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Sonntag, den 18. April 2010   

jean-claude izzo: leben macht müde

Diese ist so ein typ­isch franzö­sisch-melan­cholis­ches Büch­lein über Außen­seit­er, also durch­weg etwas defaitis­tisch und schw­er­mütig. Die 6 Geschicht­en auf knapp 100 Seit­en lesen sich schnell und sind von Ronald Voul­lié wun­der­bar über­set­zt. Und irgend­wie ist es auch faszinierend, wie schnell man beim Lesen dieser Geschicht­en mit­ten in einem auswe­g­los erscheinen­den Geschehen steckt.

Lieben ist so etwas wie in den Krieg zu ziehen. Man weiß nicht, ob man lebend zurück­kommt.

Nach weni­gen Wochen wird man schon wieder vergessen haben, was sich hierin genau abspielt, aber irgend­was bleibt hän­gen, so dass man kleine, reizende Déjà-vus bekommt, wenn man nach einiger Zeit nochmal zu diesem Bänd­chen greift.
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Jean-Claude Izzo, Leben macht müde, Unionsver­lag, 7,90€


Samstag, den 10. April 2010   

lesezeichen für den adretten herrn und die geübte hausfrau

Zu jedem Blog gehört ja tra­di­tionell ein Blogroll, sprich eine Linkspalte zu anderen lesenswerten Blogs. Wenn man anfängt zu bloggen, sortiert man eher wahl­los dort Blogs ein, da man — zumin­d­est ich — noch nicht über son­der­lich viel Leseer­fahrung ver­fügt, was Blogs bet­rifft. Unge­fähr so, ergänzt um den einen und anderen Blog, sah dann meine Blogroll auch aus.

Da aber in der Tat ab und an hier Leute mitle­sen, denen Blogs noch ein Buch mit sieben Sigeln sind, habe ich meine Leseze­ichen noch mal gründlich über­ar­beit­et, diverse raus­geschmis­sen, einige hinzugenom­men und alles über­sichtlich­er ange­ord­net. Da waren doch einige dabei, die nichts mehr geschrieben haben oder unin­ter­es­san­ter waren, als ich dachte. Das mag bös­er klin­gen als es gemeint ist, man hat eben nur eine begren­zte Zeit, sich andere Blogs inter­essiert durchzule­sen.

Wen mal die Langeweile plagt, der sollte ein­fach mal rumk­lick­en: Hin­ter den Links ver­steck­en sich lesenswerte Blogschreiber.


Sonntag, den 21. März 2010   

mischa-sarim vérollet — das leben ist keine waldorfschule

Nach Kant hat richtig gute Kun­st immer auch für den Betra­chter das Authen­tis­che, das Für­wahrhal­ten, das Irri­tierende, nicht den Gegen­stand als etwas Erkün­steltes zu erken­nen, an sich.

Und genau damit habe ich auch bei Mis­cha-Sarim Vérol­lets Buch Das Leben ist keine Wal­dorf­schule zu kämpfen. Als reines Lit­er­atur­ob­jekt fällt es bei mir durch. Das Buch ist wenig über­raschend, sprach­lich okay, aber nicht umw­er­fend, es bleibt immer auf dem­sel­ben Niveau, es bewegt den Leser nicht in seinem Inner­sten und sowas. Aber das Buch soll ja auch gar nicht reines Lit­er­atur­ob­jekt sein. Was dann?

Vérol­let ist in lit­er­arisch­er Hin­sicht Slam Poet, das bedeutet, seine Texte erweckt er durch Darstel­lung vor Pub­likum zum Leben. Ihn daher in der oben angedeuteten Lin­ie zu ver­reißen, wäre also so geistre­ich, wie She loves you, yeah, yeah, yeah von den Bea­t­les nur auf Grund des Textge­haltes zu beurteilen.

So sieht man aber gle­ich, dass nach kon­ser­v­a­tiv­er Strickart Vérol­lets Texte arg­wöh­nisch betra­chtet wer­den: Soll­ten gute Texte nicht alleine für sich sprechen kön­nen? Das dür­fen sie gerne, das soll­ten sie bess­er bei heiklen The­men auch. Das müssen sie aber nicht in jedem Kon­text.

