Stichwort: philosophie
Sonntag, den 8. Februar 2009   

das spiel mit der erkenntnis

Die Katholis­che Kirche gerät ger­ade unglaublich ins Schlingern bezüglich eines ihrer Mit­glieder, das die Ver­ga­sung von Men­schen jüdis­chen Glaubens anzweifelt.

Ich bin Mit­glied der Katholis­chen Kirche und habe damit eigentlich kein son­der­lich­es Prob­lem. Ich teile grund­sät­zliche Stand­punk­te bezüglich des Glaubens an sowas wie Gott, Drei­heiligkeit, Unfehlbarkeit des Pap­stes und pipa­po über­haupt nicht. Ich glaube allerd­ings, dass die pos­i­tiv­en Wirkun­gen dieser Kirche immer noch bess­er sind als eine Welt ohne diese Kirche vom jet­zi­gen Stand­punkt aus gese­hen. Das soll keine Recht­fer­ti­gung sein, nur der Hin­weis, ein­fach draufk­lop­pen auf die Katholis­che Kirche erscheint mir heuch­lerisch zu sein.

Neben der jahre­lang anschwil­len­den Glaubens- hat sich die Katholis­che Kirche somit auch ein Erken­nt­nis­prob­lem an Land gezo­gen. Und ohne die Philoso­phie scheint sie es nicht lösen zu könne. Wieso? Nun, die Prob­lem­lage ist fol­gende: Wenn es keine Erfahrungs­be­weise gibt, nur Papiere und Videodoku­mente, heißt das nicht: Es liegen keine Beweise vor?

Die öffentliche Lage sieht so aus, dass es eine Mehrheitsmei­n­ung gibt, die diesen Ver­dacht als unanständig ansieht, es sei daher auch unanständig, so etwas in die Welt zu posaunen, ger­ade im Namen der Katholis­chen Kirche. Dass es unanständig oder würde­los ist, behan­dle ich später. Zunächst nur: Diese Mehrheitsmei­n­ung ist nicht entschei­dend. Es wäre auch schlimm, gäbe es nur eine Mehrheitsmei­n­ung.

Entschei­dend wird es bei der philosophis­chen Frage, was ist eigentlich Geschichtss­chrei­bung? Geschichtss­chrei­bung ist mit­tler­weile eine stan­dar­tisierte, genauest­mögliche Wider­gabe von Geschehen­em zunächst durch eine Per­son. So fing man an. Weswe­gen war das akzept­abel als Wieder­gabe von tat­säch­lich Geschehen­em?

Weil es der Art entspricht, wie Men­schen sich ihre Iden­tität kon­stru­ieren. Ich bin der Überzeu­gung, dass ich es war, der gestern die Piz­za in den Ofen geschoben hat. Ich habe keine Videoauf­nah­men davon oder Doku­mente. Hätte ich welche, wäre ich nicht noch überzeugter. Ich habe eine Vielzahl zusam­men­hän­gen­der Ein­drücke, die mich dies denken lassen.

Dementsprechend ist Geschichtss­chrei­bung ein men­schlich­es Ver­fahren, Geschehenes weit­er zu leit­en. Dieses Ver­fahren wird seit Jahrhun­derten gepflegt, Stan­dards unter­wor­den und immer kri­tisch begleit­et. Dass etwas Ver­gan­ge­nes als wahr betra­chtet wird, hängt also nicht an ein­er Mehrheitsmei­n­ung, nicht allein an Aufze­ich­nun­gen, son­dern auch an der men­schlichen Eige­nart, zu Wis­sen zu gelan­gen, an sich.

Die Shoa oder Einzel­heit­en dieser zu leug­nen, würde also nur um den Preis der Leug­nung der men­schlichen Natur zu bekom­men sein. Und das ist nicht überzeu­gend. Im Falle der Katholis­chen Kirche wird es ja noch kon­fuser, weil diese Her­ren doch ger­ade mit dem Glauben mit einem Phänomen zu tun haben, dass eine sehr selt­same Eigen­schaft der men­schlichen Natur ist. Wieso leugnet man diesen nicht gle­ich auch?

