Der Nach­wuchs hat­te heute geback­ene Kür­biss­cheiben mit Sem­mel­brösel und Parme­san in Olivenöl. Das ist sehr nahrhaft, fliegt weit und klebt an der Tapete. Dass er nicht noch “Kamelle!” beim Wegschleud­ern gerufen hat, war auch alles.

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Heute wieder zwei Stun­den durch die Lan­deshaupt­stadt babygewa­gent. Der Bäck­er wink­te auf­fordernd durch sein Laden­schaufen­ster, weswe­gen ich den Kinder­wa­gen mit der Sicht zum Nach­wuchs ihm hochstem­mend präsen­tiere. Der Bäck­er lacht über­trieben, der Nach­wuchs schaut unin­spiri­ert. Ich zucke mit den Schul­tern, läch­le und schiebe weit­er. Elter­naf­figkeit. Es stürmt. Der Wind lässt den Wagen kip­peln. Es hagelt kurz. Kaum jemand unter­wegs. So mag ich große Städte.

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Wenn ich son­st durch die Lan­deshaupt­stadt schlen­dere, tre­ffe ich kaum jeman­den. Als Baby­wa­gen­schieber trifft man in Regelmäßigkeit Mamis.

Ja, du hier? Wo wohnst du denn?

Da drüben, über dem Bäcker.

Ich wohne da und da.

Ich weiß, das erzählte mir meine bessere Hälfte.

Ach, dann haben wir uns wohl schon darüber unter­hal­ten. Dann habe ich das bes­timmt verpeilt.

Ja, das meinte die bessere Hälfte auch.

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In der Krabbel­grup­pen­mes­sen­ger­gruppe wird gefragt, was man gegen Schmerzen tun sollte, wenn das Kind zah­nt. Es wird sofort auf Medika­mente ver­wiesen. Ich wende ein, dass man es ja erst mit Beißrin­gen und aufge­tupftem Kamil­len­tee ver­suchen kann, statt Medika­mente zu benutzen, von denen ein erwäh­ntes haupt­säch­lich auf Kamille baut. Und die auch vorgeschla­gene Veilchen­wurzel sei halt ein stark­er Keim- und Krankheit­sträger. Ja, deswe­gen würde man die ja inten­siv trock­nen lassen. Was mis­che ich mich auch ein.

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18.36 Uhr. Ding dong Nanu, wer kommt so spät unangemeldet? Kann ja eigentlich nur das Schwiegermonst…

Ich bringe Essen für’s Kind.

Äh, ja danke, wäre nicht nötig gewe­sen. Haben wir jet­zt auch nicht nach gefragt. Ist auch viel zu viel.

Wo ist Kind?

Das schläft.

Und die Mutter?

Daneben.

Ok. Tschüß.

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Gestern das let­zte Karnevals­bier getrunk­en und erfreulicher­weise keine inten­siv­en Nach­wirkun­gen davon heute mor­gen gehabt. Sollte mir vornehmen, weniger zu exper­i­men­tieren, und das Bier zu kaufen, was schmeckt und verträglich ist.

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Seit­dem das Kind geboren ist, habe ich keine Zeit mehr zum Bügeln. Ich habe einen Riesen­stapel Bügelzeug zuhause liegen. Mein Mann kauft sich dauernd neue Hem­den, weil ich nicht zum Bügeln komme.

Jed­er Pott kriegt seinen Deckel.

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Ich suche eine neue Putze. Meine macht nur Böden. Ich bin jedes Mal, bevor sie kommt, den ganzen Tag vorher damit beschäftigt, über­all den Staub wegzuwis­chen. Die Putze mein­er Fre­undin ist auch nichts, bei denen wird der Wein­vor­rat immer weniger, nach­dem die da war.

Wir bräucht­en eine, die nur Staub macht.

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Haben Sie das gehört, was die Dame eben meinte? Wie soll man sich denn mit dem drit­ten Kinder­wa­gen im Ein­gangs­bere­ich der Straßen­bahn son­st platzieren?

Tut mir leid, nicht gehört, ich habe unter­wegs immer Kopfhör­er auf, um solchen Kom­mentaren zu entgehen.

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Regen, durchgängig Regen. Das graue Gewäss­er des Rheins ste­ht ziem­lich hoch. Am Ufer hat die Crown of Suisse angelegt, war bei denen mal was Königlich­es? Und musste es ver­schifft wer­den? Sind die immer noch unter­wegs, so als schwim­mende Enklave?

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Auf dem Rück­weg sehe ich ein Auto, dessen link­er Hin­ter­reifen allein auf dem Bürg­er­steig ste­ht. Das Vehikel sieht aus wie ein zum Pinkeln anset­zen­der Vier­bein­er, der plöt­zlich schock­ge­froren wurde. Wer parkt so ein? Wer parkt so ein und sagt: Ja, super, passt ja genau! Oder ent­fer­nt er sich schle­u­nigst vom Wagen, um den Pas­san­ten­blick­en zu entgehen?

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Der Nach­wuchs kann jet­zt Busse erken­nen und schaut ihnen aus dem Wohnz­im­mer­fen­ster hinterher.

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In der Krabbel­gruppe gibt es ein Krabbelkind, das noch bei jedem Ter­min geheult hat. Es weint auch auf fast allen Fotos, die über die Mes­sen­ger­gruppe reinkom­men. Nur auf einem nicht, da sieht man es ent­fer­nt von den anderen. Es wurde in einen anderen Bere­ich des Zim­mers gebracht, nach­dem es Anze­ichen machte zu heulen. Ich über­lege, eine Foto­samm­lung anzulegen.

