Vor mir an der Ampel ste­ht ein Pudel­frisurträger mit gesenk­tem Blick. Die Ampel wird grün, er schaut auf, dreht sich und geht in die ent­ge­genge­set­zte Rich­tung davon. Hat sich­er ger­ade inner­lich “Heure­ka!” geschrieen und eine Entschei­dung getrof­fen, die sein Leben umkrem­peln wird. Oder den Schlüs­sel für seinen Büroschreibtisch vergessen.

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Der Rhein ste­ht heute hoch.

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Im Hof­garten kommt mir ein Pudel­frisurträger ent­ge­gen, der einen kleinen Hund ohne Pudel­frisur Gas­si führt. Bes­timmt auf dem Weg zum Hun­de­friseur.

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Der Nach­wuchs gur­rt in einem Dreier­takt als neuer Macke so, dass die Vögel auf dem Rasen irri­tiert nach der Gefahr in der Luft suchen, vor der sie sich gewarnt fühlen.

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Am Ver­sicherungs­ge­bäude tre­ffe ich mit dem drit­ten Pudel­frisurträger des Tages zusam­men, einem jun­gen Mann wie aus einem 90er-Jahre-Musikvideo. Während ich mir einen zurecht­grinse kackt ein Vogel auf den Kinder­wa­gen. Pudel­frisurträger­hof­garten­vögelver­schwörungsak­tion.

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Die Mut­ter des Heulkindes zweifelt daran, ob es zweck­haft ist, dass es weit­er die Krabbel­gruppe besucht, weil es inzwis­chen auch Angst vorm Staub­sauger hat. Wir machen aber gar nichts mit Staub­saugern.

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Der Mann ein­er Krabbel­grup­pen­ma­mi möchte nicht zu ein­er Grup­pen­stunde gehen, weil er seine Männlichkeit dadurch in Gefahr sieht.

Aber er arbeit­et ja sehr viel.

Das scheint es bess­er zu machen.

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Nach­wuchs und ich sitzen am Küchen­tisch, essen selb­st­gemachte Dinkel­stan­gen, hören Ele­ment of Crime und schauen, wie es draußen hagelt.

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Beißkas­tanie.

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Kann man Bar­be­cueketchup nicht ein­fach sel­ber machen, indem man in Cur­ryketchup rein­raucht?

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Ich fahre den Nach­wuchs heute zum ersten Mal in der Sportaus­führung des Kinder­wa­gens aus. Weil das Kind jet­zt nach vorn aus­gerichtet sitzt, bemerken es die Pas­san­ten, schauen nach, lächeln. Auf der Nord­straße rauscht ein Mann in noblem Anzug an uns vor­bei, lukt beim Über­holen kurz in den Kinder­wa­gen, schert wieder vor mir in die Spur ein, schaut sich ver­sich­ernd um, lacht, geht weit­er, dreht sich und schre­it mir im gehüpften Rück­wärts­gang zu:

Er sieht nichts! Er sieht nichts! Haha­ha!

Ich ziehe dem Nach­wuchs aufge­fordert füh­lend die Mütze zurück von den Augen auf die Stirn, der Mann sagt lach­hüpfend:

Ja, so ist bess­er! Haha!

Ich höre mich ver­dat­tert

Danke!

sagen und er dreht sich nick­end, beschwingt weit­erge­hend nach vorne. Das kleine, schwarze Teufelchen auf mein­er recht­en Schul­ter hält sich das ruck­el­nde Bäuch­lein und bepisst meine Jacke vor Lachen.

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Der Nach­wuchs spielt heute begeis­tert mit Plas­tikklötzchen an und auf sein­er Schwimm­badtheke.

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Wir tre­f­fen heute unsre Fre­undin, Dirne Mar­got.

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Buchver­rissvorher­sage: Heute wird Denis Scheck in druck­frisch den Roman Scharnow von Bela B Felsen­heimer ver­reis­sen, unter dem Hin­weis der Inkom­pe­tenz des Schreibers mit irgend­was wie “Wenn Punk solche Büch­er schreibt, wäre er bess­er tot”.

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Ruhe in Frieden, Marat. Warst ein­er von den Guten.

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Der Nach­wuchs muss zum Pass­fo­toknipsen. Er hat die Nicht­fo­to­gen­ität des Vaters bei Pass­bildern geerbt, zumin­d­est in der Rück­en­lage­fo­tografie. An den dick­en Back­en wird er nicht erkan­nt wer­den.

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Wir besuchen den Drachen und den Waschbären vor ihrer Reise in den Süden. Der Bär erzählt mir wieder­holt, er habe einen Artikel gele­sen, in dem ste­ht, dass die Israelis eine Pille gegen alle For­men von Krebs entwick­eln. Sie werde näch­stes Jahr mark­treif und teuer. Ich sage wieder­holt, dass ich das bezwei­fle. Er sagt wieder­holt, er auch.

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Der Luxu­skinder­wa­gen wird damit bewor­ben, dass man das Dach kom­plett über das liegende Kind stülpen kann, so dass dieses seine Ruhe habe und Pas­san­ten nicht in den Wagen greifen kön­nten. In der Fußgänger­zone umher­schieben sich zwei Luxu­skinder­wa­gen­paare, die jew­eils das Dach der Anweisung nach vol­lübergestülpt haben. Ich ziehe dem Nach­wuchs bei Bedarf ein­fach die Mütze ins Gesicht.

