westfälische idiome (iv): du kriegst die tür nicht zu

Das Idiom Du kriegst die Tür nicht zu wird im West­fälis­chen dur­chaus gebraucht, weil sein Ursprung aber eigentlich unklar ist, sollte man nicht unbe­d­ingt von einem rein-west­fälis­chen Ursprung aus­ge­hen. Da es hin und wieder den­noch zu Irri­ta­tio­nen kom­men kann, sei es hier ver­merkt.

Mit Du kriegst die Tür nicht zu ver­weist ein Sprech­er auf seine eigene Irri­ta­tion bezüglich des Han­delns ein­er anderen Per­son oder eines Zus­tandes in der Welt hin, der ihm mit herkömm­lichen Mit­teln der Logik nicht zugänglich ist, auch wenn erhe­bliche Anstren­gun­gen, diese oder dies zu ver­ste­hen, unter­nom­men wur­den.

Wahrschein­lich hat tat­säch­lich jemand ein­mal Prob­leme gehabt, eine Tür zu zukriegen und scheit­erte daran, dass es einen Wider­stand gegen das Zumachen gab, sei es, dass jemand dage­gen drück­te, der Rah­men sich ver­zo­gen hat­te oder ein anderes, unbekan­ntes Hin­der­nis da war. Für den Die-Tür-Zudrück­enden sah es nach seinen Erwä­gun­gen aber so aus, als ob dem Tür-zu-machen nichts ent­ge­gen­stünde. Dass es den­noch nicht klappte, gab ihm ein Rät­sel auf, was den Ausspruch Du kriegst die Tür nicht zu nach sich zog.

Metapho­risch wird dieser Ausspruch im West­fälis­chen dur­chaus für alle Sit­u­a­tio­nen ver­wen­det, in denen ein Sprech­er eine ratio­nale Prob­lem­lö­sung ein­leuch­t­end im Kopf hat, das Prob­lem sich den­noch derzeit so nicht lösen lässt.

Ein Fuss­ball-Stürmer kann sich in dieser Hin­sicht über Fehlen­des Glück beim Tore schießen damit ärg­ern, dass er sagt Du kriegst die Tür nicht zu, auch wenn Türen im Fuss­ball keine Rolle spie­len. Auch der Tor­wart sein­er Mannschaft kann mit dem Schick­sal hadern, indem er diesen Spruch anwen­det, wenn auch für ihn alles für einen Tor­erfolg spricht.

Zu beacht­en ist nur, dass dieses Idiom immer nur selb­stre­flex­iv ver­wen­det wird: Mit Du kriegst die Tür nicht zu meint der Sprech­er immer nur seine eigene Gedankenir­ri­ta­tion, nie die eines anderen. Würde der Tor­wart sich im obi­gen Beispiel mit dem Du in Du kriegst die Tür nicht zu auf den Stürmer und dessen scheit­ernde Ver­suche beziehen, bekäme er vom Stürmer nur unver­ständi­ge Blicke. In jed­er nichtre­flex­iv­en Ver­wen­dung von Du kriegst die Tür nicht zu denken Ange­sproch­ene sofort an vorhan­den sein müssende Türen.

[ Ver­wandtes Idiom: Das darf doch nicht wahr stein. ]

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westfälische idiome (v): das darf doch nicht warstein

Das Idiom Das darf doch nicht Warstein bezieht sich in abge­wan­del­ter Weise auf die Reden­sart Das darf doch nicht wahr sein. Genau­so ver­hält es sich mit Das kann ja nicht Warstein und Das kann ja nicht wahr sein.

Mit der idioma­tis­chen Abwand­lung von wahr sein zu Warstein wird eine inhaltliche Verbindung zu Wahrstein, resp. des Bieres, wodurch Wahrstein den meis­ten Men­schen ein Begriff ist, erzeugt.

Dieser gewitzte Bezug zum Alko­hol bere­ichert den Ausspruch um die inhaltliche Note, dass man die nervige Verzwei­flung, die sich angesichts eines Zus­tandes in der Welt ein­stellt, nicht allzu schw­er nehmen soll.

Der Ausspruch wird in der Form Das kann ja nicht Warstein auch ver­wen­det, um beim Bier­trinken irri­tiert darauf hin zu weisen, dass es sich beim angetrunk­e­nen Bier wohl nicht um ein Qual­itäts­bier han­delt.

[ Ver­wandtes Idiom: Du kriegst die Tür nicht zu. ]

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