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Tante ruft an, lädt zum 85. Geburt­stag ein.

Eigentlich wollte ich ja flücht­en, aber jet­zt hat sich eine Fre­undin für den Tag angemeldet und da mache ich eine Kanne Kaf­fee. Da kön­nt ihr auch kommen.

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Im Schaufen­ster eines Baby­waren­fachgeschäfts ste­ht ein einziger Kinder­wa­gen in petrol aus­gestellt, an dem ein Schild behaftet ist: “Lim­it­ed edi­tion.” Hat wohl Werksfehler.

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Am Rhein kommt mir heute das erste Mal eine Fri­days-for-Future-Schüler­wan­der­gruppe ent­ge­gen. Es wird Wass­er aus Plas­tik­flaschen getrunk­en und auf dem Handy rumge­drückt, während man Plakate (“Man ist das heiß, ich glaub, ich flieg zum Mond!”) unterm Arm gek­lemmt hat, die man wegen des Regens mit großflächig Trans­par­en­tk­le­be­band über­zo­gen hat. Wir brauchen unbe­d­ingt einen Donnerstag-für-Umweltbewußtsein.

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Schwein­sohr ist nicht gle­ich Schwein­sohr. Beim Bäck­er unter uns kostet eins 2,20€, ist aber die 40 Cent, die es mehr kostet als ein immer trock­en- und kle­briges Kamp­sohrschwein alle­mal wert. Der Bäck­er hat keine Schwein­sohren mehr und schenkt mir eine Kirschtasche.

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In der Mamimes­sen­ger­gruppe meldet sich eine Mami und meint, sie wolle nur weit­er Mit­glied der Krabbel­gruppe sein, wenn man bei der Grup­pen­stunde dem­nächst Mama-Work­out macht. Die Mama des Heulkindes meint, ihm mache die Gruppe keinen Spaß.

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Der Nach­wuchs muss zum Pass­fo­toknipsen. Er hat die Nicht­fo­to­gen­ität des Vaters bei Pass­bildern geerbt, zumin­d­est in der Rück­en­lage­fo­tografie. An den dick­en Back­en wird er nicht erkan­nt werden.

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Wir besuchen den Drachen und den Waschbären vor ihrer Reise in den Süden. Der Bär erzählt mir wieder­holt, er habe einen Artikel gele­sen, in dem ste­ht, dass die Israelis eine Pille gegen alle For­men von Krebs entwick­eln. Sie werde näch­stes Jahr mark­treif und teuer. Ich sage wieder­holt, dass ich das bezwei­fle. Er sagt wieder­holt, er auch.

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Der Luxu­skinder­wa­gen wird damit bewor­ben, dass man das Dach kom­plett über das liegende Kind stülpen kann, so dass dieses seine Ruhe habe und Pas­san­ten nicht in den Wagen greifen kön­nten. In der Fußgänger­zone umher­schieben sich zwei Luxu­skinder­wa­gen­paare, die jew­eils das Dach der Anweisung nach vol­lübergestülpt haben. Ich ziehe dem Nach­wuchs bei Bedarf ein­fach die Mütze ins Gesicht.

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Fußgänger­zo­nen­ma­ma zum Sprößling:

Wir gehen jet­zt nach Hause und da schreib­st du an deinem Lese­tage­buch weit­er, egal was die anderen machen. Du musst auch mal weiterkommen.

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Der Nach­wuchs spielt heute begeis­tert mit Plas­tikklötzchen an und auf sein­er Schwimmbadtheke.

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Wir tre­f­fen heute unsre Fre­undin, Dirne Margot.

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Buchver­rissvorher­sage: Heute wird Denis Scheck in druck­frisch den Roman Scharnow von Bela B Felsen­heimer ver­reis­sen, unter dem Hin­weis der Inkom­pe­tenz des Schreibers mit irgend­was wie “Wenn Punk solche Büch­er schreibt, wäre er bess­er tot”.

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Ruhe in Frieden, Marat. Warst ein­er von den Guten.

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Nach­wuchs und ich sitzen am Küchen­tisch, essen selb­st­gemachte Dinkel­stan­gen, hören Ele­ment of Crime und schauen, wie es draußen hagelt.

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Beißkas­tanie.

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Kann man Bar­be­cueketchup nicht ein­fach sel­ber machen, indem man in Cur­ryketchup reinraucht?

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Ich fahre den Nach­wuchs heute zum ersten Mal in der Sportaus­führung des Kinder­wa­gens aus. Weil das Kind jet­zt nach vorn aus­gerichtet sitzt, bemerken es die Pas­san­ten, schauen nach, lächeln. Auf der Nord­straße rauscht ein Mann in noblem Anzug an uns vor­bei, lukt beim Über­holen kurz in den Kinder­wa­gen, schert wieder vor mir in die Spur ein, schaut sich ver­sich­ernd um, lacht, geht weit­er, dreht sich und schre­it mir im gehüpften Rück­wärts­gang zu: 

Er sieht nichts! Er sieht nichts! Hahaha!

Ich ziehe dem Nach­wuchs aufge­fordert füh­lend die Mütze zurück von den Augen auf die Stirn, der Mann sagt lachhüpfend:

Ja, so ist bess­er! Haha!

Ich höre mich verdattert 

Danke!

sagen und er dreht sich nick­end, beschwingt weit­erge­hend nach vorne. Das kleine, schwarze Teufelchen auf mein­er recht­en Schul­ter hält sich das ruck­el­nde Bäuch­lein und bepisst meine Jacke vor Lachen.

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