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Fußgänger­zo­nen­ma­ma zum Sprößling:

Wir gehen jet­zt nach Hause und da schreib­st du an deinem Lese­tage­buch weit­er, egal was die anderen machen. Du musst auch mal weit­erkom­men.

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Am Rhein kommt mir heute das erste Mal eine Fri­days-for-Future-Schüler­wan­der­gruppe ent­ge­gen. Es wird Wass­er aus Plas­tik­flaschen getrunk­en und auf dem Handy rumge­drückt, während man Plakate (“Man ist das heiß, ich glaub, ich flieg zum Mond!”) unterm Arm gek­lemmt hat, die man wegen des Regens mit großflächig Trans­par­en­tk­le­be­band über­zo­gen hat. Wir brauchen unbe­d­ingt einen Don­ner­stag-für-Umwelt­be­wußt­sein.

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Schwein­sohr ist nicht gle­ich Schwein­sohr. Beim Bäck­er unter uns kostet eins 2,20€, ist aber die 40 Cent, die es mehr kostet als ein immer trock­en- und kle­briges Kamp­sohrschwein alle­mal wert. Der Bäck­er hat keine Schwein­sohren mehr und schenkt mir eine Kirschtasche.

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In der Mamimes­sen­ger­gruppe meldet sich eine Mami und meint, sie wolle nur weit­er Mit­glied der Krabbel­gruppe sein, wenn man bei der Grup­pen­stunde dem­nächst Mama-Work­out macht. Die Mama des Heulkindes meint, ihm mache die Gruppe keinen Spaß.

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Tante ruft an, lädt zum 85. Geburt­stag ein.

Eigentlich wollte ich ja flücht­en, aber jet­zt hat sich eine Fre­undin für den Tag angemeldet und da mache ich eine Kanne Kaf­fee. Da kön­nt ihr auch kom­men.

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Im Schaufen­ster eines Baby­waren­fachgeschäfts ste­ht ein einziger Kinder­wa­gen in petrol aus­gestellt, an dem ein Schild behaftet ist: “Lim­it­ed edi­tion.” Hat wohl Werks­fehler.

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Regen, durchgängig Regen. Das graue Gewäss­er des Rheins ste­ht ziem­lich hoch. Am Ufer hat die Crown of Suisse angelegt, war bei denen mal was Königlich­es? Und musste es ver­schifft wer­den? Sind die immer noch unter­wegs, so als schwim­mende Enklave?

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Auf dem Rück­weg sehe ich ein Auto, dessen link­er Hin­ter­reifen allein auf dem Bürg­er­steig ste­ht. Das Vehikel sieht aus wie ein zum Pinkeln anset­zen­der Vier­bein­er, der plöt­zlich schock­ge­froren wurde. Wer parkt so ein? Wer parkt so ein und sagt: Ja, super, passt ja genau! Oder ent­fer­nt er sich schle­u­nigst vom Wagen, um den Pas­san­ten­blick­en zu ent­ge­hen?

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Der Nach­wuchs kann jet­zt Busse erken­nen und schaut ihnen aus dem Wohnz­im­mer­fen­ster hin­ter­her.

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In der Krabbel­gruppe gibt es ein Krabbelkind, das noch bei jedem Ter­min geheult hat. Es weint auch auf fast allen Fotos, die über die Mes­sen­ger­gruppe reinkom­men. Nur auf einem nicht, da sieht man es ent­fer­nt von den anderen. Es wurde in einen anderen Bere­ich des Zim­mers gebracht, nach­dem es Anze­ichen machte zu heulen. Ich über­lege, eine Foto­samm­lung anzule­gen.

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Gestern das let­zte Karnevals­bier getrunk­en und erfreulicher­weise keine inten­siv­en Nach­wirkun­gen davon heute mor­gen gehabt. Sollte mir vornehmen, weniger zu exper­i­men­tieren, und das Bier zu kaufen, was schmeckt und verträglich ist.

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Seit­dem das Kind geboren ist, habe ich keine Zeit mehr zum Bügeln. Ich habe einen Riesen­stapel Bügelzeug zuhause liegen. Mein Mann kauft sich dauernd neue Hem­den, weil ich nicht zum Bügeln komme.

Jed­er Pott kriegt seinen Deck­el.

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Ich suche eine neue Putze. Meine macht nur Böden. Ich bin jedes Mal, bevor sie kommt, den ganzen Tag vorher damit beschäftigt, über­all den Staub wegzuwis­chen. Die Putze mein­er Fre­undin ist auch nichts, bei denen wird der Wein­vor­rat immer weniger, nach­dem die da war.

Wir bräucht­en eine, die nur Staub macht.

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Haben Sie das gehört, was die Dame eben meinte? Wie soll man sich denn mit dem drit­ten Kinder­wa­gen im Ein­gangs­bere­ich der Straßen­bahn son­st platzieren?

Tut mir leid, nicht gehört, ich habe unter­wegs immer Kopfhör­er auf, um solchen Kom­mentaren zu ent­ge­hen.

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