Montag, den 1. Juni 2009   

weitere unstimmigkeit bei koch-mehrin

Bei den Ruhrbaro­nen wird derzeit der Frage nachge­gan­gen, ob Sil­vana Koch-Mehrin bei ihrer eidesstat­tlichen Erk­lärung die Unwahrheit gesagt hat. Sie legt Wert darauf, zu 75% an den Sitzun­gen des Europäis­chen Par­la­ments anwe­send gewe­sen zu sein, und nicht zu 62% wie es das Europäis­che Par­la­ment ausweist. Zur Unter­stützung ihrer Posi­tion hält sie in der Erk­lärung weit­er fest:

Mit mein­er Präsen­zquote von 75% liege ich in der oberen Hälfte der Präsenz der 99 deutschen EU-Abge­ord­neten und der 785 EU-Abge­ord­neten ins­ge­samt.

Ich ver­ste­he das so:  Sie behauptet, von allen deutschen EU-Abge­ord­neten bezüglich der Präsenz in der oberen Hälfte zu sein. Zusät­zlich dazu auch bezo­gen auf alle Abge­ord­neten. Weit­erge­hend ver­ste­he ich es so, dass bei ober­er Hälfte gemeint ist, von 99 in ein­er zahlen­mäßig ange­ord­neten Hier­ar­chieliste bei ein­er Posi­tion ober­halb der Zahl 49 zu sein.

Dann muss bei der EU wohl ein weit­er­er Sta­tis­tik­fehler vorgekom­men sein: Denn Frau Koch-Mehrin liegt nach den Zahlen der EU weit ent­fer­nt von dieser oberen Hälfte. Nach diesen Zahlen gibt es über­haupt nur 12 deutsche Abge­ord­nete, die noch weniger anwe­send waren. So gese­hen gehört Frau Koch-Mehrin lediglich zum unteren Sech­s­tel auf der Präsenz-Liste[1. die Liste im Ganzen (Zahlen in Prozent):

Alvaro 77
Beer 75
Behrendt 94
Böge 94
Brey­er 86
Brie 89
Brok 78
Bull­mann 96
Cas­pary 94
Chatzi 85
Cohn-Ben­dit 90
Cramer 92
Dess 95
Ehler 73
Fer­ber 93
Flo­renz 83
Friedrich 94
Gahler 94
Geb­hardt 93
Gewalt 87
Glaute 81
Goe­pel 94
Gomol­ka 94
Graefe zu Bah. 86
Grässle 88
Grön­er 77
Groote 92
Hän­sch 92
Harms 77
Haug 95
Hierony­mi 85
Hop­pen­st­edt 91
Horaczek 88
Jarzem­bows­ki 80
Jeg­gle 96
Jöns 93
Kallen­bach 93
Kastler 73
Kauf­mann 98
Kin­der­mann 98
Klaunt 90
Klaß 95
Klinz 77
Koch 91
Koch-Mehrin 62/75
Kon­rad 96
Krah­mer 87
Krehl 90
Kreissl-Dör­fler 86
Kulme 94
Lamb­s­dorff 55
Lan­gen 98
Lank 57
Lech­n­er 81
Lehne 94
Leinen 94
Liese 69
E. Mann 73
T. Mann 97
Markov 90
May­er 90
Nas­sauer 91
Niebler 84
Öger 60
Özdemir 63
Pack 95
Pflüger 93
Pieper 93
Pöt­ter­ing 95
Pos­dorf 63
Pos­selt 86
Quisthoudt-Rowohl 69
Rap­kay 92
Reul 98
Rodust 85
Roth-Behrendt 81
Rothe 91
Rüh­le 91
Schmidt 80
Schnell­hardt 88
Schröder 89
Schroedter 89
Schulz 67
Schuth 76
Schwab 98
Som­mer 91
Staune 67
Stock­mann 85
Trüpel 86
Ulmer 93
Wagenknecht 75
Wal­ter 93
Weber 86
Weis­ger­ber 80
Wieland 89
Wogau 83
Zim­mer 87

].

Aber da wird bes­timmt ein Rechen­fehler sein.
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13 kommentare

  • mit diesen Fehlzeit­en hätte ich mich früher in der Schule oder heute auf der Arbeit nicht blick­en lassen dür­fen…
    * Warum hat kein­er 100%?
    * Was ist mit den keineswegs unbekan­nten Politk­ern Öger, Özdemir, Lamb­s­dorf, Pos­dorf, Lank, die mit 60%, 63%, 55% (!), 63% und 57% auch nicht ger­ade glänzen…
    Sich­er, jed­er ist mal krank. Aber dass das quer durch die Parteien so schlimm ist, hätte ich nicht gedacht.

  • Wichtiger als die reine Präsenz ist im Grund die Aktiv­ität (Berichte schreiben, schriftliche und mündliche Anfra­gen stellen etc.. Dabei schnei­det Koch-Mehrin noch schlechter ab als in Sachen Präsenz.) Am aller­wichtig­sten ist jedoch die inhaltliche Qual­ität der Berichte Anfra­gen usw. Zumin­d­est über Präsenz und Aktiv­ität kann man sich auf http://www.parlorama.eu/ einen guten ver­gle­ichen­den Überblick über die Leis­tung der EU-Abge­ord­neten machen.

