Stichwort: niggemeier
Sonntag, den 4. Oktober 2009   

ohne niggemeier geht’s nicht

Ich habe so ganz leichte Bedenken wenn es um Ste­fan Nigge­meier geht, denn er behan­delt ja größten Teils nur das Fernse­hen. Meine Befürch­tung ist, dass man Scheuk­lap­pen auf­baut, wenn man sich immer nur mit Fernse­hen beschäftigt. Aber immer­hin kommt Nigge­meier immer wieder mit guten Tex­ten oder guten Beobach­tun­gen. Dass das eben nicht ganz so ein­fach ist, merkt man an den Ersätzen, die, immer wenn Nigge­meier in Urlaub ist, ver­suchen seine Geschäfte weit­er zu führen. Ich weiss gar nicht so recht warum.

Weil Leser abwan­dern, weil Nig­gmeier mal 2 Wochen nicht da ist? Weil Leser so an ein­er Fernsehschelte hän­gen? Zumin­d­est das wird von seinen Ersatzschreibern bis­lang nie erfüllt. Das ist immer so ein nigge­meiern ohne den gekon­nten Schritt zurück vom The­ma, wodurch die Texte sich eine gewisse Erhaben­heit über das Fernse­hen ver­schaf­fen.

Heute ist das wieder beispiel­haft nachzule­sen am Text “Let­ter­man” von Nils Minkmar. Die FAS geht ja schon über, drunter zu schreiben “Wir vertreten ihn, so gut wir kön­nen.” Wirk­lich?

Minkmar ver­sucht eine Szene aus der David-Let­ter­man-Show her­auszuheben, die ich ver­gan­gen Woche schon geblog­gt habe. Ein paar Inter­net­nutzern dürfte der Hit­ner­grund also bekan­nt sein, aber sich­er nicht allzu vie­len: Let­ter­man ist von jeman­dem nach ein paar Tre­f­fen um 2 Mio. Dol­lar erpresst wor­den, weil dieser Jemand veröf­fentlichen wollte, dass Let­ter­man mit eini­gen sein­er Angestell­ten Sex hat­te.

Minkmar bringt diese kleine Info nicht sachgerecht in seinen Text unter: Er spricht zwar von Erpres­sung, nen­nt aber nicht die Summe, son­dern redet davon, dass Let­ter­man sich am Arbeit­splatz ver­liebt hat. Ich weiss nicht, ob Minkmar das The­ma voll auf dem Schirm hat, aber es ging nicht darum, dass Let­ter­man sich ver­liebt hat. Das hat er zwar offen­sichtlich auch, denn seine jet­zige Frau hat auch schon für seine Sendung gear­beit­et.

Der wesentliche Punkt ist aber das Sex­haben Let­ter­mans mit ein­er Anzahl von Bedi­en­steten. Das kann einem gerne am Aller­w­ertesten vor­beige­hen. Überse­hen sollte man nur nicht, dass dies für die kon­ser­v­a­tiv­en Medi­en­mach­er in den USA ein langersehntes, gefun­denes Fressen ist. Let­ter­man instru­men­tal­isiert seine Sendung zur öffentlichen Klärung dieser Pri­vatan­gele­gen­heit, was tak­tisch nicht völ­lig unsin­nig erscheint.

Wie diese Geschichte aus­ge­ht, d.h. ob die Kon­ser­v­a­tiv­en doch noch ver­suchen wer­den, Let­ter­man run­terzu­moral­isieren, wird man in kom­mender Zeit sehen. Schade nur, dass Minkmar diese Pointe ver­passt. Es wäre eine typ­is­che einen Schritt zurück machende End­be­tra­ch­tung Nigge­meiers gewe­sen. Minkmar fällt aber nur ein, von sein­er got­tähn­lichen Verehrung Let­ter­mans zu reden.

Die ZEIT vom 06.10.2009: Let­ter­man entschuldigt sich für Sex­af­fären


Mittwoch, den 18. März 2009   

niggemeiers deformations- und systemgedanken

Mein Post beim Ste­fan Nigge­meier von let­zter Nacht wollte ich hier auch mal eben fes­thal­ten. Mehr für mich als für den geneigten Leser.
Lieber Ste­fan Nigge­meier,

ich bin mit der Aus­rich­tung dieses Artikels nicht ein­ver­standen und muss auch Gerd Blank, mit dem ich auf twinterview.de ein Gespräch über seinen Artikel, den du hier erneut ver­linkst, in Schutz nehmen.

Gerd Blank ist nicht deformiert und sein Artikel ist auch nicht Teil eines Sys­tems, das sich gegen Pri­vatan­wen­der von Twit­ter richtet. Die Sache ist nicht der­art rund, wie du sie hier darstellst, auch wenn die Kom­men­tarschreiber rel­a­tiv unkri­tisch bis­lang dem trotzi­gen Ton zus­tim­men.

Gerd Blank ist sicher­lich ein net­ter Typ, der aus gutem Grund bes­timmte Tweets am Tage des Amok­laufs für anstand­s­los emp­fand. So weit ist das okay. Aber ich glaube, dass er den besagten STERN-Artikel in der Hitze des Augen­blicks schrieb, so dass teils unver­ständlich ist und teils bspw. bzgl. der Gegenüber­stel­lung Qual­ität­sjour­nal­ist und Twit­ter­er völ­lig über­zo­gen und unzutr­e­f­fend. Der Artikel lässt eine sach­liche Ebene zu stark ver­mis­sen und hätte viel bess­er in einen pri­vat­en Blog gepasst als auf eine offizielle Seite des STERN.

