wie mein fehler in die süddeutsche zeitung kam

Irgend­wie habe ich was, was Poli­tik­er gerne hät­ten: Glaub­würdigkeit.

Ich habe in den let­zten Wochen zwei Leser­briefe geschrieben, eigentlich nur deswe­gen, weil die lokale Presse meines Eracht­ens nicht kri­tisch genug den Fall Dieter Jasper dargestellt hat. Leser­briefe sind als Stilmit­tel immer etwas belastet, weil dem Schreiber immer der Wille, sich selb­st nach vorne zu stellen, unter­stellt wird. Naja, egal. Inter­es­sant am ersten Brief ist eigentlich, dass sich einzelne Dinge weit­er­ver­bre­it­en:

Es stimmt nicht, wenn ich schreibe, dass sich Jasper “naiv” genan­nt hat, er sagte “leicht­gläu­big”. Diese Behau­tung taucht aber in der Stel­lung­nahme der SPD der­sel­ben Zeitungsaus­gabe auf, die sich wohl an mir ori­en­tiert hat, da der Text schon tagsüber bei mir zu find­en war.

Ich schreibe auch, die Uni habe “nur einen Briefkas­ten”. Das stimmt nicht: Eine Inter­net­seite war zu Jaspers Pro­mo­tion und lange danach vorhan­den und Büroräume hat die Uni auch bis heute. Diese Briefkas­ten-Behaup­tung hat es allerd­ings in die Süd­deutsche Zeitung geschafft.

Immer­hin wan­dern auch die fehler­freien Stellen weit­er. Der zweite Leser­brief gefiel einem Frank Schulze wohl so gut, dass er ihn 1:1 in abgeordnetenwatch.de unterge­bracht hat.

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sich aufdrängende fragen bezüglich des falschen doktortitels von dieter jasper angesichts einer ausbleibenden öffentlichen stellungnahme

In der let­zten Woche hat die Kreis-CDU auf eine “rest­lose Aufk­lärung” durch Dieter Jasper bezüglich seines Dok­tor­ti­tels gehofft. Offen­sichtlich hat sie die bekom­men, die Öffentlichkeit bish­er allerd­ings nicht. Daher möchte ich ein­mal Fra­gen über typ­is­che Eigen­schaften von Pro­mo­tio­nen in der Schweiz stellen, die eine “rest­lose Aufk­lärung” sicher­lich beant­worten kön­nte:

Herr Jasper, haben Sie einen Dok­tor­vater? Oder gab es in Teufen eine andere wis­senschaftliche Begleitung während der Pro­mo­tion? Gibt es eine Analyse eines Wis­senschaftlers über die Dok­torar­beit? Lag Ihnen jemals eine Prü­fung­sor­d­nung vor, in der ste­ht, wie ihre Pro­mo­tion legit­imiert ist? Gab es einen Pro­mo­tion­sprü­fungsauss­chuss? Gab es Erst- und Zweit­prüfer? Haben Sie eine mündliche Prü­fung vor Wis­senschaftlern über ihr gesamtes Fachge­bi­et gemacht? Ken­nen Sie Namen und Qual­i­fika­tio­nen der beteiligten Per­so­n­en?

Wenn diese Fra­gen mehrheitlich mit “Nein” beant­wortet wer­den: Wür­den Sie mir nicht zus­tim­men, dass jemand, der so pro­moviert, davon aus­ge­hen muss, dass er sich mit sein­er fün­f­stel­li­gen Pro­mo­tion­s­ge­bühr nur dieses kri­tik­be­fre­ite Ver­fahren zur Erlan­gung eines Dok­tor­ti­tels erkauft?

Abge­se­hen davon: Glauben Sie in Zeit­en, in denen in Deutsch­land darauf hingewiesen wird, dass bei Vor­na­men wie “Kevin” und türkischen Nach­na­men unab­hängig von der Per­son Schwierigkeit­en in der Schule bzw. bei der Job­suche zu erwarten sind, dass ein Dok­tor­ti­tel bei ein­er Wahl so wenig eine Rolle spielt, als sei er nie genan­nt wor­den?

Wenn Sie das glauben und spätestens im Okto­ber von ihrem falschen Dok­tor­ti­tel wussten, weswe­gen ließen Sie sich noch im Dezem­ber im Bun­destag “Dr.” nen­nen, dis­tanzierten sich also vom Führen dieses Titels erst dann voll­ständig, als die Ein­spruchs­frist gegen ihre Wahl lange ver­strichen war?

