Stichwort: politik
Donnerstag, den 18. Februar 2010   

wie mein fehler in die süddeutsche zeitung kam

Irgend­wie habe ich was, was Poli­tik­er gerne hät­ten: Glaub­würdigkeit.

Ich habe in den let­zten Wochen zwei Leser­briefe geschrieben, eigentlich nur deswe­gen, weil die lokale Presse meines Eracht­ens nicht kri­tisch genug den Fall Dieter Jasper dargestellt hat. Leser­briefe sind als Stilmit­tel immer etwas belastet, weil dem Schreiber immer der Wille, sich selb­st nach vorne zu stellen, unter­stellt wird. Naja, egal. Inter­es­sant am ersten Brief ist eigentlich, dass sich einzelne Dinge weit­er­ver­bre­it­en:

Es stimmt nicht, wenn ich schreibe, dass sich Jasper “naiv” genan­nt hat, er sagte “leicht­gläu­big”. Diese Behau­tung taucht aber in der Stel­lung­nahme der SPD der­sel­ben Zeitungsaus­gabe auf, die sich wohl an mir ori­en­tiert hat, da der Text schon tagsüber bei mir zu find­en war.

Ich schreibe auch, die Uni habe “nur einen Briefkas­ten”. Das stimmt nicht: Eine Inter­net­seite war zu Jaspers Pro­mo­tion und lange danach vorhan­den und Büroräume hat die Uni auch bis heute. Diese Briefkas­ten-Behaup­tung hat es allerd­ings in die Süd­deutsche Zeitung geschafft.

Immer­hin wan­dern auch die fehler­freien Stellen weit­er. Der zweite Leser­brief gefiel einem Frank Schulze wohl so gut, dass er ihn 1:1 in abgeordnetenwatch.de unterge­bracht hat.


Donnerstag, den 11. Februar 2010   

sich aufdrängende fragen bezüglich des falschen doktortitels von dieter jasper angesichts einer ausbleibenden öffentlichen stellungnahme

In der let­zten Woche hat die Kreis-CDU auf eine “rest­lose Aufk­lärung” durch Dieter Jasper bezüglich seines Dok­tor­ti­tels gehofft. Offen­sichtlich hat sie die bekom­men, die Öffentlichkeit bish­er allerd­ings nicht. Daher möchte ich ein­mal Fra­gen über typ­is­che Eigen­schaften von Pro­mo­tio­nen in der Schweiz stellen, die eine “rest­lose Aufk­lärung” sicher­lich beant­worten kön­nte:

Herr Jasper, haben Sie einen Dok­tor­vater? Oder gab es in Teufen eine andere wis­senschaftliche Begleitung während der Pro­mo­tion? Gibt es eine Analyse eines Wis­senschaftlers über die Dok­torar­beit? Lag Ihnen jemals eine Prü­fung­sor­d­nung vor, in der ste­ht, wie ihre Pro­mo­tion legit­imiert ist? Gab es einen Pro­mo­tion­sprü­fungsauss­chuss? Gab es Erst- und Zweit­prüfer? Haben Sie eine mündliche Prü­fung vor Wis­senschaftlern über ihr gesamtes Fachge­bi­et gemacht? Ken­nen Sie Namen und Qual­i­fika­tio­nen der beteiligten Per­so­n­en?

Wenn diese Fra­gen mehrheitlich mit “Nein” beant­wortet wer­den: Wür­den Sie mir nicht zus­tim­men, dass jemand, der so pro­moviert, davon aus­ge­hen muss, dass er sich mit sein­er fün­f­stel­li­gen Pro­mo­tion­s­ge­bühr nur dieses kri­tik­be­fre­ite Ver­fahren zur Erlan­gung eines Dok­tor­ti­tels erkauft?