Der Artikel passt nur insofern in die derzeit bekla­genswert niveauar­men Jour­nal­is­te­nar­tikel, als dass er fiebrig ver­fasst zu sein scheint. Diese Fiebrigkeit ist am aktuellen Jour­nal­is­mus bekla­genswert, macht aber kein Sys­tem aus. Alle Zeitun­gen wollen was über den Amok­lauf bericht­en, dabei sind die Bilder doch größ­ten­teils schon bekan­nt. Man würde sich oft wieder­holen. Bis man an ein sach­lich gutes, beschreibenswertes Bild des Täters her­ankommt, ist die Sto­ry „Amok­lauf” längst wieder out.

Also stürzt man sich auch auf Nebenkriegss­chau­plätze, auf denen schein­bar nichts zu ver­lieren ist. Außer eben das Anse­hen bei den poten­tiellen Lesern. Es sind viel zu viele „Jour­nal­is­ten” unter­wegs, die dem The­ma nicht gewach­sen sind, aber den­noch was sagen. Denen man ent­ge­gen­schreien möchte: „Nun halt doch endlich deine Fresse!” Sie verkaufen die Würde ihres Berufs ger­ade für die Hoff­nung, erster Berichter­stat­ter dieser Sto­ry zu sein, und im Namen von Zeitun­gen und Mag­a­zi­nen, die einst Qual­ität­sjour­nal­is­mus in Deutsch­land mit einge­führt haben. Als ob es bei dieser Geschichte irgen­det­was zu gewin­nen gäbe.


Mittwoch, den 16. April 2008   

nachrichtenkompetent

Feed me! Nein, dies wird kein Ein­trag darüber, dass ich ger­ade Pfunde ver­liere oder über die Ver­schließ­pack­ungs­diäten ander­er, son­dern über Nachricht­e­nauf­nahme.
Ein basaler Grund der Inter­net­be­nutzer ist es ja, an Nachricht­en zu gelan­gen. Hat man erst einen PC, fällt die Frage weg, ob man durchs Fernse­hen oder die tägliche Zeitungslek­türe nicht bess­er ver­sorgt wer­den würde. Dieser neuar­tige Flim­merkas­ten hat den Reiz des Mod­er­nen. Man reagiert auf den Reiz eher als auf den Inhalt, was einen zum Opfer macht.
Ich gehöre auch zu Es-der­art-Bequemhaben­woller, keine Frage. Ich lese nicht die Intouch, die auch von diesem Trend leben, aber meine Start­seite war lange Zeit die News­seite von Google. Das Argu­ment für diese Seite war, das die “besten” Infor­ma­tio­nen aller Nachricht­en­seit­en dort zusam­men gefasst wer­den. Die Nachricht­en­seit­en beklagten, dass ohne Gegen­leis­tung von ihrer Arbeit dort prof­i­tiert wer­den würde. Rein rechtlich ist das nicht rel­e­vant gewor­den. Rein per­sön­lich war es mir auch nicht rel­e­vant. Zeitun­gen müssen ausspie­len, dass sie “aus einem Guss” ihre Welt­sicht dar­legen. Anson­sten sind sie so aus­tauschbar wie der Inhalt von Googles News­seite.
Dann las ich ein­mal die Hal­tung Josep Weizen­baums zu Such­maschi­nen, knack­ig for­muliert als Vergessen Sie Google. Darin sagt er, wer über Google etwas sucht, gelangt doch eher sel­ten zu genau dem, was er zu suchen beab­sichtigt. Das stimmt. Man gelang zwar meist zu ganz brauch­baren Suchergeb­nis­sen, aber mit diesen ist die eigene Suche noch lange nicht been­det. Google vergessen kann man lei­der nicht, dazu dominiert es zu sehr das Inter­net. Aber bewusst Abstand hal­ten, kann man. Scroogle bietet schon ein­mal die Google-Suchergeb­nisse ohne Wer­bung, allerd­ings auch ohne Bilder­such­möglichkeit. Aber die benötigt man auch eher sel­ten, solange man eher sach­liche Infor­ma­tion haben möchte.
Aber zurück zu den Nachricht­en. Viele ken­nen es, manche noch nicht: Das kleine Fire­fox Hil­f­swerkzeug Brief. Dadurch kann man Nachricht­en von Blogs abbonieren. Die “durch­sucht” man zwar auch noch nach Rel­e­vanz, so ganz geht das nicht ohne, aber man schal­tet immer­hin z.b. zeitraubende Klatsch­pressen­tratsch ab und wird somit bess­er informiert. Und ich füh­le mich tat­säch­lich in den Bere­ichen, die mich inter­essieren, bess­er informiert, habe das Gefühl, weniger Unsinn aufnehmen und ver­ar­beit­en zu müssen. So lässt sich mit Infor­ma­tion schein­bar wirk­lich bess­er umge­hen. Und seit Tagen war ich nicht mehr irgend­wie bei Google. Beruhi­gend. Ein Aus­blick kön­nte tat­säch­lich sein, dass Feeds der News­seite von Google fern von direk­tem Kom­merz­denken Konkur­renz macht.

Meine Feeds sind derzeit:

Gul­li News, de.sci.philosophie, Die Zeit, Caschys Blog, Fernsehlexikon, DWDL, Ste­fan Nigge­meier, Stern­stunde Philoso­phie