Den Nach­wuchs irri­tiert der erste Flug nicht die Bohne.

Der Stew­art wun­dert sich über die strahlend blauen Augen der näch­sten Gen­er­a­tion. Später wer­den noch ein Italo­rap­per, ein Sax­o­fon­ist und zwei weit­ere deutsche Musik­er bezirzt. Wir erre­ichen Zürich bei angenehmen, aber ange­blich spür­bar gerin­geren Tem­per­a­turen als daheim. Mir fall­en wieder die alten Straßen­bah­nen ins Auge, die nicht ins Unendliche sprießen wol­len­den Mehrparteien­häuser. Ein junger Vater schiebt einen erstaunlich alten, leicht­gestängi­gen Kinder­wa­gen den unschö­nen Gehweg hin­auf. Finanziell stößt man in der Schweiz in für uns Nor­malver­di­ener andere Dimen­sio­nen, bleibt aber architek­tonisch mit mehr als einem Bein in den 70ern. Abends, im Grunde ger­ade, babysitte ich im Bris­tol, wo das kleine Flaschen­bier 3,40€ kostet. Ich faste voller Überzeu­gung.

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Er hat­te nie tanzen gel­ernt. Er kon­nte ein wenig die Stan­dard­tänze auf’s Par­kett brin­gen, aber der geübte Betra­chter sah sofort, dass hier jemand die Bewe­gun­gen nicht von der Pique auf beherrschte. In sein­er Heimat­stadt hat­te es in seinen Jugend­jahren nur eine Tanzschule gegeben. Die war ver­schrieen als kon­ser­v­a­tiv und spießig und diejeni­gen, die dort hingin­gen, entsprachen ein­fach nicht sein­er Kra­gen­weite. Es begab sich aber zu jen­er Zeit, dass die junge Dame, auf die er ein Auge gewor­fen hat­te, in eben dieser Tanzschule einen Kurs nach dem anderen belegte. Man darf sagen, dass sie das Stan­dard­reper­toire über Durch­schnitt drauf hat­te, wenn es sie auch nicht zur Turniertänz­erin befähigte. Als sich die gemein­same Schulzeit dem Ende näherte und ein Abschlussfest mit Tanz geplant war, war es eben sie, die Crash-Tanzkurse in der Tanzschule organ­isierte. Sie tanzte sog­ar vor mit ihrer Stan­dard­tanzbe­gleitung. So stand er vor der trüben Aus­sicht, ohne Tanzver­mö­gen und mit vager Aus­sicht, diese in einem Crashkurs zu verbessern, vor seinem Schwarm dil­letierend umherzuhüpfeln. Er malte sich ein ums andere Szenar­i­um aus. Sie wur­den und wur­den nicht bess­er. Und so blieb er der

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Ein warmer Tag bringt mich dazu, den Kinder­wa­gen auf einen Spielplatz zu lenken, auf ein­er Park­bank Platz zu nehmen und mit dem Nach­wuchs dem Treiben der umher­tol­len­den Kinder ein wenig zuzuschauen. In der gegenüber­liegen­den Ecke des Parks tum­meln sich in einiger Ent­fer­nung Gestal­ten, die nicht zum Spie­len hergekom­men sind. Seit in der Lan­deshaupt­stadt über den Win­ter viele Park­bänke über die Win­terzeit abgeschraubt wer­den, hat jed­er Spielplatz seine Trinkerecke. Eine Runde Män­ner mit einzel­nen Fahrräder und Plas­tik­tüten, die etwas schw­er beweglich und abgeson­dert vom Rest der Spielplatzbe­such­er beieinan­der ste­hen und sitzen. Während ich dem Nach­wuchs erzäh­le, was vor seinem Auge alles vor sich geht, passiert uns eine Mut­ti mit Sohne­mann, die sich, wie sich bald her­ausstellt, zum Koten des Jünglings hin­ter einem spär­lich beblät­terten Gebüsch verzieht. Auf dem Rück­weg putzt sie sich mit einem Tem­po die Hände und schnäuzt abschließend noch ein­mal hinein. Das näch­ste Mal set­ze ich mich in die andere Ecke, da geht es nicht so unge­niert zu.

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Der Bäck­er kündigt an, dass er heute zum let­zten Mal son­ntags öffnet. Wir nutzen die Chance nicht, da wir uns gestern voll­ge­fressen haben, und noch etwas Brot und Wozuhast­du­das­den­ngekauft-Corn­flakes da ist.

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Hausauf­gaben erledi­gen erlaubt.

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Fre­itagabends bekommt man beim Friseur ein paar Meter weit­er ein Feier­abend­bier zum Haarschnitt.