Würde­los wird dieses Spielchen in bezug auf so ein­schnei­dende his­torische Ereignisse wie der Shoa. Denn man macht sich des fahrläs­si­gen Miss­brauchs des eige­nen Denkver­mö­gens schuldig, wenn man ern­sthaft in Erwä­gung zieht, den Opfern des Drit­ten Reichs das let­zte zu nehmen, was ihnen gebührt: Die Anerken­nung ihres Lei­dens.

Auf den Umgang mit diesem The­ma seit­ens der Katholis­chen Kirche bin ich den­noch ges­pan­nt. Jet­zt hat man schon gesagt, der Vatikan habe nicht alle Infor­ma­tio­nen gehabt bezüglich dieser Angele­gen­heit. Man hätte auch sagen kön­nen, dass die Unfehlbarkeit des Pap­stes ger­ade nicht ganz so gut funk­tion­iert hat. Daneben bieten sich ihr nicht son­der­lich viele nichtweltliche Instru­mente an, mit der The­matik umzuge­hen, außer eines Rede­ver­botes. Zeit für Verän­derun­gen. Wegen mir kön­nte Oba­ma in 8 Jahren Papst wer­den. Wäre doch mal was.


Dienstag, den 18. November 2008   

reinhard ascheberg – die ent-subjektivierung des menschen

Eine aus­führliche Kri­tik dieses Buch­es hat Georg Geis­mann schon besorgt. Dieser Ein­schätzung kann ich mich nur anschließen. Ascheberg liefert eine her­vor­ra­gende Analyse des Gedankens der Sub­jek­tiv­ität zur Zeit der Shoa aus der Per­spek­tive eines Philosophen.  Sofern dies über­haupt möglich ist, wie er bere­itwillig ein­räumt.
Ascheberg erläutert sehr ein­dringlich, inwiefern der Aufen­thalt in einem Konzen­tra­tionslager auch ein schw­er­er Angriff auf die Sub­jek­tiv­ität eines Men­schen mit der Absicht diesen zu brechen gewe­sen ist.
Die Sprache Aschebergs ist dur­chaus anspruchsvoll, man sollte sich aber nicht unbe­d­ingt davon alleine schon abhal­ten lassen.


Sonntag, den 12. Oktober 2008   

zur lage der philosophen in bielefeld

Die Uni­ver­sität Biele­feld wurde 1969 gegrün­det und vom Sozi­olo­gen Schel­sky konzip­iert. In dieser Konzep­tion war für die Philosophen vorge­se­hen, in ein Haus einzuziehen, das außer­halb der Uni­ver­sität am Hang des Teu­to­burg­er Waldes liegt. Heutzu­tage find­et man dort das ZiF, das Zen­trum für inter­diszi­plinäre Forschung.
Die Philosophen soll­ten von dieser höher gele­ge­nen Stelle einen guten Blick runter auf die Uni­ver­sität wer­fen kön­nen. Ein altes Bild, das auch gerne in Pla­tons Dialo­gen ver­wen­det wird. Auch dort begaben sich die Besser­wiss­er wie Sokrates gerne runter zum Mark­t­platz, legten dort die Argu­men­ta­tio­nen des gemeinen Volks auseinan­der, und gin­gen dann wieder zurück, hin­auf zu ihrer erhöht­en Res­i­denz.
Die Philosophen kamen aber als Abteilung dort nie an. Sie resi­dieren im acht­en Stock­w­erk des T-Zahns in der Uni­ver­sität. Von dort kann man zwar auch run­ter­schauen, aber es ist doch irgend­wie nicht das­selbe.
Die Ide­ale Schel­skys haben sich auch in ander­er Hin­sicht nicht erfüllt. Die Uni­ver­sität Biele­feld startete als “Refor­mu­ni­ver­sität”, als ein Gegen­ver­such zu all den Uni­ver­sitäten, bei denen “unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren” herrschte. Diesem Anspruch ist die Uni­ver­sität nie gerecht gewor­den, auch wenn es ein paar bekan­nte Wis­senschaftler her­vorge­bracht hat.


