winterlese

Jürgen Becker – Die Zukunft war auch schon mal besser In düsteren Zeiten liest man Becker gerne, auch wenn der Haudraufhumor einen nicht immer überrascht.
Jakob Martin Strid – Die unglaubliche Geschichte von der Riesenbirne Unterhaltsame und schön bebilderte Katastrophengeschichte, der leider etwas Witz fehlt, um sie zu einem Klassiker zu machen.
Otfried Preußler – Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete Neu als Buch zusammengesetzte Geschichte, die zeitlich nicht so ganz ins Hotzenplotz-Universum passen will, denn zwei wochen nach der ersten Verhaftung spielt ja schon die zweite Geschichte. Es gibt allerdings schöne, neue Grafiken, wenn allerdings auch kein Witz sich einstellen will. Aber unsere Jüngste war auch schon vom zweiten und dritten Teil nicht so angetan.
Jürgen Kehrer – Wilsberg. Sein erster und sein letzter Fall kommt ohne Spannung und Lokalkolorit aus.

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sommerlese

Annika Büsing – Nordstadt Ausdrucksstarker Roman über junge Erwachsene. Nahe am Leben, treffend in den Forulierungen.
Hervé le Tellier – Die Anomalie Unterhaltsamer Verwirrungsthriller aus unterschiedlichen Persketiven.
Sven Regener – Glitterschnitter Wieder sehr langatmiger Roman aus dem Lehman-Universum. Der Sound ist okay für Eingeweihte, alle anderen werden verständnislos mit den Schultern zucken.
Jan Böhmermann – Gefolgt von niemandem, dem du folgst Wirklich nichts anderes als irgendwas aus seiner getwitterten Zeitleiste. Leute haben dafür Geld ausgegeben?
Atze Schröder – Blauäugig Von Till Hoheneder bemüht aufgehübschte Halbbiografie der selbsternannten Comedylegende ist im spannungslosen Hohenederstil so langweilig und seicht, dass es in der Literaturecke neben Kerkelings Pudelbuch seinen Platz findet.
Kevin Hearne – Do not eat! Wie ein T-Shirt mich vor Aliens bewahrte Erwartungslos begonnenes Sci-Fi-Büchlein über eine Entführung durch Alien, die nichts Neues abliefert. Zum Duchblättern, wenn keine Supermarktprospekte zur Hand sind.

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sommerlese

Susanne Donner – Endlager Mensch: Wie Schadstoffe unsere Gesundheit belasten Erhellende Infos über die Gefahren chemikalischer Substanzen, die auf uns eingeben, so weit man überhaupt davon weiß.
Michelle Steinbeck – Eingesperrte Vögel singen mehr Die Gedichte Steinbecks sind zwischen erheiternd, wegkatapultierend und am Allerwertesten vorbeigehend anzusiedeln. Was will man mehr von einem Gedichtsband?
Der Doppeldaumenmann – Vorsicht vor dem Abwasserclown Blödelgeschichten eines geforderten Vaters. Aktuell und witzig, aber schwankend in der Substanzialität der Geschichten. Zumindest was für Betroffene.
Hape Kerkeling – Pfoten vom Tisch! Meine Katzen, andere Katzen und ich Irgendwie weil ich schon alles von Kerkeling gelesen habe, kam mir auch dieser trutschige Schinken unter die Augen. Nur für Fans erzählt der Humorist menschelnd, aber keine Höhen erklimmend, über seine vierbeinigen Freunde. Lahm.
Max Czollek – Desintegriert euch! Zwischen Slam-Poetry und bloßem Geschwätz wird gar nicht klar, was das Buch bezwecken soll. Ob man sich noch an die Rede Martin Walsers in der Paulskirche erinnere, fragt der Autor. Er habe damals wohl den Sandmann geschaut. Morgens um 11? Ungefähr so daneben ist das alles.

