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Mittwoch, den 14. Oktober 2009   

thalia am pranger

Also ich bin schon beein­druckt, was die Süd­deutsche Zeitung in let­zter Zeitung für Eisen anpackt, wie sie das tut und dass sie dabei Ross und Reit­er nen­nt. Genau­so wie heute mit diesem Artikel über die Krise von Buch­händlern:

Welche Lit­er­atur in den Laden­re­galen ste­ht und bewor­ben wird, das liegt immer sel­tener in der Hand der Ver­lage. Die Buch­welt klagt zwar stets über das Inter­net. Doch inzwis­chen ist klar, dass es zur Zer­störung ein­er ganzen Branche kein­er neuen Medi­en bedarf: Ein Konz­ern wie Thalia besorgt das auf seine Weise.

Es ist noch nicht so weit gekom­men, dass Ver­lage bei der Unter­hal­tung von Buch­lä­den Unter­stützung leis­ten, aber was sie finanziell rein­but­tern, ist schon erschreck­end:

15 000 Euro kostet ein Titel im Wei­h­nacht­sprospekt 2009. Der Preis für ein “Thalia-Buch des Monats” liegt bei 50 000 Euro. Dafür haben die Ver­lage die Gewähr, dass diese Titel erstk­las­sig sicht­bar präsen­tiert wer­den. Alle anderen, ausgenom­men solche, die schon Best­seller sind, ver­schwinden dage­gen im Regal, wo sie kaum wahrgenom­men wer­den. Und daher beze­ich­net Herr Frisch (Thalia, Anmerk.) jene Sum­men, die offiziell Wer­bekosten­zuschüsse heißen, schlicht als Ein­tritts­gelder. Man muss sie zahlen, wenn man da, wo ras­ant verkauft wird, vertreten sein will.

Ver­lage müssen für ihre Schrift­steller also Ein­tritts­gelder berap­pen, damit diese bei Thalia ange­priesen wer­den. Das hat man auch schon anders aus­ge­drückt. Der wirtschaftliche Druck zeigt erste Ergeb­nisse:

800 der einst fast 5000 Buch­hand­lun­gen im Lande haben in den let­zten zehn Jahren zus­per­ren müssen; die Ket­ten steigerten im sel­ben Zeitraum ihren Mark­tan­teil ums Dop­pelte auf fast 30 Prozent.

Der Qual­ität der Lit­er­atur nützt das nichts:

Die Best­seller näm­lich wer­den durch das Vorge­hen der Ket­ten immer best­sel­leriger, der große Rest fällt immer schneller aus den Regalen in die Vergessen­heit. Heute verkauft die Frau Jelinek, und sie und ihr Haus bür­gen für Qual­ität, von jed­er fün­ften ihrer Roman-Novitäten weniger als 1000 Exem­plare. Vor zehn Jahren waren solche Flops noch zu ver­nach­läs­si­gen. Was das alles fürs Leben & Ster­ben der eigentlichen Pro­duzen­ten, der Schrift­steller, bedeutet, liegt auf der Hand.


Dienstag, den 6. Oktober 2009   

michael buback – der zweite tod meines vaters

- Am 20. August 2009 wurde seit­ens der Bun­de­san­waltschaft das Auffind­en von DNA-Spuren Ver­e­na Beck­ers am Beken­ner­schreiben zum Mord an Gen­er­al­bun­de­san­walt Buback bekan­nt gegeben. Daraufhin wurde ihre Woh­nung durch­sucht.[1]

- Am 27. August 2009 wurde Ver­e­na Beck­er auf­grund des drin­gen­den Tatver­dachts, am Mor­dan­schlag auf Siegfried Buback beteiligt gewe­sen zu sein, festgenom­men.

- Am 28. August 2009 wurde ein Haft­be­fehl gegen sie erlassen.[2][3] Im Zuge der neu aufgenomme­nen Ermit­tlun­gen bestätigten sich frühere Berichte, dass Ver­e­na Beck­er als Infor­man­tin für das Bun­de­samt für Ver­fas­sungss­chutz tätig gewe­sen war.[4]

Der Fall Buback ist wohl ein­er der merk­würdig­sten in der Geschichte der deutschen Bun­de­san­waltschaft. Der Vor­wurf seines Sohnes Michael Buback an offizielle Stellen ist nicht von Pappe: Die ehe­ma­lige RAF-Ter­ror­istin Ver­e­na Beck­er wurde bei der juris­tis­chen Aufar­beitung des Mordes aus der Schus­slin­ie genom­men, obwohl Indizien darauf hin­deuten, dass sie selb­st den Abzug betätigte. So kann man es in der jet­zt erschiene­nen, erweit­erten Aus­gabe Der zweite Tod meines Vaters von Michael Buback nach­le­sen.

