der après-ski-heintje

Dass man, wenn man einen Ein­blick in andere Kul­turen nimmt, etwas ver­wun­dert wird, gilt sich­er nicht nur für die rus­sis­che Musikkul­tur. Die Hol­län­der sind da beina­he Mark­t­führer. Vor ein paar Jahren wurde ver­sucht, ein kleines, dick­es Etwas zum neuen hol­ländis­chen Schlager­star aufzubauen. Das Prinzip war immer das Gle­iche: Wir pack­en einem kleinen, dick­en Jun­gen ein kleines Wicht an die Seite, lassen ihn über das Wet­ter oder sowas sin­gen, sinnlose Hand­be­we­gun­gen aus­führen und spie­len dazu die vordefinierten Melo­di­en auf dem Hohn­er-Key­board ab.

Und dieses Prinzip gab es dann in kleinen Vari­a­tio­nen:

a. Die Win­ter-Vari­ante

b. die Tech­no-Bil­lig­pornoam­bi­ente-Vari­ante

c. die Erste-Liebe-Vari­ante

d. die Aprè-Ski-Vari­ante

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olga spears und sergej springsteen

Ich weiss nicht, wie inten­siv man in eine Kul­tur eingewei­ht sein muss, um sie zu ver­ste­hen. Wenn man sie einiger­maßen ver­ste­ht, hält man sie wohl nicht mehr für merk­würdig. Wenn man das nicht tut, ist es schon selt­sam. Aktuelle rus­sis­che Musik ist Nichrussen eigentlich ziem­lich unbekan­nt und das zu Unrecht. Die dazu gehören­den Videos sind aber schon deswe­gen bemerkenswert, weil sie zu akzept­abler Musik selt­same Bilder und Geschicht­en liefern. Sehr bekan­nt sind z.B. Sän­gerin Макsим und die Band Звери. Für eingewei­hte Rus­sis­che-Kul­turver­ste­her sind die wesentlich ange­se­hen­er als die ausser­halb Rus­s­lands bekan­nteren t.a.t.u., qua­si die skan­dal­lose Brit­ney Spears und der Jon Bon Jovi Rus­s­lands. Ver­glichen damit ist t.a.t.u sowas wie Mod­ern Talk­ing.
Макsим oder Mak­sim macht Süssholzraspeleien in leichter Bek­lei­dung. Das ist noch einiger­maßen inter­na­tion­al. In diesem Video allerd­ings hoppst sie nur mit String und Hemd bek­lei­det mit ihrer besten Fre­undin auf Bet­ten rum und föh­nt sich einen.

Musikalisch geht das sich­er in Ord­nung, klingt etwas nach den Pet Shop Boys. Aber was diese Bil­lig­pornoat­mo­sphäre in dieser Sehn­suchts­geschichte zu suchen hat, ver­ste­he ich nicht.

Dass es auch anders geht, zeigen Звери oder zveri. Deren Front­mann, der mich an den jun­gen Putin erin­nert, quatscht in ein­er Dis­co eine rothaarige Schön­heit an. Das ist ja auch etwas, was kul­turhis­torisch sich ein Deutsch­er nicht trauen würde: In ein­er Frauen­dreier­runge eine raus­pick­en und anquatschen. Das scheint in Moskauer Dis­sen okay zu sein. Nun ja. Er quatscht sie an, fragt, ob er ihr was brin­gen kann und sie sagt: “Erd­beeren.” Was auch son­st. Die Mädels kich­ern, der junge Putin ren­nt los, quer durch Moskau und kommt tat­säch­lich mit ein­er Pack­ung Erd­beeren wieder in die Dis­co, wo Fräulein Rot­locke noch wartet. Das Fräulein ist geschme­ichelt, fragt, ob er tanzen möchte und er sagt: “Nö.” Abfuhren verteilen kann ja sooooo Spaß machen:

Gut, es hat auch nie jemand inner­halb der deutschen Kul­tur ver­standen oder erk­lären kön­nen, was Dieter Bohlen mit Geronimo’s Cadil­lac eigentlich sagen wollte, aber darum drehte es sich auch nicht. Das waren die 80er, Sinn hat­te da in der Pop­musik keine Bedeu­tung. Sowas unter­stellt man aber sehr wohl ander­er Kul­tur. Und das macht diese rus­sis­chen Musikvideos doch irgend­wie inter­es­sant.

