Dienstag, den 17. Februar 2009   

so lala gegen nordwind

Meine Tante, eine aus­gewiesene Thomas Mann- und Dos­to­jew­skij-Leserin, emp­fahl mir am Woch­enende doch glatt den Roman Gut gegen Nord­wind von Daniel Glat­tauer. Es würde sehr schön über Liebe geschrieben, außer­dem habe Goethe ja auch schon mal Erfolg gehabt mit einem Briefro­man.

In der Tat sind die Kri­tiken des Romans im Inter­net fast durch­weg pos­i­tiv. Aber mir will scheinen, das liegt an der kitschaffinen Leser­schaft, die zu diesem Buch greift. Doch selb­st Andreas Isen­schmidt, den ich anson­sten für sehr tre­ff­sich­er halte, was Lit­er­atur bet­rifft, find­et in diesem “ersten E-Mail-Roman” Roman­tik pur.

Doch halt. Erster E-Mail-Roman? Nein, nein. Ich erin­nere mich schon noch an einen Roman der das­selbe The­ma, dieselbe Auf­machung hat­te. Das war 1999. Das Buch hieß Chat und kam von Nan McCarthy. Wie freute ich mich damals über ein Buch über das Inter­net, über Chats, über Mes­sen­ger und so und wie ent­täuscht war ich, dass diese Grund­lage nur zur seicht­esten Banal­itäten taugt. Immer nur hier ein Ein­trag, da ein Ein­trag, hier Irri­ta­tion, da Irri­ta­tion, hier Nicht­loslassenkön­nen, da Nicht­loslassen kön­nen. Kein Warum, keine Span­nung, die der Leser nicht selb­st hinein denkt.

Ich war also gewarnt vor meinem zweit­en E-Mail-Roman. Und Glat­tauer ist in der Tat an lei­der viel zu weni­gen Stellen orig­ineller. Da wird darauf hingewiesen, dass ein gewiss­es Niveau in den Mails gehal­ten wer­den soll, und es eben keine Cha­tro­manze wer­den darf. Da wird gesagt, unter­lasse bitte die Smi­lies und ver­traue darauf, dass ich deinen Humor ver­ste­he. Aber auss­er diesen Bon­mots schaut einen dieselbe Tristesse an, die diese Einan­derange­zo­gen­heit her­vor­bringt, wie in jed­er zweitk­las­si­gen Schnulze, der es nicht darum geht, zu erk­lären, warum da was passieren soll. Nun gibt es sicher­lich solche Romanzen. Mit so wenig Warums, mit so wenig fass­baren Reizen, die eine Anziehung her­stellt, mit soviel Geduld, mit so wenig Infos über per­sön­liche Mack­en. Inter­essiert mich aber irgend­wie nicht. Meine Mailkom­mu­nika­tion war da immer kom­pliziert­er, anstren­gen­der, inten­siv­er, um-Eck­en-denk­ender, reizvoller, gefährlich­er. Auch mit Per­so­n­en, die ich nicht kan­nte.

Viel bess­er, stelle ich mir vor, taugt der Roman als Hör­spiel, gesprochen von Andrea Sawatz­ki und Chris­t­ian Bertel, die ja auch pri­vat ein Paar sind. Die kön­nen da bes­timmt den Pepp rein­brin­gen, der dem Text so gut getan hätte.

Ger­ade ist der inhaltlich anschließende Nach­fol­ger her­aus­gekom­men, der da heißt Alle sieben Wellen. Das Buch ist wohl nur kaufenswert, wenn man wis­sen will, wie die Geschichte aus­ge­ht: