Samstag, den 19. Dezember 2009   

heidegger als philosoph des bösen

Nach einem Heidegger-Seminar in Bielefeld quatschte unsereins noch immer gerne mit den Kommilitonen, man stellte aber irgendwann erstaunt fest, dass man ab und an in ein seltsamen Sprachgebrauch verfiel: Das aufgeplusterte Substantivieren von Verben, was so schwerlich überhaupt noch eine Bedeutung hatte. Ähnlich wie „Das Nichts nichtet“ in vieler Ohren klingt. Wir nannten das: Heideggern.

Ähnlich unverständlich ist ab und an die aktuelle Heidegger-Disussion [s.a. Wikipedia-Artikel Heidegger und der Nationalsozialismus] in Amerika, die zurückgeht auf die Kontroverse um das Buch Heidegger. Die Einführung des Nationalsozialismus in die Philosophie von Emmannuel Faye. Einige Wissenschaftler fordern seine Verbannung aus den Bibliotheken, andere sagen, moralische Abscheu gegenüber Heidegger entlasse Kritiker nicht von einer Beschäftigung mit den Werken Heideggers. In Deutschland dagegen ist die Befassung mit Heidegger merklich zurückgegangen und wich einem Unverständnis darüber, was es denn überhaupt gewesen ist, dass Heideggers Philosophie so beliebt machte.

Wie auch immer, wen die Debatte interessiert, der kann sich an diesen für die Debatte wichtigen Artikeln ja mal abarbeiten:

Carlin Romano: Heil Heidegger!
Patricia Cohen: Does a Nazi Deserve a Place Among Philosophers?
Ron Rosenbaum: The Evil of Banality
Damon Linker: Why read Heidegger?

Ältere Diskussion zwischen J.P. Stern und Gareth Jones

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  • H. hatte eine jüdische Geliebte mit der er bis zu seinem Tod befreundet war. Noch in hohem Alter schrieb er Gedichte für sie. Sie hat ihm seine 2jährige Nazi-Verirrung bis 1935 verziehen. H. lehnte die christliche Lehre (darunter Dogma v. Juden als „teuflische Gottesmörder“) ab. Jede naturwissenschaftlich-biologische Deutung des Menschen war für ihn primitiv. Darunter fällt auch biologistische Rasselehre der Nazis von den Juden als der Teufelsrasse. Philosophisch versuchte er auch den von den Nazis verehrten Nietzsche zu überwinden. Ab 1938 kritisierte H. den unbedingten „Willen zur Macht“, die Grundlage des NS-Denkens, als letztendlich verbrecherisch u. klagt die „planetarischen Hauptverbrecher“, die sich daran orientieren, an. Wie bei 90% seiner Zeitgenossen lassen sich bei ihm Zitate finden, die heute äußerst bedenklich wären, damals aber relativ normal waren. Insgesamt war er noch ein eher harmloser, nicht gewaltbereiter, Konservativer.

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