sommerlese

Susanne Don­ner — End­lager Men­sch: Wie Schad­stoffe unsere Gesund­heit belas­ten Erhel­lende Infos über die Gefahren chemikalis­ch­er Sub­stanzen, die auf uns eingeben, so weit man über­haupt davon weiß.
Michelle Stein­beck — Einges­per­rte Vögel sin­gen mehr Die Gedichte Stein­becks sind zwis­chen erheit­ernd, wegkat­a­pul­tierend und am Aller­w­ertesten vor­beige­hend anzusiedeln. Was will man mehr von einem Gedichts­band?
Der Dop­pel­dau­men­mann — Vor­sicht vor dem Abwasser­clown Blödelgeschicht­en eines geforderten Vaters. Aktuell und witzig, aber schwank­end in der Sub­stanzial­ität der Geschicht­en. Zumin­d­est was für Betrof­fene.
Hape Ker­kel­ing — Pfoten vom Tisch! Meine Katzen, andere Katzen und ich Irgend­wie weil ich schon alles von Ker­kel­ing gele­sen habe, kam mir auch dieser trutschige Schinken unter die Augen. Nur für Fans erzählt der Humorist men­schel­nd, aber keine Höhen erk­lim­mend, über seine vier­beini­gen Fre­unde. Lahm. 
Max Czollek — Desin­te­gri­ert euch! Zwis­chen Slam-Poet­ry und bloßem Geschwätz wird gar nicht klar, was das Buch bezweck­en soll. Ob man sich noch an die Rede Mar­tin Walsers in der Paulskirche erin­nere, fragt der Autor. Er habe damals wohl den Sand­mann geschaut. Mor­gens um 11? Unge­fähr so daneben ist das alles.

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junilese

Eva und Ilja Richter — Der deutsche Jude Der Titel ist der Rei­he geschuldet, wird bedauert aber auch nicht ganz kor­rigiert. Der Schmök­er von 1989 hat erstaunlich wenig Staub ange­set­zt und in einem Buch, das auch von Anti­semitismus und den Gräueltat­en der Nazis han­delt, ist das eben auch ein bit­ter­er Befund. Ilja Richters schalkhafte Art tritt in den Tex­ten wieder­erkennbar auf, die Texte der Mut­ter sind weniger jack­e­lig, man wün­schte sich etwas mehr Aus­führlichkeit. Hätte ich zu mein­er Schulzeit gerne gelesen. 
Gary Andrews — Find­ing Joy Emo­tionales Trauer­buch mit Zeich­nun­gen und Geschicht­en von Gary Andrews zu seinem neuen Fam­i­lien­leben ohne seine ver­stor­bene Frau. 
Jen­nifer Egan — Black Box In 140-Zeichen gehal­tener Roman, so wie es mal auf Twit­ter Usus war, als Instruk­tion­s­geben ein­er Spi­onin. Inter­es­san­ter als ich erwartet hätte. Wegen der lit­er­arischen Sprache fühlt man sich manch­mal in einen James-Bond-Streifen versetzt. 
Har­ry Rowohlt — Pooh’s Cor­ner (1989–1996) Gesam­melte Kolum­nen, die immer noch unter­halt­sam sind. 
Heiko Arntz; Gerd Haffmanns (Hrsg.) — Der-Har­ry-Rowohlt-Raabe Durch Bilder, Inter­views und Briefe ist dieser Nachk­lapp zu Pooh’s Cor­ner fast noch interessanter. 
Hans Krup­pa — Nur für dich Krup­pas Gedichte sind mir zu Abiturzeit­en mal über den Weg gelaufen, da kam dann auch dieses Büch­lein in meinen Büch­er­schrank. Ich kann an den seicht­en Liebesgedicht­en allerd­ings keinen Gefall­en finden. 

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mailese

David Bad­diel — Jews don’t count Wellen­schla­gen­der Mei­n­ungs­beitrag des Schrift­steller und Komik­ers, der aufzeigt, wie Juden im englis­chspracheigen Raum als Rand­gruppe oft überse­hen wer­den. Der deutsche Titel soll “Und die Juden?” heißen, was ich für einen unange­bracht­en Whataboutism halte. 

