Stichwort: literatur
Montag, den 6. Februar 2012   

alina bronsky — die schärfsten gerichte der tartarischen küche

Dies ist der zweite Roman von Ali­na Bron­sky nach Scher­ben­park. Er han­delt von ein­er tar­tarischen Mut­ter, die in Zeit­en der Sow­je­tu­nion groß gewor­den ist, von ihrem Mann ver­lassen wird, dann in der Aus­reisemöglichkeit nach Deutsch­land eine Entwick­lungschance sieht, wobei sie nicht merkt, wie sie ihre Fam­i­lie über­fordert und ins Unglück stürzt. Der Leser hät­te nun gern noch erfahren, wieso das über­haupt so ist, d.h. wieso ihr Charak­ter so verblendet religiös nutzenori­en­tiert ist, ohne Rück­sicht auf die Befind­lichkeit­en ander­er nehmen zu kön­nen. Ohne diese Auflö­sung ist das Buch ein Spiegel, der rus­sis­chen Frauen vorge­hal­ten wird. Schon oft so und so ähn­lich gehört und gele­sen, aber vielle­icht gut, dass es hier nochmal zwis­chen Buchdeck­el gepackt wur­de. Das Tem­pera­ment, von dem im ersten Buch die Rede war, ist hier nicht enthal­ten. Und bei Bron­sky weiß ich ger­ade nicht, wohin die Reise gehen soll, denn das aktuell neu erschienene Jugend­buch werde ich wohl nicht in die Hand nehmen, das hat eine andere Ziel­grup­pe.


Mittwoch, den 14. Dezember 2011   

erich kästner — fabian

Angeregt durch fluter habe ich das erste Mal Erich Käst­ner gele­sen. Bis­lang kan­nte ich nur Ver­fil­mungen sein­er Bücher. Fabi­an ist ein Anfangs­dreißiger in den Dreißiger Jahren des let­zten Jahrhun­derts. Ein moralis­cher Sprin­gins­feld, der sich nicht auf die niederge­hen­de Zustän­de sein­er Zeit ein­lassen kann. Das Buch ist eine Zus­tands­beschrei­bung der dama­li­gen Zeit und man kann sie sehr gut auf die heutige Zeit beziehen, was trotz all der mod­er­nen Tech­nol­o­gisierung doch etwas über­rascht. Irgend­wie hal­te ich den Roman nicht für ganz rund, aber es stört mich nicht weit­er.


Donnerstag, den 13. Oktober 2011   

agatha christie — die morde des herrn abc

Ich habe ja noch nie diese alten Krim­ik­las­sik­er gele­sen, von irgendwelchen Anle­sun­gen Sher­lock Homes’ mal abge­se­hen. Insofern woll­te ich dem mal nachkom­men, schließlich schlum­mern noch diverse englis­che Orginale von Agatha Christie irgend­wo in meinem Büch­er­schrank. Die Morde des Her­rn ABC ist ein net­ter, atmo­sphärischer Krimi, der vielle­icht etwas über­rascht, den man als Leser selb­st aber nicht lösen wird. Man liest mit, löst aber nicht mit. Ganz nett, wenn man mal ohne großar­tiges Grü­beln und Nach­denken was zu schmök­ern zur Hand nehmen möchte, mit­fiebern sitzt aber nicht drin.


Montag, den 11. April 2011   

tim binding — cliffhanger

Dieser Krim­i­nal­ro­man wur­de in Eng­land nur unter dem Pseu­do­nym T.J. Mid­dle­ton veröf­fentlicht. Nicht wun­dern also, wenn man unter dem Titel der deutschen Aus­gabe nichts in englis­cher Orig­i­nal­sprache find­et.

Cliffhang­er ist eine char­man­ter Krimi mit typ­is­ch britschem Humor, dabei nicht so steif, wie einige Ver­fil­mungen englis­cher Krim­is ger­aten sind. Anfangs hat die flap­sige Geschichte was von Ingrid Noll, wenn man solche Ver­gle­iche zulassen möchte. Im weit­eren Ver­lauf plätschert das Buch leicht­füßig vor sich hin und ist am Ende vielle­icht etwas lang ger­aten. Aber das sei der amüsan­ten Hand­lung ein­fach mal verziehen.

