sloterdijk vs. honneth: altherrenreputationen

Ger­ade habe ich drüben gepostet, was David Let­ter­man ger­ade an Rep­u­ta­tion­skämpfen durch­ste­ht. In Deutsch­land sieht das etwas anders aus. Da wird nicht so stark über die Medi­en über Geld und über das eigene Anse­hen ver­han­delt. Das hat unter­schiedliche Gründe. Nehmen wir die Stuten­bis­sigkeit­en zwis­chen Nad­del und Giu­lia Siegel. Da kön­nte es um Geld gehen, vielle­icht macht man sich ja für irgendwelche Medi­en inter­es­sant, also auch um Medi­en­präsenz. Aber Rep­u­ta­tion? Nein, die kön­nen die bei­den kaum ver­spie­len.

Da haben es die Philosophen Peter Slo­ter­dijk und Axel Hon­neth schon etwas bess­er. Es geht bei­den in ihrem bei FAZ und der ZEIT aus­ge­tra­ge­nen Sticheleien vielle­icht auch irgend­wie um Geld, wenn auch nicht unbe­d­ingt das eigene, viel mehr dafür um Rep­u­ta­tion. Hon­neth hat Slo­ter­dijk attestiert, mit diesem Artikel ein Man­i­fest für Mark­tradikale etabliert haben zu wollen, um e s mal in meine Worte zu fassen. Slo­ter­dijk hat­te eine Antwort auf Hon­neth unter­lassen mit dem Hin­weis, diesem Fehlten 6–8000 Seit­en der Lek­türe des Slo­ter­dijkschen Eposs­es.

Man sieht leicht: Rep­u­ta­tio­nen gren­zen sehr nah an Albern­heit­en. Wenn Slo­ter­dijk meint, seine Gedanken seien erst nach 8000 Lek­türe­seit­en ern­sthaft ver­ständlich, entzei­ht er sich jedem ern­sthaften gesellschaftlichem Diskurs. Naja, vielle­icht will er das auch. Hon­neths Analyse des Slo­ter­dijkschen Papiers finde ich gar nicht so unin­ter­es­sant, mir fehlt nur an dieser Stelle die Zeit und der Raum, das inten­siv zu behan­deln. Ich empfehle daher die eigene Lek­türe seines Artikels.

Was aber auch noch aus dem Rah­men fällt, und weswe­gen Slo­ter­dijk wohl keine Auseinan­der­set­zung einge­hen mag, ist, dass Hon­neth das Phänomen Slo­ter­dijk ins Visi­er nimmt. Slo­ter­dijk ist in der uni­ver­sitätsin­ter­nen Diskus­sion näm­lich keni Begriff: Er wird so gut wie nie in der Uni­ver­sität behan­delt, er taucht in keinem The­menkom­plex son­der­lich auf, er hat keinen inter­es­san­ten Lehrstuhl inne und er ist nicht Teil aktueller fach­wis­senschaftlich­er Analy­sen. Und wie Hon­neth ihm unter­stellt: Er ken­nt den aktuellen Stand der Forschung auch nicht.

Trotz­dem ist Slo­ter­dijk bekan­nt, das aber wohl eher als philosophis­ch­er Lit­er­at. Von Niet­zsche übern­immt Slo­ter­dijk das in Meta­phern Schwel­gende, das reis­serisch End­stim­mung Ver­bre­i­t­ende, das bemerkenswerte Inter­esse von Leser­schicht­en, aber auch das völ­lige Fehlen von sach­lich stich­haltiger Argu­men­ta­tion: Die Schlüsse, die Slo­ter­dijk zieht, wenn er welche zieht, sind nie zwin­gend, auch wenn er gerne sie so darstellt. Es ist ja auch nicht alles völ­lig falsch, was Slo­ter­dijk anführt, nur lässt er seine Leser damit allein, wenn dieser die Meth­ode des Erforschens von Slo­ter­dijk irgend­wie ver­ste­hen möchte. Das schliesst ihn von den wis­senschaftlichen The­ma­tisierun­gen aus.