So erspielt sich Vérol­let seine Niesche im Lit­er­aturbe­trieb als geschicht­en­erzäh­len­der Fips Asmussen. Das sollte mir nie­mand übel nehmen, auch Fips Asmussen war und ist schließlich enorm erfol­gre­ich. Ich habe mich tot­gelacht, als ich 10 war. Seine Witze für sich sind ohne Auf­führung irri­tierend geist­los, wie Oliv­er Kalkofe gezeigt hat. Das Irri­tierende kommt allerd­ings teils auch daher, dass man weiß, was Asmussen für einen bre­it gestreuten Erfolg hat. Aber den hat er als auftre­tender Kün­stler und durch CDs mehr als als Büch­er­schreiber.

Natür­lich ist Fips Asmussen platt, genau das macht ja auch seinen Witz aus: Die Irri­ta­tion, dass das, was er vorträgt dort ein­fach ist, wo man Kom­plex­eres erwartet. Eben­so ist Vérol­let ein­fach für seine Zuhör­er. Sie find­en sich mit der melodis­chen Sprach­hand­habung Vérol­lets und den unbeküm­merten Geschicht­en schnell angenehm ver­traut, da stört es nicht, das der Buchti­tel nicht son­der­lich neu ist oder die Geschicht­en nie tiefge­hend, allen­falls anzüglich. Und auch die Optik des Buch­es mit dem bun­ten Cov­er und die den Text beglei­t­en­den Zeich­nun­gen ähneln frap­pierend den Taschen­büch­ern von Fips Asmussen.

Dies soll kein Ver­riss sein, nur eine Art, die Qual­ität dieser Kun­st aufzuzeigen: Sein Pub­likum der­art einz­u­fan­gen, schafft längst nicht jed­er.

Über den Gehalt des Buch­es habe ich somit wenig bis nichts gesagt, was mir allerd­ings auf Grund der Form recht­fer­tig­bar erscheint. Inhaltlich beste­ht das Buch aus diversen kurzweili­gen, aufge­hüb­scht­en Selb­st­be­tra­ch­tun­gen in beson­deren All­t­agssi­t­u­a­tio­nen, die sich, zumin­d­est bei mir, nicht ins Hirn ein­bren­nen.


Sonntag, den 21. März 2010   

reinhard marx – das kapital

Wenn man sich ein biss­chen mit Reli­gion und Reli­gion­sphiloso­phie auseinan­der­set­zt, kommt man nicht umhin, sich auch mal die aktuellen Schinken der katholis­chen Hirten anzuse­hen. Vorgenom­men habe ich mir mal Das Kap­i­tal von Rein­hard Marx, dem Erzbischof von München und Freis­ing.

Das Buch ist unge­fähr so wie Rein­hard Marx: Sym­pa­thisch, geschwätzig, nicht über­wis­senschaftlich, anek­doten­re­ich, ein­heitschaf­fend. Es bein­hal­tet aber inter­es­san­ter­weise in poli­tis­ch­er oder philosophis­ch­er Hin­sicht alles, was man heute an der Katholis­chen Kirche kri­tisieren mag.

Rein­hard Marx begin­nt sein Buch mit einem Brief an Karl Marx, in dem er gle­ich seine Überzeu­gung fest­stellt, dass Karl Marx nach seinem Tode wohl inzwis­chen davon überzeugt sein müsse, dass Gott existiere. Rein­hard Marx macht es so seinen Lesern von Beginn an schwierig, ihn für voll zu nehmen. Es ist ander­er­seits ein­fach eine Form von Respek­t­losigkeit, anderen Men­schen irgendwelche Behaup­tun­gen unterzu­jubeln, nur weil diese Men­schen nun tot sind, und sich nicht mehr dage­gen wehren kön­nen. Das hat­te auch schon Wal­ter Nigg in “Friedrich Niet­zsche” so getan, wo er behauptet, hätte Niet­zsche nur etwas unaufgeregter nachgedacht, wäre er überzeugter Evan­gele gewe­sen. Ich glaube dies alles nicht.

Unterm Strich spielt Rein­hard Marx ein­fach das, worunter er Karl Marx ver­ste­ht, gegen die Katholis­che Soziallehre aus. Es ist ein Aufeinan­dertr­e­f­fen ein­er Lehre auf eine Philoso­phie. Das Prob­lem ist nur, dass die Lehre lediglich geglaubt wer­den muss, nicht überzeu­gend begrün­det wie eine Philoso­phie sein muss, um akzept­abel zu sein. Wobei in diesem Zusam­men­hang zu beacht­en ist, dass für Rein­hard Marx das, wofür Karl Marx ste­ht, ein­fach nur Skep­tizis­mus ist: Das Angreifen von Din­gen, die für Werte gehal­ten wer­den.