Da Sie die Kreis-CDU sog­ar von ihrer “Integrität” überzeu­gen kon­nten, also ein­er geisti­gen Dis­po­si­tion, die eine Per­son größte Ver­lock­un­gen wider­ste­hen lässt, sollte die Beant­wor­tung mein­er Fra­gen ein Klacks sein.

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die zeitung, die nicht genannt werden darf

Ich habe einen inter­es­san­ten Anruf von der Lokalzeitung mein­er Heimat­stadt erhal­ten, der ich diesen Blog­a­r­tikel geschickt habe.

Lokalblatt: Hal­lo. Wir haben da noch ein, zwei Sachen zu ihrem Artikel.

Ich: Aha.

Lokalblatt: Sie beziehen sich da auch auf die Mün­ster­sche Zeitung. Wir wür­den das gerne raus­nehmen.

Ich: ???

Lokalblatt: Die kriegen wir hier ja nicht. Das haben unsere Leser nicht gele­sen.

Ich: Ste­ht alles im Inter­net.

Lokalblatt: Ja, nee.  Also, wir haben das schon mal für Sie umgeschrieben, dass das alles raus­fällt.

Ich: Dann möchte ich nicht, dass das veröf­fentlicht wird.

Lokalblatt: Okaaaaaaaaaaaay?!!

Lokalblatt: Ja, dann tschüß.

Ich: Tschüß.

Das, was da raus­fällt, wozu man auch nur noch mein ‘Okay’ haben wollte, müsste unge­fähr der halbe Artikel sein und würde einen ganz anderen Ein­druck beim Leser erweck­en, da ich das Übrigge­bliebene schon geschrieben habe. Und das nur, weil dem Blatt der Begriff Mün­ster­sche Zeitung nicht passt. Nee, danke.

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weitere ungereimtheiten bei dieter jasper

Heute hat es Dieter Jasper in die Bildzeitung geschafft. was aber auch nichts weit­er heißen sollte.  Zu den noch im Raum ste­hen­den Unklarheit­en habe ich noch fol­gen­des zu sagen:

Die Kreis-CDU hat let­zten Dien­stag noch auf eine “rest­lose Aufk­lärung” von Dieter Jasper gehofft und ist am Woch­enende der­art aufgek­lärt wor­den oder hat bei­de Augen ganz fest zugemacht. Denn die Erk­lärun­gen, die Dieter Jasper in der ver­gan­genen Woche öffentlich abgegeben hat, sind unge­fähr so falsch wie sein Dok­tor­ti­tel.

In der Mon­tagsaus­gabe der IVZ und der Dien­stagsaus­gabe der Mün­ster­schen Zeitung stellt Jasper es so dar, als habe er zwar einen Dok­tor­ti­tel, dieser sei nur in Deutsch­land nicht anerkan­nt. Er meint, “dass der an der Freien Uni­ver­sität Teufen erlangte Dok­tor­grad auf­grund des ‚Deutsch-Schweiz­erischen Abkom­mens über die Gle­ich­w­er­tigkeit im Hochschul­bere­ich‘ in Deutsch­land nicht anerkan­nt wird”. Das ist schlichtweg falsch: In Deutsch­land wer­den grund­sät­zlich ersponnene Titel von Briefkas­ten­fir­men nicht anerkan­nt.

Dieses Abkom­men kommt nur für staatlich anerkan­nte Hochschulleis­tun­gen in der Schweiz in Betra­cht. Die “Freie Uni­ver­sität Teufen” ist eine reine Briefkas­ten­fir­ma und als solche gar nicht berechtigt zu pro­movieren. Das heisst: Herr Jasper besitzt keine erwor­bene Hochschulleis­tung in der Schweiz. Herr Jasper erweckt bei den Lesern der IVZ und der Mün­ster­schen Zeitung aber genau den gegen­teili­gen Ein­druck: “Sein in der Schweiz erwor­ben­er Titel eines Dok­tors der Wirtschaftswis­senschaften sei in Deutsch­land nicht anerkannt”(MZ).

