Komme an einem Hotel vor­bei, bei dem mich immer gewun­dert hat, was so ein Nobelschup­pen in unnoblig­er Ecke zu suchen hat. Ich sehe eine blonde, schwarz gek­lei­dete Fotografin an einem Tisch ste­hen, auf dem ein Holzkklotz mit sil­ber glänzen­dem Erotik­magaz­in­hasenkopfem­blem ste­ht. Na gut, denke ich, für ein Hotel für solche Shoot­ings ist es wohl egal, dass man nur eine Fen­ster­aus­sicht auf einen Park für Lokalpen­ner hat. Mir kommt eine erfahrene Frau mit Kof­fer ent­ge­gen, sie schaut in den Kinder­wa­gen und sagt grin­send:

Tief und fest!

Und in meinem Kopf erscheint der Gedanke: Miss März 1983.

·

Der Friseur im Nach­barhaus hat einen Bild­schirm im Schaufen­ster ste­hen, über den Klatschneuigkeit­en get­ick­ert wer­den. Stelle mir vor, ich komme als Zeitreisender vor­bei und muss erken­nen, dass die Leute ihre Friseure nur nach deren Klatschange­bot auswählen.

·

Es war eine dieser nasskalten Bel­gis­chen Früh­jahrsnächte gewe­sen, bei denen sich die feuchte Küh­le ihren Weg durch die alten Hotel­gemäuer ins Einzelz­im­mer bah­nte und die alten Knochen schmerzen ließ, so dass an Schlaf nicht zu denken war. Er has­ste Brüs­sel, er has­ste das Poli­tikgeschäft, er has­ste die Todesme­lan­cholie, die bei­de miteinan­der ver­band. Gott sei Dank sagte sein Land dieser Unter­welt bald endgültig Adieu, dann käme er zurück, dann kön­nte er wieder aufat­men, auf­blühen, auf­begehren. Die let­zten Sitzun­gen standen an, das Ende war greif­bar. Er musste nur noch ein­mal zur

Weiterlesen

paprikafrittata

Zutat­en 6 Eier, 5 EL Olivenöl, 2 Papri­ka, 3 Knoblauchze­hen, 2 EL Weißwei­nes­sig, Salz, Pfef­fer

Für zwei Per­so­n­en nimmt man zwei Papri­ka, gelb oder rot, und schnei­det sie in Streifen. Diese wer­den etwa 10 Minuten lang in ein­er heißen Pfanne auf dem Herd in 4 Ess­löf­fel Olivenöl karamelisiert bis die Rän­der etwas ange­brat­en sind. Während­dessen schlägt man 6 Eier, verquirlt sie und gibt Salz und Pfef­fer dazu. Jet­zt gibt man 3 geschälte Knoblauchze­hen zu den Papri­ka und gart diese etwas. Danach 2 Ess­löf­fel Weißwei­nes­sig hinzugeben und diesen ver­dampfen lasen. Danach einen Ess­löf­fel Olivenöl hinzugeben und die Eier in die Pfanne geben. Mit einem Pfan­nen­heber die Frit­ta­ta ab und an etwas anheben. bis sich eine Kruste bildet. Nach 5 Minuten die Frit­ta­ta wen­den und noch ein­mal 5 Minuten garen lassen.

Leck­er in warm und kalt zum Früh­stück oder Aben­dessen. Serviert mit Brot oder einem Salat.

Weiterlesen

Der Nach­wuchs war heute das erste Mal zum Babyschwim­men. Wasser­tra­ben, Bällchen­hin­ter­her­ja­gen, Rutschen und Baby­taufe. Das Gur­ren deklar­i­ert nun auch wohlige Zufrieden­heit, wie wir nach dem Baden ver­nom­men haben.

·

Zur Unter­hal­tung und Beruhi­gung des Nach­wuch­ses singe ich im gerne etwas vor. MMM­bop funk­tion­iert gut, aber auch ein Kinder­lied namens Die Beule oder Eine Muh, eine Mä, eine Täteretätä. Im Super­markt wurde der Nach­wuchs heute unruhig und ich sang das Lied von der Muh, der Mäh und der Täteretätä. Nicht unbe­d­ingt so leise, dass nur der Nach­wuchs es mit­bekom­men hätte. Und so kam ich an einem Oster­schoko­laden­stand vor­bei, an dem ein älter­er Herr sich grim­mig ori­en­tierte. Er schaute mir Wei­h­nachtssänger tra­di­tionsvertei­di­gend, wie mir schien, ent­ge­gen und meinte:

Eine Wauwauwau, watatschingderasss­abumm.

