obamas berlin-rede — eine replik

Oba­mas Rede ist freudig und kri­tisch aufgenom­men wor­den. Die Kulisse war beein­druck­end, eben­so wie Teile von Oba­mas Rede. Dass ein Präsi­dentschaft­skan­di­dat für einen so großen Zus­pruch in einem frem­den Land stößt, ist wohl bis­lang einzi­gar­tig. Sein Konkur­rent John McCain ließ ver­laut­en, er wolle nicht als Präsi­dentschaft­skan­di­dat in Berlin eine solche Rede hal­ten, wohl aber als Präsi­dent. McCain dürfte wis­sen, dass er es derzeit auch gar nicht schaf­fen würde, eine solche Menge in Deutsch­land zu bewe­gen.
Was ist also an Oba­ma so beson­deres gewe­sen, dass einige Zuhör­er Begeis­terung zeigen, andere Zurück­hal­tung?
Oba­mas Rede war ein Muster­beispiel der Redekun­st. Und das allein ist heutzu­tage sicher­lich das Zuhören wert und das Sichauf­machen zur Siegessäule. Die Auf­nahme von Ernst Reuters „Ihr Völk­er dieser Welt, schaut auf diese Stadt“ mit „Peo­ple of the world, look at Berlin“ war schon eine wirk­lich gute Idee in rhetorisch­er Hin­sicht. Ich glaube, diese Rede­fig­ur hat auf die anwe­senden Zuhör­er weit weniger gewirkt als es später in der his­torischen Rück­sicht gew­ertet wird. Ein­er­seits, weil dieser Kniff unmit­tel­bar kaum ver­standen wurde, und ander­er­seits, weil Reuthers Ausspruch einem Anruf an die Welt wesentlich näher gewe­sen ist als Oba­mas Kun­st­fig­ur. Immer­hin kon­nte Oba­ma sich damit als eine Art Antwort­ge­ber an Reuther stil­isieren. Und die Berlin­er wird er sicher­lich berührt haben durch diese Anrede. Aber dem Gehalt nach zutr­e­f­fend war es wohl nicht, denn diese Rede war ein Event, nicht mehr. Was sollte auch derzeit an Berlin so toll sein, dass man hin guck­en sollte, dass sich andere Völk­er(!) Berlin als Vor­bild machen soll­ten?
Man kann Oba­ma den his­torischen Abriss, den er auch in sein­er Rede dar­legte, schenken, sowas kann man in Reden unter­brin­gen, um das Feier­liche des Augen­blicks zu würdi­gen. Sein Streben danach, dass Ameri­ka sich mil­itärische Hil­fe in ihrem Kriegsnöten erfordert, ist aber wohl das Bemerkenswerteste an sein­er Rede. Sein dies­bezüglich­er Appell war wohl auch nicht unbe­d­ingt mehr an die anwe­senden Zuhör­er gerichtet, vielmehr an die Leute vor den Bild­schir­men, woim­mer in der Welt sie den Flim­merkas­ten an hat­ten. Oba­ma kann sich so etwas leis­ten, aber eigentlich ist sein Anliegen ein Und­ing: Dies ist Außen­poli­tik. Das kann Oba­ma auch nicht dadurch kaschieren, dass er sich als Bürg­er dieser Welt betra­chtet sehen will. Welch schönes Bild. Wie aber auch unpassend, wenn man sich im Aus­land staat­stra­gend aus dem Poli­tik­fen­ster lehnen möchte, denn dazu hat Oba­ma bis­lang ein­fach nie­mand berufen. Für Oba­ma sich­er nur eine Lap­palie.

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