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david baddiel – whatever love means (buch)

Man darf sich vom Titel dieses Buch­es nicht abschreck­en lassen. Der Titel ist genau­so wie der Autor für dei meis­ten Men­schen ausser­halb Eng­lands zunächst ein­mal nichtssagend. Es lohnt sich, bei­dem hin­ter­her zu gehen. Kurz vor ihrer Hochzeit führten Lady Di und Prince Charles ein Inter­view mit der BBC. In diesem Inter­view wur­den bei­de gefragt, ob Liebe der Grund für ihre Hochzeit sei. Lady Di antwortete “Nat­u­ral­ly.”, natür­lich. Prince Charles antwortete: “What­ev­er love means.” Und diese doch irgend­wie trau­rige Hal­tung, durch das Leben zu gehen, und irri­tiert davon zu sein, das man nicht genau weiss, was für einen selb­st Liebe nur bedeuten mag, trägt Bad­diels Buch in sich. David Bad­diel ist in Eng­land als Come­di­an bekan­nt gewor­den. Zusam­men mit Rob New­man füllte er als erster Come­di­an die Wem­b­ley Are­na in Lon­don mit 12000 Zuschauern. Sein erstes Buch ist ein lustiger Roman über einen Jungspunt, der sich in seine Schwägerin verk­nallt und dann auf deren inter­es­sante Schwest­er trifft. Mit viel All­t­agshu­mor gespickt ist dies eine sehr lustige Kumpelgeschichte. Sein zweites Buch ist da schon erster, vol­lkom­men humor­frei, aber noch viel bess­er ist das dritte Buch. Es beschreibt Vic, der ein Ver­hält­nis mit der Frau seines besten Fre­un­des hat. Was zunächst noch als unbeschw­ertes Vor­sich­hin­leben geschildert wird, ändert sich für die beteiligten Per­so­n­en in ein nichtvorherge­se­henes Fiasko. Das muss jet­zt als Inhalts­beschrei­bung reichen, auch wenn es nicht ein­er Analyse gerecht wird, ob und warum, dies hier große Lit­er­atur ist. Das Ding ist nur fol­gen­des: Dieses Buch lebt von der Wen­dung, die es beschreibt. Und es wäre unfair, inhaltlich weit­erzuerzählen, da dann das Lesev­ergnü­gen doch stark gemindert wird. Und da ich in vol­lkommen­er Über­schätzung davon aus­ge­hen, dass dieses Buch wegen mein­er Für­spraqche gelsesen wird, lasse ich es hier­bei. Meines Eracht­ens ein MUSTREAD, wie man auf englisch sagt, bei dem man erst am Ende das Vor­wort zu ver­ste­hen weiss.

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dolores o’riordan — are you listening? (album)

Ich habe die Cran­ber­ries Anfang der 90er mal in Eng­land gehört, seit­dem ver­fol­gt mich die Stimme der Sän­gerin. Ihr Debu­tal­bum ist etwas der all­ge­meinen Betra­ch­tung ent­gan­gen, was ein großer, großer Fehler ist. O’Ri­or­dan hört sich natür­lich wie ihre frühere Band The Cran­ber­ries an, wobei deren Musik zum Schluss etwas in ein met­allern klin­gen­des Geschep­per abdriftete. Nur ab und an ragten einzelne Songs her­aus. Ihr Debut-Album knüpft naht­los an alte Song­writer-Qual­itäten an. Es gibt ruhige, ver­störte, san­fte, aber auch rock­ige Stücke zu hören. Da müsste für jeden was dabei sein.

Dolores O’Ri­or­dan bei Myspace

Bei Ama­zon kann man in das ganze Album rein­hören. Anspieltipps: Ordi­nary day, When we were young, Los­er.

