die welt ist schwarz

In einem bren­nen­den Fab­rikge­bäude ist am Fre­itag ein Feuer­wehrmann ver­bran­nt. Er hat die Ori­en­tierung ver­loren beim Rück­zug aus dem Gebäude. Das ist die sach­lich-tech­nis­che Erk­lärung. Nie­mand erk­lärt den Rest. Muss man ins Innere eines Feuers? Ich ziehe die Frage zurück. Die Real­ität ist schmerzhaft, unfass­bar, bit­ter, trau­rig und unfair. Es ist passiert, was nie hätte passieren dür­fen. Jemand ist gegan­gen, der noch lange nicht hätte gehen sollen. Der Mann war ein Bekan­nter und die Welt erscheint so grausam, wie sie nur sein kann.

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liebe(s)gewohnheiten

Gestern saßen wir beim Bierchen vor der Uni und ich erzählte so von den aus­ge­feil­ten Spi­onage­un­ternehmungen, die Män­ner anset­zen, um mehr über ihre Ange­betete zu erfahren, bei der sich noch nichts ergeben hat. Also sie suchen in Tele­fon­büch­ern nach gle­ichk­lin­gen­den Namen, googeln, passen die Laufwege der Herza­ller­lieb­sten ab, ziehen daraus Schlüsse über ihre All­t­ags­ge­wohn­heit­en usw.usf. In der Runde bekam ich männliche Zus­tim­mung und auch die Schienen, die so gefahren wer­den, waren all­seits bekan­nt und so schwel­gten die Män­ners in schmun­zel­nder Erin­nerung an kühne Tat­en.

Da meldete sich ein weib­lich­es Wesen und erwiderte: “Naja, sowas haben wir früher auch gemacht. Adresse raus­find­en, unter Klassenkam­eradin­nen Infos aus­tauschen und mit dem Fahrrad vor­beifahren, ob er da ist und so…”

Woraufhin ein männlich­er Sachver­ständi­ger allerd­ings trock­en den Unter­schied fes­t­nagelte:

“Ja … aber wir machen das heute noch…”

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beileid

Let­ztens meinte doch ne Dozentin ern­sthaft: “Nach neuesten Unter­suchun­gen haben britis­che Forsch­er her­aus­ge­fun­den: Die meis­ten Men­schen ster­ben am Alter!” Da müssen aber auch Forschungs­gelder bei draufge­gan­gen sein, macht man sich gar kein Bild von…

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leserbriefen

Der Haup­tauss­chuß der Stadt Ibben­büren hat es trotz deut­lich dar­für­sprechen­der Argu­mente abgelehnt, die vorge­se­henen Kürzun­gen in der Jugen­dar­beit zurück­zunehmen. Der Bürg­er­meis­ter befür­wortete dies damit, dass über­all im Haushalt 20% gekürzt wür­den, dass nur das gerecht sei und er selb­st bei ein­er Rück­nahme Glaub­würdigkeit ver­löre. Wird über­all gekürzt? Nicht ganz. Über­raschen­der­weise ist nicht vorge­se­hen, die Zuwen­dun­gen für die ParteiFrak­tio­nen um 20% zu kürzen. Es scheint also nicht unbe­d­ingt notwendig, einen so vakan­ten Begriff von Gerechtigkeit anzuführen. Wieso sagt man dann aber nicht: Wir set­zen im Haushalt Schw­er­punk­te. Ein­er davon ist der Erhalt der erfol­gre­ichen und vor­beu­gen­den Jugen­dar­beit dieser Stadt. Hier hätte nie­mand ein Glaub­würdigkeit­sprob­lem, solange dieses Unter­fan­gen nur, ich zitiere, “Klecker­be­träge” des Gesamthaushalts kostet. Die SPD-Frak­tion hinge­gen hielt es zur Recht­fer­ti­gung der Kürzun­gen aber­mals für angemessen, Ferien­lagerkinder als geizige Kor­si­ka-Luxus-Urlauber zu dif­famieren. Diese acht­lose Bemerkung ist eine Respek­t­losigkeit allen Fam­i­lien und Allein­erziehen­den gegenüber, die Ferien­lagerkosten kaum auf­brin­gen kön­nen. Anstatt die Chance zu nutzen, Kürzun­gen nicht auf dem Rück­en der Kinder und Jugendlichen aus­tra­gen zu lassen, ver­loren sich Poli­tik­er einiger Parteien im Haup­tauss­chuß in selb­st­ge­fäl­ligem Geschwätz und eng­stirnigem Frak­tion­szwang. Dies wird wed­er der Sache noch den Betrof­fe­nen gerecht. Dabei kön­nte ger­ade durch ein Beken­nt­nis zur Absicherung der Entwick­lung der Jugend dieser Stadt viel Glaub­würdigkeit gewon­nen wer­den.