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junilese

Eva und Ilja Richter – Der deutsche Jude Der Titel ist der Reihe geschuldet, wird bedauert aber auch nicht ganz korrigiert. Der Schmöker von 1989 hat erstaunlich wenig Staub angesetzt und in einem Buch, das auch von Antisemitismus und den Gräueltaten der Nazis handelt, ist das eben auch ein bitterer Befund. Ilja Richters schalkhafte Art tritt in den Texten wiedererkennbar auf, die Texte der Mutter sind weniger jackelig, man wünschte sich etwas mehr Ausführlichkeit. Hätte ich zu meiner Schulzeit gerne gelesen.
Gary Andrews – Finding Joy Emotionales Trauerbuch mit Zeichnungen und Geschichten von Gary Andrews zu seinem neuen Familienleben ohne seine verstorbene Frau.
Jennifer Egan – Black Box In 140-Zeichen gehaltener Roman, so wie es mal auf Twitter Usus war, als Instruktionsgeben einer Spionin. Interessanter als ich erwartet hätte. Wegen der literarischen Sprache fühlt man sich manchmal in einen James-Bond-Streifen versetzt.
Harry Rowohlt – Pooh’s Corner (1989-1996) Gesammelte Kolumnen, die immer noch unterhaltsam sind.
Heiko Arntz; Gerd Haffmanns (Hrsg.) – Der-Harry-Rowohlt-Raabe Durch Bilder, Interviews und Briefe ist dieser Nachklapp zu Pooh’s Corner fast noch interessanter.
Hans Kruppa – Nur für dich Kruppas Gedichte sind mir zu Abiturzeiten mal über den Weg gelaufen, da kam dann auch dieses Büchlein in meinen Bücherschrank. Ich kann an den seichten Liebesgedichten allerdings keinen Gefallen finden.

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mailese

David Baddiel – Jews don’t count Wellenschlagender Meinungsbeitrag des Schriftsteller und Komikers, der aufzeigt, wie Juden im englischspracheigen Raum als Randgruppe oft übersehen werden. Der deutsche Titel soll „Und die Juden?“ heißen, was ich für einen unangebrachten Whataboutism halte.

Moritz Tschermak; Mats Schönauer – Ohne Rücksicht auf Verluste: Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet Die Blödzeitung ist ein widerliches Blatt, dass ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr in die Hand genommen habe. Die Bildblog-Artikel haben mich erst interessiert, dann weniger, weil ich die Blödzeitung einfach nicht lese. Mit diesem Buch kann man nachholen, was man verpasst hat: Sektenartigen Journalismus, der andere angreift.

Ulf Heuner – Dummes Denken deutscher Denker Gewitztes Auseinandernehmen deutscher Feuilletongrößen, das einen wundern lässt. Muss aber eingestehen, so intensiv kenne ich die alle nicht, als dass ich inhaltlich gut werten könnte.

Paul Frommeyer – Möller
Seltener Einblick in das Alltagsleben eines Leichtathletikprofis.

Constantin Schreiber – Die Kandidatin Die Grundidee bei Houellebecq klauen, dem dann aber stilistisch und inhaltlich nicht ansatzweise das Wasser reichen können, sowas ergibt einen ärgerlichen Trashroman.

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dezemberlese

Deborah Feldman – Unorthodox Süffig lesbare Befreiungsgeschichte einer jungen Jüdin aus ihrer sektenähnlichen Gemeinschaft.

Tom Finnek – Galgenhügel Sprachlich überdurchschnittlich für einen Lokalkrimi macht dieser Schmöker doch ein paar Wendungen zu viel, um in einer flauen Auflösung zu enden.

Lucy Fricke – Töchter Hauptprotagonisten fährt beste Freundin und deren Vater zu dessen letztem Abend in der Schweiz. Es kommt alles anders und dieser netten Road-Movie-Geschichte mit witzigen Einschüben.

Youp van ‚t Hek – In corontaine Beschwingte, klassische Kabarettkolumnen des niederländischen Altmeisters aus seiner Coronaquarantänezeit.

