Archiv für September, 2010
Donnerstag, den 30. September 2010   

johnossi in osna

So, ger­ade vom Konz­ert wieder da: Zunächst drei richtig gute Stücke, bei denen die Zwei-Mann-Band, die in Osna keine Vor­band hat­te, das Pub­likum gle­ich richtig in Fahrt kom­men ließ. Danach lei­der etwas Leer­lauf, noch ein, zwei sehr gute Sachen, aber die Anfangse­uphorie war raus. Trotz­dem ein net­ter Abend.

Hier noch ein­Video aus der zweit­en Hälfte in schlechter Qual­ität, aber immer­hin:

Auf der Empore hat dann noch jemand das Zuga­belied Rosco aufgenom­men:


Sonntag, den 12. September 2010   

einwände gegen die umstellungen in kants metaphysik der sitten durch bernd ludwig, stafano bacin und dieter schönecker

Dieser Text ist work in progress. Er ist derzeit nicht voll­ständig, aber in den Dar­legun­gen sein­er Kri­tik an den Umstel­lungsvorschlä­gen und -durch­führun­gen schon kri­tisier­bar. Bernd Lud­wig hat es in der Recht­slehre der Meta­physik der Sit­ten für ein besseres Ver­ständ­nis des Kan­tis­chen Textes als notwendig emp­fun­den, Para­graphen des Textes des Staat­srechts in der Recht­slehre umzustellen und neu zu num­merieren. Ste­fano Bacin und Dieter Schö­neck­er schla­gen ähn­lich kreativ vor, den §9 der Tugendlehre, Von der Lüge, zum besseren Ver­ständ­nis umzustellen, wenn auch nur inner­halb des Para­graphen umgestellt wer­den soll. Gegen Lud­wig muss eingewen­det wer­den, dass diverse Kan­tis­che Argu­men­ta­tio­nen durch die Umstel­lun­gen gar nicht mehr erkan­nt wer­den kön­nen, insofern kann von einem besseren Ver­ständ­nis des Textes nicht mehr die Rede sein. Gle­ich­es gilt, wenn auch nicht so schw­er, für Bacin und Schö­neck­er: Sie ord­nen den Text neu in durch ein Ord­nung­sprinzip, das dem Leser sowieso ins Auge fällt, erschw­eren aber das von Kant ver­wen­dete Ord­nung­sprinzip. Auch hier kann von ein­er Verbesserung des Ver­ständ­nis keine Rede sein. Generell ist es ziem­lich anmaßend als Inter­pret zu meinen, man habe den Autor bess­er ver­standen als dieser sich selb­st.

Bernd Lud­wigs Satzko­r­rek­tur und Umstel­lung von §48

Kants Orig­inal­text lautet:

Die drei Gewal­ten im Staate sind also erstlich einan­der, als so viel moralis­che Per­so­n­en, beige­ord­net (potes­tates coor­di­natae), d.i. die eine ist das Ergänzungsstück der anderen zur Voll­ständigkeit (com­ple­men­tum ad suf­fi­ci­en­ti­am) der Staatsver­fas­sung; aber zweit­ens auch einan­der unter­ge­ord­net (sub­or­di­natae), so daß eine nicht zugle­ich die Func­tion der anderen, der sie zur Hand geht, usurpiren kann, son­dern ihr eigenes Prin­cip hat, d.i. zwar in der Qual­ität ein­er beson­deren Per­son, aber doch unter der Bedin­gung des Wil­lens ein­er oberen gebi­etet; drit­tens durch Vere­ini­gung bei­der jedem Untertha­nen sein Recht ertheilend.

Lud­wig fügt in ein­er Fußnote zu, dass der Satz unvoll­ständig sei und fügt die Begriffe “erteilend sein” hinzu. Dies ergibt aber keinen erkennbaren Sinn. Die aus­ge­führten Sätze des Kants Zitats sind so zu lesen:

Also: Die drei Gewal­ten im Staate

- sind erstlich einan­der, als so viel moralis­che Per­so­n­en, beige­ord­net (potes­tates coor­di­natae), d.i. die eine ist das Ergänzungsstück der anderen zur Voll­ständigkeit (com­ple­men­tum ad suf­fi­ci­en­ti­am) der Staatsver­fas­sung;

-sind aber zweit­ens auch einan­der unter­ge­ord­net (sub­or­di­natae), so daß eine nicht zugle­ich die Func­tion der anderen, der sie zur Hand geht, usurpiren kann, son­dern ihr eigenes Prin­cip hat, d.i. zwar in der Qual­ität ein­er beson­deren Per­son, aber doch unter der Bedin­gung des Wil­lens ein­er oberen gebi­etet;

- sind drit­tens durch Vere­ini­gung bei­der jedem Untertha­nen sein Recht ertheilend.