Abge­se­hen davon: Glauben Sie in Zeit­en, in denen in Deutsch­land darauf hingewiesen wird, dass bei Vor­na­men wie “Kevin” und türkischen Nach­na­men unab­hängig von der Per­son Schwierigkeit­en in der Schule bzw. bei der Job­suche zu erwarten sind, dass ein Dok­tor­ti­tel bei ein­er Wahl so wenig eine Rolle spielt, als sei er nie genan­nt wor­den?

Wenn Sie das glauben und spätestens im Okto­ber von ihrem falschen Dok­tor­ti­tel wussten, weswe­gen ließen Sie sich noch im Dezem­ber im Bun­destag “Dr.” nen­nen, dis­tanzierten sich also vom Führen dieses Titels erst dann voll­ständig, als die Ein­spruchs­frist gegen ihre Wahl lange ver­strichen war?

Da Sie die Kreis-CDU sog­ar von ihrer “Integrität” überzeu­gen kon­nten, also ein­er geisti­gen Dis­po­si­tion, die eine Per­son größte Ver­lock­un­gen wider­ste­hen lässt, sollte die Beant­wor­tung mein­er Fra­gen ein Klacks sein.


Montag, den 8. Februar 2010   

die zeitung, die nicht genannt werden darf

Ich habe einen inter­es­san­ten Anruf von der Lokalzeitung mein­er Heimat­stadt erhal­ten, der ich diesen Blog­a­r­tikel geschickt habe.

Lokalblatt: Hal­lo. Wir haben da noch ein, zwei Sachen zu ihrem Artikel.

Ich: Aha.

Lokalblatt: Sie beziehen sich da auch auf die Mün­ster­sche Zeitung. Wir wür­den das gerne raus­nehmen.

Ich: ???

Lokalblatt: Die kriegen wir hier ja nicht. Das haben unsere Leser nicht gele­sen.

Ich: Ste­ht alles im Inter­net.

Lokalblatt: Ja, nee.  Also, wir haben das schon mal für Sie umgeschrieben, dass das alles raus­fällt.

Ich: Dann möchte ich nicht, dass das veröf­fentlicht wird.

Lokalblatt: Okaaaaaaaaaaaay?!!

Lokalblatt: Ja, dann tschüß.

Ich: Tschüß.

Das, was da raus­fällt, wozu man auch nur noch mein ‘Okay’ haben wollte, müsste unge­fähr der halbe Artikel sein und würde einen ganz anderen Ein­druck beim Leser erweck­en, da ich das Übrigge­bliebene schon geschrieben habe. Und das nur, weil dem Blatt der Begriff Mün­ster­sche Zeitung nicht passt. Nee, danke.


Sonntag, den 7. Februar 2010   

weitere ungereimtheiten bei dieter jasper

Heute hat es Dieter Jasper in die Bildzeitung geschafft. was aber auch nichts weit­er heißen sollte.  Zu den noch im Raum ste­hen­den Unklarheit­en habe ich noch fol­gen­des zu sagen:

Die Kreis-CDU hat let­zten Dien­stag noch auf eine “rest­lose Aufk­lärung” von Dieter Jasper gehofft und ist am Woch­enende der­art aufgek­lärt wor­den oder hat bei­de Augen ganz fest zugemacht. Denn die Erk­lärun­gen, die Dieter Jasper in der ver­gan­genen Woche öffentlich abgegeben hat, sind unge­fähr so falsch wie sein Dok­tor­ti­tel.

In der Mon­tagsaus­gabe der IVZ und der Dien­stagsaus­gabe der Mün­ster­schen Zeitung stellt Jasper es so dar, als habe er zwar einen Dok­tor­ti­tel, dieser sei nur in Deutsch­land nicht anerkan­nt. Er meint, “dass der an der Freien Uni­ver­sität Teufen erlangte Dok­tor­grad auf­grund des ‚Deutsch-Schweiz­erischen Abkom­mens über die Gle­ich­w­er­tigkeit im Hochschul­bere­ich‘ in Deutsch­land nicht anerkan­nt wird”. Das ist schlichtweg falsch: In Deutsch­land wer­den grund­sät­zlich ersponnene Titel von Briefkas­ten­fir­men nicht anerkan­nt.

