maulwurf ante portas

Manch­mal, da spie­len sich die lustig­sten Geschicht­en doch zuhause ab. Bei meinen Eltern ist vor ein paar Wochen ein Unter­mi­eter einge­zo­gen. Bess­er gesagt: Ein Ein­mi­eter unterge­zo­gen. Der untere Bere­ich der Rasen­fläche ist das Wohnz­im­mer eines Maulwurfs. Man bemerkt den unge­bete­nen Gast nur dadurch, dass all­mor­gendlich ein neuer Maulwurf­shügel die Gar­te­nan­sicht bere­ichert.

Diese Wind­mühlen Hügel haben meinen Vater auf den Plan gerufen. Man kann den Rasen zwar nicht im Ansatz einen englis­chen Rasen nen­nen, aber so ein Maulwurf mit seinen Aus­grabun­gen, der wurmt schon. Und so zog mein Vater in den Krieg. Da wur­den Bud­del­tun­nel geflutet, Flaschen einge­graben, der Rasen mit Forken durch­stochert und Haufen plattge­tram­pelt. Das Resul­tat war lei­der sub­op­ti­mal: Der Maulwurf störte sich an nichts. Ich weiss noch nicht ein­mal, ob er Notitz genom­men hat von all dem Radau an der Erdober­fläche. Aber so ist das halt in Deutsch­land: Ist der Mieter erst ein­mal einge­zo­gen, dann bekommt man ihn kaum noch raus.

Meine Fam­i­lie ist natür­lich so putzig, mir erst­mal nichts von dem Unter­mi­eter zu erzählen. Deswe­gen war ich leicht über­rascht, als ich zum ersten Mal meinen Vater vorm Früh­stück in den Garten raus­laufen sah, mit ein­er Spitzhacke bewaffnet, und kurze Zeit später ener­gisch auf den Rasen ein­prügel­nd.

Man gewöh­nt sich daran. Jeden Mor­gen also, wenn sich ein neuer Maulwurfhaufen auf dem Rasen find­en lässt, ren­nt mein Vater zum Rasen­prügeln nach draußen. Hoff­nungsvoll, ergeb­nis­los, aber unnachgiebig. Der Szener­ie wohnt schon ein Hauch von Weltlit­er­atur inne, wenn mein Vater nach getan­er Arbeit die Stufen zur Terasse zurückschre­it­et, sich noch ein­mal umwen­det und wie Käpt’n Ahab den Blick über die weite Rasen­fläche schweifen lässt. Als wäre es möglich, dass sein Intim­feind an der Ober­fläche auf­taucht und sich zu erken­nen gibt.

Sehen Sie in meinem Vater bitte keinen Van­dalen. Das hat alles seine Richtigkeit. Arthur Schopen­hauer hat ein­mal aus­ge­führt, dass man eine Mücke töten darf, wenn sie durch ihr Gesäusel dem Men­schen tierisch auf die Ner­ven geht. Die psy­chis­che Befind­lichkeit eines Men­schen ist als Aus­druck ein­er höher­er Entwick­lungsstufe rel­e­van­ter als das Weit­er­leben­srecht ein­er Mücke. Bei so ein­er Sach­lage müssen sich Maulwürfe warm anziehen.

Nach­dem die bish­eri­gen Tech­niken nicht anschlu­gen, half ein Fre­und und wohl beg­nade­ter Maulwur­fjäger weit­er. Er lieh Vat­tern fol­gen­den Gegen­stand aus:

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Was hier aussieht wie eine Flughafen­lan­de­beleuch­tung ist ein solar­be­triebenes Mul­ti­funk­tion­s­maulwur­fver­scheuchungs­gerät. Es sendet diverse Sig­nale, neg­a­tive Schwingun­gen, Qui­etschtöne, Flüche und Ver­wün­schun­gen aus. Und bes­timmt kann man irgen­det­was an ihm auch noch in PS angeben. Har­rr, har­rr, har­rr. Jed­er richtige Mann sollte so ein Ding sein Eigen nen­nen.

Feier­lich wurde diese Speer­spitze men­schlich­er Erfind­ungskun­st gestern Abend in den neuesten aller Maulwurf­shügel gepropft und festge­drückt. Beseelt ging mein Vater schlafen und schlief so gut wie lange nicht mehr.