Der Mün­ster­schen Zeitung sagt Jasper zudem, er habe diese “Uni” deswe­gen aus­gewählt, weil “die Kri­te­rien in der Schweiz für einen Dok­tor­ti­tel nicht so streng sind”. Ich fand diesen Satz merk­würdig, ger­ade für jeman­den, der Schwierigkeit­en hat, eine Briefkas­ten­fir­ma von ein­er Uni­ver­sität zu unter­schei­den — bis ich gese­hen habe, woher dieser Satz stammt: Mit solchen Aus­sagen wirbt die Uni­ver­sität Teufen für ihre Abschlüsse. Entwed­er lei­det Herr Jasper unter dem Stock­holm-Syn­drom oder er hält nach wie vor windi­ge Behaup­tun­gen dieser Briefkas­ten­fir­ma für belast­bar.

Vielle­icht kann mir irgend­je­mand erk­lären, weswe­gen Herr Jasper noch let­zte Woche den Ein­druck erweck­en wollte, er habe einen anerkan­nten akademis­chen Titel in der Schweiz. Bekom­men von ein­er “Uni­ver­sität”, deren dama­lige Rek­torin Mar­git Fülöp ger­ade ein­mal aus­ge­bildete Indus­triekauf­frau ist. Vielle­icht kann mir auch jemand erk­lären, dass es ganz nor­mal sei, wenn ein Bun­destagspoli­tik­er selb­st durch Zuhil­fe­nahme eines Recht­san­walt­büros eine schlichte Wahrheit nicht klar auf den Schirm bekommt. Ich finde das wirk­lich irri­tierend.

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der christliche fundamentalismus der cdu

Die Debat­te um die Minarette offen­bart ja nicht nur die ange­blichen Äng­ste, die die Deutschen vor ein­er über­mäßi­gen Islamisierung haben, sie offen­bart auch die fun­da­men­tal­isitschen Hal­tun­gen, die es in der CDU noch gibt. So wird von der Berlin­er Mor­gen­post Wolf­gang Bos­bach wie fol­gt zitiert:

Was ich meinte, war: es müssen bei­de Seit­en zu Wort kom­men: ein­er­seits die Reli­gions­frei­heit, ander­er­seits die Tat­sache, dass sich religiöse Äußerun­gen hier bei uns in den Kon­text des christlich-abendländis­chen Kul­turkreis­es ein­fü­gen müssen.

Die Tat­sache des Zwangs nicht-christlich­er Reli­gio­nen, sich in den Kon­text des christlich-abendländis­chen Kul­turkreis einzuord­nen? Was soll denn daran eine Tat­sache sein?

Nein, so nicht. Jede Reli­gion muss sich dafür kri­tisieren lassen, wenn sie unberechtigte Forderun­gen und Drangsalierun­gen an ihre Mit­glieder oder andere erhebt. Egal ob christlich oder nicht.

Nun kön­nte man meinen, dass Bos­bach nicht einen fun­da­men­tal christlichen Kul­turkreis bemeint hat, son­dern nur einen hier und da christlich geprägten Kul­turkreis. In diesen fügen sich allerd­ings die schwulen- und frauen­feindlichen Hal­tun­gen der katholis­chen Kirche auch nicht ein. Ganz ein­fach, weil es unberechtigte, drangsalierende Hal­tun­gen sind. Davon gibt es im gelebten Islam sicher­lich auch noch eine ganze Menge. Das ist aber im Einzelfall anzuschauen und nicht pauschal im vorhinein.

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cdu gibt zu, kinderpornografie instrumentalisiert zu haben

Die gesamte kul­turelle Men­tal­ität bei uns, repräsen­tiert durch Bush oder durch Jung oder durch Schäu­ble, ist eingestellt auf eine ges­pal­tene Welt. Und wenn man sich den ersten Kreuz­zug mal anschaut, dann war das schon damals ganz genau­so.”

Horst Eber­hard Richter im Inter­view mit der taz

Ich habe schon mal geschrieben, dass ich nicht denke, dass die CDU-Leute sel­ber den ganzen Blödsinn glauben, den sie rund um das Inter­netsper­renge­setz so faseln. Und jet­zt ger­ade denkt Wolf­gang Schäu­ble, ist es passend, auch mal öffentlich einzuräu­men, dass man natür­lich sel­ber nicht all den Blödsinn glaube, den man da während des Wahlkampfes vom Stapel gelassen hat.

Das macht Schäu­ble natür­lich nicht ganz so direkt und nicht genau auf irgendwelche Aus­sagen bezo­gen, son­dern nur mit Blick auf die eigene Glaub­würdigkeit­sret­tung:

Der Min­is­ter gab handw­erk­liche Fehler beim soge­nan­nten Zugangser­schwerungs­ge­setz für Stopp­schilder im Inter­net zu. Das Gesetz zum Schutz vor Kinder­pornografie sei im End­spurt des Wahlkampfes auch deshalb ent­standen, um die CDU gegenüber anderen Parteien abzuset­zen.

