Archiv für Juli, 2010
Freitag, den 30. Juli 2010   

westfälische idiome (xii): bollerig

Jeans kaufen ist oft­mals keine ein­fache Geschichte. Manche ste­hen einem, andere nicht. Jeans fall­en unter­schiedlich aus, da muss man diverse Prax­is­tests über­ste­hen. Eine neuere Mode ist ja das läs­sige, nahezu kni­etiefe Tra­gen von Jeans. Das wurde zuvor nicht als modisch ange­se­hen. Und im West­fälis­chen wurde für eine der­art, d.h. eine schlecht sitzende Jeans das Wort bol­lerig ver­wen­det. Bol­lerig waren Jeans dann, wenn sie alters­be­d­ingt geweit­et waren, daher nicht mehr gut saßen und somit nicht chic waren. Neu­modisch tiefer­ge­tra­ge­nen Jeans kommt daher nur dann nicht die Beze­ich­nung bol­lerig zu, wenn sie erkennbar nicht aus Alter­grün­den nicht gut sitzen.

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Rei­he: West­fälis­che Idiome
Bildquelle: Blue & Jean von Tony Blay | Cre­ative Com­mons BY-NC-SA 2.0 Lizenz.


Donnerstag, den 29. Juli 2010   

westfälische idiome (xi): los/lose sein / etwas los machen

Im West­fälis­chen kön­nen Schubladen, Fen­ster oder Schnürsenkel los sein. Umgangssprach­lich kann man auch davon sprechen, etwas sei lose. Oft­mals wen­den Nichtwest­falen hier­bei ein, dies sei eine gram­ma­tisch falsche Ver­wen­dung der Redeweise, etwas sei offen. Das ist aber falsch, da die Ver­wen­dung von los der jew­eili­gen Sit­u­a­tion inhaltlich mehr abgewin­nt.

Zum einen gibt es die west­fälis­che Auf­forderung Mach’ mal dat Fen­ster los! Auf die reine Hand­lung ist gemeint, dass das Fen­ster geöffnet wer­den soll. Allerd­ings ist es im West­fälis­chen so, dass das Fen­steröff­nen in der Ver­wen­dung mit los­machen eine andere ist als in der Ver­wen­dung mit öff­nen. Ein Fen­ster kann sich alleine öff­nen, es kann sich aber nicht alleine los­machen. Das Los­machen ist eine zweck­ver­fol­gende Tätigkeit. Wenn in einem Raum schlechte Luft herrscht oder die Tech­nik eines Fen­sters unter­sucht wer­den soll, so kann man sagen Mach’ mal dat Fen­ster los! Es ist allerd­ings nicht gebräuch­lich zu sagen, dass Fen­ster habe sich selb­st los gemacht. Hier sagt man Das Fen­ster hat sich von alleine geöffnet.

Noch etwas anderes ist die Ver­wen­dung des Los-Seins. Schnürsenkel kön­nen los sein oder lose sein. Hier­bei wird eben­so oft eingewen­det, es han­dle sich um eine gram­ma­tisch falsche Ver­wen­dung der Redeweise von offe­nen Schnürsenkeln. Aber auch dieser Ein­wand ist falsch.  Der inbe­grif­f­ene Gedanke bei ein­er Fest­stel­lung wie Deine Schnürsenkel sind lose ist, dass Schnürsenkel von getra­ge­nen Schuhen aus Sicher­heits­grün­den zu sein sollen. Schnürsenkel von ger­ade nicht­ge­tra­ge­nen Schuhen sind offen, aber nicht lose, denn es ist egal, ob diese in dieser Sit­u­a­tion offen sind oder gebun­den.

In metapho­risch­er Hin­sicht kann los­machen auch Gegen­stän­den zuge­sprochen wer­den. So kann man sagen Das Boot hat sich alleine los­gemacht. Damit unter­stellt man dem Gegen­stand ein gewiss­es Eigen­leben und entzieht sich selb­st etwas der Ver­ant­wor­tung, ger­ade wenn man selb­st das Boot am Steg fest­gemacht hat, so dass es eigentlich nicht wegschwim­men hätte kön­nen.

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Mittwoch, den 28. Juli 2010   

fastbraunes nummernschild

Ein Fre­und meines Vaters heißt Horst. Seine Frau Anneliese. Für ihr Auto wollte er ein passendes Num­mern­schild. Beste­hend aus den Anfangs­buch­staben der Vor­na­men und seinem Geburts­da­tum. Gren­zw­er­tig.


