bokern

Ich hab eine neue Sportart erfun­den. Das Tolle ist, dass sie vol­lkom­men legal und risikofrei ist. Und man hat doch Spass daran und span­nend ist es irgend­wie auch. Das Beste daran ist aber, dass nie­mand gefragt wer­den muss, ob er mit­spielt, er wird es tun müssen.

Die Idee zu diesem Spiel kommt vom derzeit immer pop­ulär­er wer­den­den Pok­ern. Ich nenne das Spiel Bok­ern und spiele es derzeit nur am Bahn­hof. Das Spiel läuft so: Ich stelle mich am Schal­ter des Bahn­hofs an, um mir eine Fahrkarte zu kaufen. Das Wichtig­ste ist, dass man Klein­geld für die Karte dabei hat, keine Scheine. Je klein­er das Klein­geld, desto vari­anten­re­ich­er wird das Bok­ern.

Wenn ich jet­zt an die Rei­he komme, gebe ich dem Bah­nangestell­ten zuerst die Ansage, was für ein Tick­et ich will. Zeit­gle­ich begin­nt nun Bok­ern und Ein­tip­pen der Ansage in den Com­put­er. Das Bok­ern beste­ht zunächst darin, das Klein­geld auf dem Schal­ter­tisch in zwei bis drei Stapeln zu ord­nen. Die Art der Ord­nung ist egal. Man kann die unschön­sten Münzen nach unten leg­en und immer die nächst schöneren darauf stapeln, man kann nach Län­dern, Wert, Farbe, Größe oder Motiv­en sortieren und so weit­er.

Eben­so ist es möglich,  in den unter­schiedlichen Stapeln nach unter­schiedlichen Ord­nun­gen oder nach zwei Ord­nun­gen (Farbe und Schön­heit)  zu stapeln. Oder beim Stapeln die Ord­nungsarten spon­tan wech­seln. Dann muss man eben spon­tan umstapeln.

Ab und zu kann man auch, der Ord­nung hal­ber, die Münzen mit ein­er Hand auf­fassen und durch­flip­pen, so dass die Münzen gegeneinan­der klack­ern. Hautp­sache man been­det das Stapeln in etwa zur gle­ichen Zeit, wie der Bahn­hof­sangestellte mit seinem Ein­tip­pen fer­tig ist.

Wenn das also zeit­gle­ich ein­tritt, atme ich tief durch, denn das Stapeln sollte nun in Ord­nung sein, umfasse meine Münzstapel bei­d­händig mit Dau­men, Zeige- und Mit­telfin­ger und schiebe die Münzstapel dem Bahn­hof­sangestell­ten auf dem Tisch bedeu­tungss­chwanger ent­ge­gen.

Das Spiel habe ich gewon­nen, wenn der Bahn­hof­sangestellte mich jet­zt gen­ervt anguckt mit einem Blick, der die Frage bein­hal­tet, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe. Aber keine Sorge, das ist nur das Bok­er-Face …

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