Und wie reagiert der gemeine Maulwurf nun auf diese pro­fes­sionell erar­beit­ete Finte?

Der gräbt sich noch ein­mal durch den Gang zum let­zten Hügel, stup­pst so lange gegen das feindliche Gerät bis es immer höher rutscht, aus dem Hügel fällt: Die Solar-Rezep­toren bekom­men keine Sonnene­in­strahlung mehr, wodurch sich die Bat­terie entläd, das Gerät nach ein­er Weile seinen Geist aufgibt und endlich Ruhe ist. Scheint nicht viel von Schopen­hauer zu hal­ten, so ein Maulwurf.

Meinem Vater geht es der­weil auch ganz gut. Aufgeregt stürmte er eben ins Wohnz­im­mer, benachrichtigte mich: “Da draußen ist ne Rat­te!” und ver­schwand im Hob­by-Keller. Bes­timmt auf der Suche nach so ein­er vol­lelek­tro­n­is­chen Solar-Tröt-Rat­ten-Vertrei­bungs­mas­chine. Die soll ja wahre Wun­der helfen.

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deutschland sucht den grüß-august

Bedeu­tungss­chwan­gere Fra­gen ste­hen heute auf dem Tage­spro­gramm, und sog­ar gle­ich 3 davon: Wer wird deutsch­er Fußballmeis­ter? Wer wird deutsch­er Grüß-August? Und was gibt es zu feiern, wenn das Erstellen eines Regel­w­erkes 60 Jahre her ist? Ich weiss nur, dass um alles ziem­lich viel Tam­tam gemacht wird und es noch unklar ist, ob eines davon so spek­takulär wird, dass man lange Zeit später noch davon redet.

Gut, ich gebe zu, wenn Gesine Schwan Grüß-Augs­tine wird, das hätte was. Deutsch­land wäre in den höch­sten poli­tis­chen Posi­tio­nen durch zwei Frauen repräsen­tiert. Für diese Maß­nahme dürfte der blasse Köh­ler schon mal weichen. Weit­er inter­essiert mich das Präsi­den­te­namt allerd­ings auch wenig, sehr wenig.

Ob Stuttgart, München oder Wolfs­burg Meis­ter wird? Inter­essiert mich wenig, aber okay, dass der Meis­ter­ti­tel mal nach Nieder­sachen geht, das fände ich gut. Es ist ja immer­hin auch schon wieder 40 Jahre her, dass da mal eine Meis­ter­schaft hing­ing.

Am wenig­sten inter­essiert mich ja da noch das Feiern von Geset­zen. Das Grunge­setz sollte doch eh’ nur ein Pro­vi­so­ri­um sein für den Zus­tand, dass bei­de deutsche Staat­en dere­inst wieder zusam­men­find­en. Heute das Grundge­setz zu feiern, klingt mir irgend­wie nach dem Feiern ein­er gelun­genen Okku­pa­tion. Da hätte man doch drüber reden kön­nen. Aber 20 Jahre diesen Gedanken ignori­eren, naja, aus diesem Umstand ergibt irgend­wie keine Party­laune. Ver­ste­he schon.

Region­al gese­hen inter­essiert die Men­schen in West­falen da ja schon eher, ob Dort­mund in den Europa­pokal einzieht und ob Biele­feld wohl heute noch direkt absteigt. Dazu ist es nun wirk­lich schwierig, etwas zu prog­nos­tizieren. Da bleibt mir nur, das Geschehen ges­pan­nt zu ver­fol­gen.

Aktu­al­isierung
Naja, Biele­feld abgestiegen, der BVB nicht im inter­na­tionalen Geschäft, Köh­ler weit­er­hin Grüß-August. Also in die Luft springe ich nicht bei diesen Ergeb­nis­sen. Vielle­icht kommt es in der näch­sten Sai­son zum Der­by-Osnabrück gegen Biele­feld, das fänd ich bes­timmt noch lustig. Mit­tern rein in diese Neben­sachen gerät die Mel­dung, dass Bar­bara Rud­nik heute mor­gen den Kampf gegen den Krebs ver­loren hat. Das ist nun wirk­lich trau­rig.