2011 fol­gte der Nach­fol­gekrimi Fish­nap­ping, der besser nicht zuer­st gele­sen wer­den soll­te.


Montag, den 14. Februar 2011   

arno geiger – der alte könig in seinem exil

Dieses Buch ist eine melan­cholis­ch anrühren­de Biogra­phie eines Sohnes über seinen dementen Vater. Arno Geiger voll­bringt den Draht­seilakt, den Lebens­abend seines totkranken Vaters sprach­lich, sach­lich und per­sön­lich angemessen reflek­tiert zu schildern ohne kitschig zu wer­den. Auch wenn man­beim Lesen keinen unge­mein genauen roten Faden aus­machen kann, gelingt Geiger ein fes­sel­ndes Por­trait.


Freitag, den 11. Februar 2011   

ralf bönt – icks

10 Jahre nach der Veröf­fentlichung von Icks wird es nun als Taschen­buch her­aus­gegeben. Ich weiß gar nicht, warum. Vielle­icht, weil es derzeit kaum ähn­lich gute Schrift­steller wie Ralf Bönt gibt. Dabei ist Bönt auch schon nicht so bekan­nt.

Der Ich-Erzäh­ler des Romans trifft während eines Flugs nach Amerika auf einen 33jähri­gen Arbeit­slosen, der in ein­er Mis­chung auch ich und der per­sön­lichkeit­slosen Vari­ablen x Icks genan­nt wird. Icks hat in the­o­retis­cher Physik pro­moviert und ger­ade seine Heimat­stadt besucht, was völ­lig deprim­ierend war. Denn diese Stadt war Biele­feld. Eine Stadt, die den jun­gen Mann so belastet, dass er sie nicht beim Namen nen­nt, weil es der deutsche Inbe­griff bedrück­ender Prov­inzial­ität sei.

Das eigentliche The­ma des Buch­es ist dann doch, wie ver­bit­tert den 33jähri­gen sein Aus­bil­dungsweg gemacht hat, der in kein­er Erfol­gs­geschichte ende­te, was in Ansätzen wohl biographis­ch zu Bönt aufge­fasst wer­den kann. Die Sprache ist wütend und die Sätze sind mitun­ter ausufer­nd lang. Wem das nichts aus­macht, den erwartet ein lehrre­ich­es Stück darüber, wie sich jemand, wenn auch schwarz­ma­lerisch, nicht unterkriegen lassen will.


Dienstag, den 8. Februar 2011   

georges simenon – maigret und pietr der lette

Dies ist der Mai­gret-Erstling des bel­gis­chen Krim­i­au­tors. Hat was von Der­rick, für alle, denen Mai­gret so gar nichts sagt. Mäßig bewe­gungsin­ter­essiert­er Kom­mis­sar bringt Mörder durch langsames Festziehen des Stricks zur Strecke. Wenig Span­nung, gut vorstell­bare Sit­u­a­tio­nen, ganz net­te, kurzweilige Unter­hal­tung.


Dienstag, den 25. Januar 2011   

paul torday – the irresistible inheritance of wilberforce

Also, dies ist ein gutes Buch, kein angenehmes, ein eher bedrück­endes, schw­eres Buch. Wer es lesen möchte, soll­te sich um des besseren Eigen­le­seein­drucks vielle­icht nicht weit­er­lesen. In der deutschen Über­set­zung heißt das Buch “Bor­deaux”.

Geschrieben ist die Geschichte so schlicht, wie ihr Held gestrickt ist: Es gibt keine Über­raschun­gen, keine Ironie, keine dop­pel­ten Böden, also nichts von dem, was “Lachs­fis­chen im Jemen” ausze­ich­nete.

Man kann diesen Roman ganz leicht missver­ste­hen, wenn man wie Felic­i­tas von Loven­berg annimmt, es sei so etwas wie sein Vorgänger: Lustige Pop­kul­tu­run­ter­hal­tung. Das ist es ger­ade nicht.