Dieses Abkom­men kommt nur für staatlich anerkan­nte Hochschulleis­tun­gen in der Schweiz in Betra­cht. Die “Freie Uni­ver­sität Teufen” ist eine reine Briefkas­ten­fir­ma und als solche gar nicht berechtigt zu pro­movieren. Das heisst: Herr Jasper besitzt keine erwor­bene Hochschulleis­tung in der Schweiz. Herr Jasper erweckt bei den Lesern der IVZ und der Mün­ster­schen Zeitung aber genau den gegen­teili­gen Ein­druck: “Sein in der Schweiz erwor­ben­er Titel eines Dok­tors der Wirtschaftswis­senschaften sei in Deutsch­land nicht anerkannt”(MZ).

Der Mün­ster­schen Zeitung sagt Jasper zudem, er habe diese “Uni” deswe­gen aus­gewählt, weil “die Kri­te­rien in der Schweiz für einen Dok­tor­ti­tel nicht so streng sind”. Ich fand diesen Satz merk­würdig, ger­ade für jeman­den, der Schwierigkeit­en hat, eine Briefkas­ten­fir­ma von ein­er Uni­ver­sität zu unter­schei­den — bis ich gese­hen habe, woher dieser Satz stammt: Mit solchen Aus­sagen wirbt die Uni­ver­sität Teufen für ihre Abschlüsse. Entwed­er lei­det Herr Jasper unter dem Stock­holm-Syn­drom oder er hält nach wie vor windi­ge Behaup­tun­gen dieser Briefkas­ten­fir­ma für belast­bar.

Vielle­icht kann mir irgend­je­mand erk­lären, weswe­gen Herr Jasper noch let­zte Woche den Ein­druck erweck­en wollte, er habe einen anerkan­nten akademis­chen Titel in der Schweiz. Bekom­men von ein­er “Uni­ver­sität”, deren dama­lige Rek­torin Mar­git Fülöp ger­ade ein­mal aus­ge­bildete Indus­triekauf­frau ist. Vielle­icht kann mir auch jemand erk­lären, dass es ganz nor­mal sei, wenn ein Bun­destagspoli­tik­er selb­st durch Zuhil­fe­nahme eines Recht­san­walt­büros eine schlichte Wahrheit nicht klar auf den Schirm bekommt. Ich finde das wirk­lich irri­tierend.


Freitag, den 4. Dezember 2009   

der christliche fundamentalismus der cdu

Die Debat­te um die Minarette offen­bart ja nicht nur die ange­blichen Äng­ste, die die Deutschen vor ein­er über­mäßi­gen Islamisierung haben, sie offen­bart auch die fun­da­men­tal­isitschen Hal­tun­gen, die es in der CDU noch gibt. So wird von der Berlin­er Mor­gen­post Wolf­gang Bos­bach wie fol­gt zitiert:

Was ich meinte, war: es müssen bei­de Seit­en zu Wort kom­men: ein­er­seits die Reli­gions­frei­heit, ander­er­seits die Tat­sache, dass sich religiöse Äußerun­gen hier bei uns in den Kon­text des christlich-abendländis­chen Kul­turkreis­es ein­fü­gen müssen.

Die Tat­sache des Zwangs nicht-christlich­er Reli­gio­nen, sich in den Kon­text des christlich-abendländis­chen Kul­turkreis einzuord­nen? Was soll denn daran eine Tat­sache sein?

Nein, so nicht. Jede Reli­gion muss sich dafür kri­tisieren lassen, wenn sie unberechtigte Forderun­gen und Drangsalierun­gen an ihre Mit­glieder oder andere erhebt. Egal ob christlich oder nicht.

