Mittwoch, den 20. Mai 2009   

40 jahre uni bielefeld, quo vadis?

Die Biele­felder Uni­ver­sität wird in diesem Jahr 40 Lenze alt. Grund genug für die Uni­ver­sität­sleitung, ein Fest zu pla­nen. Dazu hätte man gerne auch eine geistige Auseinan­der­set­zung, eine gewisse Zierde eben. Es wäre doch schön, wenn sich ein Red­ner fände, der die Frage klären kön­nte: Was ist eigentlich der Sinn dieser Uni­ver­sität?

Sowas kön­nte ein Philosoph behan­deln, aber ob sich in der hau­seige­nen Abteilung jemand find­et, der dazu sprechen möchte, ist wohl noch offen. Vor kurzem hat Jür­gen Mit­tel­straß in Biele­feld über die uni­ver­sitätsin­terne Rolle der Philoso­phie gesprochen. Auch kein so ein­fach­es The­ma. Er nahm Kant zu Hil­fe. Das ist vielle­icht etwas ungewöhn­lich für die Rich­tung, aus der Mit­tel­straß kommt, aber es gibt halt auch kaum einen anderen guten Philosophen, der sich damit auseinan­der geset­zt hat. Dem anwe­senden Rek­tor hat’s wohl gefall­en.

Kant set­zt sich im von Mit­tel­straß herange­zo­ge­nen Buch Der Stre­it der Fakultäten eben­so mit der Frage nach dem Sinn ein­er Uni­ver­sität  auseinan­der. Nun ist das sicher­lich, ger­ade für Fach­fremde, keine son­der­lich leichte Lek­türe. Ich bringe Kants Hal­tung mal auf den kleinen, aber ver­ständlichen Nen­ner: Was ist der vor­rangige Sinn der Uni­ver­sität? Wahrheits­find­ung oder Nutzen­max­imierung? Und hier liegt die Biele­felder Crux: Kants Antwort und die, die offen­sichtlich in Biele­feld beherzigt wird, sind grund­ver­schieden. Vielle­icht find­et man ja einen Geist, der bess­er zu Biele­feld passt. Kant ist ein­fach zu links für Biele­feld.

Der präferierte Gedanke zieht sich bis in die philosophis­che Abteilung hinein. Dort ist man besorgt über die gerin­gen Mas­ter-Studieren­den­zahlen. Nach­dem man dort ver­nom­men hat, ich hätte Stu­den­ten emp­fohlen, nicht in Biele­feld Philoso­phie zu studieren, wurde ich ange­sprochen. Ich könne ja ruhig meine eigene Mei­n­ung haben, aber ob ich diese nicht für mich behal­ten könne, wurde ich gefragt[1. Als Stu­den­ten­vertreter muss man sagen: Nein. Man muss nach­fol­gende Stu­den­ten über kri­tis­che Ein­schätzun­gen, über Risiken des bevorste­hen­den Studi­ums natür­lich, möglichst ohne Schwarz­malerei, in Ken­nt­nis set­zen; abge­se­hen davon, dass in diesem Fall die unter­stellte Behaup­tung gar nicht von mir vertreten wurde. ] . Ich bestritt diese Äußerung, wandte mich gegen den Inhalt der Aus­sage, und fragte nach genauem Wort­laut der Anschuldigung und nach Urhe­ber dieser diskred­i­tieren­den Anschuldigung. Dazu erhielt ich keine Antwort. Für wen der Nutzen entschei­dend ist, ist eine Wahrheit­s­analyse eben manch­mal Zeitver­schwen­dung.

5 Mal wollte man mich in diesem Gespräch durch die Aus­sage Geld ist kein Prob­lem zu irgen­det­was motivieren. Als Gewin­ner dieser Unter­hal­tung ver­ließ ich das Gespräch sicher­lich nicht: In ein­er Ord­nung, in der das Cre­do Richtig ist das, was Geld bringt vorherrscht[1. Und machen wir uns nichts vor: Selb­st bei Bewer­bun­gen für Pro­fes­suren in der Biele­felder Abteilung für Philoso­phie ist mitentschei­dend, wieviele Drittmit­tel die Kan­di­dat­en in pet­to haben, Grundge­setz hin oder her. ], wer­den diejeni­gen als Spin­ner ange­se­hen, die ihre Ide­ale nicht verkaufen.  In der darauf­fol­gen­den Qual­itätssitzung saßen dann ger­adezu demon­stra­tiv Stu­den­ten ohne eigene kri­tis­che Mei­n­ung und Ide­ale. Das war den anwe­senden Lehren­den auch irgend­wie nicht recht.

Man kann behaupten, der vorherge­hende Absatz sei mein Nachtreten, meine Genug­tu­ung oder so etwas. Ich kann nur dage­gen­be­haupten, dage­gen­schreiben, dass mein Anliegen ein anderes ist: Mit diesem Absatz wollte ich nur exem­plar­isch dar­legen, was für einige Leute in Biele­feld der Kri­tik schon zuviel ist. Vielle­icht kann man ja daraus einen Uni­ver­sitäts­be­griff strick­en.

mehr Zur Ein­führung von Stu­di­enge­bühren an der Uni Biele­feld: Es muss ein Druck durch Deutsch­land gehen