passt aber, ein gutes Buch zu wer­den, weil es Wen­dun­gen Charak­teren vorzieht.


Sonntag, den 13. Dezember 2015   

milena moser — gebrauchsanweisung für zürich

Einen unge­mein unter­halt­samen Kennnlern­schmök­er hat Mile­na Moser da geschrieben. Die gebür­tige Zürcher­in beschreibt ihre Geburtsstadt anek­doten­re­ich und ohne Aus­las­sung der Mack­en ihrer Ein­wohn­er oder den Nachteilen der Stadt. Abgerun­det wird die Run­dreise mit Krim­i­le­setipps und Heimatliebe­bekun­dun­gen einge­sessen­er Zürcher. Eine Stadt, die unmod­ern bleiben will, was den einen oder anderen Leser befrem­den wird. Aber inter­es­sant ist es alle­mal.


Freitag, den 30. Oktober 2015   

ralf schlatter — sagte liesegang

Dieses kleine Büch­lein ist ganz flott geschrieben und han­delt vom just ver­stor­be­nen Seis­molo­gen Alfons Liesegang, der einem Engel seine Lebens­geschichte erzählt. Klang in der Empfehlung von Jess Jochim­sen irgend­wie span­nen­der, mich hat die Geschichte nicht gepackt, gen Ende habe ich auch nicht mehr ganz ver­standen, wer da wie abdriftet.


Freitag, den 23. Oktober 2015   

thomas meyer — wolkenbruchs wunderliche reise in die arme einer schickse

Bei diesem Schinken han­delt es sich um einen schweiz­er Best­seller um einen jun­gen jüdis­chen Stu­den­ten, der sich in eine nichtjüdis­che Mit­stu­dentin verk­nallt — zum Lei­d­we­sen sein­er Mut­ter. Thomas Mey­er gelingt ein vergnüglicher Ein­blick in eine jüdis­che Fam­i­lie in Zürich, wenn auch die Liebesgeschichte etwas überkan­didelt daher kommt. Aber einige sehr gute Lacher sind drin.


Samstag, den 15. August 2015   

walter moers — die 13½ leben des käpt’n blaubär

Dies ist ein Schinken, der schon 15 Jahre in meinem Büch­er­schrank wartete, gele­sen zu wer­den. Das heißt, anfangs habe ich einen Ver­such gemacht, den aber abge­brochen. Ich war Sym­pa­thisant der Fernsehserie, ein Buch in nicht ger­ade kurz­er Form schreck­te mich nicht. Die Serie mochte ich wegen ihres erwach­se­nen­tauglichen Humors. So erk­lärte dort Käpt’n Blaubär mal

Mit Kak­er­lak­en auf dem Schiff ist das so: Siehst du eine — dann sind da noch neu­nund­ne­un­zig andere. Siehst du keine — sind da noch hun­dert.

Wer jet­zt auf Wikipedia schreibt, das Buch sei im Gegen­teil zur Serie auch für Erwach­sene, scheint mir die Serie mis­szu­ver­ste­hen. Man fand und find­et dort immer auch Spitzen, die Jün­gere gar nicht so schnell erfassen, wenn über­haupt.

Der Schmök­er nun an sich befremde­te mich damals: Er war weitaus weniger humor­voll, weitaus mehr auf’s Phan­tastis­che aus. Nicht mein Reiseziel, also wieder ab in den Büch­er­schrank. Und hät­te ich jet­zt nicht das Hör­buch von Dirk Bach zur Ver­fü­gung, ich hät­te das Buch wieder nicht ganz gele­sen, da bin ich mir ziem­lich sicher. Der Schmök­er ist lei­der wed­er geistre­ich noch son­der­lich humor­voll, dafür aus­ge­sprochen ein­fall­sre­ich, bei allen Anlehnun­gen an lit­er­arische Gigan­ten.

Wenn das eher für Erwach­sene, weniger für Kinder sein soll, bleibt doch die Frage: Muss man von Geschicht­en aus­gerech­net den Humor sub­trahieren, um für Erwach­sene zu schreiben?


Seiten:1234567...15»