Stichwort: amsterdam
Samstag, den 2. Mai 2009   

unkenntnis der niederlande

Die Dres­d­ner Neueste Nachricht­en schreibt über die Amok­fahrt eines Nieder­län­ders zeit­ens des König­in­nen­t­ages 2009 fol­gen­des:

Eine Wahnsinn­stat been­det die Illu­sion, volk­sna­he Monar­chie und monar­chien­ah­es Volk kön­nten ohne großen Bar­ri­eren miteinan­der feiern. Der König­in­nen­tag 2009 ste­ht ab jet­zt für den schwarzen Feiertag der Oranier. Über das Motiv des Atten­täters lässt sich tre­f­flich rät­seln. Arbeit­slosigkeit und Geld­sor­gen mögen ein Grund, aber kein verzeih­lich­es Ali­bi sein. Der Anschlag kratzt weit­er an der gern gepflegten Postkartenidylle aus klap­pern­den Holzschuhen und hüb­schen Meis­jes. Hol­lands tol­er­ante Mit­mach-Gesellschaft zeigt spätestens seit den poli­tis­chen Mor­den an Pim For­tuyn 2002 und Theo van Gogh 2004 Risse. Nun platzt der Traum, wenig­stens die Köni­gin sei als Autorität des fried­fer­ti­gen Pold­er­lan­des unan­tast­bar.”

Man muss wohl schon Jour­nal­ist sein, um zu einem Zeit­punkt, an dem ein Land noch unter Schock ste­ht und an dem noch beteiligte Men­schen um ihr Leben kämpfen, solche Zusam­men­hänge herzustellen. Nieder­län­der haben also die Illu­sion ein­er volk­sna­hen Monar­chie, pfle­gen eine naive Heile-Welt-Ansicht und sind verträumt. Aber das bekommt Risse seit den “poli­tis­chen Mor­den” an For­tuyn und van Gogh.

So ein Blödsinn. Die Nieder­län­der wer­den einen Teufel tun und ihre Men­tal­ität ändern. Man muss auch zu For­tuyn und van Gogh sagen: Die bei­den wussten um die Gefahr, in der sie waren, und den­noch verzichteten sie auf irgen­deinen beson­deren Per­so­n­en­schutz. Und auch die Köni­gin weiss sehr wohl, dass auch in den Nieder­lan­den Atten­tate auf ihre Per­son möglich sind. Es gehört aber ger­ade zur nieder­ländis­chen Men­tal­ität, wenn man so etwas annehmen möchte, der­ar­ti­gen Gefahren zu trotzen. So eine Hal­tung mag man zwar als leichtsin­nig ein­schätzen, sie hat für einige Nieder­län­der aber his­torische Wurzeln. Daher wird die Köni­gin sehr wohl am kom­menden Dien­stag am Konz­ert zum Befreiungstag teil­nehmen, wenn auch die Sicher­heits­maß­nah­men  ver­stärkt wer­den dürften.

Eine Postkartenidylle ist eine Stadt wie Ams­ter­dam nach wie vor bei son­nigem Wet­ter für Touris­ten, da wer­den auch einzelne Gewal­tak­te nichts ändern. Nieder­län­der haben aber seit Jahrzehn­ten im Hin­terkopf, dass in mancher­lei Hin­sicht Ams­ter­dam auch ein Pul­ver­faß ist. Das ist nichts neues. Auf das Ein­treten von poli­tisch motiviert­er Gewalt und Angrif­f­en auf bekan­nte Per­sön­lichkeit­en ist man in den Nieder­lan­den daher gefasster, als es von außen den Anschein zu haben scheint. Das ist eher in Deutsch­land anders. An Angriffe wie auf Her­rhausen, Rohwed­der, Schäu­ble oder Lafontaine denkt doch derzeit als akute Gefahr kaum jemand.

Daher sollte man sich derzeit eher in Zurück­hal­tung und Anteil­nahme üben, als die Gun­st der Stunde zu nutzen, um miss­gün­stige Vorurteile bre­it zu treten.