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der bekehrer von heise

Einen sehr wirren Artikel zum Ver­hält­nis von Natur­wis­senschaft und Reli­gion hat Peter Mon­ner­jahn da bei Heise veröf­fentlicht. Sein­er Mei­n­ung nach habe der Berlin­er Bischof Huber “einen großen Schritt zwis­chen Gläu­bi­gen und Nat­u­ral­is­ten” gemacht, er habe erk­lärt, warum es in diesem Uni­ver­sum keinen Gott geben kann. Ein Schritt, so Mon­ner­jahn, der lei­der bish­er “von der Welt” kaum beachtet wor­den sei.

Naja, vielle­icht kön­nte das daran liegen, dass Huber diesen Schritt gar nicht gemacht hat. Über­haupt ist rät­sel­haft, weswe­gen “Nat­u­ral­is­ten”, und ich glaube, darunter ver­ste­ht Mon­ner­jahn im ersten Sinne Biolo­gen, und Religiöse als die einzi­gen Fron­ten in dieser Diskus­sion vere­int wer­den sollen. An dieser Rival­ität soll sich wohl nach Mon­ner­jahn die Gottes­frage entschei­den. Warum? Weil Mon­ner­jahn wohl nicht mehr auf dem Schirm hat. Er iden­ti­fiziert Richard Dawkins als Biolo­gie-Heils­bringer, der über den ange­blichen Schritt Hubers hocher­freut sein [müsste], diese ersten Zeichen eines echt­en öku­menis­chen Geistes zu sehen. Das scheint nach Mon­ner­jahn also das große Ziel zu sein, zu dem die Nat­u­ral­is­ten streben. Wenn die Religiösen jet­zt zugeben, dass Gott nicht gegen­ständlich ist, nach Mon­ner­jahn: nicht mit Ver­nun­ft entschei­d­bar, dann kön­nen die Biolo­gen Glauben als psy­chis­ches Phänomen abstem­peln, und alle sind glück­lich. Schon an der Stelle, an der Mon­ner­jahn Huber unter­stellt, dieser erk­läre, warum Gott nicht im Uni­ver­sum vorkomme, und dass Gott nicht real, d.h. wirk­lich, sei, missver­ste­ht er ihn vorsät­zlich, da Huber davon aus­ge­ht, Glaube richtet sich auf die Wirk­lichkeit Gottes, die Raum und Zeit umgreift und über­steigt.

Was hat denn der liebe Herr Huber zum Ver­hält­nis von nicht­the­ol­o­gis­chen Wis­senschaften, dei den Glauben doch so bedrän­gen, und Glauben gesagt? Seine Rem­i­niszenz an die nicht­the­ol­o­gis­che Wis­senschaft ist der Philosoph Immanuel Kant. Und dessen Argu­men­ta­tion über die the­o­retis­che Beweis­barkeit Gottes aus der Kri­tik der reinen Ver­nun­ft wieder­holt er eigentlich nur: Gott ist the­o­retisch für Men­schen nicht beweis­bar. Man braucht also keinen Hoff­nun­gen in die Biolo­gie, Chemie oder Physik zu set­zen, dass von dort Erken­nt­nisse über Gott kämen. Das heisst allerd­ings wed­er, dass Gott nicht beweis­bar ist, wie Mon­ner­jahn es gerne hätte, noch, dass Kant die Kri­tik der reinen Ver­nun­ft geschrieben hätte, damit der Begriff Gottes als der alles umfassenden Wirk­lichkeit über­haupt wieder zur Gel­tung kom­men kann. Hubers Zweck­un­ter­stel­lung des Kan­tis­chen Buch­es ist gän­zlich aus der Luft gegrif­f­en.