Nun kön­nte man meinen, dass Bos­bach nicht einen fun­da­men­tal christlichen Kul­turkreis bemeint hat, son­dern nur einen hier und da christlich geprägten Kul­turkreis. In diesen fügen sich allerd­ings die schwulen- und frauen­feindlichen Hal­tun­gen der katholis­chen Kirche auch nicht ein. Ganz ein­fach, weil es unberechtigte, drangsalierende Hal­tun­gen sind. Davon gibt es im gelebten Islam sicher­lich auch noch eine ganze Menge. Das ist aber im Einzelfall anzuschauen und nicht pauschal im vorhinein.


Samstag, den 10. Oktober 2009   

cdu gibt zu, kinderpornografie instrumentalisiert zu haben

Die gesamte kul­turelle Men­tal­ität bei uns, repräsen­tiert durch Bush oder durch Jung oder durch Schäu­ble, ist eingestellt auf eine ges­pal­tene Welt. Und wenn man sich den ersten Kreuz­zug mal anschaut, dann war das schon damals ganz genau­so.”

Horst Eber­hard Richter im Inter­view mit der taz

Ich habe schon mal geschrieben, dass ich nicht denke, dass die CDU-Leute sel­ber den ganzen Blödsinn glauben, den sie rund um das Inter­netsper­renge­setz so faseln. Und jet­zt ger­ade denkt Wolf­gang Schäu­ble, ist es passend, auch mal öffentlich einzuräu­men, dass man natür­lich sel­ber nicht all den Blödsinn glaube, den man da während des Wahlkampfes vom Stapel gelassen hat.

Das macht Schäu­ble natür­lich nicht ganz so direkt und nicht genau auf irgendwelche Aus­sagen bezo­gen, son­dern nur mit Blick auf die eigene Glaub­würdigkeit­sret­tung:

Der Min­is­ter gab handw­erk­liche Fehler beim soge­nan­nten Zugangser­schwerungs­ge­setz für Stopp­schilder im Inter­net zu. Das Gesetz zum Schutz vor Kinder­pornografie sei im End­spurt des Wahlkampfes auch deshalb ent­standen, um die CDU gegenüber anderen Parteien abzuset­zen.

Handw­erk­liche Fehler” nen­nt man das heutzu­tage in der Poli­tik. Was für eine Per­ver­sion.

Wis­sen Sie, wenn ich einen Tisch kaufe und da sind nur drei Tis­chbeine dran, dann glaube ich an einen handw­erk­lichen Fehler. Aber wenn erfahrene Poli­tik­er ein sen­si­bles The­ma auf­greifen, im vollen Bewusst­sein, dass sie damit die Opfer von Kindesmis­shand­lun­gen instru­men­tal­isieren, ohne dass diese davon auch nur irgend­wie prof­i­tieren, und nur um das Pro­fil der eige­nen Partei zu schär­fen, dann ist das nur eines: Beruf­szynis­mus.

Die CDU ist die Partei der Dop­pel­moral. Was das C unter den drei Buch­staben noch ver­loren hat — ich habe keine Ahnung.


Samstag, den 3. Oktober 2009   

guten Tag, herr jasper

Manch­mal kann das Inter­net für den All­t­ag auch erfrischend ein­fach ein­be­zo­gen wer­den. Ger­ade bei den neuen Bun­destagsab­ge­ord­neten ist das inzwis­chen leicht verknüpf­bar. Für einen ehre­namtlichen Vere­in mein­er Heimat­stadt habe ich ein Blog instal­liert, dass langsam aber stetig in die Puschen kommt. Es bein­hal­tet Tage­sak­tuelles und andere Infor­ma­tive Sachen, sofern sie zumin­d­est rel­a­tiv inter­es­sant sind für Jugendliche aus der Region.

