Mittwoch, den 27. Mai 2009   

journalismus als teil der klassengesellschaft

In Rou­vens Blog habe ich mich doch noch zum stark kri­tisierten Artikel Das Netz als Feind von Adam Soboczyn­s­ki Stel­lung genom­men. Da meine bei­den Kom­mentare aneinan­derg­erei­ht schon wieder einen eige­nen Artikel darstellen, veröf­fentliche ich das ganze hier noch ein­mal:

Sobo­cyn­s­ki kämpft mit seinem Artikel offenkundig für die Intellek­tuellen und vorge­blich auch für Aufk­lärung, und unter­stellt dabei gle­ich­sam, er selb­st sei intellek­tuell und aufgek­lärt. Das ist eine typ­is­che Jour­nal­is­tenkrankheit. Intellek­tu­al­ität und Aufgek­lärtheit wird unter­stellt, nicht unter Beweis gestellt. Dass Intellek­tuelle gesellschaftlich unter Wert geschla­gen wer­den, ist eine Annahme Sobo­cyn­skis, die ich kor­rekt finde, aber das ist keine Neuheit, die das Netz her­vorge­bracht hätte. Es dem Netz anzukrei­den ist also ein­seit­ig. Warum Soboczyn­s­ki nun für Arten­schutz für Intellek­tuelle ein­tritt, ist dem Leser eben­so zunächst unklar.

Soboczyn­s­ki meint, die Net­za­k­tivis­ten missver­stün­den Demokratie, indem sie Wertin­stanzen für Inter­net­texte mis­sachteten: Wed­er die Über­tra­gung von Sou­veränität auf Vertreter [haben diese] im Blick noch robuste Insti­tu­tio­nen, die Par­tizipa­tion struk­turi­eren und begren­zen. Was er da aber beschreibt ist repräsen­ta­tive Demokratie. Er ver­wech­selt also direk­te Demokratie mit repräsen­ta­tiv­er, und unter­stellt den ange­blichen Befür­wortern direk­ter Demokratie im Inter­net rein util­i­taris­tisch (Mehrheit­sprinzip nach mark­twirtschaftlichem Vor­bild) zu sein. Mit dem Begriff der Demokratie so umzus­prin­gen ist nicht intellek­tuell, das ist chao­tisch. Warum sollen jet­zt solche Chaoten beson­ders schützenswert sein?

Ich glaube aber gar nicht, dass es Soboczyn­s­ki um Intellek­tuelle geht, eher um Leute, die sich für Über-Men­schen Niet­zscheanis­ch­er Prä­gung hal­ten. Was will denn dieser Schreiber­ling genau? Er will, dass Zeitun­gen auch im Inter­net Instanz, d.h. Gericht­shof, poli­tis­ch­er Auseinan­der­set­zun­gen sind, weil das ange­blich demokratisch sei. Stimmt über­haupt nicht. Erstens sind Zeitun­gen keine demokratis­che Instanz, son­dern nur Medi­en. Zweit­ens ist es sach­lich falsch, sie der­art als vierte Gewalt im Staate zu betra­cht­en, was nur iro­nisch-metapho­risch sinns­tif­tend ist.

Diese Möchte­gern­stel­lung bleibt durch die Blog­ger und Twit­ter­er natür­lich etwas ungeachtet, weil diese selb­st über ein in sein­er Gesamtheit größeres Net­zw­erk von Pub­lika­tion­splätzen ver­fü­gen. Diese zu benutzen, ist aber keineswegs ein Ver­stoß gegen Demokratie.

Soboczyn­s­ki befürchtet, dass die Klasse, der er ange­hört unterge­ht. Sein Vorhaben ist nichts anderes als Anti-Aufk­lärung vor­ge­tra­gen im Man­tel der Aufk­lärung. Allen den Kampf zu erk­lären, die sich im Inter­net äußern ohne aus­ge­bildete Jour­nal­is­ten zu sein, ist ein heil­los­es Unter­fan­gen. Solche Jour­nal­is­ten, die glauben, Blog­ger ließen ihre Felle davon­schwim­men, braucht nie­mand. Wenn deutsche Blog­ger weit­er­hin gegen so einen Unfug anschreiben, spricht das für sie.

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