Dienstag, den 27. Juli 2010   

düssel under

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Gestern hat es heftigst geschüt­tet in Düs­sel­dorf. Wenn man keinen großen Regen­schirm dabei hat­te, blieb man bess­er zuhause. Und das tat­en dann wohl auch die meis­ten Düs­sel­dor­fer, sofern sie nicht auf der Arbeit steck­ten. Was mir gestern beim Schlen­dern durch Düs­sel­dorf by rain auffiel:

Die Straßen­bah­nen sind unheim­lich düster, nie­mand liest Zeitung oder ein Buch. Das ist in München beispiel­sweise ganz anders. Da sieht man diverse Zeitungsleser. Freut sich über jeman­den, der dieselbe Zeitung liest, über einen Lese­fre­und im Geiste oder schaut inter­essiert, was die Abendzeitung titelt. Oder irgen­deine über­re­gionale Zeitung. Es wer­den in München auch gerne mal nichtein­heimis­che über­re­gionale Zeitun­gen gele­sen. Da ist Düs­sel­dorf doch prov­inzieller als man es gerne hat. Das mag auch an den Zeitun­gen liegen. Wer schlägt schon gern in der Straßen­bahn die WAZ oder die Rheinis­che Post auf? Dann doch lieber auf dem Handy dad­deln.

Genau­so ist nie­mand ist in der Innen­stadt auf den Straßen mit dem Fahrrad unter­wegs. Man sitzt lieber hal­tungs­los, schluffig in der Straßen­bahn und wartet aufs Ankom­men. Generell scheint das Fahrrad nur in den kleinen Vorstadteilen und im Park zum Ein­satz zu kom­men. Sowas irri­tiert einen Mün­ster­län­der ja dann doch etwas. Die Flex­i­bil­ität, die dieses beschlauchte Gefährt dem sportlichen jun­gen Men­schen von heute bietet, möchte man doch ungern ein­tauschen gegen das gesack­te Zeitab­sitzen. Wird man sich wohl an sowas gewöh­nen kön­nen? Oder bricht man dann doch mit der Kle­in­großs­tadtkul­tur?


Freitag, den 23. Juli 2010   

wärst du düssel doch im dorf geblieben

Schon wieder ein paar Tage in Düs­sel­dorf. Gestern war es etwas bedeckt, aber irgend­wann ließ sich die Sonne dann doch sehen. Wir saßen am Rhein und tat­en, was wir immer macht­en, wenn wir am Rhein sitzen: Wir erfind­en Biogra­phien der Vor­beilaufend­en.

Zumin­d­est das lässt sich her­vor­ra­gend vol­lziehen in der Rhe­in­stadt. Wom­it für mich allerd­ings noch nicht ganz gek­lärt ist, weswe­gen mir Düs­sel­dorf wie das Biele­feld des Rhein­lan­des vorkommt. Auch wenn es nicht aus der Welt ist, so zieht es uns Mün­ster­län­der kaum dort hin. Nach Köln schon, aber Düs­sel­dorf? Nein, eigentlich weniger. Den­noch hal­ten sich die Düs­sel­dor­fer mit ger­ade ein­mal 260.000 Ein­wohn­ern mehr als Biele­feld für Großstädter. Weil man alles zu Fuß erre­ichen kann. Klares Zeichen für eine Großs­tadt, wenn man mich fragt.

Mein kleines Lester­schwein hab ich mal gefragt, ob sie mir als Wahl-Essener­in nicht mal die Affinität von Großstädtern zu Großstädten erk­lären könne könne:

Ja, das ist ein­fach so: Die brauchen ein­fach Beton!

Während meine bessere Hälfte meinte:

Es geht nicht um den Beton, son­dern um den Ges­tank.

Ich forsche weit­er.


Mittwoch, den 21. Juli 2010   

andreas baader lässt für die deutsche bahn dna spiegeln

Neulich sind wir ja zur Bochum Total gewe­sen. Und auf der Hin­fahrt ereignete sich doch eine Sit­u­a­tion, in der man sich fast wie in Geisel­haft befand. Die passte irgend­wie nicht in den Bochum-Total-Ein­trag, deshalb lief­ere ich das mal nach.

