authentisch öffentlich beziehunggsgemäßes

Und wenn ich schon ein­mal dabei bin, hier zu sam­meln, was ich ander­swo inten­siv kom­men­tiere, hier mal meine Ansicht­en zum authen­tis­che PR-Blog­a­r­tikel bei talk­a­bout:

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Der Text ist gut les­bar, soviel will ich mal voran schick­en. Für einen kleinen Schön­heits­fehler empfinde ich, dass der Begriff “Authen­tiz­ität” nicht gek­lärt wird, nur in Rich­tung “Ehrlichkeit” geschub­st wird. Nun beste­ht hierin aber ger­ade die Cruix. Ein PRler hat wie auch immer die Auf­gabe, einen Verkaufsvor­gang zu unter­stützen. Es wäre also von einem ange­sproch­enen, poten­tiellen Käufer etwas naiv, nicht im Hin­terkopf zu haben, dass da ger­ade jemand etwas verkaufen will, auch wenn diverse Infor­ma­tio­nen, die der Verkäufer hat, stich­haltig sind. So ist von Pro­dukt zu Pro­dukt, von Fir­ma zu Fir­ma, von Verkäufer zu Verkäufer immer neu zu erken­nen, in wie weit eine Verkauf­sstrate­gie Rück­sicht auf “Authen­tiz­ität” nehmen sollte.
Gewin­nt der Ange­sproch­ene den deut­lichen Ein­druck, die vorgegebene Ehrlichkeit sei nur Teil ein­er Verkauf­skam­pagne, und damit nur Heuchelei, kann der Schuss sehr sim­pel nach hin­ten gehen.

Grund­set­zlich kann man aber sagen, dass man nie sich­er sein kann, dass irgen­dein Käufer einen Verkäufer gän­zlich für authen­tisch, und somit für einen aus­gewiese­nen, unpartei­is­chen Sach­ber­ater hält. Dazu wäre sehr viel per­sön­lich­es Ver­trauen nötig oder viel Naiv­ität.

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Ja, also ich bin lei­der noch so viel Philosoph, dass ich grund­sät­zliche Aus­gangspunk­te gar nicht teile. (Auch der andere Text ist gut gegliedert und geschrieben, btw.)

Prob­lema­tisch ist fol­gen­des:
a) Begrif­fliche Unklarheit­en
b) Die Ver­mis­chung von Ethik und Wirtschaft, d.h. die Ver­mis­chung von Wis­senschaftlichkeit und Organ­i­sa­tion­sein­heit­en, die dem Maßstab von Wis­senschaftlichkeit, der da ist, der Wahrheit verpflichtet zu sein, nicht notwendig unter­liegen müssen.

a) ist bei Prof. Marten schon zu find­en, der insofern Recht hat, als dass es sicher­lich der Fall ist, dass das In-Kauf-nehmen von Täuschun­gen durch Wirtschaft­sak­teure zu deren Reper­toir gehört. Der Begriff ‘Lizenz’ ist wenn nicht irreführend, dann falsch. Falsch insofern, als dass hier etwas eigentlich Ver­botenes erlaubt sei. Irreführend, wenn damit gemeint ist, es sei eine akzep­tierte Tech­nik. Den Begriff ‘täuschen’ ver­wen­det er so, als könne man ihn auss­chöpfend behan­deln. Es liegt aber an Fähigkeit­en einzel­ner, wie und wie gut sie täuschen und wie und wie gut sie getäuscht wer­den kön­nen. Ich zweifel, dass man das all­ge­mein darstellen kann. Meine gebliebene Kri­tik an der Ver­wen­dung des Wortes “Authen­tiz­ität” haben hier­mit und mit b) zu tun.