Diese Werte entstam­men alle dem Chris­ten­tum, meint Detlef Horster, auf den sich Rein­hard Marx als Seg­nung durch einen Philosophen bezieht (S. 59). Dies ist über­haupt eine eigen­tüm­liche Beleg­meth­ode von Richard Marx: Das Her­anziehen der Mei­n­ung eines großen Geistes als Ersatz für die Begrün­dung ein­er eige­nen Mei­n­ung. Fast schon gön­ner­haft geste­ht Rein­hard Marx der Philoso­phie der Aufk­lärung zu, dass sie Begrün­dun­gen für moralis­che Werte geliefert habe, dass aber diese Werte eben schon vorher bestanden haben. Offen­sichtlich ist es Rein­hard Marx ein Anliegen zu zeigen, dass das Vorhan­den­sein von Werten wichtiger ist als das Begrün­det­sein von Werten.

Nicht nur die Soziallehre der katholis­chen Kirche wird somit in diesem Buch gegen Karl Marx aus­ge­spielt, eben­so grundle­gen­der ein katholis­ch­er Fun­da­men­tal­is­mus gegen objek­tive Begrün­dun­gen, worunter man Philoso­phie ver­ste­hen kann.

Die katholis­che Soziallehre sieht in Marx ihren größten Geg­n­er sie bezeugt ihm ihren Respekt.” (Oswald von Nell-Bre­un­ing (S. 32))

Wie großzügig. Die katholis­che Soziallehre kennze­ich­net sich durch eine Weltan­schau­ung, in der Indi­viduen durch Sol­i­dar­ität und Sub­sidiar­ität miteinan­der ver­bun­den sind (S. 95). Ein jedem seien poli­tisch und wirtschaftlich alle Frei­heit­en gegeben, solange sie in einem moralis­chen Ein­klang und in Unver­let­zung der Rechte ander­er möglich sind. Marx meint offen­sichtlich, dass dies schlichte Motiv ein­er aus­gear­beit­eten Philoso­phie gle­ichkommt, diese gar über­trifft. Eine irgend­wie gestal­tete Begrün­dung gibt es in Rein­hard Marx’ buch für die katholis­che Soziallehre näm­lich nicht: Sie ist ein­fach bess­er als alles andere.

Und weil man nach Rein­hard Marx auch ange­blich denkt, dass Reli­gion nicht nur Pri­vat­sache sei, son­dern dass Kirche eine gesellschaft­spoli­tis­che Auf­gabe habe (S. 63) gäbe es den Reli­gion­sun­ter­richt in Deutsch­land in der vor­liegen­den Form. Dies ist aber schlicht falsch. Die Ein­bindung der evan­ge­lis­chen und der katholis­chen Kirche in den Staat geht auf einen Pakt mit Hitler zurück, nicht auf ein Fürguthal­ten eines Staat­slenkers.

Aber diese eigen­willige Ansicht Rein­hard Marx’ fügt sich gut in sein Welt­bild: Die Kirche, und das heißt bei ihm eben die katholis­che, ist die Insti­tu­tion der Moral (S.62): Ihr Richt­platz. Ohne Kirche ist Moral für Rein­hard Marx wohl schutz- und wehr­los allen Übeln in der Welt aus­geliefert. Rein­hard Marx fühlt sich zudem in Übere­in­stim­mung mit Immanuel Kant, was sein Men­schen­bild bet­rifft (S. 174, Anmerk.: Kant wird über­haupt gerne von Geistlichen als Gewährs­mann vere­in­nahmt ohne auf seine Reli­gion­skri­tik einzuge­hen) und eben­so in Übere­in­stim­mung mit Karl Marx, was dessen Bild von der Fam­i­lie als Geburt­sort von Moral ange­ht: Für Marx sei die Fam­i­lie wichtig­ster Ort der Wertev­er­mit­tlung, daher sei Fam­i­lien­poli­tik wie Bil­dungspoli­tik vorauss­chauende Sozialpoli­tik.