Stefan Holtkötter – Das Geheimnis von Vennhues Atmosphärischer Lokalkrimi mit deutlichen Logiklöchern, unauthentischen Dialogen und einer hanebüchenen Auflösung, auf die zufällig gekommen wird. Ansprechend geschrieben, aber nur für das lokale Publikum interessant.

Simone Lappert – Der Sprung Eine Art Ensable-Roman: Diverse Figuren, die etwas erleben, beschreiben die Situation, wie sich eine Frau in den Tod stürzen will. Um dem Leser keine Deutung aufzuerlegen, sondern ihm die Deutung der Hauptfigur zu überlassen, wird diese nur indirekt über andere beschrieben. Ich fand es zwar dramatisch, aber zu vage, nicht tiefsinnig und dadurch zu langweilig. Und was, bitte schön, ist eine „halbherzig spielende Katze“?

China Mieville – Tha last days of New Paris Das Nachkriegsparis wird nach dem Abwurf einer S(urrealistischen)-Bombe von degenerierten und surrealistischen Kreaturen belagert, den Nazis ebenso und von Einheimischen verteidigt. Um der Grundidee gerecht zu werden, ist dieser trashige Geschichte ab und an nicht einfach zu folgen.

Minka Pradelski – Es wird wieder Tag Die traumatischen Belastungen von KZ-Lager-Geschädigten werden mit fantasierter Begleitgeschichte gekoppelt, kommt aber nicht ganz zum Punkt.

Joachim Ringelnatz – Warten auf den Bumerang Schöne von Robert Gernhardt besorgte und mit einem Nachwort geadelte Gedichtssammlung.

Zadie Smith – Intimations Persönliche Gedanken über die Belastungen in der Corona-Pandemiezeit ohne sonderliche Höhepunkte.

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novemberlese

Was man so ernsthaft Literatur nennt, stelle ich wieder in dieses Blog rein, da ich auch das Gelesene bei Gookreads unter meinem Nick abhefte. Den Rest auf klolektüre.de.

Sam Byers – Idiopathy Drei ehemalige Freunde treffen sich während der Rinderwahn-Zeit wieder. Witzig, aber uferlos.

Ronald Giphart – Phileine zegt sorry Temperamentvolle, zynische Frau jagt ihrem Typen hinterher und kommt dahinter, was ihr eigentliches Problem ist. Tatsächlich ist die Verfilmung dank Straffung und der Hauptdarstellerin unterhaltsamer, das Buch an manchen Stellen zu langatmig, aber immer noch lesenswert. Auf deutsch heisst das Buch “Der Volltreffer“.

Marius Goldhorn – Park Wortgewaltiger Erstling, der aber etwas ziellos dahinplätschert und im Verlauf etwas uninteressant wird.

Thomas Hettche – Herzfaden Phantastischer Roman über die Entstehtung der Augsburger Puppenkiste. Zwischendurch dachte ich, es fehle der Geschichte noch etwas, dann würde sie von einer guten zu einer sehr guten. Faszinierend, wenn genau so eine Wendung dann eintritt.

Jürgen Kehrer – Wilsberg. Das Schapdettenvirus Ich hatte geunkt, in dieserm Wilsberg-Schmöker könnte man Passendes zur aktuellen Pandamiezeit geben, gibt es aber eher nicht. Ansonsten spannungslos und nicht überzeugend.

Guus Kuijer – Das Buch von allen Dingen Religion- und gewaltthematisierendes Jugendbuch, das erstaunlich direkt zur Sache kommt.

Scott McClanahan – Sarah Trennungsschmerzbuch, das nichts auslässt, so gar nichts. Wird besprochen im kommenden Bücherschwank.

Katja Oskamp – Marzahn, mon amour Wer Marzahn nur mit Cindy verbindet, kann hier Versöhnung finden: Ganz großartige biografische Geschichten von Kunden und Bediensteten eines Pedikürestudios.

Tex Rubinowitz – Irma Selbstreferenzielle Nabelschau, manchmal witzig, manchmal langatmig und irgendwelche nichtgekennzeichneten Übernahmen aus der Wikipedia.

