Noch so ein Musiker, der in Deutschland viiiiiel zu wenig bekannt ist: Mark Ronson. Sein Album ‘Version’ kommt dank permanentem Trompeteneinsatz etwas ‘brass’ig daher. Es besteht aus wenigen eigenen Songs, vielen Coverversionen und Teilnahmen von Robbie Williams, Lilly Allen und Amy Whinehouse, was dem Album so gar nicht geschadet hat. Sicherlich klingt ab und an ein Original besser als die Coverversion auf diesem Album. Es war aber nicht das Ziel, die Originale zu übertrumpfen. Hier haben ein paar junge Leute richtig Spaß am Musikmachen. Und diese Stimmung kommt auch über. So wenig reicht aus für ein gutes Album.
Feed me! Nein, dies wird kein Eintrag darüber, dass ich gerade Pfunde verliere oder über die Verschließpackungsdiäten anderer, sondern über Nachrichtenaufnahme.
Ein basaler Grund der Internetbenutzer ist es ja, an Nachrichten zu gelangen. Hat man erst einen PC, fällt die Frage weg, ob man durchs Fernsehen oder die tägliche Zeitungslektüre nicht besser versorgt werden würde. Dieser neuartige Flimmerkasten hat den Reiz des Modernen. Man reagiert auf den Reiz eher als auf den Inhalt, was einen zum Opfer macht.
Ich gehöre auch zu Es-derart-Bequemhabenwoller, keine Frage. Ich lese nicht die Intouch, die auch von diesem Trend leben, aber meine Startseite war lange Zeit die Newsseite von Google. Das Argument für diese Seite war, das die “besten” Informationen aller Nachrichtenseiten dort zusammen gefasst werden. Die Nachrichtenseiten beklagten, dass ohne Gegenleistung von ihrer Arbeit dort profitiert werden würde. Rein rechtlich ist das nicht relevant geworden. Rein persönlich war es mir auch nicht relevant. Zeitungen müssen ausspielen, dass sie “aus einem Guss” ihre Weltsicht darlegen. Ansonsten sind sie so austauschbar wie der Inhalt von Googles Newsseite.
Dann las ich einmal die Haltung Josep Weizenbaums zu Suchmaschinen, knackig formuliert als Vergessen Sie Google. Darin sagt er, wer über Google etwas sucht, gelangt doch eher selten zu genau dem, was er zu suchen beabsichtigt. Das stimmt. Man gelang zwar meist zu ganz brauchbaren Suchergebnissen, aber mit diesen ist die eigene Suche noch lange nicht beendet. Google vergessen kann man leider nicht, dazu dominiert es zu sehr das Internet. Aber bewusst Abstand halten, kann man. Scroogle bietet schon einmal die Google-Suchergebnisse ohne Werbung, allerdings auch ohne Bildersuchmöglichkeit. Aber die benötigt man auch eher selten, solange man eher sachliche Information haben möchte.
Aber zurück zu den Nachrichten. Viele kennen es, manche noch nicht: Das kleine Firefox Hilfswerkzeug Brief. Dadurch kann man Nachrichten von Blogs abbonieren. Die “durchsucht” man zwar auch noch nach Relevanz, so ganz geht das nicht ohne, aber man schaltet immerhin z.b. zeitraubende Klatschpressentratsch ab und wird somit besser informiert. Und ich fühle mich tatsächlich in den Bereichen, die mich interessieren, besser informiert, habe das Gefühl, weniger Unsinn aufnehmen und verarbeiten zu müssen. So lässt sich mit Information scheinbar wirklich besser umgehen. Und seit Tagen war ich nicht mehr irgendwie bei Google. Beruhigend. Ein Ausblick könnte tatsächlich sein, dass Feeds der Newsseite von Google fern von direktem Kommerzdenken Konkurrenz macht.
Schon wieder ein Album-Tipp. Wem Amy Winehouse einen Tacken zu exaltiert daherkommt, für den ist Duffy eine Offenbahrung. Das Album ist voller souliger Songs, die sich angenehm abends im Raum ausbreiten können. Musik zum nebenherhören oder Wein trinken. Unterstützt wurde sie produzententechnisch von Bernard Butler, der kreativen Hälfte von Suede. Einen Lieblingssong habe ich bislang nicht, dies ist ein Album, dass man laufen lässt und irgendwann merkt man sich, wie man dies und das auf dem Album wiedererkennt.