Mit der Kri­tik der reinen Ver­nun­ft wollte Kant die Meta­physik als Wis­senschaft etablieren. Das ist eine Wis­senschaft, die die Möglichkeit syn­thetis­ch­er Sätze a pri­ori, d.h. Sätze, deren Wahrheits­ge­halt nicht die Erfahrung entschei­det, als (rechts-)gültiger Sätze erweist. Für viele Natur­wis­senschaftler ist hier schon das Buch zu, weil all ihre eige­nen Sätze nur solche sind, denen die Erfahrung Recht geben muss. Um wis­senschaftlich zu ergrün­den, ob und in wie weit es weit­ere erken­nt­nis­brin­gende Sätze gibt, muss man sich eben mit der Philoso­phie auseinan­der­set­zen. Das tun Biolo­gen und The­olo­gen mitunter ungern, da es erfordert, bere­it zu sein, fun­da­men­tale eigene Überzeu­gun­gen in Frage zu stellen und not­falls über Bord zu schmeis­sen. Wäre Mon­ner­jahn der­art wis­senschaftlich unter­wegs, hätte er bemerken kön­nen, dass diesel­ben Argu­mente, die Dawkins in seinem pop­ulär­wis­senschaftlichen Buch The God delu­sion vor­bringt, schon bei Niet­zsche zu find­en sind. Man sieht leicht: Dieser Stre­it ist schon vor Jahrhun­derten mit min­destens gle­ich­w­er­ti­gen Argu­menten geführt wor­den.

Was Huber in Abgren­zung zu Kant meint, kön­nte noch eine inter­es­sante Frage sein. Schein­bar fällt ihm zu Kant nur die Kri­tik der reinen Ver­nun­ft ein und nicht ein Buch wie Die Reli­gion inner­halb der Gren­zen der reinen Ver­nun­ft. Nach Kant ist Reli­gion ein Fol­gegedanke des ethis­chen Denkens des Men­schen, nicht umgekehrt recht­mäßiges ethis­ches Denken ein Fol­gegedanke der Lehre ein­er Reli­gion, so wie es die katholis­che Kirche annimmt. Nach Kant soll man sel­ber denken, nicht irgendwelche Moraltafeln von jemand anders übernehmen und denen blind­links ver­trauen.

Vol­lkom­men kon­trär zu Kant wird Huber zumin­d­est, wenn er sagt: Ger­ade weil sich das Ziel, um dessen­twillen die Welt ent­stand und das Leben sich auf der Erde bildete, nicht aus den natur­wis­senschaftlichen Ein­sicht­en selb­st erschließt, brauchen wir einen Zugang zu dem Sinn des Ganzen, der den Raum des unserem Wis­sen Zugänglichen über­schre­it­et. Huber geht von einem Wis­sen aus, dass bein­hal­tet, die Welt sei mit einem Ziel aus­ges­tat­tet und es gäbe so etwas wie einen Sinn des Ganzen. Woher weiß Herr Huber, denn an dieser Stelle scheint er ja nicht lediglich zu glauben, woher weiß er von dieser Zielaus­rich­tung?

Den Din­gen Zwecke, Ziele zu unter­stellen, ist nach Kant eine Wesen­sausstat­tung des Men­schen. Nach Kant ist es möglich, dass die Wirk­lichkeit als einem sub­jek­tun­ab­hängi­gen Wahrheit­szu­s­tand anders aussieht als Men­schen, die an ihre sub­jek­tiv­en Vorstel­lungsver­an­la­gun­gen gebun­den sind, denken oder glauben. Kurz: Es kann falsch sein, bes­timmten Din­gen einen Zweck zu unter­stellen, so wie Huber der Welt einen Zweck unter­stellt. Den­noch ist der Men­sch zu ethis­chem Han­deln verpflichtet. Mir scheint: Nach der Huber­schen Auf­fas­sung wird davon nicht aus­ge­gan­gen. Nur der Umstand, dass Gott es ange­blich gut meint mit der Welt, ergibt es, dass Men­schen gut, d.h. sich an ethis­chen Maßstäben ori­en­tierend, han­deln sollen. Ohne Gottesvorstel­lung keine Ethik. Das sieht Kant anders: Ethik wird ohne Gottesvorstel­lung konzip­iert. Ethis­ches Han­deln kann auf eine Gottesvorstel­lung angewiesen sein.

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die katholische kirche, hitler und das grundgesetz

Es gibt auf der Inter­net­seite der Katholis­chen Kirche Deutsch­lands einen ganz inter­es­san­ten Artikel zur Rolle der Katholis­chen Kirche bei der Ver­ab­schiedung des let­ztes Woch­enende so gefeierten Grundge­set­zes. Der Artikel ist nicht völ­lig verk­lärend, aber er unter­schlägt eigentlich, dass das Grundge­setz nur durch zwei geschichtliche Erpres­sun­gen zus­tande gekom­men ist.

