Dienstag, den 18. November 2008   

tilman rammstedt – der kaiser von china

Tilman Ramm­st­edt hat im Okto­ber endlich seinen seit dem Som­mer angekündigten Roman “Der Kaiser von Chi­na” veröf­fentlicht. Für dieses Buch erhielt er schon diverse Preise im voraus, u.a. den Inge­borg-Bach­mann-Preis.
Und vielver­sprechend begin­nt auch dieser kleine Schmök­er. Die ersten 40 Seit­en sind eine äußerst komis­che Beschrei­bung der Mack­en des Groß­vaters von Haupt­fig­ur Kei­th. Es sind aber auch wohl nur die ersten 40 Seit­en, die beim Bach­mann-Preis vorge­le­sen wur­den. Danach ändert sich der Roman etwas, ohne dass man von einem außeror­dentlich über­raschen­dem Wech­sel sprechen kön­nte. Kei­th bekommt von seinen Geschwis­tern Geld für eine Reise mit dem Groß­vater, welch­es er im Kasi­no mit dessen Geliebter auf den Putz haut. Dann stirbt der Groß­vater und Kei­th erfind­et sich im eige­nen Haus ver­steck­end die Geschichte ein­er Chi­na-Reise mit dem Groß­vater.
Dieser zweite Teil ist nun ver­glichen mit dem Anfang kaum noch humor­voll, darauf aber auch nicht angelegt. Es ist eine dur­chaus detail­liert geschriebene Erzäh­lung ohne größeren Tief­sinn. Soll­ten die ersten 40 Seit­en dem Leser irgend­was schmack­haft gemacht haben, außer dem Erzähltal­ent Ramm­st­edts wird ihm nichts präsen­tiert.
Das ist nicht weit­er schlimm, die 160 Seit­en lesen sich flott, man hätte aber fast mehr erwartet. Mich hat die Lek­türe an Hard-boiled won­der­land oder das Ende der Welt von Haru­ki Muraka­mi erin­nert. Auch dort begin­nt ein Roman mit ein­er sehr witzi­gen All­t­ags­beschrei­bung und mün­det in ein­er phan­tasievollen Geschichte, die aber nicht mehr witzig ist.

| kurz-url | Schlagwörter: kategorie: belesenes

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