lahm müßte schießen, lahm schießt…

Gestern ging sie los, die Fuss­ball­welt­meis­ter­schaft in unserm schö­nen Län­dle. Unsere­ins sitzt im Café, Spiel soll starten und plöt­zlich: Stille. Allüber­all nur unerk­lärte Stille. “Was ist denn los?” frage ich, “Strom aus­ge­fall­en? Kein Ton mehr? Was ist denn da los?” — “Psssssss­chh­h­h­ht!”, rem­pelt mich jemand von hin­ten an, “Pssss­chht! Is ne Gedenkminute für Drafi Deutsch­er!” Etwas ver­dutzt schauste da schon drein, rechne mal mit sowas, oder war’s doch nur Veräp­peln? Aber hey — Fuss­baller, da ist alles möglich, also lieber im Zweifels­fall mitschweigen als seines Andenkens nicht gedenken. Aber a pro­pos: Nu wo er mal weg ist, sei es doch noch gesagt: Mar­mor Stein und Eisen brechen nicht bricht!!!.

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international realistische klobürsten

Jet­zt kom­men sie wieder zum Zuge, die sprach­lich den Fuss­ball­tretern entsprechen­den Sprachtretern der Öffentlich-Rechtlichen. Stef­fen Simon (wer mag ihn nicht nicht?) hat schon vorgelegt mit “Willkom­men in der inter­na­tionalen Real­ität, Herr Odonkor.” Dieses uner­mütlich um Sprach­witz bemühte, dabei aber jed­erzeit hil­f­los scheit­ernde Anren­nen gegen die Lim­i­ta­tion der eige­nen Sprach­be­herrschung kann man bald als wis­senschaftlichen Zweig verselb­ständi­gen. Gerne also diese WM mal wieder was wie Thomas Warks Bemerkung über Axel Kruse: “Er hat in Ros­tock mehrere Pfer­d­chen laufen.” oder Béla Réthys “Das da vorne, was aussieht wie eine Klobürste, das ist Valdera­ma.” Wir freuen uns…

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wo witz endet

Manche Namen sollte man sich aus bes­timmten Grün­den merken. Colleen Graffy ist so ein­er. Diese Dame ist Staatsmin­is­terin in den Vere­inigten Staat­en und tat­säch­lich der Mei­n­ung, dass drei Guan­tanamo-Häftlinge, die sich nach 5 Jahren unbe­grün­de­ter Inhaftierung das Leben nah­men, einen “guten PR-Gag” began­gen hät­ten. Heute meldete sich Thierse und sagte, solche Äußerun­gen seien an sich schon tadel­haft, und zudem da das Lager an sich schon gegen Kriegsrecht und Staat­srecht ver­stößt. Impliz­it, das darf man auch mal for­mulieren, ver­stößt es natür­lich auch gegen Men­schen­rechte. Was bei der sich so äußern­den Dame aber auch mal gefragt wer­den darf: Wie kann man seinen Anstand nur so zum Teufel schicken?

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abstoiber

Der bay­erische Min­is­ter­präsi­dent Edmund Stoiber hat sich dafür aus­ge­sprochen, schwere Gottes­lästerung kün­ftig kon­se­quent und härter zu bestrafen. Wer bewusst auf den religiösen Empfind­un­gen ander­er Men­schen herum­tram­pele, müsse mit Kon­se­quen­zen rech­nen — in schw­eren Fällen mit bis zu drei Jahren Gefäng­nis, fordert der CSU-Chef. In der “Bild”-Zeitung kündigte der CSU-Chef eine entsprechende Ini­tia­tive für den Inte­gra­tions­gipfel im Juli bei Bun­deskan­z­lerin Angela Merkel (CDU) an. “Es darf nicht alles mit Füßen getreten wer­den, was anderen heilig ist”, sagte Stoiber. Der bish­erige Para­graph 166 des Strafge­set­zbuch­es sei “völ­lig stumpf und wirkungs­los”, weil er eine Bestra­fung nur dann vorse­he, wenn der “öffentliche Frieden gefährdet” sei und “Aufruhr” dro­he. Wohin die Ver­let­zung religiös­er Gefüh­le führen könne, habe der Stre­it um die Mohammed-Karika­turen in diesem Jahr “auf alarmierende Weise” gezeigt, mah­nte Stoiber.

Got­to­gott, der Stoiber. In der dänis­chen Presse waren Karika­turen, die Irreführun­gen aus ver­meintlich religiösen Motiv­en zum The­ma hat­ten [s.a. das Inter­view mit Robert Gern­hardt]. Und aber­mals hauen unsere Spezies von der Partei mit dem großen C in die gle­iche Kerbe. Das ist genau so eine Ver­wirrung wie die Behaup­tung unser­er Fam­i­lien­min­is­terin, dass die Men­schen­rechte dank des Chris­ten­tums enstanden seien, woraus die Fol­gerung ent­stand, dass der heutige Moralun­ter­richt an Schulen wieder christlich­er wer­den müsse. Die Men­schen­rechte mussten ger­ade gegen die Katholis­che Kirche Jahrhun­derte lang vertei­digt wer­den — aber sowas geht an der Fest­plat­te eines besser­wis­senden Wohlfühlmoral­is­ten offen­sichtlich spur­los vorbei.

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bemühte mühseligkeiten

Es ist wieder Bach­man­npreis. Ich hab mir ja mal vor 3 Jahren den Spaß erlaubt, einen Tag kom­plett den Lese­marathon mitanzuse­hen, zumin­d­est das Bild der Lesenden im Hin­ter­grund laufen zu lassen. Denn eines kann man eigentlich gar nicht: Allen Vor­lesenden ern­sthaft, andauernd und geistig rezip­ierend zuhören. Dazu sind sie ein­fach zu lang­weilig. An Pub­likum und Rezensen­ten erken­nt man gle­ich, pos­i­tiv ist ein vorgestell­ter Text dann, wenn er unkon­ven­tionell, aber doch noch ver­ständlich geschrieben ist und etwas Witz offen­bahrt. Öster­re­ichis­che Autoren, dies­mal Bodo Hell, dür­fen für öster­re­ichis­che Rezensen­ten auch gerne mal mit öster­re­ichisch-lang­weiliger Kon­tem­pla­tion ihre Texte beschw­eren und kriegen patri­o­tis­che Extra-Punk­te dafür. Anson­sten ist es wie immer: Autoren beicht­en, dass sie nichts zu erzählen haben, aber aus eigen­em Antrieb trotz­dem Büch­er in diese Welt ent­lassen. Nicht nur Handys haben schein­bar die Folge, dass unnützes Gequatsche mul­ti­pliziert wer­den, son­dern auch Intellek­tülle [hier sei mal ein Beispiel gegeben], die nicht still sein wollen.

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