genau so

Mein Vater liegt im Kranken­haus. Eine Män­nerkrankheit. Bei älteren Leuten im Kranken­haus beschle­icht mich gerne das ungute Gefühl, dass dieser Aufen­thalt ein­schnei­dend sein kön­nte. Dass man aus der Bahn gewor­fen wird. Dieses Mal ver­flog das Gefühl schnell.

Ich komme mor­gens ins Kranken­z­im­mer meines Vaters und er zeigt mir gle­ich seine ver­bun­dene Hand. Nach der eigentlichen Oper­a­tion muss sie wohl beim Bet­ten­trans­port irgend­wie eingek­lemmt wor­den sein. So genau hat das ange­blich kein­er gese­hen. Wäre auch das erste Mal gewe­sen. Mein Vater ist ganz froh, dass er noch in Voll­narkose war, son­st hätte er wohl das Kranken­haus zusam­mengeschrieen, meint er, nach­dem er sah, wie dick seine Hand war. Der Vor­fall wurde als Unfall aufgenom­men, mehr sagte man ihm nicht.

Dann unter­hiel­ten wir uns etwas über Poli­tik, die Sank­tio­nen gegen Rus­s­land, die Kriegs­ge­fahr und das Flugzeu­gunglück in der Ukraine.

Das muss man sich mal vorstellen

so mein Papa,

die knallen da ein­fach 300 Leute aus der Luft. Ein­fach so. Und dann find­en die nicht ein­mal raus, wer das war. Die haben ja bis heute nicht raus­ge­fun­den, wer das war. Das find­en die auch nicht mehr raus.

Er schaut nach­den­klich auf seinen Ver­band.

Wie bei dem da.

Weiterlesen

selfie

Tat­jana:

Sag’ mal, weißt du eigentlich, was ein “Self­ie” ist?

Johan­na (6):

Ja, aber ich nenne das: “Foto von mir sel­ber machen”.

Weiterlesen

hobbymacken

Da sitzt man nichts Bös­es im Sinn habend neben einem Pärchen, als er plöt­zlich meint:

Du hast mich ja geheiratet und wusstest von meinen Hob­bies und so genan­nten Mack­en.

und man denkt sich, meine Güte, rasiert er in seinem Hob­by-Keller kleine Ham­ster und ver­sohlt ihnen den Pöter?

Weiterlesen

lokalwettbude

Wir haben ja in unser­er Straße so ein, zwei Geschäfte, denen eine klare Geschäft­sidee irgend­wie fehlt. Eins davon ist die Wet­tbude. Da war zwar vorher auch eine Wet­tbude drin, aber die Schreiben waren ver­dunkelt, man kon­nte außer durch die Ein­gangstür nicht rein­se­hen. Die Nach­fol­gewet­tbude ist frei ein­se­hbar. Und deswe­gen sieht man auch, dass da bis­lang viel vorhan­den ist, so auf Sportkanäle eingeschal­tete FlatScreens, Getränke, Wet­tan­nah­metheken, aber eben keine Gäste. Immer nur Bedi­en­stete die auf ihre Smart­phones ein­drück­en. Es ste­ht nicht mal von außen irgend­wie dran, was ger­ade anpreisungswürdig bewet­tbar wäre.

Vielle­icht sollte die Lokalwet­tbude mal Lokalwet­ten anbi­eten, so, wer mit wem noch wie lange zusam­men ist, wie lange welche Baustelle noch so bleibt, wo der näch­ste Unfall passiert, was für ein Geschäft als näch­stes eröffnet wird, was als näch­stes schliesst und so. Dann geht da vielle­icht mal jemand rein.

Weiterlesen

epistoliophobie

Den Begriff gibt es nicht als Fachter­mi­nus. Ich weiß nicht mal, ob man ihn so zusam­men set­zt. Jeden­falls meine ich die Angst vor schlecht­en Nachricht­en via Brief, E-Mail oder Voice Mail, nicht ein­fach die Angst vor schlecht­en Nachricht­en. Sowas sollen ja auch Einige haben.

Voice Mail Pho­bie hat­te ich auch. Da habe ich gese­hen, dass irgendw­er mir irgen­det­was auf meine Voice Mail Dings­bums gesprochen hat und ich wollte mir das ums Ver­reck­en nicht anhören. Ich hat­te die Erfahrung, dass man qua­si in Geisel­haft genom­men wird durch der­ar­tige Anrufe, indem der Anrufer elendig weit ausholt, irgendwelche Vor­wurfe oder Aggres­sio­nen unter­bringt und man kann dem nichts ent­geg­nen, man hört ja ger­ade eine Aufze­ich­nung an. Deswe­gen habe ich vor Jahren schlicht die Anruf­beant­worter­funk­tion abgestellt.

E-Mail-Pho­bie kenne ich auch. Ich habe es mir zumin­d­est in Zeitung erwart­bar unan­genehmer Post zur Regel gemacht, über­haupt nur bis Nach­mit­tags E-Mails abzu­rufen. Dass hat enorm entspan­nende Wirkung, ger­ade wenn man sich abends nicht über andere Leute aufre­gen möchte.

Weiterlesen