  • Sich­er, sich­er. Mich über­rascht bei diesem Poli­tikum derzeit nur, dass auf Sachkri­tik lediglich mit PR-Manövern reagiert wird.

  • Ich meine, mich erin­nern zu kön­nen, dass Cem Özdemir sich bei sein­er Partei ein­mal entschuldigt hat für diese 60er-Prozent-Präsenzzeit. Naja, und zum FDPler Lamb­s­dorff und seinen 55%, bei den kon­ser­v­a­tiv­en Parteien spielt halt ab und an der Name eine größere Rolle als die Sach­poli­tik.

  • Grund­sät­zlich ist die Aus­sagekraft der Anwe­sen­heitssta­tis­tik nur sehr begren­zt, da es auch Auf­gaben über die reine Anwe­sen­heit hin­aus gibt. Da weit­er oben z.B. Lamb­s­dorf ange­sprochen wurde: Der war im Auf­trag des Par­la­ments wahnsin­nig oft als Wahlbeobachter im Aus­land unter­wegs, so wie Abge­ord­nete ander­er Frak­tion auch. Sowas wird in der Sta­tis­tik aber nicht berück­sichtigt.
    Ändert aber nichts am selt­samen und vorallem unklu­gen Ver­hal­ten von Koch-Mehrin.

  • Kor­rekt, das sollte man dazu sagen. Wobei die Wahlberichter­stat­tun­gen nur in 2 Jahren stat­tfan­den und 55% nun mal wenig ist. Aber ein rein­er Feier­abend­poli­tik­er ist Lamb­s­dorff sich­er nicht.

  • Hal­lo,

    Alexan­der Graf Lamb­s­dorff ist außer­dem Mit­glied der USA-Del­e­ga­tion und stelv. Mit­glied der Japan-Del­e­ga­tion. Ich kann mir also vorstellen, dass zusät­zlich zu den Wahlbeobach­tun­gen auch noch die Reisen in die jew­eili­gen Län­der dazu kom­men sind.

  • Skan­dalös an der Causa Koch-Mehrin finde ich nicht, dass sie vielle­icht eine geringe Präsen­zquote hat (wie schon mehrfach richtig gesagt wurde, kann man allein daran nicht die Qual­i­fika­tion eines Abge­ord­neten messen, Außen­poli­tik­er sind zB qua The­ma häu­figer “nicht da”), son­dern, dass sie nicht in der Lage war, offen­siv mit dem Vor­wurf umzuge­hen. Erst hat sie eine frag­würdi­ge eidesstat­tliche Erk­lärung abgegeben und jet­zt lässt sie irgendwelche FDP-Mitar­beit­er anonym gegen David Schraven het­zen. (Sie ver­an­lasst offen­bar zumin­d­est nichts, damit dies aus­bleibt.)

    Pseu­do-Lib­erale!

  • @JRehborn Herr Lamb­s­dorff ist nach eigen­er Hochrech­nung bei 76% Anwe­sen­heit.

    @ Julia Seel­iger Man kön­nte beim Lesen der Erk­lärung den Ein­druck bekom­men, die 75 % Anwe­sen­heit sollen bekun­den, dass Frau Koch-Mehrin häu­figer als die Hälfte ihrer Kol­le­gen anwe­send und somit beson­ders gut sei. Nach offizieller Sta­tis­tik ergibt sich allerd­ings, dass sie weniger als 5/6 ihrer Kol­le­gen anwe­send war. Die ange­bliche Bedeu­tung der Anwe­sen­heit­sprozentzahlen entstammt der Erk­lärung. Ich spreche nicht von einem Skan­dal, nur davon, dass das, was Frau Koch-Mehrin sagt, im Gegen­satz zu dem ste­ht, was Außen­ste­hen­den an Infor­ma­tio­nen zugänglich ist. Das Man­a­gen dieser Angele­gen­heit seit­ens Frau Koch-Mehrins inter­essiert mich an dieser Stelle nicht.

  • @Carsten: Ja, du hast recht — sor­ry. Ich hätte beim The­ma bleiben sollen.

  • @Julia Seel­iger Ach, da gibt’s nichts zu entschuldigen. Es wäre schon ver­wun­der­lich, wenn sich poli­tisch engagierte Per­so­n­en nicht für die Art, wie andere Poli­tik­er mit Vor­wür­fen umge­hen, inter­essieren.

  • Wärs nicht so arm, würde ich mich krank lachen.

    Hier mal die Inter­pre­ta­tion von Bild.de:

    Offen­bar hat­te die Poli­tik­erin jedoch oft­mals nur vergessen, im Sitzungs­buch zu unter­schreiben. Bedeutet: Sie hat damit frei­willig auf Tages­gelder verzichtet.”

    Bild dir deine Mei­n­ung!!!

  • Dass die Blödzeitung nicht an ein­er neg­a­tiv­en Darstel­lung welch­er Art auch immer von Frau Koch-Mehrin inter­essiert ist, kann ich mir gut vorstellen. Es schafft allerd­ings auch wohl nur die Blödzeitung, in einem Satz von Fahrläs­sigkeit zu sprechen und im darauf­fol­gen­den Satz daraus eine edle, erhabene, ger­adezu spend­able und bewusst gewählte Geste zu machen.

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