Das Buch ist äußerst lesenswert, weil man einem intel­li­gen­ten Men­schen in die Küche schauen kann, wenn er logis­che Bezüge zwis­chen Fak­ten her­stellt, kon­trol­liert, bei­seite schiebt oder eben zum Vor­wurf erhebt. Im Raum ste­ht dabei, dass Buback sich als Ver­schwörungs­the­o­retik­er auf­spielt, aber es wäre ver­messen, diesen Vor­wurf auf das ganze Buch auszus­treck­en. Es ist allerd­ings bspw. bei der Her­anziehung des Ohne­sorg-Falls unsauber argu­men­tiert, von diesem Fall bezüge auf Ermit­tlun­gen im Buback-Fall zu ziehen. Das wider­strebt dem anson­sten logis­chem Vorge­hen Michael Bubacks. Dies führte ihn zu der sich nun als richtig her­aus­gestell­ten Ver­mu­tung, Beck­er habe für den Ver­fas­sungss­chutz gear­beit­et.

Die Bun­de­san­waltschaft glaubt wohl immer noch nicht, dass es Beck­er gewe­sen ist, die vom Soz­ius­sitz des Tat­mo­tor­rads aus Siegfried Buback und seine zwei Begleit­er schoß. Aber es sind wohl auch die drän­gen­den Nach­forschun­gen Michael Bubacks gewe­sen, die den Fall juris­tisch neu aufleben lassen. Beck­er, die mit der Tat­waffe 3 Wochen nach dem Mord einen Polizis­ten schw­er ver­let­zte, war bei einem Tele­fonge­spräch mit Brigitte Mohn­haupt abge­hört wor­den, in dem sie sagte, dass sie keine Unan­nehm­lichkeit­en im Fall Buback erwarte, da die Sach­be­weise fehlten, “außer die Beken­ner­briefe”. Und eben darauf fand man nun Fin­ger­ab­drücke Beck­ers.

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weit­er:
hintergrund.de
Ver­schlus­sache Beck­er
Nils Minkmar
Die Ein­samkeit des Michael Buback
Hans Leyen­deck­erDas Mäd­chen Ver­e­na


Samstag, den 26. September 2009   

ode an die wahlenthaltung

Gabor Stein­gart hat in diesem Jahr zwei Büch­er mit etwa gle­ichem Inhalt veröf­fentlicht: “Die Macht­frage — Ansicht­en eines Nichtwäh­lers” und “Die gestoh­lene Demokratie”. Das erste kostet 15, das let­ztere 9 €, wen das inter­essiert, kann zur gün­stigeren Vari­ante greifen, so unter­schiedlich ist der Gedanken­gang Stein­garts nicht. Im Wesentlichen sind es zwei Punk­te, für die Stein­gart argu­men­tiert:

1. Die Wahlen­thal­tung ist in ein­er Demokratie eine der möglichen Wahlentschei­dun­gen und als solche nicht zu bean­standen.

2. Es ist nicht so, dass Wahlen­thal­tun­gen die “Falschen”, sprich: die Recht­en, stärken.

Diese bei­den Argu­mente gewin­nt Stein­gart lock­er, schwimmt damit allerd­ings, und das ist das Inter­es­sante, gegen einen poli­tis­chen Main­stream an. Stein­gart plädiert dafür, den Parteien eben nicht seine Stimme zu geben, wenn einem das Poli­tikange­bot nicht passt. Und in dieser Hin­sicht geben sich diverse Parteien ja ger­ade richtig Mühe, am Wäh­ler vor­bei Poli­tik zu betreiben. Der Rest des Buch­es sind nette Rück- und Zukun­fts­be­tra­ch­tun­gen, die aber nicht weit­er stören.

Nicht wählen zu gehen, weil man keinen Bock dazu hat, kann man also nach wie vor angreifen. Die bessere Entschei­dung ist es, sich mit der Poli­tik auseinan­der zu set­zen. Vielle­icht find­et man auf diese Art und Weise eine Partei, die den eige­nen Inter­essen entspricht. Aber es ist genau­so akzept­abel, wenn hien­ach eine Wahlen­thal­tung her­ausspringt.