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Besuch der Fre­undin, die aber­mals an wen ger­at­en ist, der sich nicht entschei­den kann. Mit 42. Dabei sollte das doch die Antwort auf alles sein.

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Aben­dessen, dass wir mit 12 8 6 3 Leuten ver­putzt haben:

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Wir begießen dies mit dem guten Wein von Net­to und der Allzweck­waffe von Aldi.

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Auf dem Gehweg vor der Bank liegt ein selt­sames geplatztes Ei. Frage mich, was das über­haupt für ein Ei ist und bei welch­er Sit­u­a­tion es aus welch­er Höhe wohl zu Schaden kam:

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Der Nach­wuchs hat heute zunächst einen Gang zurück­geschal­tet, war aber nach der Küchen­schlacht wieder stim­mungsmäßig auf dem Dampfer, passend für den Münch­n­er Abendbe­such. Dem erzäh­le ich etwas über das Fedi­verse, von dem er am Rande schon gehört hat. Er als Infor­matik­er ist verblüfft, wie viele Com­put­er­sprachen für sowas angewen­det wer­den, die es vor 10 Jahren noch nicht gab.

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In der Krabbel­grup­pen­mes­sen­ger­gruppe schreibt jemand, er würde jeman­dem anders nicht in der Gruppe, son­dern pri­vat schreiben, ich denke zunächst, da ist wohl sep­a­rat gemeint, aber wenn nicht, wenn da jemand ein­fach mal bess­er informiert ist als man selb­st, soll ja vorkom­men, unter welchen Vorze­ichen schreibt man denn dann in den Mes­sen­ger­grup­pen recht­mäßig rein?

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Die Mama der Heul­suse, für die heute schon das Krabbel­stun­den­be­grüßungslied zu viel war, hofft, dass ihr sen­si­bles Gemüt ihrem Nach­wuchs vielle­icht dere­inst im Beruf weit­er­hil­ft.

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Der Nach­wuchs hat 39,5° Fieber. Wir lesen ein Eltern­medi­z­in­buch, was bei Fieber alles für Eltern zu beacht­en ist. Nach der Lek­türe liegt das Fieber bei 38,8°. Lesen hil­ft. Oder das Fieberzäpfchen. Sollte man übri­gens nicht geben, sagt das Buch.

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Bin mit dem Nach­wuchs in der Trage beim Einkaufen, seine Schwimm­sachen im Ruck­sack auf dem Rück­en. Ver­liere einen Joghurt, der auf dem Boden zer­platzt und stoße beina­he Glas­fläschen aus dem Regal, als ich einen Ersatzjoghurt aus­suche und den auss­chwenk­enden Ruck­sack nicht auf dem Schirm habe. Nach­wuchs schaut dem Treiben inter­essiert zu.

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Was machen wir heute? Schweine brat­en!

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Der Nach­wuchs, der seit zwei Tagen Mama, aber auch Bapa­pa­pa­pa sagen kann, bekommt heute nach Pack­ungsan­weisung 240ml Pre-Baby­nahrung und ist seel­ig.

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Ich hole den ersten Reisep­a­ss für den Nach­wuchs. Um die Zeit zu vertreiben, erzäh­le ich der Beamtin, die auch junge Mut­ter ist, meine Luxu­skinder­wa­gen­mamithe­matik. Daraufhin sie:

Ach, das sind doch die mit den run­den Kringeln. Die sieht man echt über­all in der Stadt, eine richtige Schwemme. Meine Schwiegermut­ter dachte immer, dass das — wegen dem Logo — Wer­begeschenke sind, von O².

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Ich gehe mit dem Nach­wuchs in den Gebraucht­bücher­laden. Der Nach­wuchs erken­nt den Kassier­er Ben­no wieder und fängt mehrfach an zu lachen, ohne dass Ben­no etwas macht.

Hast du dem was gegeben? Werde ich aus­gelacht?

Nein, ich glaube, da ist jemand ein­fach glück­lich ein sym­pa­this­ches Gesicht wieder zu sehen.

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Ich schiebe den Kinder­wa­gen in den Super­markt. Vor ein paar Wochen wurde meine bessere Hälfte in der Bahn von einem älteren Her­rn ange­sprochen:

Entschuldigung, aber ihr Kind ist ger­ade unruhig. Wis­sen Sie warum? Es erstickt ger­ade. Kön­nen Sie mir glauben, ich bin Arzt.

Ich schiebe also den Kinder­wa­gen in den Super­markt, komme an die Kasse und der vor mir Bezahlende meint:

Ihr Kind sieht nichts!