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klischee mir noch einen

Friedel Pflüger ist ja seit neuestem Kan­di­dat der Jun­gen Union für den Bürg­er­meis­ter­posten in Berlin oder so. Dass er mit Prof. Mis­antrop­u­lus zusam­men war wusste ich auch noch, dass das nicht mehr der Fall ist auch, aber dass seine junge Prak­tikan­tin den Job nu inne hat, war mir neu. Ist halt was Kleines unter­wegs gewe­sen, da kommt sowas. Ja, ver­ste­ht man irgend­wie auch. Beim Namen klin­gelte mir da aber noch was. Hall­mayr, Hellmeier, Häll­mayr? Ja, stimmt. Das war die Mit­be­grün­derin der treudoofen Ini­tia­tive Frauen für Stoiber. Klang für mich zunächst wie Kinder für den Führer, aber da hab ich sich­er was falsch ver­standen. Nun, diese Ini­tia­tive wehrt sich, laut der Hall­may­er­schen, gegen das unkausal der SPD zuge­ord­nete Klis­chee von wegen “Kinder, Küche, Kirche”. Das nenn ich ja gut umge­wan­delt. Die next gen­er­a­tion hat da ordentlich auf den Putz gehauen. Weg mit altem Bal­last und fix her mit dem neuen Slo­gan “Prak­tikum, Pop­pen, Pam­per­swech­sel”. PS.: Und der Kaiser hat­te wohl was an!

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grimmepreisen

Susanne Osthoff wird ern­sthaft für den Grimme-Preis vorgeschla­gen — finde ich eine sehr tolle Idee. Sowohl im ZDF-Inter­view mit Mari­et­ta Slom­ka als auch bei Ich-schaue-so-schnell-wie-ich-denke — Beck­mann zeigte sie dem tum­ben deutschen Fernse­hjour­nal­is­mus die Stirn. Prob­leme sind eben nicht immer auf einen Nen­ner zu brin­gen, der lediglich einen kleinen Satz umfasst, sie sind auch manch­mal nicht in 2 Minuten abhan­del- und lös­bar. Das Fernse­hjour­nal­is­ten damit nichts anfan­gen kön­nen ist klar, es wider­spricht ja ger­ade den Grund­prinzip­i­en des Fernse­hens. Das Leben mehr bedeutet als das Fernse­hen darstellen kann, und das diese Dinge bedeut­samer sind, das zu zeigen ist eine hoch einzuschätzende Leis­tung, die Susanne Osthoff im Vor­beige­hen geleis­tet hat.

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jahresworte

Bun­deskan­z­lerin ist, soweit ich das mit­bekom­men habe, das gewählte Wort des let­zten Jahres. Umge­hauen hat mich diese Wahl nicht beson­ders. Gewählt hätte ich per­sön­lich die begrif­fliche Betitelung Elke Hei­den­re­ichs 10-Euro-das-Buch-Rei­he von Sigrid Löf­fler als Tchi­boisierung der Lit­er­atur. Das hat doch was :). Auch die Betitelung und Darstel­lung der Wei­h­nacht­sansprache des Bun­de­spräsi­den­ten Köh­ler als “Kampf mit dem Teleprompter” von Matthias Rich­ling hat mir doch sehr viel mehr gefall­en…

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mein brief an eingesperrte jugendliche, nr. 1, von tookie williams

Ich bin für mehr als 21 Jahre auf der San-Quentins-Todesliste gewe­sen. Ich hoffe, daß diese kurze Mit­teilung Gedanken für eine Verän­derung bei Euch anregt.

Über­all in dieser Nation veg­etieren unzäh­lige junge Män­ner und Frauen, wie Ihr, in Jugend­wohn­heimen und in Jugend­be­hör­den. Immer mehr Gefäng­nisse wer­den gebaut, um Eur­er Gen­er­a­tion ent­ge­gen zu kom­men, wenn Ihr ins Erwach­se­nen­sein reinwachst. Die Frage ist, kön­nt Ihr motiviert genug wer­den, um den Erwartun­gen zu entsprechen, die viele Leute an Euch stellen?