Von ein­er falschen gram­matikalis­chen Zusam­men­stel­lung kann keine Rede sein, wenn diese auch umständlich ist.

Das einen Schluss anzeigende Wort also am Anfang des Para­graphen wird von Lud­wig so inter­pretiert, als hätte es keinen Bezug. Durch Lud­wigs Umstel­lung kann es keinen Bezug mehr haben, denn der Para­graph, auf den sich das Wort bezieht, ste­ht bei Lud­wig hin­ter also.

[Fol­gend: Samm­lung neuer Fehlin­ter­pre­ta­tio­nen durch die Umstel­lun­gen.]

Umstel­lun­gen von Ste­fano Bacin und Dieter Schö­neck­er in §9 der Tugendlehre, Von der Lüge [in Kant-Stu­di­en, CI, 2010, pp.247–252]

Bacin und Schö­neck­er schla­gen fol­gende Verän­derun­gen vor:

1. Vorschlag: Die Pas­sage „Der Men­sch, als moralis­ches Wesen […] zur Wa h r h a f t i g k e i t verpflichtet“ (430.14–19) wird an den Satz angeschlossen, der endet mit „[…] nicht der Men­sch selb­st“ (429.34), und zwar noch vor dem ange­hängten Gedanken­strich. Wir sprechen im Fol­gen­den von der ersten Pas­sage (430.14–19).

2. Vorschlag: Die Pas­sage „Die Lüge kann eine äußere […] ange­se­hen wer­den kön­nen“ (429.13–23) wird ver­schoben, und zwar als eigen­er Absatz nach 430.08 (also zwis­chen „[…] verächtlich machen muß“ 1 und „Die Wirk­lichkeit manch­er […]“ 2). Wir sprechen im Fol­gen­den von der zweit­en Pas­sage (429.13–23).

Gegen den ersten Vorschlag ist einzuwen­den, dass Kant im umgeschobe­nen Satz ein­lei­t­end vom Men­schen als moralis­chem Wesen redet. Ein Gegen­satz, der seine abstrahierende Funk­tion ver­liert, wenn er in einen Textblock ver­schoben wird, in dem nicht expliz­it vom Men­schen als moralis­chem Wesen gesprochen wird.

Ein entsprechen­der Fehler stellt sich durch die zweite Umstel­lung ein: Kant redet in diesem Para­graphen ein­mal von der Lüge und expliz­it von der Lüge in ethis­ch­er Hin­sicht. Die Umstel­lung von Bacin und Schö­neck­er macht diese Unter­schei­dung in bezug auf den umgestell­ten Satz nicht mehr erkennbar.

Die Umstel­lun­gen pro­duzieren somit Textfehlin­ter­pre­ta­tio­nen und sind, selb­st wenn dieser Para­graph für irgendwelche Leser schw­er erscheint, abzulehnen.

  1. 08
  2. 09

Samstag, den 11. September 2010   

im dvd-player: ghostwriter & watchmen

Wir haben mal wieder den DVD-Play­er angeschmis­sen, um zu sehen, ob wir im Kino in let­zter Zeit was ver­passt haben kön­nten. Dem war aber irgend­wie nicht so, wie schon Incep­tion waren Der Ghost­writer und Watch­men viel zu lang.

Der Ghost­writer

Nicht enden wol­lende 130 Minuten für einen ausgenom­men lang­weili­gen Kri­mi, der Span­nung ver­spricht, aber nicht bieten kann. Der Film ist gut syn­chro­nisiert, hat passende Schaus­piel­er, wirkt aber von Anfang bis ende zu kon­stru­iert und ist durch­schaubar.

Watch­men

Alter­na­tive Comicver­fil­mung zum herkömm­lichen Block­busterquark mit betulich­er amerikanis­ch­er Selb­stkri­tik, ist aber selb­st durch und durch naiv und mit 165 bzw. in der Lang­fas­sung 215 Minuten viel zu lang.

Lesetipp: Michael Chabon — The amaz­ing adven­tures of Kava­lier & Clay


Mittwoch, den 1. September 2010   

triviales für zwischendurch

Mein Kar­ma bei Plurk ist auf Null gesun­gen, aber der horax ist immer noch da. Der Biele­felder Twit­ter­ac­count mit dem höch­sten Twit­ter­grad ist eine Damen­wäschewer­bungs­seite. Ich bin in der Liste der­jeni­gen, die am sel­ben Tag wie ich zu twit­tern anfin­gen, ger­ade auf Platz 99, auf der für Biele­feld auf Platz 9. Hab nun ein imflat­trd-Pro­fil, bei dem es allerd­ings bish­er kaum Funk­tio­nen gibt. Weiss noch nicht, wass ich für diese Hochzeit anziehen soll.