Handw­erk­liche Fehler” nen­nt man das heutzu­tage in der Poli­tik. Was für eine Per­ver­sion.

Wis­sen Sie, wenn ich einen Tisch kaufe und da sind nur drei Tis­chbeine dran, dann glaube ich an einen handw­erk­lichen Fehler. Aber wenn erfahrene Poli­tik­er ein sen­si­bles The­ma auf­greifen, im vollen Bewusst­sein, dass sie damit die Opfer von Kindesmis­shand­lun­gen instru­men­tal­isieren, ohne dass diese davon auch nur irgend­wie prof­i­tieren, und nur um das Pro­fil der eige­nen Partei zu schär­fen, dann ist das nur eines: Beruf­szynis­mus.

Die CDU ist die Partei der Dop­pel­moral. Was das C unter den drei Buch­staben noch ver­loren hat — ich habe keine Ahnung.

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guten Tag, herr jasper

Manch­mal kann das Inter­net für den All­t­ag auch erfrischend ein­fach ein­be­zo­gen wer­den. Ger­ade bei den neuen Bun­destagsab­ge­ord­neten ist das inzwis­chen leicht verknüpf­bar. Für einen ehre­namtlichen Vere­in mein­er Heimat­stadt habe ich ein Blog instal­liert, dass langsam aber stetig in die Puschen kommt. Es bein­hal­tet Tage­sak­tuelles und andere Infor­ma­tive Sachen, sofern sie zumin­d­est rel­a­tiv inter­es­sant sind für Jugendliche aus der Region.

Den Wahlaus­gang für den­jeni­gen, der aus dieser Ecke in den Bun­destag kommt habe ich auch mal verblog­gt. Inzwis­chen ist der Artikel erweit­ert wor­den um die inhaltlichen Posi­tio­nen des Gewin­ners und den Link zu sein­er Abge­ord­neten­watch-Seite. und schwup­pid­wupp hat man die Vorstufe eines Watch­blogs, ohne von vorn­here­in neg­a­tiv eingestellt zu sein.

Aber schon beim ersten Über­fliegen sind die Ansicht­en des Her­rn Jasper ungewöhn­lich: Da will er auf der einen Seite z.B. Atom­kraftwerke schnell­st­möglich abstellen, wie es auf sein­er eige­nen Inter­net­seite nach zu lesen ist, gibt aber auf abgeordnetenwatch.de die Antwort, er wäre für eine Ver­längerung der Laufzeit­en von Atom­kraftwerken.

Nun kann man anführen, dass in den Tex­ten doch so viele Kon­junk­tive ver­wen­det wer­den, dass die bei­den Ver­laut­barun­gen inhaltlich sich nicht auss­chlössen. Die Frage eines Lesers bleibt aber, weswe­gen nicht zwei gle­ich­lau­t­ende Antworten gegeben wor­den sind.

Sowas und anderes wird man also kün­ftig leicht direkt auch über die Plat­tform eines regionalen Pro­jek­tes nach­fra­gen kön­nen. Ich bin mal ges­pan­nt, was daraus wird.

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wenn linke systeme untergehen

Der derzeit­ige Unter­gang der SPD als Groß­partei erin­nert mich schon etwas an den Unter­gang der DDR in seinen let­zten Zügen. Da find­en sich in den übrig gebliebe­nen Organ­i­sa­tions­for­men noch Leute, die das Schiff noch nicht ver­lassen haben, die aber auch nicht bemerkt haben, dass der Zug schon lange abge­fahren ist, dass das Volk von Ihnen ger­ade nichts erwartet, dass die Musik woan­ders gespielt wird.

Das Prinzip “Bauer sucht Frau”

Die SPD hat den Unfall, den sie erlit­ten hat, nicht wahrgenom­men, und wer zu den Leuten gehört, die ihn nicht wahr genom­men haben, der soll jet­zt die Reper­atur ver­an­lassen? Der Schaden ist noch nicht ein­mal iden­ti­fiziert, nicht per­son­ifiziert. Aber schon sind die ersten linken Oppor­tunis­ten da, die genau wis­sen, in welche Rich­tung die Segel der Partei gepustet wer­den müssen.

