sommerlese

Anni­ka Büs­ing — Nord­stadt Aus­drucksstark­er Roman über junge Erwach­sene. Nahe am Leben, tre­f­fend in den Forulierungen.
Hervé le Tel­li­er — Die Anom­alie Unter­halt­samer Ver­wirrungsthriller aus unter­schiedlichen Persketiven. 
Sven Regen­er — Glit­ter­schnit­ter Wieder sehr lan­gat­miger Roman aus dem Lehman-Uni­ver­sum. Der Sound ist okay für Eingewei­hte, alle anderen wer­den ver­ständ­nis­los mit den Schul­tern zucken. 
Jan Böh­mer­mann — Gefol­gt von nie­man­dem, dem du fol­gst Wirk­lich nichts anderes als irgend­was aus sein­er getwit­terten Zeitleiste. Leute haben dafür Geld ausgegeben?
Atze Schröder — Blauäugig Von Till Hohened­er bemüht aufge­hüb­schte Halb­bi­ografie der selb­ster­nan­nten Com­e­dyle­gende ist im span­nungslosen Hohened­er­stil so lang­weilig und seicht, dass es in der Lit­er­a­turecke neben Ker­kel­ings Pudel­buch seinen Platz findet. 
Kevin Hearne — Do not eat! Wie ein T‑Shirt mich vor Aliens bewahrte Erwartungs­los begonnenes Sci-Fi-Büch­lein über eine Ent­führung durch Alien, die nichts Neues abliefert. Zum Duch­blät­tern, wenn keine Super­mark­t­prospek­te zur Hand sind. 

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urlaub

… und Töcht­ing kränkelt gle­ich am ersten Tag etwas. Hoffe, das geht fix vor­bei. Let­zte Woche waren es hier in Nord­de­ich über 30° Cel­sius und für unsere Vormi­eter wohl nicht so erträglich, die hin­gen dann auch wohl nur in der Bude rum, erzählte der Ver­mi­eter. Hätte ich dann auch nicht getan. Diese Woche sind es erträglichere Anfang 20° Cel­sius, was uns wohl nicht unbe­d­ingt ins küh­le Meer treibt. Naja, zumin­d­est wohl die Kinder nicht.

Zum Ein­stand gab es Kibbel­ing für alle, zwei Por­tio­nen reichen unser­er Fam­i­lie da ja auch schon, von unser­er Lieblings­fast­food­schmiede im Ort. Töcht­ing war es dann aber zu kalt und sie wollte danach fix ins Bett.

Beim Woch­enen­deinkauf im lokalen Ket­ten­han­dels­geschäft viel mir wenig berauscht auf, dass wohl in Baden-Würt­tem­berg noch Som­mer­fe­rien sind, was sich am Gewese beim Kassen­schlangeste­hen etwas bemerk­bar machte. Dafür ist unsere Unterkun­ft wun­der­prächtig und akzent­frei. Geht doch.

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übertriggert

Ein Fre­und feierte Hochzeit und wir beschlossen, dass nur die Köni­gin dort hinzieht und ich die bei­den Kurzen bekämpfe. Um Töcht­ing bei der Frage, wo die Mami wohl hin will, nicht unnötig zu trig­gern, über­legte sich die Köni­gin, etwas nicht so Trig­gern­des zu sagen. Ja, was kann da schon schief gehen? Und so sagt sie die gold­e­nen Worte:

Ich gehe zu einem Fre­und auf eine Party.

Viel mehr habe ich nicht mit gekriegt, weil der Knall so laut war, als mein Kopf auf die Tis­ch­plat­te krachte. Schön und gut, das The­ma des Haus­es für den Sam­stagabend war gesetzt:

Wer ist der Fre­und? Ist das auch mein Fre­und? Das ist auch mein Fre­und! Kenn ich den? Wir müssen auch auf die Par­ty! Kön­nen wir da hin? Ich will auch Fre­unde haben, wenn ich mal groß bin! Kön­nen wir da jet­zt hin?

In ein­er Tour. Bis zum Schlafenge­hen. Auch die Gute-Nacht-Geschichte wurde dank Töchtig zur Daseins­frage, wieso Hänsel und Gre­tel anstelle dieses lah­men Waldspazier­gangs nicht ein­fach bei Fre­un­den über­nacht­en und da eine Par­ty feiern.

Das absolute High­light war aber der etwas gebroch­ene Blick der Erzieherin­nen am Mon­tag­mor­gen, als Töcht­ing im Kinder­garten ankam und auf die eher harm­lose Frage, wie denn ihr Woch­enende gewe­sen sei, mit trau­riger Miene antwortete:

Meine Mami war bei ihrem Freund.

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nicht von hier

Kom­men Sie aus dem Nor­den? Hamburg?

— Joah, Nähe Osnabrück.

Hab ich mir gle­ich gedacht, dass Sie kein Düs­sel­dor­fer sind. Nordis­ch­er Akzent. Kenn ich. War früher im Nor­den auf Mon­tage. Schw­erin. Ros­tock. Gle­ich erkan­nt. War da lange unterwegs.

Da sach­ste ein­mal “Moin!” im Treppenhaus.

