Dienstag, den 6. Oktober 2009   

sloterdijk vs. honneth: altherrenreputationen

Gerade habe ich drüben gepostet, was David Letterman gerade an Reputationskämpfen durchsteht. In Deutschland sieht das etwas anders aus. Da wird nicht so stark über die Medien über Geld und über das eigene Ansehen verhandelt. Das hat unterschiedliche Gründe. Nehmen wir die Stutenbissigkeiten zwischen Naddel und Giulia Siegel. Da könnte es um Geld gehen, vielleicht macht man sich ja für irgendwelche Medien interessant, also auch um Medienpräsenz. Aber Reputation? Nein, die können die beiden kaum verspielen.

Da haben es die Philosophen Peter Sloterdijk und Axel Honneth schon etwas besser. Es geht beiden in ihrem bei FAZ und der ZEIT ausgetragenen Sticheleien vielleicht auch irgendwie um Geld, wenn auch nicht unbedingt das eigene, viel mehr dafür um Reputation. Honneth hat Sloterdijk attestiert, mit diesem Artikel ein Manifest für Marktradikale etabliert haben zu wollen, um e s mal in meine Worte zu fassen. Sloterdijk hatte eine Antwort auf Honneth unterlassen mit dem Hinweis, diesem Fehlten 6-8000 Seiten der Lektüre des Sloterdijkschen Eposses.

Man sieht leicht: Reputationen grenzen sehr nah an Albernheiten. Wenn Sloterdijk meint, seine Gedanken seien erst nach 8000 Lektüreseiten ernsthaft verständlich, entzeiht er sich jedem ernsthaften gesellschaftlichem Diskurs. Naja, vielleicht will er das auch. Honneths Analyse des Sloterdijkschen Papiers finde ich gar nicht so uninteressant, mir fehlt nur an dieser Stelle die Zeit und der Raum, das intensiv zu behandeln. Ich empfehle daher die eigene Lektüre seines Artikels.

Was aber auch noch aus dem Rahmen fällt, und weswegen Sloterdijk wohl keine Auseinandersetzung eingehen mag, ist, dass Honneth das Phänomen Sloterdijk ins Visier nimmt. Sloterdijk ist in der universitätsinternen Diskussion nämlich keni Begriff: Er wird so gut wie nie in der Universität behandelt, er taucht in keinem Themenkomplex sonderlich auf, er hat keinen interessanten Lehrstuhl inne und er ist nicht Teil aktueller fachwissenschaftlicher Analysen. Und wie Honneth ihm unterstellt: Er kennt den aktuellen Stand der Forschung auch nicht.

Trotzdem ist Sloterdijk bekannt, das aber wohl eher als philosophischer Literat. Von Nietzsche übernimmt Sloterdijk das in Metaphern Schwelgende, das reisserisch Endstimmung Verbreitende, das bemerkenswerte Interesse von Leserschichten, aber auch das völlige Fehlen von sachlich stichhaltiger Argumentation: Die Schlüsse, die Sloterdijk zieht, wenn er welche zieht, sind nie zwingend, auch wenn er gerne sie so darstellt. Es ist ja auch nicht alles völlig falsch, was Sloterdijk anführt, nur lässt er seine Leser damit allein, wenn dieser die Methode des Erforschens von Sloterdijk irgendwie verstehen möchte. Das schliesst ihn von den wissenschaftlichen Thematisierungen aus.

In dieses Wespennest hat Honneth gestochen, vielleicht nicht allzu behutsam, denn auch seine Äußerungen sind nicht trennscharf, was inhaltliche und persönliche Kritik an Sloterdijk angeht. Aber die Behandlung ist für die breite Öffentlichkeit längst überfällig.

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