Das kann man nun unhin­ter­fragt so ste­hen lassen oder hin­ter­fra­gen. Bei let­zterem ist man sich sel­ber aber Philosoph, und das für viele zwangsläu­fig. Denn beim Stich­wort Fam­i­lie muss man ja bei der katholis­chen Kirche immer sehen, dass Schwule keine Fam­i­lie sind. Eine Fam­i­lie ist Mama & Papa, nicht die wilde WG-Lebens­ge­mein­schaft wie in den 68ern. Die haben ja für die katholis­che Kirche die sex­uellen Auswüchse neueren Datums mit zu ver­ant­worten. Die Soziallehre der katholis­chen Kirche lässt völ­lig unbeant­wortet, warum man sich nicht ein­fach durch eine ver­traute Bezugsper­son eben so gut moralisch entwick­eln kann, wie durch ver­heiratete Eltern. Und ob es ger­ade an dieser Stelle nicht eben doch viel mehr auf ver­ständliche, begrün­dete Ver­mit­tlung von moralis­chen Ver­hal­tensweisen ankommt als auf Werte-Tra­di­tion.

Man begeg­net in diesem Buch Rein­hard Marx an den Stellen, die den Men­schen an der katholis­chen Kirche so unheim­liche Prob­leme bere­it­en. Man find­et aber als Reak­tio­nen darauf nur fun­da­men­tal­is­tis­che Durch­hal­teparolen vor, die für sich genom­men nicht überzeu­gen. Aber das sollen sie ja auch nicht.


Sonntag, den 28. Februar 2010   

greenwashing oder: lügen bis das image stimmt

Dieses kleine Büch­lein ist derzeit eigentlich ein Must-have. Toralf Staud, Grün­der des Blogs Wir Kli­maret­ter, ver­fol­gt die Außen­darstel­lun­gen divers­er Fir­men, die mit einem grü­nen Image punk­ten wollen und das Gegen­teil tat­säch­lich vertreten.

Einige Dat­en dieses 2009 erschiene­nen Buch­es kom­men dem Leser schnell ver­al­tet vor, aber alleine dafür, ein­mal einen Blick hin­ter die Werbe­strate­gien einiger Fir­men wer­fen zu kön­nen, macht dieses Buch zu einem kleinen Schatz.

mehr: Kli­ma-Lügen­de­tek­tor


Donnerstag, den 25. Februar 2010   

was bringt es, tausend kilometer zurückzulegen, wenn du bequem zu hause scheitern kannst?

try {new DMRWidget(‘9783630621746’, ‘bgcolor=dde7f5,clickTeaser=hover,buyButton=no,https=yes’);} catch (e){} // … ste­ht auf der Rück­seite von Diego de Sil­vas Ich habe nichts ver­standen und ist ein Zitat, das noch nicht mal aus dem Buch stammt. Links habe ich mal so eine Voran­schau des Buch­es einge­fügt (möglicher­weise im Feed nicht anschaubar), wer da links unten auf das Zeichen klickt, kann die ersten Seit­en schon mal anschmök­ern.

De Sil­va ist sel­ber Anwalt in Ital­ien und man merkt, dass der Erzäh­ler sich in diesem Meti­er doch ganz gut ausken­nt. Der Erzäh­ler ist ein rechter Chaot, schlägt sich mehr schlecht als recht als Anwalt durch, ver­sucht mit der Tren­nung von sein­er Frau klar zu kom­men, begin­nt eine Beziehung mit dem heißesten Feger im Gerichtswe­sen und weiss am Ende zumin­d­est, was er nicht will. Das Buch ist vielle­icht nicht die ganz große Erzäh­lung, aber es ist intel­li­gent und witzig, an eini­gen Stellen zumin­d­est.

Ich habe das Buch im Zug gele­sen. Mir gegenüber saß ein älter­er, südlich wirk­ern­der Mann, der mein Buch betra­chtete. Das ist nichts ungewöhn­lich­es im Zügen: Men­schen schauen gerne, was andere lesen und denken sich, wieso und warum der da das da ger­ade wohl liest. Mich fragte der Mann, ob der Hund auf dem Cov­er eine beson­dere Rolle im Buch spielt:

Das wäre bes­timmt eine sehr lustige Geschichte. So ein klein­er Hund mit Son­nen­brille, der durch die Welt spatziert, alles beobachtet durch seine Brille, aber nicht ver­ste­ht, warum alles jet­zt unbe­d­ingt so ist und nicht anders.

Hm. Nein, der Hund spielt keine Rolle. Er kommt so wenig vor wie das Zitat auf der Rück­seite.