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sommerlese

Susanne Don­ner — End­lager Men­sch: Wie Schad­stoffe unsere Gesund­heit belas­ten Erhel­lende Infos über die Gefahren chemikalis­ch­er Sub­stanzen, die auf uns eingeben, so weit man über­haupt davon weiß.
Michelle Stein­beck — Einges­per­rte Vögel sin­gen mehr Die Gedichte Stein­becks sind zwis­chen erheit­ernd, wegkat­a­pul­tierend und am Aller­w­ertesten vor­beige­hend anzusiedeln. Was will man mehr von einem Gedichts­band?
Der Dop­pel­dau­men­mann — Vor­sicht vor dem Abwasser­clown Blödelgeschicht­en eines geforderten Vaters. Aktuell und witzig, aber schwank­end in der Sub­stanzial­ität der Geschicht­en. Zumin­d­est was für Betrof­fene.
Hape Ker­kel­ing — Pfoten vom Tisch! Meine Katzen, andere Katzen und ich Irgend­wie weil ich schon alles von Ker­kel­ing gele­sen habe, kam mir auch dieser trutschige Schinken unter die Augen. Nur für Fans erzählt der Humorist men­schel­nd, aber keine Höhen erk­lim­mend, über seine vier­beini­gen Fre­unde. Lahm. 
Max Czollek — Desin­te­gri­ert euch! Zwis­chen Slam-Poet­ry und bloßem Geschwätz wird gar nicht klar, was das Buch bezweck­en soll. Ob man sich noch an die Rede Mar­tin Walsers in der Paulskirche erin­nere, fragt der Autor. Er habe damals wohl den Sand­mann geschaut. Mor­gens um 11? Unge­fähr so daneben ist das alles.

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junilese

Eva und Ilja Richter — Der deutsche Jude Der Titel ist der Rei­he geschuldet, wird bedauert aber auch nicht ganz kor­rigiert. Der Schmök­er von 1989 hat erstaunlich wenig Staub ange­set­zt und in einem Buch, das auch von Anti­semitismus und den Gräueltat­en der Nazis han­delt, ist das eben auch ein bit­ter­er Befund. Ilja Richters schalkhafte Art tritt in den Tex­ten wieder­erkennbar auf, die Texte der Mut­ter sind weniger jack­e­lig, man wün­schte sich etwas mehr Aus­führlichkeit. Hätte ich zu mein­er Schulzeit gerne gelesen. 
Gary Andrews — Find­ing Joy Emo­tionales Trauer­buch mit Zeich­nun­gen und Geschicht­en von Gary Andrews zu seinem neuen Fam­i­lien­leben ohne seine ver­stor­bene Frau. 
Jen­nifer Egan — Black Box In 140-Zeichen gehal­tener Roman, so wie es mal auf Twit­ter Usus war, als Instruk­tion­s­geben ein­er Spi­onin. Inter­es­san­ter als ich erwartet hätte. Wegen der lit­er­arischen Sprache fühlt man sich manch­mal in einen James-Bond-Streifen versetzt. 
Har­ry Rowohlt — Pooh’s Cor­ner (1989–1996) Gesam­melte Kolum­nen, die immer noch unter­halt­sam sind. 
Heiko Arntz; Gerd Haffmanns (Hrsg.) — Der-Har­ry-Rowohlt-Raabe Durch Bilder, Inter­views und Briefe ist dieser Nachk­lapp zu Pooh’s Cor­ner fast noch interessanter. 
Hans Krup­pa — Nur für dich Krup­pas Gedichte sind mir zu Abiturzeit­en mal über den Weg gelaufen, da kam dann auch dieses Büch­lein in meinen Büch­er­schrank. Ich kann an den seicht­en Liebesgedicht­en allerd­ings keinen Gefall­en finden. 

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mailese

David Bad­diel — Jews don’t count Wellen­schla­gen­der Mei­n­ungs­beitrag des Schrift­steller und Komik­ers, der aufzeigt, wie Juden im englis­chspracheigen Raum als Rand­gruppe oft überse­hen wer­den. Der deutsche Titel soll “Und die Juden?” heißen, was ich für einen unange­bracht­en Whataboutism halte. 

Moritz Tscher­mak; Mats Schö­nauer — Ohne Rück­sicht auf Ver­luste: Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spal­tet Die Blödzeitung ist ein wider­lich­es Blatt, dass ich schon seit Jahrzehn­ten nicht mehr in die Hand genom­men habe. Die Bild­blog-Artikel haben mich erst inter­essiert, dann weniger, weil ich die Blödzeitung ein­fach nicht lese. Mit diesem Buch kann man nach­holen, was man ver­passt hat: Sek­te­nar­ti­gen Jour­nal­is­mus, der andere angreift. 

Ulf Heuner — Dummes Denken deutsch­er Denker Gewitztes Auseinan­dernehmen deutsch­er Feuil­leton­größen, das einen wun­dern lässt. Muss aber eingeste­hen, so inten­siv kenne ich die alle nicht, als dass ich inhaltlich gut werten könnte. 

Paul From­mey­er — Möller
Sel­tener Ein­blick in das All­t­agsleben eines Leichtathletikprofis. 

Con­stan­tin Schreiber — Die Kan­di­datin Die Grun­didee bei Houelle­becq klauen, dem dann aber stilis­tisch und inhaltlich nicht ansatzweise das Wass­er reichen kön­nen, sowas ergibt einen ärg­er­lichen Trashroman.

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