westfälische idiome (II): drumzu

Bei dem Wort drumzu han­delt es sich um eine west­fälis­che und auch im Nord­deutschen vork­om­mende Entsprechung des hochdeutschen Zirkumposi­tums herum.

Sage ich, ich gehe um das Haus, bedeutet das, dass ich voll­ständig am Haus ent­lang gehe, und am Aus­gangspunkt wieder ankomme oder ich gehe nur halb am Haus ent­lang und gehe sozusagen ger­adeaus vom Aus­gangspunkt gese­hen weit­er. Um ein Haus herum oder drumzu gehen sind Unter­for­men von um ein Haus gehen.

Sage ich, ich gehe um das Haus herum oder drumzu, so gehe ich in einem Winkel um das Haus, der größer als 180° ist. Das oben beschriebene ger­adeaus weit­erge­hen, zählt also nicht dazu.

Durch drumzu soll allerd­ings die in Rede ste­hende Bewe­gung sprach­lich deut­lich­er her­aus­ge­hoben wer­den:

Du musst ganz um das Haus drumzu gehen!

Bei diesem drumzu wird mit drum ist die kre­is­för­mige Bewe­gung gemeint, mit der um das Haus herum gegan­gen wird, und mit zu wird dargelegt, dass dieser Kreis, der gegan­gen wird, sich wieder schließt.

Drum in drumzu entspricht der­sel­ben Verkürzung wie drum in Sei’s drum, allerd­ings wird dem Inhalte nach etwas Unter­schiedlich­es gemeint: Im ersten Fall wird da rum abgekürzt und im zweit­en Fall darum, bei let­zterem wird also auf eine Begrün­dung ange­spielt, bei ersterem auf einen Objek­t­bezug hingewiesen.

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3 Kommentare

  1. Ein­er der schön­sten Neuzugänge in meinen dialek­t­be­lade­nen Ver­stand war dieses han­dliche Drumzu. Kurz und knack­ig kam es daher als ich die Niederun­gen des ost­west­fälis­chen Platts durch­streifte. Ein weitschweifiges außen herum wurde durch ein wohlgezieltes drumzu erset­zt, was den umständlichen Vor­gang des Umrun­dens gle­ich viel angenehmer erscheinen ließ.

  2. Drumzu ist mir aus dem Osnabrück­ischen bekan­nt, es kan­nte auch eine Kom­mili­tonin aus dem Min­den­er Raum, aber nicht die Kom­mili­to­nen aus dem Mün­ster­land oder anderen Gegen­den West­falens.

    Im Osnabrück­ischen kann das Wort auch mit ein­er etwas weit­eren Bedeu­tung benutzt wer­den. Da kann ein Gespräch fol­gen­der­maßen laut­en, wenn sich zwei Nach­barn in der Straße tre­f­fen:
    — Wo willst Du denn DRAUF LOS?
    — Ach, nur so’n biss­chen DRUMZU!
    Da fragt also der eine, was dieser plant, ob er ein bes­timmtes Ziel für seinen Spazier­gang hat. Der andere antwortet dann, dass er eben kein bes­timmtes Ziel hat, son­dern sich nur ein wenig die Beine vertreten will. Der dann eingeschla­gene Weg muss keineswegs ein Rundweg sein, hin- und Rück­weg kön­nen iden­tisch sein. DRUMZU meint hier einen Spazier­gang ohne festes Ziel.

  3. Osnabrück gren­zt ja auch an Ibben­büren, und das Mün­ster­land ist so groß, da gibt es riesige Unter­schiede. Dass drumzu inhaltlich keine lokale Kom­po­nente haben soll, ist mir neu, scheint mir aber auch nur eine Ableitung der eigentlichen Bedeu­tung zu sein ;-).

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