mamaskaffee

Müt­ter kön­nen ja so anstren­gend sein. Erst ist es die eigene, dann ken­nen­gel­ernte, bes­timmt auch mal die, die man geheiratet hat, aber gern genom­men ist auch die Mut­ter im öffentlichen Raum. Es geht hier gar nicht um eine Mut­ter schlechthin. Also bitte, liebe Müt­ter, stellen Sie sich nicht auf ein öffentlichkeit­sop­ti­males Ver­hal­ten als Mut­ter ein. Das wirkt dann auch zu angestrengt. Es sind eher die Müt­ter, für die das Mut­ter­sein eher eine soziale als eine pri­vate Rolle ist.

Wir saßen let­ztens in einem ganz uri­gen Café in Düs­sel­dorf-Deren­dorf, woher das Foto da oben stammt, und inter­essierten uns zunächst für die Optik. Darauf kon­nte man sich lei­der nicht lange konzen­tri­eren, aber zunächst ging das. Man nimmt ja in einem neu betrete­nen Raum erst das Optis­che wahr und her­nach dann mal die Stim­mung, die so ein Raum hat.

In diesem kleinen Hin­ter­hof saßen nun drei Müt­ter samt geschätzt ein­jähriger Bla­gen­schaft. Zwei von diesen Müt­tern waren ziem­lich coole Müt­ter. Die Kleinen nah­men Reis­saus und sie ver­fol­gten sie mit Blick­en oder hin­ter­her­laufend. Sie inter­essierten sich für den Nach­wuchs und gaben den Rack­ern Gele­gen­heit, ihre neuen Erken­nt­nisse und Aktio­nen gebührend preis zu geben.

Nur die dritte war eine dieser Müt­ter, die das Tre­f­fen mit andern Müt­tern vor­rangig als Gele­gen­heit zur Tratschdiskus­sion ver­ste­hen. Dabei stört so ein Kind dann auch eher. Daher wurde nicht hin­ter­herge­laufen, dem Kind nicht son­der­liche Beach­tung geschenkt, man war froh, wenn Jung-Deutsch­land sich alleine beschäftigte. Für den ange­sproch­enen Nach­wuchs ist das nun aber etwas schwierig, schliesslich kommt den anwe­senden Kol­le­gen viel mehr Beach­tung zu. Bei denen spielt die Mami mit, inter­essiert sich für das eigene Erleben, begleit­et den Café-Besuch.

Nicht so Psy­cho-Mom. Das Kind störte sie. Es kam dauernd an, griff nach der Kaf­fee­tasse und wusste mit der laut­en Belehrung: “Das ist MAM­MAs Kaf­fee!” her­zlich wenig anz­u­fan­gen und heulte. Wie soll aber ein Win­zling aus noch unver­ständlichen Worten nur auf­grund der Laut­stärke her­aus­in­ter­pretieren, was nun in diesem Café genau gemeint ist und in welch­er Form? Psy­cho-Mom hat­te für solche Auf­gaben­be­wäl­ti­gung­sprob­leme aber kein Ver­ständ­nis und beklagte sich bei den anderen Müt­tern, dass ihr klein­er Nach­wuchs schon seit wochen der­art unbelehrsam durch das Welt­geschehen renne. Watt’n Wun­der.

Ich glaube ja, dass in solchen Sit­u­a­tio­nen andere Mamis ein­fach die Klappe hal­ten, um keine Mis­stim­mung herzustellen, jedem sein Pri­vatleben zu lassen und so. Ich weiss auch nicht, inwiefern Frauen über­haupt darauf eingestellt sind, mit­ten in ein­er solala Unter­hal­tung mit direk­ter Kri­tik am eige­nen Ver­hal­ten kon­fron­tiert zu wer­den. Man weiss ja auch nie, inwieweit andere sich was sagen lassen wollen, wenn sie schon nervige Zustände ansprechen wollen. Manch­mal wollen sie auch nur plap­pern.

Das Blöde war nur für mich, dass man sich der Präsenz der Psy­cho-Mom in Mis­stim­mung nicht entziehen kon­nte. Ich bin sowieso nicht gut darin, in Sit­u­a­tio­nen von Gehörtem zu abstrahieren, es auszublenden. Wer immer sowas zu lehren ver­mag, kann eine Mark­tlücke schließen. Es kommt mir fast vor wie ein klein­er Defekt, dass ich solche Leute, die öffentlich Auf­se­hen und ‑hören erre­gen, so wenig ausklam­mern kann, dass sie es sog­ar in dieses Blog schaf­fen.

Lange Rede, kurz­er Sinn: Wer immer mich in Zukun­ft beim gemein­samen Kaf­feetrinken schril­lend “Das ist MAM­MAs Kaf­fee!” sagen hört, der weiss jet­zt Bescheid.

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