Freitag, den 31. August 2012   

krim-logbuch, tag 2

Der Wet­ter­bericht hat Recht behal­ten, das Wet­ter auf der Krim ist genau an dem Tag, an dem wir die Innen­stadt besuchen, nur was für Wasser­rat­ten: Es reg­net Katzen und Hunde. Und direkt über unserem Freiluftrestau­rant, in dem wir ver­suchen, die Schlechtwet­ter­front zu über­win­tern, knallen Gewit­ter­grollen auf uns here­in. Einige Straßen haben sich in einen reißen­den Fluss ver­wan­delt, was aber daran liegt, dass die Abwasserkanäle nicht so funk­tion­ieren, wie unsere­ins es gewöh­nt ist: Die Abwasser­rin­nen von Häusern z.B. führen ein­fach nur auf die Straße. So kommt es dann auch, das andere Straßen mit weniger Häusern weitaus weniger nass sind — wir beschließen zu Fuß nach Hause zu laufen, da ein Taxi wohl nicht krieg­bar ist.

Daheim ist Geburt­stags­feiern ange­sagt. Von den knapp 7 Tagen auf der Krim wer­den wir drei Geburt­stag feiern. Mein Möchte­gern­schwiegervater hat seine Kumpels ein­ge­laden. 4 Wod­kaflaschen sind angeschafft wor­den, ich mache den Fehler, und trinke vorher noch 2 Bier. Keine gute Idee. Die Russen — ich nenne schlicht alle, mit sow­jetis­chem Back­ground der Ein­fach­heit hal­ber “Russen” — freuen sich, einen Deutschen unter den Tisch saufen zu kön­nen: “Des Russen Freud ist des Deutschen Tod”, wird mir so oder so ähn­lich kol­portiert. Ohne Kriegs­bezug ver­ste­ht sich.

Ich über­lebe das Gelage und ernte anerken­nende Blicke und Worte von rus­sis­ch­er Seite. Was die Russen nicht mit­bekom­men haben: Nach der vierten oder fün­ften Runde Wod­ka — die zweite Wod­kaflasche ist leer — ist meine Zeit­wahrnehmung völ­lig den Bach runter gegan­gen. Ich bin der fes­ten Überzeu­gung, dass wir schon so lange saufen, dass es halb 8 Uhr mor­gens ist und nicht abends. Deswe­gen stelle ich zwis­chen­durch die Zeit des Handys, das wir dem Groß­vater schenken wollen, auf die Mor­gen­stunde des kom­menden Tages um. Deutsche Gründlichkeit.