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lars und die frauen

Lars ist ein Soziopath. Das weiss sein Brud­er wie seine Schwägerin. Die aber würde Lars gerne aus dessen ver­schlossen­er Welt her­aus­holen, und sei es nur ein­ma­lig zum Aben­dessen. Aber auch dies geht schief, bis… bis Lars ihr von sein­er Fre­undin Bian­ca erzählt, die ger­ade zu ihm gekom­men sei. Zusam­men im Wohnz­im­mer ver­schlägt deren Anblick aber Brud­er und Schwägerin die Sprache, denn Bian­ca ist schein­bar für jeden außer Lars eine angek­lei­dete auf­blas­bare Sexspielzeug­puppe. Um ihn nicht zu ver­let­zen, wird Bian­ca akzep­tiert. Dieser Film ist nicht unbe­d­ingt ein Schenkelk­lopfer, aber als Soziopa­thenkomödie sehr unter­halt­sam. Die eingeschneite Stadt, in der er spielt, passt her­vor­ra­gend zur fröstel­nden Ath­mo­sphäre, die oft­mals herrscht, wenn Ver­suche ges­tartet wer­den, mit Lars ein Gespräch anz­u­fan­gen. Lars ist ein­er dieser Typen, die es bspw. für tak­tisch sin­nvoll hal­ten, während eines Gesprächs zu schweigen und ins Off zu schauen, wenn eine per­sön­liche Frage gestellt wird. Der­art pro­duziert er schön nervige Gesprächspausen, aus deren Bek­lemmtheit kaum her­auszukom­men ist. Ein Film für alle, die eine Fabel erzählt bekom­men wollen, wie man auch aus niederziehen­der Ödnis Opti­mus­mus schöpfen kann.

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ina müller – liebe macht taub (album)

Ja, deutschsprachige Musik, da machte man jahre­lang einen größeren Bogen drum­rum als der Papst um einen Beate-Uhse-Laden. Da hiess es “Ich kämpf mich durch die Nacht”, “Einen Stern, der deinen Namen trägt”, “Du bist vom sel­ben Stern”, “Du bist mein großer Brud­er, du bist immer da” und weiss der Schin­der, was son­st noch. Hat jed­er Ver­such, aktuell Lieder in deutsch­er Sprache zu pro­duzieren den Makel, in Kitsch zu ertrinken? Nein, nicht jed­er. Ina Müller kämpft dage­gen, und das tut sie erfol­gre­ich­er als Car­olin Forten­bach­er, der man dies gewün­scht hätte. Gemessen am let­zten Album ist das neue Liebe macht taub tat­säch­lich sowohl inhaltlich als auch musikalisch bess­er gewor­den. Abwech­slungsre­ich und mit Schmiss, so dass unsere­ins sich wün­scht, Fräulein Müller wär 10 Jahre jünger und an Typen wir mir inter­essiert. Gut, da bleibt wohl nur ihre Musik. Aber die kommt langsam, aber gewaltig. Sie besingt die taffe End­dreißigerin von heute, die schon über etwas Lebenser­fahrung ver­fügt und mit dieser klarkom­men muss. Qua­si eine sin­gende Ildikó von Kürthy, die plattdeutsch kann. Man muss nicht jede Zeile auf die Gold­waage leg­en und kri­tisch abschätzen, ein­fach mal abends aufle­gen und neben­bei hören, eine angenehme Wirkung wird sich ein­stellen — ver­sprochen.

Ina Müller zum Rein­hören bei Myspace

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a fine frenzy – one cell in the sea (album)

Für manche ist A fine fren­zy noch ein Insid­er, was der einzige Grund ist, das Album hier aufzuführen. Es ist DAS Album der let­zten Monate. Das liegt sich­er irgend­wo daran, dass neue Musik sel­ten gut ist. A fine fren­zy, ein Pseu­do­nym der 22jährigen amerikanis­chen Sän­gerin Ali­son Sydol, macht eigen­ständi­gen Singsang, bei dem man nicht genötigt ist, sofort den Weit­er-Knopf am CD-Spiel­er zu drangsalieren. Wer öfters die eine oder ander amerikanis­che Serie gese­hen hat, dem wer­den einige Songs aus bspw. Dr. House oder CSI: NY bekan­nt vorkom­men. Der beste Song ist der Schmacht­fet­zen Almost lover, aber auch den Rest kann man sich anhören. Kein Jahrhun­der­tal­bum, aber es reicht für ein Paar Run­den im CD-Spiel­er, die Abwech­slung bedeuten. In den amerikanis­chen Bill­board-Charts ist das Album nicht eingeschla­gen, aber ich bin mir sich­er, dass sich das für die junge Dame grundle­gend ändernd wird.