Wir nah­men also am schwül­war­men Sam­stagabend den Zug nach Bochum und schon am Bahn­steig fiel eine bebrillte Kurzhaar­blon­dine auf, die so stakkatisch in ihn Handy redete als sei es ein Dik­tierg­erät. Ich weiß gar nicht mehr genau, warum sie mir auffiel, aber da ich nicht der Einzige war, dem das unter­lief, schaute ich eben auch diese Frau an. Und das, obwohl ich Blondi­nen eigentlich gar nicht hin­ter­her­gucke. Über irgen­det­was beschw­erte sie sich, soviel war klar, bei irgen­dein­er Beschw­erdestelle. Alle, die das wie ich mit­beka­men, fan­den es wohl etwas selt­sam, der­art unge­wollt am Gespräch teil­haben zu müssen. So schnell ist man dann in kafkaesken Sit­u­a­tio­nen, man muss nur mal irgend­wo am Bahn­steig ste­hen.

Ich musste, wie gesagt, am Bahn­steig schon unfrei­willig zuhören, denn ich für meinen Teil gehöre zu den Men­schen, die sich hörtech­nisch nicht ein­fach aus dem Moment rausziehen kön­nen. Mein klein­er Brud­er kann das dage­gen ganz her­vor­ra­gend. Neben einem laut­en Fernse­hgerät und quatschen­den Per­so­n­en kann er noch irgendwelche Berech­nun­gen auf Papi­er zus­tande brin­gen. Mir würde das so nicht gelin­gen, ich brauche Ruhe. Und mit dieser Macke scheine ich nicht alleine zu sein. Aber ich schweife ab.

Inzwis­chen war unser Zug einge­fahren. Mit mein­er Fre­undin stieg ich in den Dop­peldeck­er ein und wir sucht­en uns oben zwei Plätze, keinen Vier­er, der Zug war ziem­lich voll. Wie wir kurz nach Anfahren des Zuges fest­stellen kon­nten, war die bebrillte Kurzhaar­blon­dine im sel­ben Abteil. Das hörte man, denn sie hat­te ihr Beschw­erdege­spräch wohl wieder aufgenom­men.

Ich möchte eine Tätlichkeit melden!

brüllte sie mit Nach­druck in ihr Tele­fon. Ich schaute über­rascht meine Fre­undin an. Für einen Moment kom­men einem da so leichte Gewis­sens­bisse: Eine Tätlichkeit? Auf dem Bahn­hof wohlmöglich? Hätte man der Dame zuhil­fe kom­men müssen? Hat­te man sie ver­früht als Quäl­geist aus­gemacht? Aber das Gespräch ging ja noch weit­er:

Das ist eine große Ver­schwörung. Die werde ich zur Anzeige brin­gen. Die Bahn ver­sucht das ja zu ver­tuschen. Und die Bun­desregierung auch. Aber ich werde das öffentlich machen, …

Es klang schon sehr ernst und bedeut­sam. Was hat­te sich die Bahn wohl neben den kol­la­bieren­den Kli­maan­la­gen noch zu Schulden kom­men lassen, dass die Bun­desregierung beim Ver­tuschen helfen musste? Endlich kamen wir zum Knack­punkt der Beschw­erde:

… dass die Deutsche Bahn flächen­deck­end DNA spiegelt.

Okay, das klingt sehr meschugge. Aber ander­er­seits — man muss sich das ja nur mal eben als Schäu­ble vorstellen — ander­er­seits eben so meschugge, dass es auch schon wieder…

Die nehmen das über­all ab. Die haben ja viel davon. Und der Andreas Baad­er hat mir das ja auch schon … hal­lo? Hal­lo! Fun­kloch! Na, warte.

Da schließt sich dann der Kreis: Denn wenn Andreas Baad­er tat­säch­lich für die Deutsche Bahn DNA spiegelt, würde ich das als Bun­desregierung natür­lich auch um jeden Preis ver­tuschen wollen. Soviel ist ver­ständlich.

Ich mag so kip­pende Gespräche ja an und für sich. Und ich habe mir auch fest vorgenom­men, dass ich irgendwem mal bier­ernst eine Geschichte erzählen werde und dann neben­säch­licher­weise fall­en lasse, dass eben Andreas Baad­er aufm Handy angerufen hat. Wird bes­timmt witzig, haha. Als ob der meine Han­dynum­mer wüßte!