In dieses Wespennest hat Hon­neth gestochen, vielle­icht nicht allzu behut­sam, denn auch seine Äußerun­gen sind nicht trennscharf, was inhaltliche und per­sön­liche Kri­tik an Slo­ter­dijk ange­ht. Aber die Behand­lung ist für die bre­ite Öffentlichkeit längst über­fäl­lig.

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michael buback – der zweite tod meines vaters

- Am 20. August 2009 wurde seit­ens der Bun­de­san­waltschaft das Auffind­en von DNA-Spuren Ver­e­na Beck­ers am Beken­ner­schreiben zum Mord an Gen­er­al­bun­de­san­walt Buback bekan­nt gegeben. Daraufhin wurde ihre Woh­nung durch­sucht.[1]

- Am 27. August 2009 wurde Ver­e­na Beck­er auf­grund des drin­gen­den Tatver­dachts, am Mor­dan­schlag auf Siegfried Buback beteiligt gewe­sen zu sein, festgenom­men.

- Am 28. August 2009 wurde ein Haft­be­fehl gegen sie erlassen.[2][3] Im Zuge der neu aufgenomme­nen Ermit­tlun­gen bestätigten sich frühere Berichte, dass Ver­e­na Beck­er als Infor­man­tin für das Bun­de­samt für Ver­fas­sungss­chutz tätig gewe­sen war.[4]

Der Fall Buback ist wohl ein­er der merk­würdig­sten in der Geschichte der deutschen Bun­de­san­waltschaft. Der Vor­wurf seines Sohnes Michael Buback an offizielle Stellen ist nicht von Pappe: Die ehe­ma­lige RAF-Ter­ror­istin Ver­e­na Beck­er wurde bei der juris­tis­chen Aufar­beitung des Mordes aus der Schus­slin­ie genom­men, obwohl Indizien darauf hin­deuten, dass sie selb­st den Abzug betätigte. So kann man es in der jet­zt erschiene­nen, erweit­erten Aus­gabe Der zweite Tod meines Vaters von Michael Buback nach­le­sen.

Das Buch ist äußerst lesenswert, weil man einem intel­li­gen­ten Men­schen in die Küche schauen kann, wenn er logis­che Bezüge zwis­chen Fak­ten her­stellt, kon­trol­liert, bei­seite schiebt oder eben zum Vor­wurf erhebt. Im Raum ste­ht dabei, dass Buback sich als Ver­schwörungs­the­o­retik­er auf­spielt, aber es wäre ver­messen, diesen Vor­wurf auf das ganze Buch auszus­treck­en. Es ist allerd­ings bspw. bei der Her­anziehung des Ohne­sorg-Falls unsauber argu­men­tiert, von diesem Fall bezüge auf Ermit­tlun­gen im Buback-Fall zu ziehen. Das wider­strebt dem anson­sten logis­chem Vorge­hen Michael Bubacks. Dies führte ihn zu der sich nun als richtig her­aus­gestell­ten Ver­mu­tung, Beck­er habe für den Ver­fas­sungss­chutz gear­beit­et.

Die Bun­de­san­waltschaft glaubt wohl immer noch nicht, dass es Beck­er gewe­sen ist, die vom Soz­ius­sitz des Tat­mo­tor­rads aus Siegfried Buback und seine zwei Begleit­er schoß. Aber es sind wohl auch die drän­gen­den Nach­forschun­gen Michael Bubacks gewe­sen, die den Fall juris­tisch neu aufleben lassen. Beck­er, die mit der Tat­waffe 3 Wochen nach dem Mord einen Polizis­ten schw­er ver­let­zte, war bei einem Tele­fonge­spräch mit Brigitte Mohn­haupt abge­hört wor­den, in dem sie sagte, dass sie keine Unan­nehm­lichkeit­en im Fall Buback erwarte, da die Sach­be­weise fehlten, “außer die Beken­ner­briefe”. Und eben darauf fand man nun Fin­ger­ab­drücke Beck­ers.

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weit­er:
hintergrund.de
Ver­schlus­sache Beck­er
Nils Minkmar
Die Ein­samkeit des Michael Buback
Hans Leyen­deck­erDas Mäd­chen Ver­e­na

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