·

Das erste Kunst­werk des Nach­wuch­ses ist mit­tler­weile trock­en. Eigentlich wollte ich die Ver­wand­schaft ja nicht mit Krick­elkrack­el und Änhlichem zuschmeis­sen, aber auf Leind­wand sieht das schon ganz nett aus:
(Man beachte die wohlge­formte Bob-Ross-Homage in Form des Baumes.)

Weiterlesen

Vor mir an der Ampel ste­ht ein Pudel­frisurträger mit gesenk­tem Blick. Die Ampel wird grün, er schaut auf, dreht sich und geht in die ent­ge­genge­set­zte Rich­tung davon. Hat sich­er ger­ade inner­lich “Heure­ka!” geschrieen und eine Entschei­dung getrof­fen, die sein Leben umkrem­peln wird. Oder den Schlüs­sel für seinen Büroschreibtisch vergessen.

·

Der Rhein ste­ht heute hoch.

·

Im Hof­garten kommt mir ein Pudel­frisurträger ent­ge­gen, der einen kleinen Hund ohne Pudel­frisur Gas­si führt. Bes­timmt auf dem Weg zum Hun­de­friseur.

·

Der Nach­wuchs gur­rt in einem Dreier­takt als neuer Macke so, dass die Vögel auf dem Rasen irri­tiert nach der Gefahr in der Luft suchen, vor der sie sich gewarnt fühlen.

·

Am Ver­sicherungs­ge­bäude tre­ffe ich mit dem drit­ten Pudel­frisurträger des Tages zusam­men, einem jun­gen Mann wie aus einem 90er-Jahre-Musikvideo. Während ich mir einen zurecht­grinse kackt ein Vogel auf den Kinder­wa­gen. Pudel­frisurträger­hof­garten­vögelver­schwörungsak­tion.

Weiterlesen

Die Mut­ter des Heulkindes zweifelt daran, ob es zweck­haft ist, dass es weit­er die Krabbel­gruppe besucht, weil es inzwis­chen auch Angst vorm Staub­sauger hat. Wir machen aber gar nichts mit Staub­saugern.

·

Der Mann ein­er Krabbel­grup­pen­ma­mi möchte nicht zu ein­er Grup­pen­stunde gehen, weil er seine Männlichkeit dadurch in Gefahr sieht.

Aber er arbeit­et ja sehr viel.

Das scheint es bess­er zu machen.

Weiterlesen

Nach­wuchs und ich sitzen am Küchen­tisch, essen selb­st­gemachte Dinkel­stan­gen, hören Ele­ment of Crime und schauen, wie es draußen hagelt.

·

Beißkas­tanie.

·

Kann man Bar­be­cueketchup nicht ein­fach sel­ber machen, indem man in Cur­ryketchup rein­raucht?

·

Ich fahre den Nach­wuchs heute zum ersten Mal in der Sportaus­führung des Kinder­wa­gens aus. Weil das Kind jet­zt nach vorn aus­gerichtet sitzt, bemerken es die Pas­san­ten, schauen nach, lächeln. Auf der Nord­straße rauscht ein Mann in noblem Anzug an uns vor­bei, lukt beim Über­holen kurz in den Kinder­wa­gen, schert wieder vor mir in die Spur ein, schaut sich ver­sich­ernd um, lacht, geht weit­er, dreht sich und schre­it mir im gehüpften Rück­wärts­gang zu:

Er sieht nichts! Er sieht nichts! Haha­ha!

Ich ziehe dem Nach­wuchs aufge­fordert füh­lend die Mütze zurück von den Augen auf die Stirn, der Mann sagt lach­hüpfend:

Ja, so ist bess­er! Haha!

Ich höre mich ver­dat­tert

Danke!

sagen und er dreht sich nick­end, beschwingt weit­erge­hend nach vorne. Das kleine, schwarze Teufelchen auf mein­er recht­en Schul­ter hält sich das ruck­el­nde Bäuch­lein und bepisst meine Jacke vor Lachen.