Donnerstag, den 24. September 2009   

ex-spd-internetwahlkämpfer redet tacheles

Jemand, der ehe­mals in diesem Jahr in der SPD-Inter­net-Wahlkampfzen­trale gear­beit­et hat, hat sich wohl ger­ade jemand etwas Luft über den mis­lun­genen SPD-Inter­net-Wahlkampf gemacht und ich finde das wirk­lich lesenswert, wenn der Text auch lang ist.

Mein Lieblingssatz ist ja: [Stein­meier] wirkt wie ein Mann, der ständig den Heirat­santrag ver­schiebt, weil er sich nicht sich­er ist, ob er
wirk­lich ver­liebt ist.

Ein entzück­endes Bild. Aber der anonyme Schreiber wird sach­lich auch
etwas deut­lich­er:

Die SPD-Bürokratie ist auf dem besten Wege aus lauter Angst vor der
Demokratie, vor den bösen Medi­en, vor den unein­sichti­gen Bürg­ern und sog­ar vor den lästi­gen Genossen die gesamte Partei in die Knie zu
zwin­gen. In Ver­beu­gung vor dem Guru “Kon­trolle” und dem Guru “Poli­tis­che Kom­mu­nika­tion”.

Nicht immer ist der Schreiber ganz klar in sein­er Aus­druck­sweise, aber
den Musik­knochen trifft er schon ganz ziel­sich­er.

Es wird, so scheint mir, der sozialen Gerechtigkeit nicht gerecht, als Markenkern her­hal­ten zu müssen, als strate­gis­che Kom­po­nente,
Ver­pack­ungs­botschaft für ein Pro­dukt. So wer­den Werte zu Wer­bung:
ent-wertet. Tick­ets to nowhere.
Tre­f­fer, versenkt.

Er beschw­ert sich, dass die Ach-so-Intel­li­gen­ten in den höheren
SPD-Kreisen sich nie auf ein offenes Gespräch ein­lassen und dann
irgend­wann trotzig wer­den.

Und weil sie glauben, dass Poli­tik so funk­tion­ieren kann, sor­gen sie
mit dafür, dass sie nur so funk­tion­iert.

Man mag dem Schreiber ja vielle­icht eine etwas gekränk­te Eit­elkeit
unter­schieben wollen, weil seine Ideen nir­gends auf­blühen kon­nten, aber eine bessere Analyse des sicher­lich unfrucht­baren Inter­net-Wahlkampfes auf Bun­de­sebene kenne ich nicht.


Montag, den 31. August 2009   

blogday 2009


Heute ist der Blo­gempfehlungstag [mehr] und da lasse ich mich mal nicht lumpen und empfehle ein paar von mir mit Begeis­terung gele­sene Blogs:

Mell­colm schreibt aus­ge­sprochen unhochnäsig in fein­er Sprache über Dies und Jenes. Bei ihr sollte man sich am besten etwas Zeit nehmen, und sich ein­fach mal rein­le­sen.

Auf The typ­ing makes me sound busy verzapft Jelisa in schlagfer­ti­gen­der Prosa genau das, wovon der Unter­ti­tel des Blogs zeugt: “Learn­ing a lot about life by mak­ing a mess of my own.” Ich weiss genau, was du meinst.

Wer Die Schön­heit der Chance besucht, lernt Oasis-Fan Litte James ken­nen, die salopp plaud­ernd ihren All­t­ag begleit­et. Wobei sie die Qual­ität ihres Schreiben gerne tief hän­gen möchte. Aber das alles ist so gut aufge­fasst und wohlfor­muliert, dass man am Ball bleibt.

Falk Made­ja
darf bei der Tag im Blog Meine Güte Wichtiges und Neben­säch­lich­es aus den Nieder­lan­den zum Besten geben. Dabei stoße ich dort oft auf Infos, die ich noch nicht kan­nte. Und das will was heis­sen.

Phoebe Hen­der­son quatscht gerne über ihr Sex­u­alleben, das heisst, ger­ade tut sie es eher nicht, weil sie die Lust ver­loren hat, darüber zu schreiben. Aber die alten Texte sind ja noch da, die darf man gerne mal nach­le­sen.


Mittwoch, den 12. August 2009   

bücher online

Im Netz find­et man inzwis­chen eine beträchtliche Zahl von Büch­ern. Ich ver­linke hier­mit ein paar lesenswerte Schmök­er.