Aber als Beteiligter im Zug ist sowas dage­gen schon ganz schön gespen­stisch, ger­ade wenn man in einem engen Zweier die aufge­bracht enthül­lende Tele­foniererin nicht síe­ht, nur hört. Man ver­lässt ja auch nicht ein­fach den Sitz­platz und sucht sich einen anderen, nur weil da jemand laut­stark unüber­hör­baren Unfug von sich gibt. Sowas macht man ja noch. Nein, man bleibt artig auf seinem Platz, wie man das gel­ernt hat und muss den Protest mitan­hören. Man sitzt das dann ein­fach aus.

Oh, ich muss aufhören. Das Handy klin­gelt. Das ist bes­timmt der Andreas. Der ist da was Großes am Pla­nen dran.


Montag, den 19. Juli 2010   

beanstandete telefonatswiedergabe

Schon wieder fühlte sich da jemand von mir durch einen Blo­gein­trag auf den Schlips getreten. Dass man sich auf den Schlips getreten fühlen kön­nte, ver­ste­he ich ja noch so halb, aber dann sollte man eben seine Schlipse nicht so lang und bre­it über­all ausle­gen.

Mich hat eine Mitar­bei­t­erin ein­er pri­vat­en Sendeanstalt angerufen, um über mich her­auszufind­en, wer sich hin­ter dem DJ der guten Laune ver­birgt. Der solle wohlmöglich in ein­er Sendung eines promi­nen­ten Haus­mod­er­a­tors, der kün­ftig auch bei der ARD arbeit­et, auftreten.

Ich war zunächst ver­dutzt, wie sie denn über­haupt darauf kam, dass ich dazu was sagen kon­nte. Aber es war wohl so, dass man bei ihrer Fir­ma dachte, weil ich ein Video dieses DJ ver­linkt hat­te, sei ich auch mit diesem in Verbindung und hätte ein Inter­view mit ihm geführt.

Noch ein­drucksvoller hat mir die Dame zwis­chen den Zeilen klar gemacht, wie wenig sie von Inter­net und so ver­ste­ht. Und eben dieser Umstand, wie unpro­fes­sionell Recherche da so von stat­ten geht, in diesem großen Medi­en­haus, der schien mir bericht­enswert.

Das hat dann aber wohl auch die Mitar­bei­t­erin gele­sen und mir ange­dro­ht, “man” habe noch “andere Mit­tel” zur Ver­fü­gung, wenn ich den Artikel nicht umge­hend löschte. Außer­dem hätte ich ja durch ein “aufmerk­sames Lesen der Bild” erken­nen kön­nen, dass diese Geschichte mit dem DJ der guten Laune und dem großen Sende­haus eh schon wieder kalter Kaf­fee sei, und ich hätte mir den Artikel, mit dem ich “Prof­it machen” wolle, sparen kön­nen.

Nun habe ich, ehrlich gesagt, keine Lust auf einen Rechtsstre­it und weiß auch gar nicht, inwieweit man wahrheits­ge­treue Aus­sagen aus einem Tele­fonat wieder geben darf oder nicht. Erlogen habe ich mir diese Geschichte nun ein­mal nicht. Und ander­er­seits habe ich auch nie­man­den genötigt, mir all diese Einzel­heit­en auf die Nase zu binden, die dieselbe Per­son öffentlich nun ein­mal über­haupt nicht gerne wieder lesen mag.

Ich habe also Teile des Beitrags gelöscht und gehe davon aus, dass die Mitar­bei­t­erin keine Kopie der Seite gemacht hat, so dass eine Klage eh nicht in Betra­cht kommt. So funk­tion­ierte das vorher ja auch schon.


Montag, den 19. Juli 2010   

bochum total 2010

Am Sam­stag sind wir noch nach Bochum zur Bochum total gefahren. War schon rap­pelvoll, die Innen­stadt, so mit 250.000 Besuch­ern. Da kann man als Ver­anstal­ter nicht meck­ern.

Erst sahen wir einen Teil von Ghinzu, aber in deren Musik muss man sich wohl erst noch rein­hören:



Eine Twit­ter­lesung fand wohl auch statt, deren Funken bei uns jet­zt aber nicht so über­sprang:

Danach kamen wir noch rechtzeit­ig zum Heul­sus­pen­pop von Liv­ingston


… zogen dann aber Jim­ix vor, die wenig­stens lustige Stim­mung unters Volk bracht­en:



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