Weiterlesen

Der Nach­wuchs spielt heute begeis­tert mit Plas­tikklötzchen an und auf sein­er Schwimm­badtheke.

·

Wir tre­f­fen heute unsre Fre­undin, Dirne Mar­got.

·

Buchver­rissvorher­sage: Heute wird Denis Scheck in druck­frisch den Roman Scharnow von Bela B Felsen­heimer ver­reis­sen, unter dem Hin­weis der Inkom­pe­tenz des Schreibers mit irgend­was wie “Wenn Punk solche Büch­er schreibt, wäre er bess­er tot”.

·

Ruhe in Frieden, Marat. Warst ein­er von den Guten.

Weiterlesen

Der Nach­wuchs muss zum Pass­fo­toknipsen. Er hat die Nicht­fo­to­gen­ität des Vaters bei Pass­bildern geerbt, zumin­d­est in der Rück­en­lage­fo­tografie. An den dick­en Back­en wird er nicht erkan­nt wer­den.

·

Wir besuchen den Drachen und den Waschbären vor ihrer Reise in den Süden. Der Bär erzählt mir wieder­holt, er habe einen Artikel gele­sen, in dem ste­ht, dass die Israelis eine Pille gegen alle For­men von Krebs entwick­eln. Sie werde näch­stes Jahr mark­treif und teuer. Ich sage wieder­holt, dass ich das bezwei­fle. Er sagt wieder­holt, er auch.

·

Der Luxu­skinder­wa­gen wird damit bewor­ben, dass man das Dach kom­plett über das liegende Kind stülpen kann, so dass dieses seine Ruhe habe und Pas­san­ten nicht in den Wagen greifen kön­nten. In der Fußgänger­zone umher­schieben sich zwei Luxu­skinder­wa­gen­paare, die jew­eils das Dach der Anweisung nach vol­lübergestülpt haben. Ich ziehe dem Nach­wuchs bei Bedarf ein­fach die Mütze ins Gesicht.

·

Fußgänger­zo­nen­ma­ma zum Sprößling:

Wir gehen jet­zt nach Hause und da schreib­st du an deinem Lese­tage­buch weit­er, egal was die anderen machen. Du musst auch mal weit­erkom­men.

Weiterlesen

Am Rhein kommt mir heute das erste Mal eine Fri­days-for-Future-Schüler­wan­der­gruppe ent­ge­gen. Es wird Wass­er aus Plas­tik­flaschen getrunk­en und auf dem Handy rumge­drückt, während man Plakate (“Man ist das heiß, ich glaub, ich flieg zum Mond!”) unterm Arm gek­lemmt hat, die man wegen des Regens mit großflächig Trans­par­en­tk­le­be­band über­zo­gen hat. Wir brauchen unbe­d­ingt einen Don­ner­stag-für-Umwelt­be­wußt­sein.

·

Schwein­sohr ist nicht gle­ich Schwein­sohr. Beim Bäck­er unter uns kostet eins 2,20€, ist aber die 40 Cent, die es mehr kostet als ein immer trock­en- und kle­briges Kamp­sohrschwein alle­mal wert. Der Bäck­er hat keine Schwein­sohren mehr und schenkt mir eine Kirschtasche.

·

In der Mamimes­sen­ger­gruppe meldet sich eine Mami und meint, sie wolle nur weit­er Mit­glied der Krabbel­gruppe sein, wenn man bei der Grup­pen­stunde dem­nächst Mama-Work­out macht. Die Mama des Heulkindes meint, ihm mache die Gruppe keinen Spaß.

Weiterlesen

Tante ruft an, lädt zum 85. Geburt­stag ein.

Eigentlich wollte ich ja flücht­en, aber jet­zt hat sich eine Fre­undin für den Tag angemeldet und da mache ich eine Kanne Kaf­fee. Da kön­nt ihr auch kom­men.

·

Im Schaufen­ster eines Baby­waren­fachgeschäfts ste­ht ein einziger Kinder­wa­gen in petrol aus­gestellt, an dem ein Schild behaftet ist: “Lim­it­ed edi­tion.” Hat wohl Werks­fehler.

Weiterlesen