Freitag, den 19. Februar 2010   

is doch schön

Ich bin kein Fan davon, Dinge überzureg­ulieren. In der Philoso­phie gibt es eine Strö­mung namens Sprach­philoso­phie. Die war mir immer irgend­wie fremd, weil viel zu vie­len Wörtern jew­eils eine einzig richtige Ver­wen­dung unter­stellt wurde. Wenn Wörter gut zu dem passen, was ein Sprech­er sagen will, ist das doch super.

Nur erin­nere ich mich an meine Schwierigkeit­en mit eben diesem Wort: super. An mein­er mein­er großen Schulzeitliebe fand ich eigentlich alles toll. Bis auf ihren Hang, so ziem­lich jedes Adjek­tiv mit super, inklu­sive Beto­nung auf dem u, zu steigern. Ein Buch war nicht inter­es­sant, es war super inter­es­sant. Ein Kuchen nicht leck­er, son­dern super leck­er. Vielle­icht war ich damals zu grob­schlächtig, aber was mit super leck­er gesagt wer­den kon­nte und lediglich mit leck­er nicht, nein, das hat sich mir nie erschlossen.

Aber das ist ja noch harm­los, super erset­zt ja hier irgend­wie nur sehr oder so. Nerviger ist es da schon, in der Öffentlichkeit, z.B. in Zügen, von diesen Laut­tele­fonier­ern zum Zuhören gezwun­gen zu wer­den, während die dann die deutsche Sprache ver­hun­zen.

Die junge Dame, deren Zuhör­er ich so wurde, hat­te so ihre eigene, dur­chaus mod­erne Auf­fas­sung von schön. Ich würde schön ja immer noch als ästhetis­che Ein­schätzung eines Gegen­stands werten. Vielle­icht würde meine Schulzeitliebe schön auch im Sinne von sehr ver­wen­den, so in der Art wie, das Gebäude ist ganz schön groß.

Die Dame am Tele­fon war allerd­ings inner­halb des Gesprächs so etwas wie das Sor­gen­tele­fon ihrer Fre­undin. Offen­bar erzählte ihre Fre­undin über neu einge­tretene Sit­u­a­tio­nen, mit denen sie zurecht kom­men musste. Und jeden berichter­stat­ten­den Satz, den diese junge Dame über das Handy ent­ge­gen­nahhm, seg­nete sie mit Ja, ist doch schön. ab. Völ­lig beto­nungs­los. Völ­lig unin­ter­essiert. Mit der Begeis­terung, mit der eine Grund­schullehrerin ein Häkchen hin­ter ein­er richti­gen Math­eauf­gabe des 23. zu kor­rigieren­den Schülers macht. Also eigentlich meinte sie wohl aha oder bess­er noch soso, ver­wen­dete aber Ja, is doch schön.. 13mal hin­tere­inan­der ohne einen anderen Satz, ohne eine andere Wort­folge, außer dass das ja mal wegge­lassen wurde.

Ich glaube ja nicht, dass solche Sprach­miss­brauch­er über­haupt ander­weit­ig in einem ästhetis­chen Sinne von schön sprechen. Ich würde sie zumin­d­est irgend­wie für meschugge hal­ten. Schön is anders.