Zunächst ein­mal liessen sich die deutsche Zen­trumspartei, Vorgän­gerin der CDU, die Partei des poli­tis­chen Katholizis­mus und die Bayrische Volkspartei 1933 von Hitler erpressen, für ein Konko­r­dat dem Ermäch­ti­gungs­ge­setz zuzus­tim­men. [1. In der Quelle ist die Rede von überre­den, was ich für ziem­lich euphemistisch aus­ge­drückt halte. ]

Das Reich­skonko­r­dat sieht u.a. fol­gende Dinge vor: Der Staat erhebt Kirchen­s­teuern; in Schulen find­et christlich-dog­ma­tis­ch­er Unter­richt statt[2. Auch hier: Die Beze­ich­nung Reli­gion­sun­ter­richt ist inhaltlich falsch, denn es wird ja nicht eine Lehre über die Reli­gio­nen der Welt gegeben. Mehr dazu: Georg Geis­mann Her­anwach­sende über ihre Enschei­dungsmöglichkeit­en aufk­lären ]; die Garantie der Mil­itärseel­sorge; die, wohl gemerkt staatliche, Ein­stel­lung von Reli­gion­slehrern nur durch Zus­tim­mung durch den Bischof; die Garantie the­ol­o­gis­ch­er Fakultäten an Uni­ver­sitäten; die Abschaf­fun­gen von Staat­sleis­tun­gen an die Kirche “nur in fre­undlichem Ein­vernehmen”.

Das kommt einem Leser nicht von unge­fähr bekan­nt vor, denn das Reich­skonko­r­dat von 1933, der moralisch ver­w­er­fliche Pakt mit Hitler, gilt heute noch:

Bei der Erar­beitung des Grundge­set­zes wur­den Stim­men laut, sich von allem Übel der Ver­gan­gen­heit zu lösen, d.h. auch vom Reich­skonko­r­dat. Und hier nun, und diese Stre­it­igkeit wird auf der Seite der Katholis­chen Kirche gar nicht aus­geklam­mert, erpresste die Katholis­che Kirche ihrer­seits den deutschen Staat: Man wolle die Zus­tim­mung ver­weigern, man würde die Massen mobil­isieren, wenn man das Konko­r­dat ver­liere. Den Lib­eralen und der SPD, die gegen das Konko­r­dat waren, warf man vor, man riskiere den Vor­wurf, «in der schlimm­sten Notzeit des deutschen Volkes gegen dessen Inter­essen gehan­delt zu haben».

So gese­hen hat die Katholis­che Kirche Hitler weit mehr zu ver­danken, als ihr lieb sein kann.

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journalismus als teil der klassengesellschaft

In Rou­vens Blog habe ich mich doch noch zum stark kri­tisierten Artikel Das Netz als Feind von Adam Soboczyn­s­ki Stel­lung genom­men. Da meine bei­den Kom­mentare aneinan­derg­erei­ht schon wieder einen eige­nen Artikel darstellen, veröf­fentliche ich das ganze hier noch ein­mal:

Sobo­cyn­s­ki kämpft mit seinem Artikel offenkundig für die Intellek­tuellen und vorge­blich auch für Aufk­lärung, und unter­stellt dabei gle­ich­sam, er selb­st sei intellek­tuell und aufgek­lärt. Das ist eine typ­is­che Jour­nal­is­tenkrankheit. Intellek­tu­al­ität und Aufgek­lärtheit wird unter­stellt, nicht unter Beweis gestellt. Dass Intellek­tuelle gesellschaftlich unter Wert geschla­gen wer­den, ist eine Annahme Sobo­cyn­skis, die ich kor­rekt finde, aber das ist keine Neuheit, die das Netz her­vorge­bracht hätte. Es dem Netz anzukrei­den ist also ein­seit­ig. Warum Soboczyn­s­ki nun für Arten­schutz für Intellek­tuelle ein­tritt, ist dem Leser eben­so zunächst unklar.