Dienstag, den 5. Januar 2010   

ein kind, das heute verhungert, wird ermordet

Ich komme erst jet­zt dazu, die im Dezem­ber erschiene, neue Aus­gabe von fluter zu lesen. Und wieder ist sie ganz her­vor­ra­gend, nicht nur für Jugendliche. Diese Aus­gabe behan­delt das The­ma Essen und man streift dabei die Unterthe­men richtige Ernährung, Unter­ernährung, Fet­tleibigkeit, aber auch Welthunger.

In einem Inter­view erk­lärt Jean Ziegler den Zusam­men­hang von Finanzkrise und ver­hungern­den Kindern. Da verge­ht einem schon ein­mal der Appetit.

fluter: Laut World Food Report stirbt alle fünf Sekun­den ein Kind unter fünf Jahren an Hunger und damit ver­bun­de­nen Krankheit­en. Alle vier Minuten ver­liert jemand das Augen­licht wegen Vit­a­min-A-Man­gel. Seit April 2009 sind zum ersten Mal über eine Mil­liarde Men­schen weltweit schw­erst unter­ernährt, obwohl die Welt reich wie nie zuvor ist. Wie kommt es zu diesem Wider­spruch?

Jean Ziegler: Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Am 12.10.2008 kamen die Staatschefs der EU in Paris zusam­men und verkün­de­ten, dass es zur Bekämp­fung der Finanzkrise 1.700 Mil­liar­den Euro neue Bankenkred­ite und Bürgschaften geben wird. In den zwei Monat­en danach wur­den die Beträge für die Nahrungsso­forthil­fe um 41 Prozent gekürzt, weil kein Geld mehr für das World-Food-Pro­gramme der UN da war, dessen Bud­get von sechs Mil­liar­den Dol­lar Ende 2008 auf unter vier Mil­liar­den fiel.

fluter: Wollen Sie damit sagen, dass die Bankenkrise die Sit­u­a­tion der Ärm­sten ver­schlim­mert hat?

Jean Ziegler: Das kann man dur­chaus so sehen. In Banglade­sch hat es dadurch von einem Tag auf den anderen für eine Mil­lion Kinder keine Schul­speisun­gen mehr gegeben, dabei ist das Essen in der Schule für diese Kinder die einzige anständi­ge Mahlzeit am Tag.

Das ganze Inter­view gibt es hier als pdf.


Donnerstag, den 17. Dezember 2009   

weihnachtsbüchertipps 2009

Noch ist ja etwas Zeit, das eine oder andere kleine zusät­zliche Wei­h­nachts­geschenk ohne Stress zu besor­gen und häu­fig greift man dabei ja auch zu Büch­ern. Das finde ich auch gar nicht schlecht, denn wenn man den Geschmack der oder des Beschenk­ten trifft, hat man lange was davon.

Daher mal hier eine kleine Liste ver­schenkenswert­er klein­er Büch­er:

Tomasz Rózy­c­ki — Zwölf Sta­tio­nen
Der neue Shoot­ingstar aus Polen liefert eine sehr schön beschriebene über einen namen­losen Helden der unver­mit­telt die Auf­gabe bekommt seine schle­sis­che Fam­i­lie, die durch Verzug oder Vertrei­bung in ganz Polen ver­streut ist, zusam­men zu trom­meln. Der Druck des Buch­es ist etwas eigen­willig, daher ist das Buch eher etwas für geübte Leser.

Diego De Sil­va — Ich habe nichts ver­standen
Der neapoli­tanis­che Anwalt De Siva liefert hier­mit eine sehr witzige und dur­chaus Span­nende Mafia- und Anwalts­geschichte ab. Knapp 360 Seit­en witzige Unter­hal­tung.

Ali­na Bron­sky — Scher­ben­park
Der schon hier beschriebene, sehr tem­pera­mentvolle Roman der Frank­fur­terin ist passend zum Wei­h­nachts­geschäft auch als Taschen­buch erhältlich.

Ste­fan Schwartz — Ich kann nicht, wenn die Katze zuschaut
Es gibt Büch­er, die kauft man schon alleine wegen des Titels, und dieses ist dazu noch aus­ge­sprochen lustig. Mit etwas Glück kann man es noch rechtzeit­ig irgend­wo besor­gen.

Matthias Sachau — Schief gewick­elt
Sehr lustiger Papa-Roman, aber vielle­icht doch eher für den ger­ade am Anfang sein­er Stra­p­atzen ste­hen­den Fam­i­lien­vater. Für den allerd­ings ein Muss.