Den Wahlaus­gang für den­jeni­gen, der aus dieser Ecke in den Bun­destag kommt habe ich auch mal verblog­gt. Inzwis­chen ist der Artikel erweit­ert wor­den um die inhaltlichen Posi­tio­nen des Gewin­ners und den Link zu sein­er Abge­ord­neten­watch-Seite. und schwup­pid­wupp hat man die Vorstufe eines Watch­blogs, ohne von vorn­here­in neg­a­tiv eingestellt zu sein.

Aber schon beim ersten Über­fliegen sind die Ansicht­en des Her­rn Jasper ungewöhn­lich: Da will er auf der einen Seite z.B. Atom­kraftwerke schnell­st­möglich abstellen, wie es auf sein­er eige­nen Inter­net­seite nach zu lesen ist, gibt aber auf abgeordnetenwatch.de die Antwort, er wäre für eine Ver­längerung der Laufzeit­en von Atom­kraftwerken.

Nun kann man anführen, dass in den Tex­ten doch so viele Kon­junk­tive ver­wen­det wer­den, dass die bei­den Ver­laut­barun­gen inhaltlich sich nicht auss­chlössen. Die Frage eines Lesers bleibt aber, weswe­gen nicht zwei gle­ich­lau­t­ende Antworten gegeben wor­den sind.

Sowas und anderes wird man also kün­ftig leicht direkt auch über die Plat­tform eines regionalen Pro­jek­tes nach­fra­gen kön­nen. Ich bin mal ges­pan­nt, was daraus wird.


Freitag, den 2. Oktober 2009   

wenn linke systeme untergehen

Der derzeit­ige Unter­gang der SPD als Groß­partei erin­nert mich schon etwas an den Unter­gang der DDR in seinen let­zten Zügen. Da find­en sich in den übrig gebliebe­nen Organ­i­sa­tions­for­men noch Leute, die das Schiff noch nicht ver­lassen haben, die aber auch nicht bemerkt haben, dass der Zug schon lange abge­fahren ist, dass das Volk von Ihnen ger­ade nichts erwartet, dass die Musik woan­ders gespielt wird.

Das Prinzip “Bauer sucht Frau”

Die SPD hat den Unfall, den sie erlit­ten hat, nicht wahrgenom­men, und wer zu den Leuten gehört, die ihn nicht wahr genom­men haben, der soll jet­zt die Reper­atur ver­an­lassen? Der Schaden ist noch nicht ein­mal iden­ti­fiziert, nicht per­son­ifiziert. Aber schon sind die ersten linken Oppor­tunis­ten da, die genau wis­sen, in welche Rich­tung die Segel der Partei gepustet wer­den müssen.

Dabei hat die SPD ja nicht nur extern Leute ver­grault, son­dern auch intern. Es hat sich eine soziale Klitsche gebildet, die intern nach den eige­nen Geset­zen funk­tion­iert. Die aber gar nicht auf dem Schirm hat, welch­er Wind ausser­halb weht. Und es ist nun ein­mal heute so, dass wer das nicht mit­bekommt, nach außen kaum ver­mit­tel­bar ist. Das ist der Span­nungs­bo­gen von Bauer sucht Frau.

Ein Dampf­schiff ohne Mas­chine

Diejeni­gen, die von Nöten wären, das Schiff wieder auf den alten sozialdemokratis­chen Kurs zu brin­gen, wur­den wegen dieser sozialen Klitsche fern gehal­ten oder durch sie ver­grault. Genau diese Leute sind nun eben nicht in der Partei, damit die SPD wieder auf bre­it­er Basis Akzep­tanz find­en kann.

Es bedarf ein­er intellek­tuellen Glan­zleis­tung, um ein strate­gis­ches Werk, egal ob in Wort oder Schrift, einzubrin­gen, das Ori­en­tierungspunkt für die derzeit­i­gen SPDler wer­den kann und das wer­bend diejeni­gen für die SPD wieder begeis­tern kann, die die SPD auf ihrem Weg in den let­zten 15 Jahren ganz ver­loren hat.