Moritz Tscher­mak; Mats Schö­nauer — Ohne Rück­sicht auf Ver­luste: Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spal­tet Die Blödzeitung ist ein wider­lich­es Blatt, dass ich schon seit Jahrzehn­ten nicht mehr in die Hand genom­men habe. Die Bild­blog-Artikel haben mich erst inter­essiert, dann weniger, weil ich die Blödzeitung ein­fach nicht lese. Mit diesem Buch kann man nach­holen, was man ver­passt hat: Sek­te­nar­ti­gen Jour­nal­is­mus, der andere angreift. 

Ulf Heuner — Dummes Denken deutsch­er Denker Gewitztes Auseinan­dernehmen deutsch­er Feuil­leton­größen, das einen wun­dern lässt. Muss aber eingeste­hen, so inten­siv kenne ich die alle nicht, als dass ich inhaltlich gut werten könnte. 

Paul From­mey­er — Möller
Sel­tener Ein­blick in das All­t­agsleben eines Leichtathletikprofis. 

Con­stan­tin Schreiber — Die Kan­di­datin Die Grun­didee bei Houelle­becq klauen, dem dann aber stilis­tisch und inhaltlich nicht ansatzweise das Wass­er reichen kön­nen, sowas ergibt einen ärg­er­lichen Trashroman.

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gepiekst

Ich habe eine erste Schutz­imp­fung gegen Coro­na hin­ter mir. Ich gehe jet­zt zwar nicht mehr so bedenken­voll zum Einkaufen, aber eine zent­ner­schwere Last füh­le ich auch nicht von mir abfall­en, wie andere bericht­en. Schließlich kann man immer noch erkranken und das Virus ver­bre­it­en. Und in meinem Umfeld sind die Meis­ten ja noch ungeimpft, da ist man auch noch nicht so beruhigt drüber. Aber dankbar bin ich und erfreut, was dank der Wis­senschaft heute so schnell möglich ist.

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zweitlockdown

Wir schreiben das zweite Jahr, in denen uns das Covid19-Virus bedro­ht, in dem wir eingeschränkt unser Pri­vatleben aufrechter­hal­ten, das Beruf­sleben ummod­eln und nach vorne schauen, dass es mal anders wird. Und uns geht’s gut, das denken wir heim­lich, genießen das Einge­höh­le, das anderen ein Gefäng­nis ist, reg­istri­eren, wie andere richtig zu ack­ern haben in dieser Zeit, wie andere lei­den, wie andere schlechter organ­isiert sind als unsereins.

Und was sich tat­säch­lich ändert, das rauscht an uns vor­bei, als sei der Flur­funk einge­stampft wor­den. Welche Geschäfts pack­en es nicht, wer kann gerettet wer­den, was wird uns fehlen, wenn die Bestand­sauf­nahme erstellt wird? Wen trifft man wieder, welch­er Kon­takt bleibt schwach?

Wer ist auf Augen­höhe? Wer geschwächt, zurück, von der Rolle, aus der Bahn? Wer schöpft mehr Kraft aus dem Neustart, wer gewin­nt? Wem kann man helfen, wen lässt man in Ruhe und wo meldet man sich fra­gend zu Wort? Immer hof­fend, nicht ger­ade jet­zt Langzeit­fehler zu begehen.

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Aufgewacht. Benebelt. Auf die Uhr geschauft. Keine 5. Meeeeeh. Aufge­s­tanden. In die Küche geta­pert. Licht eingeschal­tet. Gegrum­melt. Schrank aufgemacht. Ach guck’ ein­er an, was wir da noch haben. *knack*

Schrei aus dem Kinderzimmer:

Papa! Sjokke­laden!

Der Ver­rat lauert immer und überall.

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dezemberlese

Deb­o­rah Feld­man — Unortho­dox Süf­fig les­bare Befreiungs­geschichte ein­er jun­gen Jüdin aus ihrer sek­tenähn­lichen Gemeinschaft. 

Tom Finnek — Gal­gen­hügel Sprach­lich über­durch­schnit­tlich für einen Lokalkri­mi macht dieser Schmök­er doch ein paar Wen­dun­gen zu viel, um in ein­er flauen Auflö­sung zu enden. 