Zwei Kassen­schlangen und ich nehme die mit dem auskun­fts­freudi­gen Optik­er. Ist schon okay, sage ich, wenn ihm die Mütze ins Gesicht gerutscht ist, schläft er bald ein.

Sieht aber nicht danach aus, dass er gle­ich schläft.

Men­schen­recht­sop­tik­er mit Zukun­ft­saus­sicht­en.

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Abends gibt es für den Nach­wuchs erst­mals ein Gläschen Kartof­fel­brei­fleis­chgemisch. Ich pro­biere etwas davon wegen der Tem­per­atur und bin geschmack­lich wenig begeis­tert. Der Nach­wuchs stimmt mir zu.

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Der Nach­wuchs schläft, draußen zieht es sich zu und es begin­nt zu reg­nen. Nach langer Zeit komme ich dazu, mal Dinge im Inter­net zu repari­eren.

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Zum Mit­tagessen gibt es für den Nach­wuchs wieder Biodinkel­stan­gen, Apfel- und Bir­nen­mus mit Getrei­de und Musik von Wun­der­wolke. Dabei bemerke ich, dass es sich bei ein­er der Sän­gerin­nen um die Stimme von Bart Simp­son han­deln muss.

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Bio-Gemüse dün­sten, gequirltes Ei und saure Sahne salzen, pfef­fern, muskat­nussen, alles ver­men­gen und unter Streukäs­eschicht bei 225° 25 Minuten back­en lassen. Fer­tig ist das Abend- und morgige Mit­tagessen.

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Wir ver­passen den IC nach Hause, es kommt aber fünf Minuten später ein Zug mit dem­sel­ben Ziel. Der Schaffn­er der Zuges erk­lärt uns, dass wir im Zug eine Fahrkarte erwer­ben kön­nen. Wir soll­ten uns ein­fach irgend­wo hin set­zen, es werde nie­mand kom­men, der uns ver­scheuchte, weil es in unserem Abteil keine reservierten Plätze gäbe. Und nie­mand würde uns vorhal­ten, keine Fahrkarte zu haben, da er der Chef des Zuges sei. Über Laut­sprech­er sagt er dann, dass er Eddie hieße. Er hat so viel zu tun, weil er alleine im Zug alles zu man­a­gen hat, dass er nicht dazu kommt, uns eine Fahrkarte zu verkaufen.

Kinder mit Begleitung fahren heute ein­fach mal frei.

Immer­hin liefe es hier bess­er als bei HKX, weil Flix ein­fach bekan­nter sei und deswe­gen mehr Leute in den Zug bekäme. Er machte uns noch die Tür auf und wir wün­scht­en einan­der einen schö­nen Tag.

Wer ihn mal trifft: Her­zliche Grüße von uns! Unsere Sitz­nach­barin bit­tet uns, ihren Kof­fer aus der Ablage zu heben. Für einen Zweitage­saus­flug nach Ham­burg, von dem sie uns erzählt hat, ist er in der Tat unge­mein schw­er und wir rät­seln, was da drin gewe­sen sein mag. Meine bessere Hälfte tippt auf eine Leiche.

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Am Gleis springt leb­haft ein schmutzig wirk­ender Mann umher:

Haben Sie vielle­icht eine Kleinigkeit? Oder irgend­was zu essen zwis­chen Gum­mibären und Schnitzel?

Meine bessere Hälfte gibt ihm eine ange­broch­ene Biodinkel­stan­gen­tüte, woraufhin eine daneben sitzende Dame einen Schoko­ladeoster­hasen mit Glöckchen raus­rückt. Darauf der beglück­te Mann:

Oh, echt jet­zt? Das ist ja toll. Vie­len, vie­len Dank. Da wün­sche ich mal schöne Ostern. Darf man schon schöne Ostern wün­schen? Schöne Wei­h­nacht­en wün­scht man ja schon ab Toten­son­ntag, aber bei Ostern weiß ich das nie. Jeden­falls: Danke!

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An der Bushal­testelle läuft mir eine schmutzig gek­lei­dete, junge Dame über den Weg, schaut auf den Fahrplan, lacht, dreht sich um, und sagt zu ein­er neben mir ste­hen­den jun­gen Dame:

Wür­den Sie mir 50 Cent geben? Ich werde sie aber nie zurück­geben kön­nen.

und ern­tet ein ver­brämtes

Ich glaube nicht.

Bet­tler soll­ten ihre AGBs wohl auch mal über­ar­beit­en, mehr Honig um’s Maul, weniger Real­is­mus.

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