In den letzten Posts habe ich einen kleinen, musikalischen Blick nach Russland und nach Holland geworfen. Diesmal werfe ich ihn nach Posen in Tschechien. Dort ist mittlerweile Luboš Motl gelandet, den ich kennenlernte, als er noch Dozent in Harvard und ferner Spezialist für die String-Theorie gewesen ist. Man braucht etwas Zeit für Luboš und vielleicht muss man auch etwas schmerzfrei sein. Tasten wir uns also langsam heran. In diesem Video “covert” Luboš Motl die Titelmelodie der tschechischen Version von Tom & Jerry:
So weit, so gut? Fein. Bereit für den nächsten Schritt? Luboš Motl hat dem Karaoke-Singen seine eigene Note beigefügt. Es braucht seine Zeit, aber irgendwann erfasst den Zuhörer diese Kunstform.
Luboš Motl — Losing my religion [~3,9MB]
[flash]http://motl.bplaced.net/rem-religion.mp3[/flash]
Man beachte auch, wie man beim Titel “Losing my religion” den Religionsverlust geradezu miterleben kann. Heutzutage scheint er unter die Videokünstler gegangen zu sein, was es aber auch nicht gerade leichter macht, ihn zu verstehen:
Von den Schweizern höre ich abgesehen von Züri West und Lunik in musikalischer Hinsicht wenig. Vielleicht haben sie mit allem, was an Textaufsaggeschwindigkeit die Songs von DJ Bobo übersteigt, so ihre Probleme. Zumindest im Radio scheinen sie die Musiktexte kaum zu verstehen:
Cutting Crew: I’d just died in your arms tonight (Du musst…)
[flash]http://media.energyzueri.com/web/morgenshow/anneliesebraun/080205ab.mp3[/flash]
Roxette: Listen to your heart (Dorum bist du so ene Schießuhr heut?)
[flash]http://media.energyzueri.com/web/morgenshow/anneliesebraun/080206ab.MP3[/flash]
NeK: Laura non c’e
[flash]http://media.energyzueri.com/web/morgenshow/anneliesebraun/080129ab.mp3[/flash]
Cindy Lauper: Girls just wanna have fun
[flash]http://media.energyzueri.com/web/morgenshow/anneliesebraun/080201ab.mp3[/flash]
Ich habe in einer vorhergehenden Aufzeichnung geschrieben, welche unterschiedlichen Arten es gibt, auf denen kommerzielle Werbung dem Verbraucher nahe tritt. An dieser Stelle möchte ich der besch…ensten Art alle Ehre machen.
Ein großer deutscher Bierhersteller wirbt mit TV-Größe Günter J. dafür, dass man für jede Kiste ihres Getränks einen 1m² Regenwald bekommt. Trinkt Alkohol und ihr seid moralisch gut. Ihr rettet den Regenwald. Das sollte euch der Kauf unseres Getränks doch wert sein.
Ich gönne der Firma ihre Profite, ich unterstütze das Kaufen von Getränken in Getränkemarken, aber dieses verlogene Gutsein, was durch diese Werbeaktion heraufbeschworen wird, ist schon eine derbe Angelegenheit. Ich hadere immer damit, wenn kommerzielle Produkte mit einer moralischen Farbe angestrichen werden. Was hat Bier mit dem Regenwald zu tun? Verschuldet sich die Bierbrauerei etwa dabei, wenn es neben dem Bier noch ein Stück Regenwald rausgibt? Was kostet denn das wohl?
Nun, früher einmal kostete 1 Hektar Regenwald 200 DM, das wären keine 100€. 1 Hektar sind 10.000m². Das bedeutet, dass 1m² Regenwald 2 Cent kostete. Von drastischen Preissteigerungen beim Regenwaldsquadratmeter habe ich in letzter Zeit nichts vernommen.
Braucht es für Sie auch nicht mehr als 2 Cent, um sich als Gutmensch zu fühlen? Dann erkläre ich ihnen kurz, wie man sich noch besser fühlen kann. Kaufen Sie eine Billigbiermarke und stellen Sie diese kalt. Kalt schmecken die meisten Biere ähnlich. Und die 3–6 € Unterschied zur K*-Kiste spenden Sie. Das wär mal eine Aktion. Und sie müssten noch nichtmal scheinheiligenMoralisten anheim fallen.