Dabei hat die SPD ja nicht nur extern Leute ver­grault, son­dern auch intern. Es hat sich eine soziale Klitsche gebildet, die intern nach den eige­nen Geset­zen funk­tion­iert. Die aber gar nicht auf dem Schirm hat, welch­er Wind ausser­halb weht. Und es ist nun ein­mal heute so, dass wer das nicht mit­bekommt, nach außen kaum ver­mit­tel­bar ist. Das ist der Span­nungs­bo­gen von Bauer sucht Frau.

Ein Dampf­schiff ohne Mas­chine

Diejeni­gen, die von Nöten wären, das Schiff wieder auf den alten sozialdemokratis­chen Kurs zu brin­gen, wur­den wegen dieser sozialen Klitsche fern gehal­ten oder durch sie ver­grault. Genau diese Leute sind nun eben nicht in der Partei, damit die SPD wieder auf bre­it­er Basis Akzep­tanz find­en kann.

Es bedarf ein­er intellek­tuellen Glan­zleis­tung, um ein strate­gis­ches Werk, egal ob in Wort oder Schrift, einzubrin­gen, das Ori­en­tierungspunkt für die derzeit­i­gen SPDler wer­den kann und das wer­bend diejeni­gen für die SPD wieder begeis­tern kann, die die SPD auf ihrem Weg in den let­zten 15 Jahren ganz ver­loren hat.

Die Chan­cen für so einen Fix­punkt sind aber mehr als ger­ing. Die Intellek­tuellen hat man schon ver­grault, ein paar Kün­stler beken­nen sich noch zur SPD, aber von denen ken­nt der Durch­schnitts­bürg­er auch schon zwei Drit­tel nicht. Stein­meier ver­weist auf den geschicht­strächti­gen Begriff der Sozialdemokratie, Deutsch­land brauche eine starke Sozialdemokratie, aber ihm ent­ge­ht, dass die Wenig­sten heute noch die Begriffe Sozialdemokratie und SPD für deck­ungs­gle­ich hal­ten.

Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?

Und jet­zt kit­tet man eben mehr schlecht als recht, was kit­tbar erscheint.  Das Neube­set­zen von Posi­tio­nen, das Hoch­purzeln in der SPD-Hier­ar­chie und der kom­mende Rich­tungsstre­it übertünchen das nötige Selb­st­beken­nt­nis der Partei als ein­er 20%-Partei. Ein Blick zu den sozialdemokratis­chen 20%-Kollegen in den Nieder­lan­den kön­nte heil­sam sein.

Hoff­nung set­zen einige in ein Rot-Rot-Grün-Bünd­nis in NRW, das eine Blau­pause für kün­ftige Koali­tio­nen wer­den soll. Aber in NRW herrscht noch Schwarz-Gelb, von Wech­sel­stim­mung kann keine Rede sein, und das Schreck­ge­spenst, dass Sahra Wagenknecht in NRW zur Min­is­terin erko­ren wird, sollte man nicht unter­schätzen.

Den Sozen sollte daher eines klar sein: Die Tal­sohle ist noch nicht ver­lassen und vielle­icht noch nicht ein­mal erre­icht.
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Lesetipp:  Süd­deutsche Zeitung – Wie man einen Mann versenkt

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das ende der großparteien

Mit dem 27. Sep­tem­ber 2009 endete in Deutsch­land die Geschichte der Groß­parteien. Wären die Nichtwäh­ler eine Partei, sie hät­ten 5% mehr als die SPD und läge mit der CDU gle­ichauf oder vor ihr.

Die Wahl gewon­nen haben CDU/CSU und FDP, die zusam­men ger­ade ein­mal ein Drit­tel der Wahlberechtigten in Deutsch­land für sich gewin­nen kon­nten. Ob selb­st dieses Drit­tel für Inhalte gewon­nen wurde, ist höchst fraglich, schliesslich will eine Mehrheit in Deutsch­land den Min­dest­lohn und genau den wollen CDU/CSU und FDP nicht.

Der SPD ist so deut­lich wie nie zuvor gezeigt wor­den, dass sie auf Bun­de­sebene wed­er Volks- noch Groß­partei ist. Immer wieder wurde in den let­zten Wochen darauf ver­wiesen, dass Deutsch­land eine starke Sozialdemokratie brauche. Nur geht das eben auch ohne die SPD, was widerum ein Gedanke ist, den die Genossen erst noch verin­ner­lichen müssen. Und je länger das dauert, desto länger die Gene­sung. Son­der­lich hoff­nungsvoll kann man nicht sein, wenn Stein­meier gle­ich am Wahlabend die alte Leier anstimmt, die SPD habe eine his­torische Auf­gabe. Mit Geschichts­fuse­lei wer­den aktuelle Prob­leme nicht behoben, kom­mende Wahlen nicht gewon­nen.