Hein­rich Heine Buch der Lieder
Friedrich Hölder­lin
Sämtliche Gedichte, Schriften
Franz Kaf­ka
Brief an den Vater, Erzäh­lun­gen, Der Prozess
Rain­er Kuhlen Erfol­gre­ich­es Scheit­ern — eine Göt­ter­däm­merung des Urhe­ber­rechts?
Gus­tav Schwab Sagen des klas­sis­chen Alter­tums
mehr Guten­berg-Samm­lung

Philoso­phie
Man­fred Baum Festschrift zum 65. Geburt­stag
Ans­gar Beck­er­mann Ana­lytis­che Ein­führung in die Philoso­phie des Geistes, Ein­führung in die Logik
Rein­hard Brandt Die Bes­tim­mung des Men­schen bei Kant, Jean-Jacques Rousseau, Recht­sphiloso­phie der Aufk­lärung
Mar­tin Car­ri­er Niko­laus Kopernikus
Her­bert James Paton The moral law
John Rawls Jus­tice as Fair­ness
Klaus Reich Gesam­melte Schriften
Jean-Jacques Rousseau Über den Gesellschaftsver­trag
Gilbert Ryle The con­cept of mind
Michael Wolff Abhand­lung über die Prinzip­i­en der Logik, Das Kör­p­er-Seele-Prob­lem, Die Voll­ständigkeit der Kan­tis­chen Urteil­stafel; Artikel zu Got­t­lob Frege
Eike von Sav­i­gny Grund­kurs im logis­chen Schliessen

- Sam­mel­bände etc.
Thomas Hobbes — Klas­sik­er ausle­gen
Immanuel Kant Die Kri­tik der reinen Ver­nun­ft
Jür­gen Haber­masSys­tem­a­tis­ches Han­dlexikon zur Kri­tik der reinen Ver­nun­ft

Klas­sik­er
Aris­tote­les Niko­machis­che Ethik
Charles Dar­win
Über die Entste­hung der Arten
G.W.F. Hegel
Enzyk­lopädie der philosophis­chen Wis­senschaften im Grun­drisse
Thomas Hobbes Leviathan
David Hume Enquiry con­cern­ing human under­stand­ing [deutsche Über­set­zung]
Edmund Husserl Carte­sian­is­che Med­i­ta­tio­nen
Immanuel Kant
Gesam­melte Schriften nach der Akademie Aus­gabe, Eislers Kant-Lexikon
Karl Marx, Friedrich Engels Gesam­melte Schriften
John Locke Two trea­tis­es on Gov­ern­ment
Pla­ton Gesam­melte Schriften


Samstag, den 13. Juni 2009   

die neue abseits ist da

abseits

Die neue Aus­gabe von Abseits ist in Osnabrücks Fuss­gänger­zo­nen wieder erhältlich. Ich hat­te schon geunkt, dass es die Zeitung gar nicht mehr gibt, weil das let­zte Leben­sze­ichen im Inter­net aus dem Jahr 2007 stammt. Aber jet­zt habe ich wieder Verkäufer gese­hen und dann nimmt man sowas eben mit. 1,10€ kostet das gute Stück, wovon die Hälfte an den Verkäufer geht. The­ma dieser Aus­gabe ist Inte­gra­tion und es kom­men Rus­s­land­deutsche und Polen zu Wort, die in Osna ihre Heimat gefun­den haben. Sehr lesenswert!

Sonntag, den 31. Mai 2009   

christoph schlingensief – so schön wie hier kanns im himmel gar nicht sein!

schlingensief

Seit­dem ich Christoph Schlin­gen­siefs Arbeit kenne, ver­fahre ich immer auf dieselbe Weise: Sofern ich zu ihr Zugang habe, beschöftige ich mich so lange damit, bis ich meine zu wis­sen, was dahin­ter steckt oder bis sie mir etwas sagt.

Nun hat er ein Tage­buch während sein­er Kreb­serkrankung ver­fasst. Es ist eine Auf­nahme sein­er Wut, des Angriffs auf seine Per­son, der The­matiken, die sich ihm auf­drän­gen. Er schwimmt sich frei und man bekommt den Ein­druck: Dadurch bekommt er ein Stückchen mehr Leben­squal­ität.

Das Buch ist ein lesenswertes Doku­ment der Nich­tauf­gabe sein­er eige­nen Per­son, das einem Aufruf gle­ichkommt, um sein Leben zu kämpfen.


Sonntag, den 10. Mai 2009   

zeitungsartikel zur zensurdebatte

Mich hat eben inter­essiert, wie der Tenor der Zeitun­gen derzeit zur geplanten Zen­sur von Inter­net­seit­en ist. Sofern die Zeitung eigene Mei­n­un­gen vertreten, sind diese ein­hel­lig dage­gen. Die Poli­tik­er der Bun­desregierung sind wohl derzeit die einzi­gen, die unbe­d­ingt an diesem Vorhaben fes­thal­ten wollen.

