Sonntag, den 3. Oktober 2010   

tatorten

Son­ntag ist ja mit­tler­weile immer Tatort-Twit­ter-Zeit, das heißt Tatort guck­en, Twit­terkom­mentare ver­fassen und mitle­sen. Sowas macht dann auch schwache Tatorte noch erträglich. Und ein irgend­wie gemein­sames Erleben des Klas­sik­ers ist es auch, also alles nicht zu unter­schätzen.

Mein meist rezip­iert­er Tweet zum heuti­gen Tatort war dieser hier. Er bezog sich auf eine Szene dieses leicht religiös ange­haucht­en München-Tatorts, in der der Haupt­bösewicht Has­san (über­set­zt: “Der Gute”) seine Fluchthelferin (“die Heilige”, nach der diese Folge benan­nt wurde) im Ste­hen vögelt und als Aus­druck ihrer Extase ihr stark­er Griff an den Türholzbalken kama­rat­e­ch­nisch ein­fokussiert wird.

Also wie man sieht: Ein etwas eitles For­mulieren spielt bei dieser Tätigkeit auch eine Rolle. Aber sei’s drum. Der Kri­mi war in bekan­nter Tatort-Ästhetik abge­dreht: Rück­blenden, Slow-Motion, was vielle­icht etwas neu war, aber nicht span­nungs­fördernd, die Ermit­tler wis­sen weniger als der Zuschauer etc. pp.

Aber wenn man dann Rezen­sio­nen von Fernse­hzeitschriften liest, fragt man sich auch, was der Rezensent da wohl für einen Film gese­hen hat. Der von der TV Movie schreibt über diesen motivüber­lade­nen Durch­schnitts­film:

Das bayrische Team ist wieder in Hochform! Der neue Film begeis­tert — als sub­tiles Knast-Dra­ma und als ner­ve­naufreiben­der Thriller. Bril­liante Regie, aufwüh­len­der Fall

Vielle­icht habe ich das mit dem Schön­schreiben bes­timmter Filme bei Fernse­hzeitschriften auch ein­fach noch nicht so ver­standen.