Mr. Monk goes to Ger­many
Dur­chaus unter­halt­same, seichte Krim­ikost mit dem etwas tatschfreudi­gen TV-Ermit­tler. Kostet immer so um die 6€.

Haru­ki Muraka­mi — Kaf­ka am Strand
Dieses nicht ganz dünne Büch­lein gibt es aktuell in ein­er sehr schö­nen kleinen, gebun­de­nen Aus­gabe für ger­ade mal 11€.

Für Kinder

Hein­rich Han­nover — Das Pferd Hup­pdi­wupp und andere lustige Geschicht­en

Nach langer Zeit gibt es endlich wieder eine Auflage des Klassiers von Hein­rich Han­nover. Die sich ein­bren­nen­den Geschicht­en wie “Mücke Pieks am Tele­fon” oder eben dem Pferchen Hup­pdi­wupp sind ganz her­vor­ra­gend zum Erzählen für Kinder ab so 2 Jahren geeignet. Die Sprache ist leicht und in sofern ist das Büch­lein nicht so schwierig wie die Geschicht­en von Janosch.


Montag, den 19. Oktober 2009   

stieg larssons verblendung

Stieg Larssons Verblendung hab ich inzwis­chen durch, fand den Schmök­er aber span­nungsarm und 300 Seit­en zu lang. Das Hör­buch von Diet­mar Bär ist ganz lustig. Die Ver­fil­mung halt ein etwas besser­er ZDF-Son­ntagabend-Kri­mi, wobei die Fig­uren eigentlich eine andere Psy­cholo­gie aufweisen, die etwas ver­störend ist, wie ich finde:

Der Haupt­darsteller ist Ende, nicht Anfang 40 und ich finde, das sieht man ihm auch an. Insofern passt er mein­er Mei­n­ung nach nicht zu Lis­beth. Und dass die später auftre­tende Har­ri­et Vanger 15 Jahre älter sein soll, neee, das passt nicht. Lis­beth bringt Mar­tin Vanger auch eher halb­wegs um, auch komisch.

Also eigentlich muss man die Sto­ry anders denken als die des Buch­es, das finde ich etwas selt­sam, zumal es wenig bringt. Lis­beth ist gut  getrof­fen und her­vor­ra­gend gespielt, der Rest alles nur unspan­nend durch­schnit­tlich, aber für einige Gemüter scheint das doch ganz toll zu sein.


Samstag, den 17. Oktober 2009   

gelotophobie oder vom mit- und über-einen-lachen

In ein­er Unter­suchung sind aus 73 Län­dern 22610 Per­so­n­en befragt wor­den, um her­auszufind­en, ob sie unter Gelo­to­pho­bie lei­den, von griechisch gelos, “lachen,” und pho­bos “Angst,” das ist die Angst, dass über einen gelacht wird. Die Unter­suchung, die von einem schweiz­er Team aus Zürich geführt wurde, wurde nun im Jour­nal of Humor Research pub­liziert.

Sci­ence Dai­ly berichtet über die Unter­suchung, dass die Unter­schiede schon spür­bar seien: Während in Finn­land nur 5% unter dieser Angst lei­den, sind es in Thai­land bis zu 80%.

Gemäß der Experten könne man Men­schen in zwei gegen­sät­zliche Grup­pen einord­nen:

a) Die “unsich­er Reagieren­den”, das sind diejeni­gen, die vor anderen ihren Man­gel an Selb­stver­trauen ver­ber­gen wollen oder glauben, man selb­st sei halt unfrei­willig komisch) und die “ver­hin­dernd Reagieren­den”, das sind diejeni­gen, die Sit­u­a­tio­nen ver­hin­dern wollen, worun man aus­gelacht wer­den kann.

b) Die Gruppe der­jeni­gen, bei denen die Einzelper­so­n­en denken, wenn in eine Gruppe über etwas gelacht wird, dann sei man selb­st der Aus­lös­er, es wird über einen selb­st gelacht.

Auch wenn dieses Phänomen in allen Kul­turen auf­taucht, zeigt die Unter­sichung, dass es bes­timmte Unter­schiede gibt. Län­der wir Turk­menistan und Kam­bo­dia sind in der ersten Gruppe klar zu verorten, während Per­so­n­en im Irak, in Ägypten und im Jor­dan wesentlich inten­siv­er damit beschäftigt sind, Sit­u­a­tio­nen zu ver­mei­den, in denen über einen selb­st gelacht wer­den kann. In Spanien neigt man dazu, verun­sichert zu reagieren.


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