sommerlese

Wegen Umzugs und Auf­passens auf die Nachkom­men­schaft wurde es lesetech­nisch gese­hen mau bei mir, ich halte mal fest, was im Som­mer so unter meine Augen kam:

Gary Shteyn­gart — Willkom­men in Lake Suc­cess Stark star­tender Roman ins heutige Ameri­ka: Einem mil­lio­nen­schw­eren, aber nicht exor­bi­tant reichen Invest­ment­banker fall­en seine Lebenslü­gen vor die Füße, was nicht weniger wird, als er eine Odyssee startet, die ihm das Gestern wieder brin­gen soll, während ihm das Heute wegschwimmt. Ver­liert zur Mitte etwas an Span­nung, gipfelt (SPOILERALARM) in der These, dass die USA ein Land ist, dass die schlimm­sten Leute belohnt, und find­et ein ver­söhn­lich­es Ende. Etwas merk­würdig, dass einem Soziopa­then so viel Wohlwollen ent­ge­genkommt, anson­sten sehr lesenswert. 

Georg Geis­mann — Ein­mis­chung ist Bürg­erpflicht Gesam­melte Briefe und andere Texte eines der unter­halt­sam­sten Kan­tian­er. Diese wer­den zudem in den Kon­text einge­bet­tet, der den bloßen PDFs, die man im Netz von ihm find­et, fehlen. 

Dim­itrij Kapitel­man — Das Lächeln meines unsicht­baren Vaters Auto­bi­ographisch wirk­ende Erzäh­lung eines Sohnes über seinen aus der Sow­je­tu­nion nach Deutsch­land gekomme­nen Vaters, der auf Selb­stfind­ungstrip ist, während sein Laden krieselt. 

Leon de Win­ter — Geron­i­mo Lei­dlich span­nende Gesichichte, die an die Ereignisse der Ergrei­fung Osama bin Ladens angelehnt ist. 

Rob Wijn­berg — Niet­zsche & Kant lezen de krant Essaysamm­lung des Miterfind­ers von De Cor­re­spon­dent. Unter­halt­sam, süf­fig zu lesen, aber argu­men­ta­tiv ziem­lich verblendet. Die eigene, im Nieder­ländis­chen ver­haftete Es gibt nur Mei­n­un­gen, keine Wahrheit­en-Attitüde nervt irgend­wann, wenn jed­er Artikel mit nicht-hin­ter­fragten Aus­gangsla­gen startet (“Wo liegt die Moral: In der Tat oder den Fol­gen?”), in denen der Casus knaxus (Wed­er noch.) liegt. Ganz gruselig wird es, wenn auf als aus­ge­bilde­ter Philosoph auf nicht-hin­ter­fragte Inter­pre­ta­tio­nen ander­er Denker über andere Denker gebaut wird. 

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meine tasse

Ich war ja bis­lang nicht so überzeugt von nach­haltigem Geschirr und so. Aber nach­dem ich mir meine eigene Wasser­flasche gekauft habe, hat auch an die 20 Ock­en gekostet, nutze ich diese fast täglich. Und dann lohnt sich so eine Anschaf­fung eigentlich recht schnell. Vorher hätte ich gedacht, man könne doch genau­so gut irgen­deine gekaufte Wasser­flasche nehmen und die dann nutzen, aber ich war nie so weit, das der­art umzuset­zen. Nun hat meine Wasser­flasche nur den Schriftzug “Leis­tungswass­er”, was ich mäßig lustig finde, jet­zt wollte ich für einen nach­halti­gen Kaf­fee­bech­er, kein Bam­bus, bei dem man den Kle­ber mit­trinken muss, kein Plas­tik, wer weiß, wie sich das ver­färbt, nein Edel­stahl soll es sein (gibt es dafür Deck­el?), mal ein eigenes Motiv nutzen. Bin mal ges­pan­nt, wie er real ausse­hen wird. Schaut gut aus, mein­er Mei­n­ung, klap­pert wie so eine Tasse klap­pern muss und hält auch etwas warm.

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führerscheingültigkeit

Neulich sitze ich im Warter­aum des Ein­wohn­er­meldeamtes und höre zu, wie sich um die Ecke zwei Per­so­n­en unterhalten.

Mein Führerschein läuft ja bald ab, ich darf nicht vergessen den zu verlängern.

Wie? Führerscheine laufen ab?

Ja, sich­er! Ihrer bes­timmt auch.

Nein, auf meinem ste­ht nichts von einem Ablaufdatum.

Darf ich mal sehen (…) Doch hier: Einundreißigsterachterfünfunddreißig.

Das ist mein Geburtsdatum.

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