so ist das mit dem journalismus

Neulich erzählte mir jemand, bei der Lokalzeitung sei das so eine Sache mit der kri­tis­chen Berichter­stat­tung. Wenn der gemeine West­fale einen Veriss läse in der Zeitung, dann würde der pampig reagieren, einen bösen Leser­brief schreiben und dann die Zeitung abbestellen. Heutzu­tage natür­lich ein ger­adezu ver­häng­nisvolles Ver­hal­ten. Wer abon­niert schon wieder eine Zeitung, die er mal abbestellt hat. Daher würde man kritsche Bemerkun­gen bei der Zeitung inzwis­chen eher ver­mei­den.

Aber­mals neulich erzählte mir jemand von einem Konz­ertabend, den er besucht habe. Die Band wäre noch pass­abel gewe­sen, die Sän­gerin aber hätte nie zur recht­en Zeit einen richti­gen Ton getrof­fen. Nach der Pause hing sie wohl so inten­siv an ihrem Mikro­fon­stän­der, dass sich der Ein­druck nicht ver­scheuchen ließ, dass sie derbe einen im Tee hat­te. Derbe einen im Tee habe dann wohl auch der Zeitungs­berichter­stat­ter gehabt, dem das schau­drige Gekrächze laut Zeitungs­bericht wie hold­er Engels­ge­sang vorgekom­men sein muss.

Die Real­ität schön schreiben als Wirtschaftsmod­ell — da schreibt man sich wohl eher von der einen in die andere Krise.

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  1. Schönes Wort ;-). Danke! Aber Bratwurstjour­nal­is­mus beze­ich­net vielle­icht nur den alltäglichen Lokaljour­nal­is­mus, der belan­glosen Aktio­nen ein­fach begrif­flich nichts mehr abgewin­nen kann: Dem Advents­bazar der Frauenge­mein­schaft, den Ehrun­gen zur 25jährigen Mit­glied­schaft des Kegel­clubs, das Ton­tauben­schießen des Schützen­vere­ins und so.

    Was ich meinte, war ja die gewollte Fast­foo­d­isierung des Lokaljour­nal­is­mus’. D.h. die Her­vor­bringung eines Pro­duk­ts, das ohne Nährstoffe ist, schnel­lverzehrbar, leicht ver­daulich und unter ver­mei­dung jeglichen Anspruch­es.

    Das scheint mir den herkömm­lichen Lokaljour­nal­is­mus noch zu top­pen. Der Bratwurstjour­nal­is­mus beze­ich­net vielle­icht nur den alltäglichen Lokaljour­nal­is­mus, der belan­glosen Aktio­nen ein­fach begrif­flich nichts mehr abgewin­nen kann: Dem Advents­basar der Frauenge­mein­schaft, den Ehrun­gen zur 25jährigen Mit­glied­schaft des Kegel­clubs, das Ton­tauben­schießen des Schützen­vere­ins und so.

    Was ich meinte, war ja die gewollte Fast­foo­d­isierung des Lokaljour­nal­is­mus’. D.h. die Her­vor­bringung eines Pro­duk­ts, das ohne Nährstoffe ist, schnell verzehrbar, leicht ver­daulich und unter Ver­mei­dung jeglichen Anspruch­es.

    Das scheint mir den herkömm­lichen Lokaljour­nal­is­mus noch zu top­pen. Der Bratwurstjour­nal­ist kann irgend­wie nicht anders, der Fast­food­jour­nal­ist soll und darf nicht anders. Und er merkt dem Pro­dukt seine Ver­fehlung irgend­wann nicht mehr an.

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