Montag, den 7. April 2008   

wehlers humanismus

Erneut hat es das Forum offene Wis­senschaft in Biele­feld geschafft, Hans-Ulrich Wehler für einen Vor­trag mit dem Titel “Die Idee der Human­ität in Geschichte und Gegen­wart” zu gewin­nen.
Das let­zte Mal, dass ich Wehler im FoW gese­hen habe, wet­terte er ein­drucksvoll und bes­timmt, manche werteten das als polemisierend, gegen eine Auf­nahme der Türkei in die EU. Damals erzählte er eine Anek­dote über den sein­erzeit­i­gen Außen­min­is­ter Josch­ka Fis­ch­er. Den habe er in Berlin auf ein­er Par­ty getrof­fen und nach­dem man den einen oder anderen intus hat­te, soll Fis­ch­er einen Ver­gle­ich zu Gen­sch­er gezo­gen haben: “Halb soviele Amt­s­jahre, aber dop­pelt soviel Flug­meilen!” Dem Pub­likum gefiel natür­lich diese Anek­dote, man traute sie Fis­ch­er ja auch ohne weit­eres zu. In diesem Kon­text wirk­te sie allerd­ings befremdlich, aber Wehler kon­nte sie sich leis­ten.
Heute Abend nun sprach Wehler über Human­is­mus. Man durfte ges­pan­nt sein, schliesslich wagte Wehler sich damit ausser­halb seines Forschungs­bere­ichs. Dies räumte Wehler vor ein­er hör­saalfül­len­den Fange­meinde auch ein, warb aber dafür den Human­is­mus als europäis­ches Kul­turgut, das auf dem Chris­ten­tum aufge­baut wor­den sei, weit­er zu befördern. Das Chris­ten­tum habe gezeigt, dass es ein der­ar­tiges Kul­turgut ver­bre­it­en könne. Daher habe er auch nichts dage­gen, es in eine europäis­che Ver­fas­sung Gott einzu­binden, da der christliche Glaube eben auch europäis­ches Kul­turgut sei, auch wenn er selb­st die jüdis­che Reli­gion der christlichen in inhaltlich­er Sicht bevorzu­gen würde.
Bezo­gen auf let­zteres sagte er, es sei leichter an einen einzi­gen geset­zgeben­den Gott zu glauben als an ein gemis­cht­es Team aus Gott, Engeln und son­sti­gen Wesen. Wehler betonte, in einem der­ar­ti­gen Rah­men sei es immer rat­sam, den Inhalt mit ein­er poli­tis­chen Aus­sage zu verknüpfen, das erk­lärte sein Wer­ben für die Anerken­nung des Human­is­mus als europäis­chem Exportschlager. Andere Reli­gio­nen oder Ameri­ka mit seinem Way-of-life hät­ten eine der­ar­tige Werte­tra­di­tion nicht vorzuweisen.
Und an diesem Punkt sprach Wehler, der jahre­lang in den Vere­inigten Staat­en lehrte, doch noch etwas für mich inter­es­santes an. Ihn habe dieser starre, uner­schüt­ter­liche Glaube an den amer­i­can way of life immer irri­tiert. Die Geschichte des Teller­wäsch­ers, der zum Mil­lionär wird, würde immer wieder durch die eine oder andere der­ar­tige Geschichte bestätigt, während sich nie­mand über die oft­mals fehlende Kranken­ver­sicherung wun­derte. Der Glaube, der Einzelne müsse nur hart genug arbeit­en, dann bekomme er schon seinen ver­di­en­ten Lohn, sei wesentlich grundle­gen­der ver­ankert als die Idee von ein­er umfassenden Sozialver­sorgung.
Jet­zt leuchtet mir schon eher ein, weswe­gen aktuelle amerikanis­che Filme ums Ver­reck­en nicht auf den Einen, der alle ret­tet, verzicht­en kann, aber Rawls’ The­o­rie muss ich darauf hin nochmal testen.

Montag, den 17. Januar 2005   

analytische philosophie für einsteiger

Ana­lytis­che Philoso­phie ist eine mod­ern gewor­dene Rich­tung inner­halb der Philoso­phie. In der Fach­schaft fragte neulich berechtigter­weise, was Ana­lytis­che Philoso­phie denn eigentlich ist. Daraufhin meinte eine Vertreterin dieser Rich­tung: “Ja, also man nimmt z.B. Kant und sagt ‘Das ist falsch’…”. Kürz­er hätte ich’s auch nicht fassen kön­nen ;-).


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