A fine fren­zy bei MySpace

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8 blickwinkel

In Spanien wird der amerikanis­che Präsi­dent bei einem öffentlichen Auftritt angeschossen. Im Tumult ertö­nen weit­ere Schüsse und kurz darauf geht eine Bombe hoch. Dieser Plot wird nacheinan­der aus ver­schiede­nen Blick­winkeln erzählt und peu á peu entwick­elt sich die ver­wick­elte Geschichte. Das ist die grund­sät­zliche Idee und soweit ist die Idee auch ganz pass­abel. Die spanis­che Kulisse ist nett, per­ma­nent ist gutes Wet­ter, die Bösen sind böse. Mit Den­nis Quaid und For­rest Whit­tak­er sind auch sym­pa­this­che Schaus­piel­er dabei. Aber die aus den 90ern in die heutige Zeit deplazierte Grund­spielfilmidee, ein Mann kann die Welt auch ganz alleine ret­ten, wenn er grim­mig guckt, ab und zu nach­denkt und schnell ren­nt, nervt. Das min­dert die anfängliche Freude an diesem Streifen. Und sooooo kom­plex ist die Auflö­sung dieses Krim­is nun auch wieder nicht. Nettes Pop­ko­rnk­i­no und nichts weit­er.

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mr monk goes to hawaii (buch)

Mr Monk goes to Hawaii ist das zweite Buch der Rei­he zur Fernsehserie “Monk”. Die Inhalte der Büch­er sind eigen­ständig, d.h. keine in Buch­form gepresste Monk-TV-Folge. Wer ist Monk? Monk ist ein seit dem Mord an sein­er Frau gestörter und ent­lassen­er Polizist, der Kim­i­nalfälle löst, in dem er kle­in­ste, betra­chtete Details auswertet. Während dieses genaue Betra­cht­en ein Tick ist, der dur­chaus hil­fre­ich ist, sind sämtliche anderen Ticks meschugge. Er hat vor diversen Din­gen Angst, rückt unun­ter­brochen schein­bar unge­ord­nete Dinge in die richtige Ord­nung und ist anson­sten ein liebevoller Soziopath. In Mr. Monk goes to Hawaii fol­gt Monk unter Dro­gene­in­fluss sein­er Assis­tentin, die die Erzäh­lerin des Buch­es ist, in einem Flieger nach Hawaii. Dort ver­hin­dert er zunächst die Hochzeit ihrer besten Fre­undin und inter­essiert sich für einen Todes­fall auf der Insel. Ich ver­rate kein über­großes Geheim­nis, wenn ich sage, dass er diesen Todes­fall lösen wird. Dies ist ja auch kein Kri­mi, in dem das fraglich wäre. Das Wie?, Wer? und etwas unbe­deu­ten­der das Wer? ste­ht bei der Auflö­sung im Vorder­grund. Und neben der Auflö­sung nimmt die Welt Monks, geord­net durch das Ausleben sein­er Ticks, einen Großteil der Geschichte ein. Und die ist min­destens eben­so span­nend. Dies ist sicher­lich keine Weltlit­er­atur, aber wer den Hauptcharak­ter mag, wird dieses Buch mögen, sobald er sich ein­ge­le­sen hat. Die Geschichte ist ver­ständlich geschildert, die englis­che Sprache angemessen leicht, somit ide­al für Krim­i­fans und Englis­chan­fänger.

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das buch, in dem die welt verschwand (buch)

Dieser 500-Seit­er ist eine Art Ver­schwörungskri­mi zu Zeit­en Immanuel Kants, in dem diesem eine entschei­dende Rolle zukommt. Mehr über Kant erfährt man nicht, er und sein Werk dienen eh nur als eine Art Mys­tery­fak­tor dieses Geschicht­skrim­is. Der Kri­mi haut einen dann auch nicht aus den Latschen, aber der Autor kann schon recht gut schreiben. Das lässt einen bis zum Ende des Buch­es aushal­ten.

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