Die Chan­cen für so einen Fix­punkt sind aber mehr als ger­ing. Die Intellek­tuellen hat man schon ver­grault, ein paar Kün­stler beken­nen sich noch zur SPD, aber von denen ken­nt der Durch­schnitts­bürg­er auch schon zwei Drit­tel nicht. Stein­meier ver­weist auf den geschicht­strächti­gen Begriff der Sozialdemokratie, Deutsch­land brauche eine starke Sozialdemokratie, aber ihm ent­ge­ht, dass die Wenig­sten heute noch die Begriffe Sozialdemokratie und SPD für deck­ungs­gle­ich hal­ten.

Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?

Und jet­zt kit­tet man eben mehr schlecht als recht, was kit­tbar erscheint.  Das Neube­set­zen von Posi­tio­nen, das Hoch­purzeln in der SPD-Hier­ar­chie und der kom­mende Rich­tungsstre­it übertünchen das nötige Selb­st­beken­nt­nis der Partei als ein­er 20%-Partei. Ein Blick zu den sozialdemokratis­chen 20%-Kollegen in den Nieder­lan­den kön­nte heil­sam sein.

Hoff­nung set­zen einige in ein Rot-Rot-Grün-Bünd­nis in NRW, das eine Blau­pause für kün­ftige Koali­tio­nen wer­den soll. Aber in NRW herrscht noch Schwarz-Gelb, von Wech­sel­stim­mung kann keine Rede sein, und das Schreck­ge­spenst, dass Sahra Wagenknecht in NRW zur Min­is­terin erko­ren wird, sollte man nicht unter­schätzen.

Den Sozen sollte daher eines klar sein: Die Tal­sohle ist noch nicht ver­lassen und vielle­icht noch nicht ein­mal erre­icht.
____________________________

Lesetipp:  Süd­deutsche Zeitung – Wie man einen Mann versenkt


Montag, den 28. September 2009   

das ende der großparteien

Mit dem 27. Sep­tem­ber 2009 endete in Deutsch­land die Geschichte der Groß­parteien. Wären die Nichtwäh­ler eine Partei, sie hät­ten 5% mehr als die SPD und läge mit der CDU gle­ichauf oder vor ihr.

Die Wahl gewon­nen haben CDU/CSU und FDP, die zusam­men ger­ade ein­mal ein Drit­tel der Wahlberechtigten in Deutsch­land für sich gewin­nen kon­nten. Ob selb­st dieses Drit­tel für Inhalte gewon­nen wurde, ist höchst fraglich, schliesslich will eine Mehrheit in Deutsch­land den Min­dest­lohn und genau den wollen CDU/CSU und FDP nicht.

Der SPD ist so deut­lich wie nie zuvor gezeigt wor­den, dass sie auf Bun­de­sebene wed­er Volks- noch Groß­partei ist. Immer wieder wurde in den let­zten Wochen darauf ver­wiesen, dass Deutsch­land eine starke Sozialdemokratie brauche. Nur geht das eben auch ohne die SPD, was widerum ein Gedanke ist, den die Genossen erst noch verin­ner­lichen müssen. Und je länger das dauert, desto länger die Gene­sung. Son­der­lich hoff­nungsvoll kann man nicht sein, wenn Stein­meier gle­ich am Wahlabend die alte Leier anstimmt, die SPD habe eine his­torische Auf­gabe. Mit Geschichts­fuse­lei wer­den aktuelle Prob­leme nicht behoben, kom­mende Wahlen nicht gewon­nen.

Die CSU fällt und fällt und holt in Bay­ern nur noch 41%. Die lange Zeit drittstärk­ste Partei kommt mit 6,5% derzeit nur noch auf den 6. Rang und darf sich kün­ftig nicht wun­dern, wenn sie den Atem der Piraten­partei (2%) im Nack­en spürt. Da erscheint es selt­sam wel­tentrückt, wenn CSU-Barde Peter Ram­sauer von Leih­stim­men spricht, die die FDP von CDU/CSU ergat­tert habe. Das ist das Denken in alten Struk­turen.