b) Ich kenne keine sin­nvolle Her­leitung der Ansicht, dass es einen speziellen Bere­ich der Ethik gibt, die sich eigens auf wirtschaftliche Dinge bezieht. Während Ethik das Han­deln von men­schlichen Akteuren sich selb­st und anderen gegenüber regeln soll, sofern ihre Hand­lun­gen Gefahr laufen, in die Frei­heit­en ander­er unrecht­mäßig einzu­greifen, wer­den in der Wirtschaft Han­dels­beziehun­gen geregelt. Es geht dort um Han­del, nicht um die indi­vidu­ell ver­ant­wortete Sit­ten­beach­tung Einzel­ner. Insofern kann man von diesen wirtschaftlichen Han­dels­beziehun­gen von einem Spiel sprechen, dass gespielt wird. Natür­lich kann es in Sit­u­a­tio­nen, die wegen wirtschaftlichen Inter­essen zus­tande kom­men, zu etis­chen Prob­le­men zwis­chen diesen Indi­viduen kom­men, aber das ist nicht Gegen­stands­bere­ich von Wirtschaft. Denn diese hat dem moralis­chen Ver­hal­ten Einzel­ner nichts zu sagen, da dieser allein­ver­ant­wortlich ist und seine Ver­ant­wor­tung wed­er rechtlich noch seinem Gewis­sen gegenüber able­gen kann.

Einen Kodex für PRler bezüglich des fairen Umgangs miteinan­der auszuk­lügeln, ist sicher­lich reizvoll, scheit­ert aber als Wahrheit­san­nahme meines Eracht­ens an Grun­dan­nah­men, die nicht gerecht­fer­tigt sind. Nochmal: So gut die Texte dazu auch for­muliert sind. Ein kat­e­gorisch­er Imper­a­tiv bezo­gen auf wirtschaftliche Han­dels­beziehun­gen ist nicht rat­sam, weil er in ein­er All­ge­mein­heit für die einzel­nen Beschäftigten nicht denkbar ist. Diese müssen selb­st wis­sen, wie sie wirken, wie sie überzeu­gen, wie sie etwas gut verkaufen. Denn an let­zterem, an einem äußeren Zweck, wer­den sie gemessen. Ethik ste­ht und fällt nicht mit einem der­ar­ti­gen äußeren Zweck. Ob jemand ehrlich ist, kann höch­stens jed­er alleine wirk­lich fest­stellen, nie­mand von außen.

Als Spiel­regel kann man sowas lassen. Dann würde ich aber enorm viel Platz lassen für die indi­vidu­ellen Aus­gangsla­gen. Da du aber schon von ein­er “prak­tis­chen Beschrei­bung” von Authen­tiz­ität sprichst, kommt das dem, was ich Spiel­regeln nenne nahe. Prak­tis­che Beschrei­bun­gen scheinen keinem Wahrheit­sanspruch zu unter­liegen, son­dern hier sollen sich Ein­schätzun­gen in der Prax­is bewähren. Damit gin­ge ich d’akkord. “Authen­tiz­ität” als “Glaub­würdigkeit” ohne notwendi­gen Wahrheits- oder Wis­senschaft­sanspruch, was nicht im Umkehrschluss heißt, dass notwendig gel­o­gen oder bewußt getäuscht werde.

[3]

Ich befürchte nur, der Begriff “Authen­tiz­ität” birgt ein Prob­lem. Ohne ethis­che Kon­no­ta­tion, ohne eine indi­vidu­elle, pri­vate Hal­tung, kann man ihn ver­wen­den, was für viele aber in den Bere­ich Täuschung fällt, also ein tak­tisch motiviert­er Umgang mit Wahrheit­en. Es ist bei Prof. Merten schön zu sehen, was für eine Law­ine der Unge­hal­tenheit wegen sein­er selt­samen Ver­wen­dung des Wortes “Lizenz” aufkommt.

Das Ganze soll doch einen trans­par­enten PR-Knigge ergeben, der für Käufer und Verkäufer opti­male Fair­ness bietet. (Was in der Philoso­phie seit 30 Jahren auf die Ideen von John Rawls hin­aus läuft.)

Wäre sicher­lich nutzvoll, kenne ich bis­lang nicht und kön­nte vielle­icht auf den Begriff der “Authen­tiz­ität” verzicht­en, weil er viele reizt, ihn nur nach den eige­nen Vorstel­lun­gen zu ver­ste­hen. Da wäre ein neuer Begriff vielle­icht bess­er.

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