Annie M.G. Schmidt – Minoes Zauberhaftes Kindermärchen und Katzenkrimi, dessen Verfilmung von 2001 mir schon ungemein gefallen hat. Auf deutsch heissen Buch und Film “Die geheimnisvolle Minusch“.

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septemberlese

Stephen King – Friedhof der Kuscheltiere Ich habe immer einen Bogen um Stephen King gemacht, selbst um die Filme, weil mir das thematisch immer zu plakativ, effektheischend und platt vorkam. So ist dann auch dieser zu lang geratene Schinken: Sprachlich mau, spannungsarm, in Teile vorhersehbar und in den Personenbeschreibungen doch sehr platt.

Philippa Perry – Das Buch, von dem du dir wünschst, deine Eltern hätten es gelesen ist dies nicht. Es ist ein blauäugiger, ankumpelnder, eher an Mütter gerichteter Elternratgeber, sicherlich für verunsicherte Personen passender Einstieg in die Kindererziehung, der aber eigentlich nur Plattitüden breittritt. Man sollte Kinder als rationale und rational handelnde Wesen betrachten und entsprechend mit ihnen umgehen.

Isabel Köller – Bullerbü ist überall Elterntipps an Hand von der rosigen Welt von Astrid Lindgren zu erklären, kommt altbacken daher:

Ab 2 Jahre: Nimm Rücksicht auf deine Mitmenschen. Komme zu mir, wenn du etwas willst. Ab 3 Jahre: Sei freundlich zu deinen Mitmenschen. Lerne, mit anderen zu teilen. Ab 4 Jahre: Sei hilfsbereit. Übernimm eine feste Aufgabe in der Familie. Ab 5 Jahre: Übernimm die Verantwortung für deine eigenen Sachen. Lerne aufzuräumen.

Klingt irgendwie als ob jemand Tommi und Annika für die Coolsten hält und nicht Pippi Langstrumpf.

Kate Connolly – Exit Brexit: Wie ich Deutsche wurde Frische Lektüre zu den Schwierigkeiten von Exil-Briten in Deutschland bezüglich ihres Heimatlandes, dass ihnen irgendwie die Grundlage ihres bisherigen Lebens nimmt.

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sommerlese

Sam Byers – Schönes neues England An guten Stellen ein erhellender Hallo-wach-Macher über ein innerlich zerfallenes Post-Brexit-England, an schlechten Stellen enttäuschendes Creative-Writing-Resultat.

Salman Rushdie – Quichotte Gern gelesene Farce innerhalb der US-amerikanischen Gesellschaft.

Janosch – Papa Löwe und seine glücklichen Kinder. Kleiner Erziehungsberater Papa Löwe schmeisst den Haushalt und macht die Kinder glücklich, während die Mama pupsende Mitarbeiter belehrt. Sehr gut.

Aeneas Rooch – Mein wasserdichtes Baby Nett geschriebener und inhaltlich für die Zielgruppe sehr lesenswerter Elternratgeber.

Leavis Carroll – Alice in Brexitland Witzige Brexitaufabrechnung im Klassikergewand.

Oliver Kalkofe, Peter Rütten – Die 100 schlechtesten Filme aller Zeiten Fan-Buch zur Tele-5-Reihe ohne rechten Mehrwert.

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aprillese

Thomas Meyer – Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin Fortsetzung seines Erstlings Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse, dieses Mal allerdings nicht im Kern über jüdische Schrulligkeiten, sondern eine phantastische Geschichte à la Iron Sky. Nett, aber hätte mehr Witz und Einfallsreichtum vertragen können.

Albert Camus – Die Pest Zeitaktuelle Beschreibung des Leidens und der Veränderung einer Gesellschaft während einer bedrohlichen Krankheitswelle.

Anna Wegloop – Wir ist! Pamphlet für eine globale Kultur. Weder gut geschrieben, noch irgendwie überzeugend.

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