Donnerstag, den 29. Juli 2010   

westfälische idiome (xi): los/lose sein / etwas los machen

Im West­fälis­chen kön­nen Schubladen, Fen­ster oder Schnürsenkel los sein. Umgangssprach­lich kann man auch davon sprechen, etwas sei lose. Oft­mals wen­den Nichtwest­falen hier­bei ein, dies sei eine gram­ma­tisch falsche Ver­wen­dung der Redeweise, etwas sei offen. Das ist aber falsch, da die Ver­wen­dung von los der jew­eili­gen Sit­u­a­tion inhaltlich mehr abgewin­nt.

Zum einen gibt es die west­fälis­che Auf­forderung Mach’ mal dat Fen­ster los! Auf die reine Hand­lung ist gemeint, dass das Fen­ster geöffnet wer­den soll. Allerd­ings ist es im West­fälis­chen so, dass das Fen­steröff­nen in der Ver­wen­dung mit los­machen eine andere ist als in der Ver­wen­dung mit öff­nen. Ein Fen­ster kann sich alleine öff­nen, es kann sich aber nicht alleine los­machen. Das Los­machen ist eine zweck­ver­fol­gende Tätigkeit. Wenn in einem Raum schlechte Luft herrscht oder die Tech­nik eines Fen­sters unter­sucht wer­den soll, so kann man sagen Mach’ mal dat Fen­ster los! Es ist allerd­ings nicht gebräuch­lich zu sagen, dass Fen­ster habe sich selb­st los gemacht. Hier sagt man Das Fen­ster hat sich von alleine geöffnet.

Noch etwas anderes ist die Ver­wen­dung des Los-Seins. Schnürsenkel kön­nen los sein oder lose sein. Hier­bei wird eben­so oft eingewen­det, es han­dle sich um eine gram­ma­tisch falsche Ver­wen­dung der Redeweise von offe­nen Schnürsenkeln. Aber auch dieser Ein­wand ist falsch.  Der inbe­grif­f­ene Gedanke bei ein­er Fest­stel­lung wie Deine Schnürsenkel sind lose ist, dass Schnürsenkel von getra­ge­nen Schuhen aus Sicher­heits­grün­den zu sein sollen. Schnürsenkel von ger­ade nicht­ge­tra­ge­nen Schuhen sind offen, aber nicht lose, denn es ist egal, ob diese in dieser Sit­u­a­tion offen sind oder gebun­den.

In metapho­risch­er Hin­sicht kann los­machen auch Gegen­stän­den zuge­sprochen wer­den. So kann man sagen Das Boot hat sich alleine los­gemacht. Damit unter­stellt man dem Gegen­stand ein gewiss­es Eigen­leben und entzieht sich selb­st etwas der Ver­ant­wor­tung, ger­ade wenn man selb­st das Boot am Steg fest­gemacht hat, so dass es eigentlich nicht wegschwim­men hätte kön­nen.

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