Will man werben, muss man sich was einfallen lassen. Das weiss jeder Single. Das gilt aber genauso für kommerzielle Werbung. Anfangs galt es, den Verbraucher von der Wirksamkeit des beworbenen Produkts zu überzeugen. Der Verkaufsdruck wurde aber immer größer. Irgendwann nahm man von der tatsächlichen Überzeugung des Verbrauchers Abstand. Ihm wurde geschmeichelt (“Heute ein König!”), er wurde erheitert oder ihm wurde eben nur noch Coolness (“Queen of table-water”) oder Seriösität (“Wir haben für Sie getestet!”) vorgegaukelt. Unterm Strich heisst das, dass die Werbung deutlich persönlicher gemacht wurde- ohne die Personen tatsächlich zu kennen, noch Rücksicht auf irgendetwas zu nehmen.
Die nächste Stufe war: Er wurde provoziert (“Ich bin doch nicht blöd!”). Aktuell soll wohl mit folgender Werbung versucht werden, diverse Dinge zu kombinieren: Schmeichelung, Provokation, Humor und Coolness.
Junge Menschen, nette, moderne, farbdurchdachte Wohnung, Sie fein gekleidet, Er leger. Es ist ein sonniger Tag, beide agieren zielbewusst. Bis dahin ist alles okay. Dann stopft Sie Fleisch in den Toaster. Und um locker, cool und megatrendy zu übertönen, dass die Blondine da gerade für das Stück Fleisch keine Pfanne rausgeholt hat, sondern den Toaster, lässt man ihren Mitbewohner durch die Decke in den Garten katapultieren, weil dieser das Fleischstück zuvor “Schnitzel” genannt hat. Vielleicht wollte er ihre spontan einsetzende Geisteskrankheit herunterspielen oder vielleicht hat’s bei der teueren Einbauküche für einen Backofen oder eine Herdplatte einfach nicht mehr gereicht. Das bleibt im Unklaren. Eine dumpfe, coole Stimme meint nur halb zum Mitbewohner, halb zum Zuschauer: “Don’t call it Schnitzel!”
Das hatte ich nie vor, du Eumel! So wenig wie in meinen Toaster was anderes zu stecken als gottverdammtes Toast. Will mir als nächstes jemand Socken andrehen, die man zum Trocknen im Staubsauger festklemmt? Wenn ihr mir schon persönlich kommen wollt, dann doch bitte mit mehr Niveau. Aber spätestens dieser Spot läutet die allgemeine VerPocherisierung der Werbung ein, der man immer wieder sagen sollte: Das ist kein Humor, das ist nur ein scheiternd debiler Versuch, lustig und geistreich zu sein. Fachbegriff “Pocher”. Also, lieber Storylineerfinder: Pocher hier nich rum! Das braucht keiner. Und: Essfleisch gehört in die Pfanne, in den Backofen oder auf den Grill. Es in den Toaster zu stecken ist fast schon eine Verhöhnung der getöteten Tiere. “Wir manschen euch so zusammen, dass ihr in Haushaltsgeräte passt, die nicht zur Erwärmung von Fleischgerichten erfunden wurden. Als nächstes schieben wir euch ins CD-Laufwerk.”
Können Sie mir das ausschließen?
Auf eigenen Füßen präsentieren sich die Ibbenbürener Donots im Jahre 2008, und das ist schon mal eine Bemerkung wert. Nach Pech mit den alten Labels sind sie nun auf dem Label ihres Frontmann Ingo beheimatet. Die Donots waren bislang als Garagenpunkband bekannt. Das bedeutet, dass sich ihre Texte sehr oft nach deutschen Punkimitatoren anhörten, die vokabularbeschränkt versuchen, simple Themen in noch simplere Texte zu fassen. Dabei wird des öfteren Schreien mit Singen verwechselt. Auf Konzerten ist das weniger auffallend, da dort lautstärkenbedingt eh kaum eine Möglichkeit besteht, Texte zu verstehen. Und das ist genau der Eindruck, den die Donots auf diesem Album bestätigen, zumindest mit den ersten 6 Songs.
Danach entsteht ein doch merkwürdiger Wechsel. In “Stop the clocks” erinnern sie ein wenig an Fury in the Slaughterhouse. “The right kind of wrong” ist eine durchaus gute Rocknummer. Und dieser eher rockige, vergleichsweise ruhige Touch zieht sich durch den Rest des Albums. Ingo singt sogar, anstatt zu schreien. Guuuuuut, die Texte sind immer noch nicht publitzerprizeverdächtig und Ingos Stimme reicht für diese Lieder gerade so aus. Aber musikalisch machen die Donots einen fast gereiften Eindruck. Ich kenne gerade keine andere deutsche Band, die ein derart gemischtes Album hinkriegen würde. Kleiner Kauftipp meinerseits.
erste Auskopplung: Break my stride
Und für alle, die sie noch gar nicht kennen: Saccherine smile
Erneut hat es das Forum offene Wissenschaft in Bielefeld geschafft, Hans-Ulrich Wehler für einen Vortrag mit dem Titel “Die Idee der Humanität in Geschichte und Gegenwart” zu gewinnen.