Die CSU fällt und fällt und holt in Bay­ern nur noch 41%. Die lange Zeit drittstärk­ste Partei kommt mit 6,5% derzeit nur noch auf den 6. Rang und darf sich kün­ftig nicht wun­dern, wenn sie den Atem der Piraten­partei (2%) im Nack­en spürt. Da erscheint es selt­sam wel­tentrückt, wenn CSU-Barde Peter Ram­sauer von Leih­stim­men spricht, die die FDP von CDU/CSU ergat­tert habe. Das ist das Denken in alten Struk­turen.

Die FDP, und das muss man ihr zugeste­hen, hat es immer­hin ver­standen, die aktuellen Prob­leme in ihre eigene Jar­gon einzu­binden, so dass es einen weltan­schaulichen Stand­punkt ergab, den West­er­welle sehr gut aus­füllen kon­nte. Auch wenn der FDP genaue Inhalte abge­hen wie eh und je. Es ist den Oppor­tunis­ten aber nun ein­mal nicht anzu­las­ten, wenn ihre Geg­n­er sich nicht auf Wahlkampf ver­ste­hen.

Diese Wahl hat dem Hin­ter­bän­kler­tum den Kampf ange­sagt und das ist gut so. Gewon­nen wer­den Wahlen kün­ftig mit Inhal­ten, deren Darstel­lung man mächtig ist. Das ist auch gut. Die CDU hat vor weni­gen Monat­en den größten Online-Wider­stand der Bun­desre­pub­lik her­auf­beschworen und ich wähne, dass Ähn­lich­es sich wieder­holen kön­nte. Das Bedeutet aber nur, dass jün­gere Men­schen für poli­tis­che Zwecke kämpfen. Und auch das ist gut so.

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ex-spd-internetwahlkämpfer redet tacheles

Jemand, der ehe­mals in diesem Jahr in der SPD-Inter­net-Wahlkampfzen­trale gear­beit­et hat, hat sich wohl ger­ade jemand etwas Luft über den mis­lun­genen SPD-Inter­net-Wahlkampf gemacht und ich finde das wirk­lich lesenswert, wenn der Text auch lang ist.

Mein Lieblingssatz ist ja: [Stein­meier] wirkt wie ein Mann, der ständig den Heirat­santrag ver­schiebt, weil er sich nicht sich­er ist, ob er
wirk­lich ver­liebt ist.

Ein entzück­endes Bild. Aber der anonyme Schreiber wird sach­lich auch
etwas deut­lich­er:

Die SPD-Bürokratie ist auf dem besten Wege aus lauter Angst vor der
Demokratie, vor den bösen Medi­en, vor den unein­sichti­gen Bürg­ern und sog­ar vor den lästi­gen Genossen die gesamte Partei in die Knie zu
zwin­gen. In Ver­beu­gung vor dem Guru “Kon­trolle” und dem Guru “Poli­tis­che Kom­mu­nika­tion”.

Nicht immer ist der Schreiber ganz klar in sein­er Aus­druck­sweise, aber
den Musik­knochen trifft er schon ganz ziel­sich­er.

Es wird, so scheint mir, der sozialen Gerechtigkeit nicht gerecht, als Markenkern her­hal­ten zu müssen, als strate­gis­che Kom­po­nente,
Ver­pack­ungs­botschaft für ein Pro­dukt. So wer­den Werte zu Wer­bung:
ent-wertet. Tick­ets to nowhere.
Tre­f­fer, versenkt.

Er beschw­ert sich, dass die Ach-so-Intel­li­gen­ten in den höheren
SPD-Kreisen sich nie auf ein offenes Gespräch ein­lassen und dann
irgend­wann trotzig wer­den.

Und weil sie glauben, dass Poli­tik so funk­tion­ieren kann, sor­gen sie
mit dafür, dass sie nur so funk­tion­iert.

Man mag dem Schreiber ja vielle­icht eine etwas gekränk­te Eit­elkeit
unter­schieben wollen, weil seine Ideen nir­gends auf­blühen kon­nten, aber eine bessere Analyse des sicher­lich unfrucht­baren Inter­net-Wahlkampfes auf Bun­de­sebene kenne ich nicht.

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