Aber Name­drop­ping allein macht noch keinen Weinken­ner und Tragik noch keinen Roman­helden.

Der Held des Buch­es, Fran­cis Wilber­force, ist ja auch kein son­der­lich guter Weinken­ner, das ist ja ger­ade der Witz. Der Held ist ein verkan­nter, oppor­tunis­tis­cher Soziopath, der sich zu Grun­de säuft. Und die Per­so­n­en in seinem Umfeld ahnen das bis auf den Ex-Fre­und sein­er Frau nicht:

I don’t know why I asked him. I know noth­ing about him than when I first met him. He seems to have wan­dered into our lives from nowhere. He’s Mr Nobody.

Sein Mitun­ternehmensin­hab­er Alex bringt etwa in der Mit­te das Prob­lem mit dem meist nicht mit Vor­na­men betitel­ten Wilber­force zur Sprache:

You know, when they put you togeth­er, Wilber­force, they left some­thing out. I don’t know what it is, but something’s miss­ing in you. You’re not nor­mal. I should have seen it before.

Aber was fehlt? Das muss sich der Leser zusam­men­puzzeln, will er nicht ober­fläch­lich ent­täuscht durch die Lek­türe wer­den wie Frau Loven­berg.

Angelegt ist das Buch in Rück­blick­en auf das Leben von Wilber­force, sofern es seinen Nieder­gang erk­lär­bar macht. Was fehlt Wilber­force fehlt ist Mit­ge­fühl mit anderen, das Sich-hinein-ver­set­zen-kön­nen in andere. So kann er keinen Unter­schied erken­nen zwis­chen Fre­und­schaft und ober­fläch­licher Bekan­ntschaft. Er entwick­elt keine tief­er­en Gefüh­le, auch nicht zu sein­er Frau. Als er deren Ex-Fre­und über sich reden hört, begreift er seine ober­fläch­liche Wirkung als Chance, sich anderen gegenüber als ver­stellt, als Rolle zu präsen­tieren. So wird er mal hier mal dor­thin getrieben und erliegt irgend­wann dem Alko­hol, den er als von anderen unerkan­nte Wis­senschaft begreift. Ein deutscher Weinken­ner weist ihn auf die Gefahr der ver­meindlichen Weinken­nerei hin:

Be care­ful. It is good to like wine; it is accept­able to love it, as I do; but what Fran­cis feels for wine is beyond love. You must be care­ful to stop at lik­ing. Even lov­ing is a lit­tle dan­ger­ous.

Aber das Ziehen ein­er Gren­ze find­et bei Wilber­force gar nicht statt. Und das endet für jemand anders tödlich.


Mittwoch, den 19. Januar 2011   

michail bulgakow – der meister und margarita

Der Tod ist in Moskau angekom­men, heißt dort Voland, will das Böse und schafft das Gute und übt so Druck aus auf Per­so­n­en, die mit seel­is­chen Krankheit­en, der Schaf­fung von Kun­st und der Reli­gion zu schaf­fen haben. Der Roman ist ein ziem­licher Höl­len­ritt, der vielle­icht nicht unbe­d­ingt fes­selt, aber die Aufmerk­samkeit des Lesers braucht, da von dauernd von der einen in eine andere Sit­u­a­tion gestolpert wird. Mir fehlt wohl noch das geschichtliche Ver­ständ­nis für die Geschichte, anson­sten war es gut, wenn auch irri­tierend, zu lesen.


Sonntag, den 16. Januar 2011   

martin suter – allmen und die libellen

Ach Gottchen, das ist auch schon wieder 14 Jahre her, dass ich das let­zte Mal was von Mar­t­in Suter gele­sen habe. Small World fand ich damals doch sehr behäbig. Mit All­men und die Libel­len geht es mir da ganz ähn­lich: Der erste Teil dieser Krim­i­nalgeschicht­srei­he ist zwar sprach­lich ansprechend geschrieben, aber Span­nung entste­ht so wenig wie bei den Pris­ma-Krim­is und die Charak­terze­ich­nun­gen sind sch­ablo­nen­haft.


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