Die FDP, und das muss man ihr zugeste­hen, hat es immer­hin ver­standen, die aktuellen Prob­leme in ihre eigene Jar­gon einzu­binden, so dass es einen weltan­schaulichen Stand­punkt ergab, den West­er­welle sehr gut aus­füllen kon­nte. Auch wenn der FDP genaue Inhalte abge­hen wie eh und je. Es ist den Oppor­tunis­ten aber nun ein­mal nicht anzu­las­ten, wenn ihre Geg­n­er sich nicht auf Wahlkampf ver­ste­hen.

Diese Wahl hat dem Hin­ter­bän­kler­tum den Kampf ange­sagt und das ist gut so. Gewon­nen wer­den Wahlen kün­ftig mit Inhal­ten, deren Darstel­lung man mächtig ist. Das ist auch gut. Die CDU hat vor weni­gen Monat­en den größten Online-Wider­stand der Bun­desre­pub­lik her­auf­beschworen und ich wähne, dass Ähn­lich­es sich wieder­holen kön­nte. Das Bedeutet aber nur, dass jün­gere Men­schen für poli­tis­che Zwecke kämpfen. Und auch das ist gut so.


Donnerstag, den 24. September 2009   

ex-spd-internetwahlkämpfer redet tacheles

Jemand, der ehe­mals in diesem Jahr in der SPD-Inter­net-Wahlkampfzen­trale gear­beit­et hat, hat sich wohl ger­ade jemand etwas Luft über den mis­lun­genen SPD-Inter­net-Wahlkampf gemacht und ich finde das wirk­lich lesenswert, wenn der Text auch lang ist.

Mein Lieblingssatz ist ja: [Stein­meier] wirkt wie ein Mann, der ständig den Heirat­santrag ver­schiebt, weil er sich nicht sich­er ist, ob er
wirk­lich ver­liebt ist.

Ein entzück­endes Bild. Aber der anonyme Schreiber wird sach­lich auch
etwas deut­lich­er:

Die SPD-Bürokratie ist auf dem besten Wege aus lauter Angst vor der
Demokratie, vor den bösen Medi­en, vor den unein­sichti­gen Bürg­ern und sog­ar vor den lästi­gen Genossen die gesamte Partei in die Knie zu
zwin­gen. In Ver­beu­gung vor dem Guru “Kon­trolle” und dem Guru “Poli­tis­che Kom­mu­nika­tion”.

Nicht immer ist der Schreiber ganz klar in sein­er Aus­druck­sweise, aber
den Musik­knochen trifft er schon ganz ziel­sich­er.

Es wird, so scheint mir, der sozialen Gerechtigkeit nicht gerecht, als Markenkern her­hal­ten zu müssen, als strate­gis­che Kom­po­nente,
Ver­pack­ungs­botschaft für ein Pro­dukt. So wer­den Werte zu Wer­bung:
ent-wertet. Tick­ets to nowhere.
Tre­f­fer, versenkt.

Er beschw­ert sich, dass die Ach-so-Intel­li­gen­ten in den höheren
SPD-Kreisen sich nie auf ein offenes Gespräch ein­lassen und dann
irgend­wann trotzig wer­den.

Und weil sie glauben, dass Poli­tik so funk­tion­ieren kann, sor­gen sie
mit dafür, dass sie nur so funk­tion­iert.

Man mag dem Schreiber ja vielle­icht eine etwas gekränk­te Eit­elkeit
unter­schieben wollen, weil seine Ideen nir­gends auf­blühen kon­nten, aber eine bessere Analyse des sicher­lich unfrucht­baren Inter­net-Wahlkampfes auf Bun­de­sebene kenne ich nicht.


Seiten:12345»