Samstag, den 31. Januar 2009   

elternsprechtag

Ich sag’s mal frei her­aus: Das Tele­fonieren ist nicht ganz die Stärke unser­er Fam­i­lie. Ich tele­foniere zwar gerne, aber mit meinen Eltern zu tele­fonieren, das ist nicht unbe­d­ingt ein­fach.

Vor ein paar Jahren war es so, dass das Auto meines Vaters selt­sam röhrte. Irgend­wo vorne rechts brummte es komisch. Nie­mand kon­nte genau sagen, was da los war. Zur Reper­atur sollte es noch nicht, es fuhr ja auch prob­lem­los. Dann war ich mal eines Fre­itag Abends mit dem Wagen unter­wegs und mir fiel die Reifen­struk­tur auf. Der Win­ter­reifen war vorne rechts ein­fach verkehrt herum aufge­zo­gen wor­den. Begeis­tert von der tollen eige­nen Lösungs­find­ung rief ich von unter­wegs aus zuhause an:

Du, Vat­tern?!” — “Ja?” — “Der Reifen, ich hab’s jet­zt!” — “Was denn?” — “Der Reifen ist falsch aufge­zo­gen.” — “Wie?” — “Der Reifen ist falsch aufge­zo­gen, deswe­gen röhrt das da immer so.” — “Jaja, aber was ist mit dem Unfall?” — “Welch­er Unfall?” — “Na, der Unfall. Du ruf­st doch son­st nie an?” — “Was denn für ein Unfall?” — “Den du ger­ade gemacht hast, deswe­gen ruf­ste doch an?!” — “Nein, ich hat­te ger­ade keinen Unfall. Es ging nur um die Reifen.” — “Was ist mit den Reifen?” — “Vat­ter, wir reden, wenn ich zuhause bin.”

Heute rief denn man Mut­tern aufgeregt an: “Sohn, es gibt ein Prob­lem.” — “Was denn?” — “Gar nicht so ein­fach.” — “Ja…?” — “Ich hab da was gemacht, das geht nicht mehr.” — “Was denn?” — “Am Fernse­hen. ZDF ist jet­zt auf Eins und ARD auf Zwei.” — “Aaaaah, ja. Ja, ich ruf da an.” — “Wo?” — “Beim ZDF, die sollen sich endlich umbe­nen­nen, dann gibt’s solche Prob­leme nicht mehr.” — “Wie jet­zt?” — “Du, Mut­ter, ich muss schnell weg, ich glaub, da draußen war ein Unfall…”


Samstag, den 31. Januar 2009   

dostojewskijs verbrechen und strafe

verbrechen

Es wurde bei mir mal wieder Zeit für das Lesen eines Klas­sik­ers. Und wie schon beschrieben, bin ich bei Eulen­spiegel auf die Taschen­buchver­sion der Neuüber­set­zung von Dos­to­jew­ski­js Roman “Schuld und Sühne” gestoßen. Die Neuüber­set­zung und die damit ver­bun­dene Neu­betitelung hat Swet­lana Geier besorgt, die aus dem Rus­sis­chen auch vieles andere über­set­zt hat.

Ver­brechen und Strafe” deckt sich daher mit dem Titel der englis­chen Über­set­zung “Crime and Pun­ish­ment”, klingt vielle­icht nicht so schön, trifft den Kern aber bess­er. Noch bess­er, so erfährt man im ange­hängten Beitrag aus Kindlers Lit­er­aturlexikon, sei die Über­set­zung “Übertre­tung und Zurechtweisung”. Aber das hätte vielle­icht zu sehr nach ein­er wis­senschaftlichen Abhand­lung gek­lun­gen.

Zum Inhalt will ich mal kaum etwas erzählen, das kriegt man anders wo. Allerd­ings scheint der Roman noch etwas behäbig zu sein, wenn man meint, nach dem Ver­brechen den Höhep­unkt des Buch­es qua­si erre­icht zu haben. Das täuscht, das was danach kommt, ist so dicht und gut erzählt, dass es ein wirk­lich­es Lesev­ergnü­gen ist.

Nein, die Auf­machung des Buch­es ist nun wirk­lich etwas für Buch­lieb­haber. Von daher mal einen schö­nen Gruß und großes Lob an den Fis­ch­er Ver­lag. Die gebun­dene Orig­i­nalaus­gabe ist mit so ca. 80€ doch nicht ger­ade was für jeden, daher ist diese 13€-Ausgabe, angere­ichert durch Erk­lärun­gen, ein­er Über­sicht der Hand­lung, sowie dem schon ange­sproch­enen Ein­trag über den Roman in Kindlers Lit­er­aturlexikon, sehr empfehlenswert. Außer­dem wurde dünnes Papi­er genom­men und ein Taschen­buch­for­mat, das etwas größer als üblich ist. Daher schauen die 720 Seit­en gar nicht so üppig aus und kom­men dem Leser nicht so über­mäßig viel vor, wie das bei anderen Aus­gaben der Fall ist. Sprich, das Buch ist schön han­dlich für unter­wegs, man schleppt keinen dick­en Schinken mit sich und die Entschei­dung, es so her­auszugeben, ist eine goldige gewe­sen. Wer derzeit diesen Roman Dos­to­jew­ski­js lesen möchte, dem sei diese Aus­gabe ans Herz gelegt.