Lucy Fricke — Töchter Haupt­pro­tag­o­nis­ten fährt beste Fre­undin und deren Vater zu dessen let­ztem Abend in der Schweiz. Es kommt alles anders und dieser net­ten Road-Movie-Geschichte mit witzi­gen Einschüben. 

Youp van ‘t Hek — In coro­ntaine Beschwingte, klas­sis­che Kabaret­tkolum­nen des nieder­ländis­chen Alt­meis­ters aus sein­er Coronaquarantänezeit. 

Ste­fan Holtköt­ter — Das Geheim­nis von Vennhues Atmo­sphärisch­er Lokalkri­mi mit deut­lichen Logik­löch­ern, unau­then­tis­chen Dialo­gen und ein­er hanebüch­enen Auflö­sung, auf die zufäl­lig gekom­men wird. Ansprechend geschrieben, aber nur für das lokale Pub­likum interessant. 

Simone Lap­pert — Der Sprung Eine Art Ens­able-Roman: Diverse Fig­uren, die etwas erleben, beschreiben die Sit­u­a­tion, wie sich eine Frau in den Tod stürzen will. Um dem Leser keine Deu­tung aufzuer­legen, son­dern ihm die Deu­tung der Haupt­fig­ur zu über­lassen, wird diese nur indi­rekt über andere beschrieben. Ich fand es zwar drama­tisch, aber zu vage, nicht tief­sin­nig und dadurch zu lang­weilig. Und was, bitte schön, ist eine “halb­herzig spie­lende Katze”? 

Chi­na Mieville — Tha last days of New Paris Das Nachkriegsparis wird nach dem Abwurf ein­er S(urrealistischen)-Bombe von degener­ierten und sur­re­al­is­tis­chen Krea­turen belagert, den Nazis eben­so und von Ein­heimis­chen vertei­digt. Um der Grun­didee gerecht zu wer­den, ist dieser trashige Geschichte ab und an nicht ein­fach zu folgen. 

Min­ka Pradel­s­ki — Es wird wieder Tag Die trau­ma­tis­chen Belas­tun­gen von KZ-Lager-Geschädigten wer­den mit fan­tasiert­er Begleit­geschichte gekop­pelt, kommt aber nicht ganz zum Punkt. 

Joachim Ringel­natz — Warten auf den Bumerang Schöne von Robert Gern­hardt besorgte und mit einem Nach­wort gead­elte Gedichtssammlung. 

Zadie Smith — Inti­ma­tions Per­sön­liche Gedanken über die Belas­tun­gen in der Coro­na-Pan­demiezeit ohne son­der­liche Höhepunkte. 

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Meine Art von Wei­h­nacht­stra­di­tion ist es zumin­d­est zwei Jahre hin­tere­inan­der, mir den Magen zu verder­ben mit Süßem, Fet­tigem und Sah­nigem. Zudem ist es inzwis­chen bei uns so, dass alle Nach­barn den Kindern gegen­seit­ig Süßkram zu Wei­h­nacht­en schenken. Jet­zt ist davon so viel im Schrank, dass ich gar nicht weiß, wie man das alles jemals an Töcht­ing ver­füt­tern könnte.

Bei uns ist coro­n­abe­d­ingt der Schoko­ladenkon­sum in diesem Jahr gestiegen, die Fit­ness­betä­ti­gun­gen gesunken. Und doch reizt mich unser Süßigkeit­en­schränkchen eher wenig. Er wird sich leeren, das ist sich­er, aber nun.

Bekan­nte von uns haben immer einen vollen Süßigkeitss­chrank und der führte ange­blich dazu, dass kaum Süßigkeit­en kon­sum­iert wer­den. Die wer­den dann auf den Tisch gehauen, wenn Gäste da sind. So ganz hab ich das Sys­tem auch nicht ver­standen. Eben­so bekomme ich zu Wei­h­nacht­en Bilder mit der­art vie­len Geschenken unter dem Wei­h­nachts­baum, dass man sich fragt, wie lange die Kinder allein für’s Aus­pack­en brauchen werden.

Wieso auch immer der­art was auch immer kom­pen­siert wer­den muss, wieso geht das immer in eine Quan­titäts- und keine Qualitätssteigerung?

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