Für diejeni­gen von Euch, die das Glück haben, ihre Frei­heit wiederzugewin­nen: Bere­it­et Euch eine Tage­sor­d­nung vor, um außer­halb der Wände der Einsper­rung zu über­leben. Bildet Euch über Com­put­ertech­nolo­gie, Poli­tik und die Wis­senschaften.

Wenn ander­er­seits eini­gen von Euch eine lange Zeit gegenüber ste­ht, schlage ich vor, daß Ihr euch bemüht, Euren Ver­stand zu erziehen und zu diszi­plin­ieren. Wenn Ihr Zugang zu ein­er Bib­lio­thek habt, lest jedes geeignete Buch, daß Ihr in die Hände bekommt. Bildet Euch über Geschichte, Wel­tre­li­gio­nen, Mathe, Englisch, Religiösität und Eure Kul­tur.

Es ist Zeit, Dinge selb­st in die Hand zu nehmen. Man kann sich 24 Stun­den am Tag, 7 Tage die Woche über die Prob­leme Armut, Dro­gen, Gewalt­tätigkeit, Ras­sis­mus und anderes Unrecht beschw­eren, aber bevor wir nicht beschließen, eine per­sön­liche Verän­derung einzuleit­en, bleiben wir Mar­i­onet­ten ungerechter Zustände. Solange wir nicht uns ändern, sind wir zum Verän­dern der Umstände um uns herum unfähig.

Als Faz­it gibt es zwei Möglichkeit­en, Eure Einsper­rung zu betra­cht­en: Entwed­er überzeugt Euch Eure derzeit­ige Sit­u­a­tion, Euer Leben ger­adezuricht­en oder sie wird der Anfang ein­er kost­spieli­gen Zukun­ft hin­ter Stäben sein. Oder schlimm­sten Falls — werdet Ihr ganz oben auf Todesliste ste­hen.

Arnie S. hat ein Wort des Bedauerns gesucht, um seine Tötung zu ver­hin­dern — Kannst du lesen, Arnie?

Stan­ley “Took­ie” Williams wurde vor 3 Stun­den hin­gerichtet. Er beteuerte bis zulet­zt, nie­man­den getötet zu haben.

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nachrichtenzynismus

Sat1-Nachricht­en dis­qual­i­fizieren sich alle Tage neu. Dies­mal gibg es um eine Mel­dung, dass in den USA ein Flugzeug von der Lan­de­bahn abkam und dabei auf eine Straße abrutschte, wo es einen kleinen 6‑jährigen Jun­gen tötete. Und die Nachricht­en­sprecherin ent­blödete sich doch nicht zu sagen, dass die Pas­sagiere “nur knapp ein­er Katas­tro­phe entkom­men” seien. Ja, da müssen wohl mehr Kinder getötet wer­den, damit man ern­sthaft bei Sat1 von ein­er Katas­tro­phe reden kann…

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wahlentscheidendes

In einem dieser aus­ge­sprochen her­vor­ra­gen­den Inter­views fragte ein aus­ge­sprochen her­vor­ra­gen­der ZDF-Mikro­fon­hal­ter vor laufend­en Kam­eras doch tat­säch­lich einen aus­ge­sprochen her­vor­ra­gen­den Pas­san­ten, was für ihn die wahlentschei­den­sten The­men gewe­sen wären. So ein aus­ge­sprochen her­vor­ra­gen­der Pas­sant weiß das ja und dann kann man ihn ja auch mal fra­gen, ver­ste­ht sich. Und dieser aus­ge­sprochen her­vor­ra­gende Pas­sant meinte dann stante pede: “Jo, Arbeit, Steuern und der Türkei-Beitritt der EU.” Der Türkei-Beitritt der EU? Mal ganz was neues. Wenn die Türkei schon nicht der EU beitreten darf, dann doch wenig­stens umgekehrt. So hat­te ich das noch gar nicht gese­hen. Gut, wer­den einige sagen, der Carsten ist wieder ein echter Haarspal­ter, der Worte gewollt, aber immer­hin aus­ge­sprochen her­vor­ra­gend mißver­ste­ht. Hier geht es um unter­schiedlich zu inter­pretierende Gen­i­tive. Aber der Dame­nun­fall eines Autos ist ja auch nicht der Autoun­fall ein­er Dame. Schis­chu?!

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