Berlin­er Zeitung: Seit­en zu sper­ren,  hil­ft nicht

Die Zeit: Wie man eine Gen­er­a­tion ver­liert, Keine All­macht für das BKA, Ein Män­telchen fürs reine Gewis­sen, Wider die Ide­olo­gen des Inter­nets!

Focus: Überwachung durch die Hin­tertür

Frank­furter All­ge­meine Zeitung: Von Chi­na ler­nen, Die Spur der Kinder­schän­der

Frank­furter Rund­schau: Inter­netsperre schränkt Grun­drechte ein, Poli­tik verkauft die Leute für dumm

Märkische All­ge­meine: Hier wird ein Strohmann aufge­baut

Rhein Zeitung: Eine Zen­sur find­et bald statt

Spiegel online: Sper­rlis­ten für Kinder­pornografie: BKA fil­tert das Web, Die Gen­er­a­tion C64 schlägt zurück

Stern: Kinder­pornografie im Inter­net — Oper­a­tion Ohn­macht

Stuttgarter Zeitung: Aufk­lären statt absper­ren

Süd­deutsche Zeitung: Zen­sur wird salon­fähig, Sper­ren — unbrauch­bar und schädlich

Tagesspiegel: Peng, du bist tot!

tageszeitung: Frag­würdi­ger Kabi­netts­beschluss

Volksstimme: Untauglich­er Ver­such

WAZ: Neues von Zen­sur­su­la

Ger­adezu belusti­gend ist eine Aus­sage, die sich in einem Artikel vom 25. März in der Neuen Osnabrück­er Zeitung find­et. Der dama­lige Europol-Chef Max-Peter Ratzel wird dort mit fol­gen­den Worten zitiert:

Bei der großen Mehrzahl der Kinder­porno-Kon­sumenten han­delt es sich nicht um tech­nis­che Experten, die eine Seit­en-Sperre ohne Weit­eres knack­en kön­nen.

Die Umge­hung der Sperre dauert ohne tech­nis­ches Experten­wis­sen genau 18 Sekun­den.

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mehr:
Wie die Bun­desregierung Kinder­porno­seit­en­klicks errech­net

Das Aufk­lärung­sprob­lem der CDU

Wie ver­sucht wird, auf Recht­spflicht­mis­sach­tun­gen fremder Staat­en mit Grun­drechts­beschränkun­gen eigen­er Bürg­er zu reagieren

eine aus­führliche Linksamm­lung zum The­ma find­et sich bei hugelgupf.de


Montag, den 4. Mai 2009   

ernst klee – deutsche medizin im dritten reich

Ich komme erst jet­zt dazu, Ernst Klee zu lesen und das wird auch höch­ste Eisen­bahn, wenn in mein­er Heimat schon eine Schule nach ihm benan­nt wird.
Dieses Buch ist schon 2001 erschienen und befasst sich mit Kar­ri­eren von Medi­zin­ern und in der Medi­zin Täti­gen in der Zeit vor und nach 1945. Man kann Klee den Vor­wurf machen, dass seine Arbeitsweise nicht ganz wis­senschaftlichen Stan­dards entspricht. Aber wer sich mit diesem Buch befasst, merkt schnell, wie kurzge­grif­f­en ein solch­er Ein­wand ist. Ähn­lich wie  Daniel Gold­ha­gen in Hitler’s will­ing exe­cu­tion­ers, dessen Grundthese ich nicht teile, wartet Klee mit ein­er unge­mein detail­re­ichen Arbeit auf, die beein­druckt und bedrückt. Und so eine Fülle von Infor­ma­tio­nen will mir wesentlich­er erscheinen als Gold­ha­gens eigen­willige The­o­rie oder Klees Darstel­lungsweise. Klee lässt ab und an sub­jek­tive Ein­schätzun­gen zu den beschriebe­nen Ereignis­sen ein­fließen, was dem Text meines Eracht­ens aber gut tut.

Von Klee kommt in Kürze Das Kul­turlexikon zum Drit­ten Reich als Taschen­buch her­aus. Dieses Buch unter­liegt der­sel­ben Kri­tik wie oben beschrieben und ist eben­so mit dem Hin­weis zu verse­hen, dass Klees Arbeit­en derzeit ein­fach eine Lücke aus­füllen.

Lese­hin­weis: ns-eugenik.de


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