Das letzte Mal, dass ich Wehler im FoW gesehen habe, wetterte er eindrucksvoll und bestimmt, manche werteten das als polemisierend, gegen eine Aufnahme der Türkei in die EU. Damals erzählte er eine Anekdote über den seinerzeitigen Außenminister Joschka Fischer. Den habe er in Berlin auf einer Party getroffen und nachdem man den einen oder anderen intus hatte, soll Fischer einen Vergleich zu Genscher gezogen haben: “Halb soviele Amtsjahre, aber doppelt soviel Flugmeilen!” Dem Publikum gefiel natürlich diese Anekdote, man traute sie Fischer ja auch ohne weiteres zu. In diesem Kontext wirkte sie allerdings befremdlich, aber Wehler konnte sie sich leisten.
Heute Abend nun sprach Wehler über Humanismus. Man durfte gespannt sein, schliesslich wagte Wehler sich damit ausserhalb seines Forschungsbereichs. Dies räumte Wehler vor einer hörsaalfüllenden Fangemeinde auch ein, warb aber dafür den Humanismus als europäisches Kulturgut, das auf dem Christentum aufgebaut worden sei, weiter zu befördern. Das Christentum habe gezeigt, dass es ein derartiges Kulturgut verbreiten könne. Daher habe er auch nichts dagegen, es in eine europäische Verfassung Gott einzubinden, da der christliche Glaube eben auch europäisches Kulturgut sei, auch wenn er selbst die jüdische Religion der christlichen in inhaltlicher Sicht bevorzugen würde.
Bezogen auf letzteres sagte er, es sei leichter an einen einzigen gesetzgebenden Gott zu glauben als an ein gemischtes Team aus Gott, Engeln und sonstigen Wesen. Wehler betonte, in einem derartigen Rahmen sei es immer ratsam, den Inhalt mit einer politischen Aussage zu verknüpfen, das erklärte sein Werben für die Anerkennung des Humanismus als europäischem Exportschlager. Andere Religionen oder Amerika mit seinem Way-of-life hätten eine derartige Wertetradition nicht vorzuweisen.
Und an diesem Punkt sprach Wehler, der jahrelang in den Vereinigten Staaten lehrte, doch noch etwas für mich interessantes an. Ihn habe dieser starre, unerschütterliche Glaube an den american way of life immer irritiert. Die Geschichte des Tellerwäschers, der zum Millionär wird, würde immer wieder durch die eine oder andere derartige Geschichte bestätigt, während sich niemand über die oftmals fehlende Krankenversicherung wunderte. Der Glaube, der Einzelne müsse nur hart genug arbeiten, dann bekomme er schon seinen verdienten Lohn, sei wesentlich grundlegender verankert als die Idee von einer umfassenden Sozialversorgung.
Jetzt leuchtet mir schon eher ein, weswegen aktuelle amerikanische Filme ums Verrecken nicht auf den Einen, der alle rettet, verzichten kann, aber Rawls’ Theorie muss ich darauf hin nochmal testen.
Manfred Brocker — Geschichte des politischen Denkens, Ein Handbuch, Suhrkamp 2007 Dieses Handbuch beansprucht, eine Lücke etwas schließen zu können, die trotz vieler Bücher zu klassischen philosophischen Denkern bestünde. Es gäbe keine knackigen Darlegungen von den Hauptwerken, man finde immer nur eher Biographisches. Der große Umfang des Buches enttäuscht dann auch nicht auf den ersten Blick. Man findet 53 Artikel zu wichtigen Werken von u.a. Platon, Aristoteles, Cicero, Hume, Kant, Montesquieue, Nietzsche, Hegel, Luther, Rawks, Habermas und und und. Will man einen der besprochenen Autoren grundlegender kennenlernen, so ersetzt dieses Buch natürlich nicht die Lektüre der einzelnen Autoren. Aber für Erläuterungen der einzelnen Werke ist dies ein sehr anregendes Buch, dass sich jeder Student, der in diese Richtung arbeitet, einmal genauer anschauen sollte.
Ich schreibe seit
27 Jahren,
1 Monaten und
25 Tagen
in das Internet.
Im Fediverse und auf delta.chat bin ich unter caasn@caasn.de und bei Pixelfed über @bild@caasn.de zu erreichen.