Soboczyn­s­ki meint, die Net­za­k­tivis­ten missver­stün­den Demokratie, indem sie Wertin­stanzen für Inter­net­texte mis­sachteten: Wed­er die Über­tra­gung von Sou­veränität auf Vertreter [haben diese] im Blick noch robuste Insti­tu­tio­nen, die Par­tizipa­tion struk­turi­eren und begren­zen. Was er da aber beschreibt ist repräsen­ta­tive Demokratie. Er ver­wech­selt also direk­te Demokratie mit repräsen­ta­tiv­er, und unter­stellt den ange­blichen Befür­wortern direk­ter Demokratie im Inter­net rein util­i­taris­tisch (Mehrheit­sprinzip nach mark­twirtschaftlichem Vor­bild) zu sein. Mit dem Begriff der Demokratie so umzus­prin­gen ist nicht intellek­tuell, das ist chao­tisch. Warum sollen jet­zt solche Chaoten beson­ders schützenswert sein?

Ich glaube aber gar nicht, dass es Soboczyn­s­ki um Intellek­tuelle geht, eher um Leute, die sich für Über-Men­schen Niet­zscheanis­ch­er Prä­gung hal­ten. Was will denn dieser Schreiber­ling genau? Er will, dass Zeitun­gen auch im Inter­net Instanz, d.h. Gericht­shof, poli­tis­ch­er Auseinan­der­set­zun­gen sind, weil das ange­blich demokratisch sei. Stimmt über­haupt nicht. Erstens sind Zeitun­gen keine demokratis­che Instanz, son­dern nur Medi­en. Zweit­ens ist es sach­lich falsch, sie der­art als vierte Gewalt im Staate zu betra­cht­en, was nur iro­nisch-metapho­risch sinns­tif­tend ist.

Diese Möchte­gern­stel­lung bleibt durch die Blog­ger und Twit­ter­er natür­lich etwas ungeachtet, weil diese selb­st über ein in sein­er Gesamtheit größeres Net­zw­erk von Pub­lika­tion­splätzen ver­fü­gen. Diese zu benutzen, ist aber keineswegs ein Ver­stoß gegen Demokratie.

Soboczyn­s­ki befürchtet, dass die Klasse, der er ange­hört unterge­ht. Sein Vorhaben ist nichts anderes als Anti-Aufk­lärung vor­ge­tra­gen im Man­tel der Aufk­lärung. Allen den Kampf zu erk­lären, die sich im Inter­net äußern ohne aus­ge­bildete Jour­nal­is­ten zu sein, ist ein heil­los­es Unter­fan­gen. Solche Jour­nal­is­ten, die glauben, Blog­ger ließen ihre Felle davon­schwim­men, braucht nie­mand. Wenn deutsche Blog­ger weit­er­hin gegen so einen Unfug anschreiben, spricht das für sie.

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neue panikhochrechnungen von frau von der leyen

Ich habe vor weni­gen Tagen schon mal dargestellt, dass die Hochrech­nun­gen der Bun­desregierung so wirr sind, dass Mit­glieder der Bun­desregierung selb­st diese Zahlen nicht ver­ste­hen und frei nach Schnau­ze ver­wen­den. Ursu­la von der Leyen präsen­tiert nun die näch­ste Zahl, die mit den bish­er ange­führten 450000 täglichen oder jährlichen Klicks nicht ganz zusam­men­passt.

Dieses Mal ist unser Rechen­ge­nie auf 2,5 Mil­lio­nen deutsche Inter­net­nutzer gekom­men, die zufäl­lig schon ein­mal auf ein­er kinder­pornografis­chen Inter­net­seite gelandet sind. Wie gesagt: Ein­fach mal hochgerech­net als Ersatz für irgen­dein hand­festes Argu­ment. Mit der­sel­ben Recht­fer­ti­gung kön­nte man zur Panikmache ein­mal hochrech­nen, wie viele Inter­net­nutzer in Deutsch­land in den kom­menden 50 Jahren wohl zufäl­lig mal auf eine kinder­pornografis­che Seite gelan­gen.

Man kann diese Panikmache noch höher treiben. Fol­gt man den selt­samen Denkwe­gen von der Leyens, dann erzeugt das reine Betra­cht­en kinder­pornographis­chen Mate­ri­als ein Suchtver­hal­ten. Vielle­icht rech­net man bei der CDU bald mal aus, wie viele Deutsche sie kün­ftig vor dem umgeschützen Fall ins Psy­chopa­ten­da­sein geschützt haben wird.

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