Sonntag, den 11. April 2010   

westfälische idiome (viii): pröddeln

Pröd­deln gehört zu den männlichen Aktiv­itäten, die von Frauen und Nicht­pröd­dlern aus Unken­nt­nis gerne zu den stu­pid­en, eigen­bröd­lerischen Hand­lun­gen gezählt wer­den. Bei ein­er solchen neg­a­tiv­en Beurteilung wird grund­sät­zlich die kon­tem­pla­tive Charak­ter­is­tik dieser Tätigkeit außer Acht gelassen.

Pröd­deln ähnelt dem Suchen, indem man während dieser Beschäf­ti­gung ver­schiedene Gegen­stände erken­nend unter die Lupe nimmt. Man kann in ein­er Schublade, einem Raum oder auch ein­fach in der Hosen­tasche pröd­deln, solange sich dort eine noch nicht gän­zliche erfasste Anzahl von Gegen­stän­den befind­en. Ein Pröd­deln endet, wenn man keine Lust mehr hat, wenn man alle Gegen­stände erfasst hat oder wenn man tat­säch­lich etwas Inter­es­santes gefun­den hat.

Es ist also weniger ein Suchen nach einem bes­timmten Gegen­stand als vielmehr ein kon­tem­pla­tives Find­en von etwas, von dem man beim Pröd­deln noch nicht weiß, was es ist. Auch und ger­ade wenn es nicht mehr als eine gewisse Ruhe und innere Einkehr ist.

Ver­wandte Tätigkeit­en sind das über­lange Aufhal­ten im eigens dazu ein­gerichteten Hob­by-Keller, auf dem Dachbo­den, in der Garage, in Elek­tron­ikfachgeschäften, Baumärk­ten, Musik­lä­den oder Buch­hand­lun­gen. Eben­so zählt das sitzende Nicht­denken dazu, das von Frauen nie als solch­es akzep­tiert wird und mit einem Was denkst du ger­ade? empfind­lich gestört wird.